Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Kindesunterhalt/Lastverteilung, Umgangs-/Gewohnheitsrecht, Lebensmittelpunkt Kind

20.08.2009 00:38 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Dr. Danjel-Philippe Newerla


Hallo, ich und meine Ehefrau haben uns vor zwei Jahren getrennt und nach langen Verhandlungen im April 2009 eine Scheidungsvereinbarung via Notarvertrag unterschrieben. Wir haben für unseren Sohn ein gemeinsames Sorgerecht und sind beide voll berufstätig. Melderechtlich wohnten wir noch bis zum 31.05.2009 zusammen, da sie vorher nicht aus meiner Eigentumswohnung (mit ihrem neuen Partner) ausziehen wollte! Während dieser knapp 2 Jahre habe ich (ebenfalls mit neuer Partnerin) mir eine Mietwohnung in der Nähe meines Sohnes genommen.
Bezüglich unseres gemeinsamen Sohnes (6 Jahre) versuchte ich von Anfang an ein Wechselmodell anzustreben (sprich eine Woche bei Ihr und eine Woche bei mir). Meine Frau lehnte dies jedoch von Anfang an strikt ab. Nur des Friedenswillens um meinen Sohn habe ich schließlich viel Geld gezahlt und finanzielle Nachteile im Kauf genommen. Immerhin konnte ich somit aber erreichen, das ich meinen Sohn immer mindestens zweimal in der Woche sehe (immer von Mittwoch auf Donnerstag und am WE z.B. Samstag auf Sonntag). Dieses Modell haben wir auch in den letzten zwei Jahre praktiziert... (Im Notarvertrag wurde diesbezüglich u.a. das gemeinsame Sorgerecht aufgenommen und folgender Satz „Eine Besuchsregelung ist nicht erforderlich, da wir uns bisher immer problemlos verständigen konnten.“)
Mein größtes Problem ist neuerdings das meine Frau die Tage Mittwoch/Donnerstag ersatzlos gestrichen hat, da unser Sohn jetzt in die Schule gekommen ist und dieses hin und her ihm nur schaden würde... (Zur Info: Unser Kind ist völlig normal und hat keinerlei Probleme.)
Ich bin mit dieser Streichung natürlich überhaupt nicht einverstanden! Mein Sohn hängt an mir und ich an ihm und ich tue alles für ihn! Ich kümmere mich auch intensiver um ihn und vor allem auch persönlich, denn sie nimmt sich oft ein Kindermädchen (mindestens 3 mal die Woche und das obwohl mein Sohn bis jetzt auch noch mindestens 2 mal in der Woche bei mir war)!!! (Das ich das Kindermädchen auch noch indirekt über meinen Kindesunterhalt finanziere ist der Hohn bei dieser Angelegenheit schlechthin, da ich selbstverständlich persönlich für meinen Sohn da sein könnte und möchte...)
Meine Frau nutzt den aktuellen Schulbeginn als willkommen Anlaß, um mich mehr und mehr aus dem Leben unseres Sohnes zu drängen. Sie verzeiht mir nicht, das ich mich von Ihr getrennt habe und will mit mir möglichst nichts mehr zu tun haben und versucht jetzt mein Umgangsrecht immer weiter einzuschränken.
Wahrscheinlich möchte sie auch meinen Betreuungsanteil weiter drosseln, damit sie weiterhin problemlos Anspruch auf möglichst viel Kindesunterhalt hat – ich zahle monatlich ca. 600 EUR an Kindesunterhalt inkl. der PKV an sie.

Bitte helfen Sie mir...

