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Kommerzielle Nutzung von Grafiken die unter CC BY-SA veröffentlicht sind


| 25.11.2016 12:51 |
Preis: ***,00 € |

Urheberrecht, Markenrecht, Patentrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Doreen Prochnow



Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Grafiken, die unter Creative Commons CC BY-SA veröffentlicht sind in Unterrichtsmaterialien zu einer Schulung einfügen. Die Unterrichtsmaterialen (Skripte/Videos) sollen auch verkauft werden.
Ich rechne nur mit einem sehr kleinen Absatz und geringen Einnahmen möchte mich aber trotzdem absichern.

Muss bei der Verwendung einer Grafik, die unter CC BY-SA veröffentlicht ist, das ganze Skript unter CC BY-SA veröffentlicht werden oder gilt das SA nur für den Fall, dass die Grafik selbst verändert wurde.
D.h. nur die Grafik muss erneut unter CC BY-SA veröffentlicht werden und nur wenn sie verändert wurde?
Wie verhält sich das diesbezüglich, wenn ich Bilder oder (Teile von) Videos in ein Lehrvideo einfüge?

Meine Recherche (optionale Info):
Hierzu geben http://www.cc-your-edu.de/die-cc-idee/die-cc-lizenzen/ und https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/ meiner Meinung nach unterschiedliche Auskünfte.
Den übersetzten Lizenttext habe ich hier gefunden (ohne ihn zu verstehen): https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode
Die Grafiken werden aber in der Regel mit Bezug auf den englischen Originallizenztext veröffentlicht.

Ich Danke für die Bearbeitung!


Einsatz editiert am 27.11.2016 11:38:34

Einsatz editiert am 27.11.2016 12:07:58
Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Bei Grafiken, die unter CC BY-SA veröffentlicht sind, müssen sie den Namen des Urhebers auch bei Weitergabe nennen. Wenn sie Bilder oder Videoausschnitt einbinden, sei es in Textform oder als Baustein eines Videos, so müssen sie nicht das vollständige von ihnen geschaffene Werk veröffentlichen, aber sie müssen selbstverständlich Urheber und Lizens benennen. Zudem müssen sie angeben, ob das genutzte Werk verändert wurde. In welcher Form sie dies angeben, bleibt ihnen überlassen, wichtig ist jedoch dass die Daten klar erkennbar sind, nicht ihre eigne Urheberschaft oder eine geschäftliche Beziehung oder sonstige Unterstützung durch den Urheber "vorgetäuscht" wird.

Sie sind verpflichtet, Veränderungen am Werk kenntlich zu machen und das veränderte Werk ( gerade nicht ein Skript oder Video) unter der gleichen Lizens und unter Benennung des ursprünglichen Urhebers zu veröffentlichen. "Werk" bezieht sich immer auf den von ihnen verwendeten, eigentlich urheberrechtlich geschützten Artikel, also den Gegenstand der Lizens. Gerade im Rahmen der 3.0 -Lizens wurde auf die sprachliche Anpassung an das jeweilige Rechtssystem größten Wert gelegt. Folglich ist Werk im Rahmen der Lizensbedingungen zu verstehen, wie im Rahmen des Urheberrechtgesetztes. Es bezieht sich gerade nicht auf Werke die sie selbst schaffen, wenn der Lizensgegenstand ohne Änderung an ihm selbst nur übernommen wird.

Zudem wurde die Wahl für den Urheber des "neuen" Werkes ( also sie) eröffnet, ihre Arbeit auch unter anderen CC-Lizensen zu veröffentlichen. Ziel der neuen version ist es gerade, dass sie nicht wegen einmaliger Nutzung in den alten Lizensrechten, die mal ein Urheber in der Kette gewählt hat, hängen bleiben. Auch aus dieser Zielrichtung folgt, dass sie zwar die veränderte Grafik des "alten" Urhebers unter CC-BY-SA veröffentlichen müssen, aber eben gerade nicht ihr gesamtes (eigenes) Werk. Dies würde auch dem deutschen Urheberrecht, dass allein ihnen die Nutzungsrechte an ihrem Werk gibt, zu wieder laufen.
Auch die engliche Version berichtet nichts anderes, und auch andere Quellen stimmen mit diesen Ansichten überein.

