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Kindesunterhalt wenn 1 bei Vater, 1 bei Mutter ?

12.01.2008 15:41 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Karin Plewe


Hallo, mein großer Sohn (20j. Azubi) ist bei mir eingezogen, der kleine (14j.Schüler) lebt weiterhin bei der Mutter. Bisher habe ich Unterhalt für beide an die Mutter gezahlt, diese bekam auch das Kindergeld. Ich Arbeite voll und habe ca. 1600.-€ Netto, die Mutter ca. 900.-€ Netto (soweit bekannt). Wie kann sich die Unterhaltszahlung jetzt darstellen ? Ist es so, dass ich nichts mehr zahlen muss weil ich den größeren (mit höherem Bedarf) bei mir habe und versorge ? Oder muss ich einen kleineren Teil doch noch für den kleinen bezahlen ? Müssen beide Elternteile Einkommensnachweise vorlegen ? Gibt es vergleichbare Fälle / Urteile ?

Sehr geehrter Fragesteller,

Sie sind Ihrem minderjährigen Kind gegenüber grundsätzlich barunterhaltspflichtig. Die Mutter erfüllt ihre Unterhaltsverpflichtung durch Naturalunterhalt und muss daher für das minderjährige Kind nichts zahlen. Der von Ihnen zu zahlende Barunterhalt richtet sich nach der Düsseldorfer Tabelle, Ihrem Einkommen und nach Ihren sonstigen Gegebenheiten (weitere Kinder? neuer Ehepartner? Schulden?). In der untersten Einkommensstufe (bis 1.500 Euro) beträgt der Unterhalt 365 Euro abzügl. hälftiges Kindergeld, da die Mutter weiterhin das Kindergeld für das minderjährige Kind erhalten wird.

Für Ihren volljährigen Sohn sieht die Rechtslage wie folgt aus:
Das Kindergeld steht nicht mehr der Mutter, sondern Ihrem Sohn zu (Antrag stellen!!).
Grundsätzlich sind beide Eltern barunterhaltspflichtig, müssen also den Bedarf des Kindes anteilig je nach ihren Einkommensverhältnissen decken. Allerdings hat die Mutter gegenüber dem volljährigen Sohn einen Selbstbehalt von 1.100 Euro, so dass sie bei einem Einkommen von 900 Euro nichts zahlen muss.
Ihr Sohn hat gegen die Mutter einen Anspruch auf Auskunft über ihre Einkommensverhältnisse.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen eine erste Orientierung geben.

Mit freundlichen Grüßen

Karin Plewe
Rechtsanwältin

info@kanzlei-plewe.de

Nachfrage vom Fragesteller 12.01.2008 | 21:04

Hallo nochmal, vielen Dank für die schnelle Antwort. Ich habe zwar eine neue Ehepartnerin, eine Stieftochter (16j. Azubi) dazu und auch ein Haus mit laufender Finanzierung, bin aber nicht sicher, ob dies mit der Neuberechnung zu tun hat? Steigt mein Selbstbehalt weil ich den großen Sohn bei mir habe ?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 13.01.2008 | 13:29

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihr Selbstbehalt steigt zwar nicht, aber der große Sohn wird indirekt berücksichtigt als Unterhaltsberechtigter.
Die Düsseldorfer Tabelle ist ausgerichtet auf eine Unterhaltsverpflichtung für insgesmat 3 Personen (im Regelfall 2 Kinder und ein/e Partner/in). Bei einer größeren oder geringeren Anzahl Unterhaltsberechtigter erfolgt die Korrektur durch Einstufung in einen höhere oder niedrigere Einkommensgruppe. Ihre neue Ehefrau kann nur als Unterhaltsberechtigte berücksichtigt werden, wenn sie kein eigenes Einkommen oder Vermögen hat, wenn sie also unterhaltsbedürftig ist.
Ich empfehle Ihnen, von einem Anwalt vor Ort eine Unterhaltsberechnung vornehmen zu lassen, in der alle Einzelheiten Ihres Falles berücksichtigt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Karin Plewe
Rechtsanwältin

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