Meine Fragen:
1. Kann ich bezüglich meines Umgangsrechts auf mein Gewohnheitsrecht plädieren (sprich zweimal Umgang pro Woche)? Wie sehen hier meine Chancen aus unter Berücksichtigung des Schulanfangs?
2. Habe ich eine Möglichkeit bzw. reale Chance den Lebensmittelpunkt unseres Sohnes kmpl. zu mir zu verlegen oder eben ein echtes Wechselmodell (50:50) zu fahren? (Meine Arbeitszeiten sind wesentlich flexibler als Ihre!)
3. Wie würden meine Chancen den Lebensmittelpunkt meines Sohnes nach mir zu verlegen aussehen, wenn ich und meine neue Partnerin ein weiteres Kind bekommen würden und somit die Kindes-Betreuung durch Aufgabe eines Jobs noch weiter optimieren würden.
4. Muß ich überhaupt nach der Düsseldorfer Tabelle bezahlen, wenn die Frau mehr verdient als der Mann?
5. Kann der Kindesunterhalt (Berechnung wurde nach Düsseldorfer Tabelle durchgeführt) nicht aufgrund meines eigenen hohen Betreuungsanteils (von Mittwoch auf Donnerstag und am WE) reduziert werden (z.B. aufgrund ungerechter Lastenverteilung / Aufhebung der Gleichwertigkeitsregel)? Zu berücksichtigen wäre hier auch ihr hohes Einkommen als selbständige Zahnärztin und der Umstand, das sie ein Kindermädchen zur Betreuung eingestellt hat und somit nur indirekt der Betreuung nachkommt. Wichtig: Im Notarvertrag steht diesbezüglich „Zum 01.06.2009 soll dann der Unterhaltsanspruch gemäß der Düsseldorfer Tabelle neu festgestellt werden.“
6. Gibt es andere Möglichkeiten einen Teil des Kindesunterhalts zurückzufordern wie z.B. Urlaubskosten? Ich denke hier z.B. an die Situation das unser Kind in den Ferien den ganzen Monat bei mir ist? (Ich finde es einfach paradox meiner Ex-Frau trotzdem den Kindesunterhalt zu überweisen!)
7. Wenn ich z.B. aufgrund eines geringeren Einkommens wieder zurück in die GKV (Gesetzliche Krankenversicherung) wechseln würde, müßte ich dann die PKV (Private Krankenversicherung) meines Sohnes auch noch bezahlen? Hintergrund der Frage: Die Mutter ist ebenfalls in der PKV (und hat ein höheres Einkommen), somit würde meine GKV wahrscheinlich eine kostenlose Mitversicherung meines Sohnes verweigern, oder? D.h. der Unterhaltspflichtige hat für solche zusätzlichen Kindeskosten wie PKV trotzdem aufzukommen, oder?

Mit freundlichen Grüßen,
Der Ehemann

Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank zunächst für Ihre Anfrage!


Nachfolgend möchte ich gerne unter Berücksichtigung Ihrer Sachverhaltsschilderung sowie Ihres Einsatzes zu Ihren Fragen wie folgt Stellung nehmen:


Zu 1.Kann ich bezüglich meines Umgangsrechts auf mein Gewohnheitsrecht plädieren (sprich zweimal Umgang pro Woche)? Wie sehen hier meine Chancen aus unter Berücksichtigung des Schulanfangs?


Bezüglich des Umgangsrechts können Sie nicht nur auf Ihr Gewohnheitsrecht verweisen, sondern vor allem auf das gemeinsame Sorgerecht. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass es nicht nur Ihr Recht ist, Ihr Kind zu sehen, sondern aus auch Ihre Pflicht ist, dieses Recht wahrzunehmen, da Ihr Kind einen Anspruch auf seinen Vater hat! Somit sollten Sie die Kindesmutter auffordern, mit Ihnen eine einvernehmliche Regelung bezüglich des Umgangsrechts herbeizuführen, also zu vereinbaren.

Sollte Sie hierzu nicht bereit sein, dann sollten Si das Jugendamt einschalten, damit sich dieses mit der Kindesmutter in Verbindung setzen und zwischen ihnen beiden zum Wohle es Kindes vermitteln kann.

Sollte auch so keine einvernehmliche Regelung zum Wohle des Kindes (denn darum geht es in erster Linie!) herbeigeführt werden können, sollten Sie anwaltliche Hilfe und zuletzt notfalls auch familienrechtliche Hilfe in Anspruch nehmen, damit in letzter Instanz das Familiengericht eine Umgangsregelung festsetzen kann, die dann verbindlich ist und der sich die Mutter nicht einfach so wie es ihr passt widersetzen kann.

Der Schulanfang müsste natürlich berücksichtigt werden, jedoch spricht nach Ihre Schilderung nicht dagegen, dass Sie das Kind etwa von der schule abholen und es sich nachmittags bei Ihnen aufhält.


Zu 2. Habe ich eine Möglichkeit bzw. reale Chance den Lebensmittelpunkt unseres Sohnes kmpl. zu mir zu verlegen oder eben ein echtes Wechselmodell (50:50) zu fahren? (Meine Arbeitszeiten sind wesentlich flexibler als Ihre!)