Fazit: Nur die Grafik muss erneut unter CC BY-SA veröffentlicht werden und nur wenn sie verändert wurde.

Für Lehrvideos gilt genau das Gleiche, wobei ein Zitieren, also ein kurzes Zeigen eines Ausschnittes zur Verdeutlichung des erklärten oder zur Auseinandersetzung mit dem so zitierten Inhalt unter die Freiheit von Kurzzitaten fällt. Solange sie nur kurze Ausschnitte oder Auszüge eines anderen Urhebers zeigen, gilt dies als Zitat und ist nach § 51 UrhG erlaubt, solange sie ein Werk zitieren, dass der Urheberrechtsinhaber veröffentlicht hat. Eine CC-By- SA -Lizens würde hier nur zu einem mehr an Sicherheit führen, da die Grenze zwischen erlaubten Zitat und "Werksklau" oft verschwimmen und nicht klar definierbar sind.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 01.12.2016 | 08:56

Sehr geehrte Rechtsanwältin,

danke für ihre ausführliche Antwort.
Folgende Rückfrage ergibit sich aus der Forulierung: Muss ich abgeben, OB ein Werk verändert wurde (also auch "dieses Werk ist unverändert") oder nur wenn es tatsächlich verändert wurde.

Sie schreiben es verhält sich bei Videos gleich wie bei Grafiken. Wie ist jedoch der Begriff "Werk" bei Videos zu verstehen, die ja in der Regel aus Bild und Ton bestehen?
Zur Erläuterung: Wird ein Videoausschnitt in einem längeren Lehrvideo verwendet, so wird in der Regel ein neuer gesprocherner Text im Hintergrund eingefügt, der den alten ersetzt (oder hinzugefügt sofern kein Text oder Musik im Original vorhanden waren). Wurde das Werk damit verändert und der Videoausschnitt muss neu veröffentlicht werden? Das würde ja wenig Sinn machen, wenn ich nur den Videoausschnitt neu veröffentlichen muss, an der entsprechenden Stelle vom hinzugefügten Text aber beispielsweise nur ein halber Satz gesprochen wird.

Das Zitatrecht möchte ich wegen der besagten verschwimmenden Grenzen nicht anwenden.

Freundliche Grüße!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 01.12.2016 | 18:11

Lieber Fragesteller, bitte geben Sie mir bis morgen Gelegenheit die Nachfrage zu beantworten. Ich bin soeben erst aus einer Gerichtsverhandlung zurück und daher erledigt (aber sehr zufrieden).

Ich werde dann die Ergänzungsfunktion nutzen.



Mit freundlichen Grüßen

Doreen Prochnow

Ergänzung vom Anwalt 02.12.2016 | 08:22

Lieber Fragesteller, nun bin ich voll bei ihnen.

Zu ihrer 1. Nachfrage (dem OB einer Veränderung).

Sie müssen nur im Falle einer Abwandlung des Lizensgegenstandes angeben, dass es sich um eine Abwandlung handelt.( Nr. 4 cIV) der Lizensbedingungen CC-BY-SA 3.0).


2. Nun zu den Videos/ Filmen:

Der Begriff Werk bezieht sich immer auf die gesamte Einheit aus Bildaufnahme und Tonspur. Beides einheitlich ist ein Werk, nämlich ein Filmwerk (§1 Abs. 1 Nr. 6 UrhG)

Ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie noch einmal beschrieben haben, dass die Tonspur zur jeweiligen Sequenz verändert werden könnte, denn bisher bin ich tatsächlich nur von einem Einbinden des jeweiligen Ausschnitts ( und einer Erklärung davor oder danach) ausgegangen.