Dies wird aufgrund des gemeinsamen Sorgerechts voraussichtlich schwierig bzw. gar nicht realisierbar sein. Dies wäre nur dann möglich, wenn ein Verbleib bei der Mutter dem Kindeswohl schaden würde, so dass das zuständige Familiengericht einen dahingehenden Beschluss erlassen würde. Dies kommt aber in Ihrem Fall offensichtlich nicht in Betracht.

Bezüglich des Wechselmodells sehe ich hingegen gute Chancen.


Zu 3. Wie würden meine Chancen den Lebensmittelpunkt meines Sohnes nach mir zu verlegen aussehen, wenn ich und meine neue Partnerin ein weiteres Kind bekommen würden und somit die Kindes-Betreuung durch Aufgabe eines Jobs noch weiter optimieren würden.


Dies würde natürlich tendenziell für Sie sprechen, würde aber im Ergebnis wohl nicht ausreichen (siehe oben unter 2.)


Zu 4. Muß ich überhaupt nach der Düsseldorfer Tabelle bezahlen, wenn die Frau mehr verdient als der Mann?


Der Kindesunterhalt bemisst sich grundsätzlich nach den Sätzen dieser Tabelle. Der Elternteil, bei dem das minderjährige Kind lebt, also die Mutter, leistet sogenannten Naturalunterhalt und muß daher nicht noch extra zahlen. Der Elternteil , bei dem das Kind nicht lebt, also nicht seinen Lebensmittelpunkt hat, muss grundsätzlich Barunterhalt leisten.

Bemessungsgrundlage für den Kindesunterhalt ist das (um gewisse Abzugsposten bereinigte) Familiennettoeinkommen (also von Ihnen und der Mutter zusammengerechnet) jeder hat dann von Ihnen eine Unterhaltspflicht im Verhältnis seines Einkommens zum Gesamteinkommen.

Wenn Sie also bspw. 2000.- € netto verdienen und die Kindesmutter 4000.- € netto, dann wäre das Verhältnis 1 zu 2, so dass bei einem Unterhalt von 600.- €von der Mutter 400.- € (hier aber nicht , da Naturalunterhalt, s.o.) und von Ihnen 200.- € zu leisten wären.


Zu 5. Kann der Kindesunterhalt (Berechnung wurde nach Düsseldorfer Tabelle durchgeführt) nicht aufgrund meines eigenen hohen Betreuungsanteils (von Mittwoch auf Donnerstag und am WE) reduziert werden (z.B. aufgrund ungerechter Lastenverteilung / Aufhebung der Gleichwertigkeitsregel)? Zu berücksichtigen wäre hier auch ihr hohes Einkommen als selbständige Zahnärztin und der Umstand, das sie ein Kindermädchen zur Betreuung eingestellt hat und somit nur indirekt der Betreuung nachkommt. Wichtig: Im Notarvertrag steht diesbezüglich „Zum 01.06.2009 soll dann der Unterhaltsanspruch gemäß der Düsseldorfer Tabelle neu festgestellt werden.“


Nein, das geht leider nicht, da die Düsseldorfer Tabelle diesen Umstand, also den Betreuungsanteil schon vollständig eingerechnet hat bzw. mitberücksichtigt.

Gem. dem Notarvertrag ist der Kindesunterhalt am benannten Datum allerdings an den aktuell gültige Tabellensatz anzupassen.


Zu 6. Gibt es andere Möglichkeiten einen Teil des Kindesunterhalts zurückzufordern wie z.B. Urlaubskosten? Ich denke hier z.B. an die Situation das unser Kind in den Ferien den ganzen Monat bei mir ist? (Ich finde es einfach paradox meiner Ex-Frau trotzdem den Kindesunterhalt zu überweisen!)


Nein, dies geht aus den gleichen Gründen wie bereits unter 5. dargestellt auch nicht. Die Tabelle berücksichtigt nämlich auch , dass der Unterhaltsberechtigte (das Kind) einige Tage/Wochen im Jahr beim Unterhaltsverpflichteten ist. In diesem Fall fällt die Unterhaltspflicht auch nicht anteilig weg.


Zu 7. Wenn ich z.B. aufgrund eines geringeren Einkommens wieder zurück in die GKV (Gesetzliche Krankenversicherung) wechseln würde, müsste ich dann die PKV (Private Krankenversicherung) meines Sohnes auch noch bezahlen? Hintergrund der Frage: Die Mutter ist ebenfalls in der PKV (und hat ein höheres Einkommen), somit würde meine GKV wahrscheinlich eine kostenlose Mitversicherung meines Sohnes verweigern, oder? D.h. der Unterhaltspflichtige hat für solche zusätzlichen Kindeskosten wie PKV trotzdem aufzukommen, oder?


Grundsätzlich hat der Unterhaltsverpflichtete auch für die Krankenversicherungskosten des Unterhaltsberechtigten aufzukommen. Es müssen grundsätzlich auch die höheren Kosten für die PKV gezahlt werden, das es ja die Entscheidung der Eltern war, das Kind in der PKV zu versichern.

In diesem Zusammenhang sollten Sie aber sicherheitshalber noch mal bei Ihrer GKV nachfragen, ob Ihr Kind nicht zumindest kulanzweise in der GKV im Rahmen der Familienversicherung versichert werden kann und diesen Umstand mit der Kindesmutter abstimmen.


Ich hoffe Ihnen eine erste rechtliche Orientierung ermöglicht zu haben und wünsche Ihnen viel Erfolg und alles Gute!


Ich möchte Sie gerne noch abschließend auf Folgendes hinweisen:

Die von mir erteilte rechtliche Auskunft basiert ausschließlich auf den von Ihnen zur Verfügung gestellten Sachverhaltsangaben. Bei meiner Antwort handelt es sich lediglich um eine erste rechtliche Einschätzung des Sachverhaltes, die eine vollumfängliche Begutachtung des Sachverhalts nicht ersetzen kann. So kann nämlich durch Hinzufügen oder Weglassen relevanter Informationen eine völlig andere rechtliche Beurteilung die Folge sein.

Ich hoffe, dass Ihnen meine Ausführungen geholfen haben. Sie können mich natürlich gerne über meine E-Mail-Adresse oder die Nachfrageoption mit mir Verbindung aufnehmen.


Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Donnerstagmorgen!


Mit freundlichem Gruß

Dipl.-Jur. Danjel-Philippe Newerla, Rechtsanwalt

Heilsbergerstr. 16
27580 Bremerhaven
kanzlei.newerla@web.de
Tel. 0471/3088132
Fax: 0471/3088316

Nachfrage vom Fragesteller 24.08.2009 | 22:00

Sehr geehrter Dipl.-Jur. Newerla,

vielen Dank für Ihre Antworten...

Ich habe noch eine bzw. zwei Nachfragen (zumindest das finanzielle Verhältnis wäre mir besonders wichtig):

zu 4.) Wie müßte das finanzielle Verhältnis zwischen Ihren und meinen Nettoeinkommen mindestens aussehen, damit sie sich am Kindes-Barunterhalt beteiligen muß? (siehe unten mehr Details dazu – sie schrieben Familiennettoeinkommen?)

zu 2.) Echte Chancen auf ein Wechselmodell, wenn Sie es nicht will? (siehe unten mehr Details dazu)

Vielen Dank,
Der Ehemann


Hier noch die versprochenen Details:

>> Zu 2.: ... (Sie schrieben)
>> Bezüglich des Wechselmodells sehe ich hingegen gute Chancen.

Laut meinen eigenen Internet-Recherche scheint das Wechselmodell nicht gerade bei Richtern (und auch Gutachtern) beliebt zu sein? Sprich es funktioniert nur dann, sofern beide Parteien dies auch einvernehmlich wollen. Oder haben sie
persönlich hier gute Erfahrungen gemacht gegen den Willen der Frau?


>> Zu 4.: ... (Sie schrieben)
>> Der Kindesunterhalt bemißt sich grundsätzlich nach den Sätzen dieser Tabelle. Der Elternteil, bei dem das minderjährige Kind lebt, also die Mutter, leistet sogenannten Naturalunterhalt und muß daher nicht noch extra zahlen. Der Elternteil, bei dem das Kind nicht lebt, also nicht seinen Lebensmittelpunkt hat, muss grundsätzlich Barunterhalt leisten.
>>
>> Bemessungsgrundlage für den Kindesunterhalt ist das (um gewisse Abzugsposten bereinigte) Familiennettoeinkommen (also von Ihnen und der Mutter zusammengerechnet) jeder hat dann von Ihnen eine Unterhaltspflicht im Verhältnis seines Einkommens zum Gesamteinkommen.
>>
>> Wenn Sie also bspw. 2000.- € netto verdienen und die Kindesmutter 4000.- € netto, dann wäre das Verhältnis 1 zu 2, so dass bei einem Unterhalt von 600.- € von der Mutter 400.- € (hier aber nicht , da Naturalunterhalt, s.o.) und von Ihnen 200.- € zu leisten wären.