Hier ist das Verändern der Tonspur eine Veränderung des Werkes selbst, so dass diese nur unter den Lizensbedingungen weitergegeben werden darf. So absurd das klingt, rein nach den Lizensbedingungen wären sie verpflichtet die veränderten Ausschnitte unter den gleichen Bedingungen zu veröffentlichen. ( Nr. 1a, g i.V.m. 4 b der Lizensbedingungen).
Sie sind jedoch nicht verpflichtet ihr eigenes Werk komplett zu den Lizensbedingungen veröffentlichen, denn von diesem sind die Urheber und in sofern bestimmen sie über die Rechte an ihrem Werk. Dies können auch die CC- Lizensen nicht ändern ( vgl. Nr. 2 der Lizensgebühren und z.B. §3 UrhG, § 4 UrhG, § 11 UrhG).

Insofern halte ich persönlich die CC Lizens zu ihrem Schutz nicht als ausreichend, denn praktikabel- dürfte die nur teilweise der Lizens unterliegende Veröffentlichung- von Ausschnitten in der Tat nicht sein.

Hier werden sie um das Zitatrecht aus § 51 UrhG nicht herum kommen- und soooo schlimm ist das auch gar nicht. Ein Zitat ist immer dann erlaubt, solange der Umfang der Nutzung des Zitates durch einen besonderen Zweck gerechtfertigt ist. Je kürzer das Zitat ist, desto weniger Anforderungen sind an den Zweck zu stellen.
Z.B: ist ein Großzitat ( also sogar die Komplette Übernahme eines ganzen Werkes, in ihrem Fall des Videos/ Filmes) erlaubt , wenn " einzelne Werke nach der Veröffentlichung in ein selbständiges wissenschaftliches Werk zur Erläuterung des Inhalts aufgenommen werden". ( § 51Nr. 1 UrhG) Dabei sind an das "wissenschaftliche Werk" keine übertriebenen Anforderungen zustellen, vielmehr genügt jedes Werk, dass Bildung fördern soll und hierzu auch geeignet ist. Dies ist bei einem Lehrvideo einwandfrei gegeben. Insofern haben sie bei der Einbindung von Sequenzen bei Bild-/Tonaufnahmen und ihrer Veränderung überhaupt nichts zu befürchten. Aber sie müssen auch hier nach dem deutschen Zitierrecht den Urheber angeben, dass ist wichtig und auch hier kenntlich machen, inwieweit das Video verändert wurde. Dies kann z.B. in Vor oder Abspann erfolgen, in dem sie Videosequenzen mit Urheber angeben, und jedesmal einen Zusatz ( soweit es verändert wurde angeben mit): veränderter Ton von: ...
z.B:
1. Video- name- Name des Urhebers und seiner Lizens, veränderte durch Tonausnahme von......

3. Ich möchte noch einmal etwas ganz zwingend klarstellen: Sie sind nicht bei jeder Änderung verpflichtet diese zu veröffentlichen oder weiterzugeben. Aber wenn eine Veröffentlichung oder Weitergabe geschieht, so darf dieses nur zu den Lizensauflagen ( oder kompatiblen Lizensauflagen) geschehen. Folglich darf ein Schüler, der ihr Werk erhält die darin befindlichen Werke anderer Urheber nur zu den gleichen Lizensbedingungen nutzen, zu denen sie sie genutzt haben. Er darf also z.B: eine von ihnen eingebundene Graphik nur weiter verteilen, wenn er den Urheber angibt und den Urheber der Veränderungen angibt und eigene Veränderungen kenntlich macht.
So soll die Nutzungsmöglichkeit von CC-Lizensen auch bei Weiterübertragung und Weiterverbreitung erhalten und gesichert werden.
Ob sie aber auch die von ihnen selbst geschöpften Inhalte auf diesem Lizensweg freigeben möchten, bleibt allein ihnen vorbehalten.

Ich hoffe, dass ich mich eindeutig und verständlich ausgedrückt habe. Sollte hier noch eine Verständnisfrage bestehen, bitte ich sie, mich einfach anzurufen ( 0381-2024687). Oftmals lässt sich einem Gespräch vieles leichter erläutern.

mit freundlichen Grüßen

Doreen Prochnow


Bewertung des Fragestellers 02.12.2016 | 13:06


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