Das mit dem Familiennettoeinkommen als Bemessungsgrundlage für den Kindesunterhalt (Kind 6 Jahre) habe ich nicht verstanden?

Laut meinen Verständnis gibt es folgende Möglichkeiten zur Reduzierung des Kindesunterhalts:
a) echtes Wechselmodell (50:50)
=> Der erhöhte Unterhaltsanspruch ist dann zwischen den Eltern nach Maßgabe ihrer Nettoeinkünfte - wie bei Volljährigenunterhalt - anteilig zu bedienen (§ 1606 III 1 BGB).
=> allerdings stimmt meine Ehefrau leider dem Wechselmodell nicht freiwillig zu (siehe Punkt 2)!

b) Ist das Einkommen des betreuenden Elternteils mehr als doppelt so hoch wie das des eigentlich zum Barunterhalt verpflichteten Elternteils, kann die Unterhaltsverpflichtung des Letztgenannten ganz entfallen.
=> Das Ihr Einkommen doppelt so hoch ist wie meines trifft nicht zu!

c) Besteht ein erhebliches finanzielles Ungleichgewicht zwischen den Einkünften beider Elternteile, ist das Einkommen des betreuenden Elternteils aber noch nicht doppelt so hoch wie das Einkommen des an sich barunterhaltspflichtigen Elternteils, so ist von einer anteiligen Barunterhaltspflicht beider Elternteile auszugehen. (nach §1603 II 3 gequotelt).
=> Wir liegen beide deutlich über den Selbstbehalt!
=> Ein erhebliches finanzielles Ungleichgewicht? Ab welchen Verhältnis trifft das denn zu???

Mein bereinigtes Nettoeinkommen: ca. 2500 EUR
Bereinigtes Nettoeinkommen Ehefrau: ca. 3500-5000 EUR (allerdings besteht die Gefahr, das sie alle Tricks Dank Ihrer Selbständigkeit anwendet um diesen Betrag erheblich zu reduzieren)

Ab welchen Verhältnis hätte ich überhaupt eine Chance auf teilweise Beteiligung ihrerseits an dem Barunterhalt für das Kind? (aufgrund der relativen Höhe beider Einkommen?)

Ich persönlich dachte ursprünglich mal das die Düsseldorfer Tabelle von dem Standardfall ausgeht (Frau mit sehr geringem Einkommen) und das die Welt eben ganz anders aussieht, wenn die Frau alles andere als bedürftig ist...


Bemerkung allgemein: Zusätzlich zu meinen Barunterhalt (ca. 600 EUR an Kindesunterhalt inkl. der PKV) bezahle ich auch noch Naturalunterhalt (inkl. Kinderzimmer bei mir) und ich kaufe noch Kleidung/Schuhe usw., da ich es nicht sehen kann wenn mein Sohn mit kaputten Sachen rumlaufen muß... :-(

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 31.08.2009 | 17:57


Sehr geehrter Ratsuchender,


vielen Dank für Ihre Nachfrage, die ich Ihnen sehr gerne wie folgt beantworten möchte. Zudem möchte ich die Verspätung meiner Antwort entschuldigen, da ich mich für eine Woche im Urlaub befunden habe.

Sie haben insoweit Recht, als dass das Wechselmodell von einigen Gerichten und Jugendämtern mit teilweise unterschiedlichen Argumentationen abgelehnt werden.

Es gibt aber wiederum auch Gerichte, die im Rahmen einer Gerichtsentscheidung ein Wechselmodell, wie von Ihnen vorgeschlagen, festgesetzt haben (z.B. OLG Dresden, Beschluß vom 3.6.04 - 21 UF 144/04 ).

Wenn aber wie in Ihrem Fall keine Einigkeit besteht, wird es schon schwieriger. Es käme auch unter anderem darauf an, welches Gericht über die Frage zu entscheiden hätte, was sich nach dem Wohnort/gewöhnlichen Aufenthaltsort des Kindes bemisst.

Nun zu Ihrer Frage mit dem Familieneinkommen.
Hier wird der Unterschied zwischen Ehegattenunterhalt und Kindesunterhalt ersichtlich.

Zur Berechnung des Ehegattenunterhalts wird lediglich (das bereinigte) Nettoeinkommen des unterhaltspflichtigen Ehepartners herangezogen.

Beim Kindesunterhalt wird als Berechnungsgrundlage das Einkommen beider Eltern herangezogen (Bes. wenn der Mann netto (bereinigt) 2000.-€ verdient und die Frau netto (bereinigt) 1000.- € monatlich, dann ist das Familieneinkommen 3000.- € und als solches Bemessungsgrundlage nach der Düsseldorfer Tabelle.

Es müsste also in der Tabelle geschaut werden, welcher Unterhalt bei einem Einkommen von 3000.- € zu zahlen wäre.

Bei dem echten Wechselmodell gibt es in der Tat die Möglichkeit, de Zahlbetrag zureduzieren. Dies hat aber nichts mit § 1606 Abs.3 S.1 BGB zu tun. Dieser besagt einfach, dass bemessen am Familieneinkommen jeder soviel anteilig zahlen muss, wie er zum Familieneinkommen beiträgt.

Wenn also der Mann 2000.- € und die Frau 1000.- € verdienen, dann ist das Verhältnis 2 zu 1, so dass die Frau 1/3 und der Mann 2/3 zahlen müsste (der bei dem das Kind lebt, müsste im Grundsatz nichts zahlen, da hier wiederum Naturalunterhalt geleistet wird).

Es wird also um den Anteil des Unterhalts zu errechnen, die 2000.- € zum Familieneinkommen, also 3000.- € und die 1000.- € zu den 3000.- € in Relation gesetzt, wodurch sich die Kostenteilungsquote von 1/3 bei der Frau und 2/3 beim Mann ergibt.

Beim Wechselmodell sieht dies wiederum anders aus:

Hier kommen viele Faktoren ins Spiel, so dass der Unterhalt zwar grundsätzlich reduzi9ert werden kann, im Rahmen einer Erstberatung aus der Ferne von mir aber keine abschließende Prognose getroffen werden kann hierzu, da mir nicht alle relevanten Daten bekannt sind und vor allem, da dies eine konkrete Beauftragung voraussetzen würde.

Um das Thema jedoch vertiefen zu können, möchte ich Ihnen folgenden sehr informativen Link zu die4sem Thema nahe legen:

http://www.ehescheidung24.de/blog/2007/11/30/kindesunterhalt-beim-wechselmodell/

Auch das von Ihnen angesprochene Variante 4b), also Wegfall der Unterhaltspflicht bei mindestens doppelt so hohe Einkommen des Betreuenden trifft nach Ihrer eigenen Schilderung ja schon gar nicht zu.

Nun zu c)

Die Frage des erheblichen Ungleichgewichts bezüglich des Einkommens ist eine Einzelfallfrage und nicht vom Gesetzgeber getroffen, sondern im Einzelfall durch die Gerichte zu bestimmen. Bei Ihrem Einkommensverhältnissen (2.500.- € zu 3500-5000.- €) wird man jedenfalls definitiv kein erhebliches finanzielles Ungewicht sehen können.

Dies wäre erst in Größenordnungen der Fall, wo etwa die Kindesmutter 5000.- € (bereinigtes) Nettoeinkommen erzielt und der Vater lediglich 1100.- € (netto bereinigt).

Eine genaue Grenze lässt sich hier aber nicht ziehen, weshalb der Gesetzgerber sich auch bewußt unscharf ausgedrückt hat.

Nach Ihrer Sachverhaltsschilderung wird es jedenfalls definitiv auf eine gequotelte Unterhaltspflicht hinlaufen, so dass Sie eine Quote zahlen müssen, die sich aus Ihrem bereinigten Nettoeinkommen im Verhältnis zum bereinigten Netto-Familieneinkommen (s.o.) errechnet.

Ich hoffe Ihre Nachfrage zu Ihrer Zufriedenheit beantwortet zu haben und wünsche Ihnen noch alles Gute sowie einen angenehmen Montagabend!


Mit freundlichem Gruß

Dipl.-Jur. Danjel-Philippe Newerla, Rechtsanwalt

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 70047 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Schnelle und fundierte Antwort bei einem komplexen Thema. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Alles bestens. Vielen Dank! ...
FRAGESTELLER