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Kindesunterhalt und Wohnwertvorteil

31.10.2016 10:18 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von


12:38

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Rechtsanwälte,

meine Tochter 20 Jahre, befindet sich in der Ausbildung, fordert bei der Berechnung meines Haftungsanteils für den gemeinsam mit meiner Ex-Frau zu leistenden Kundesunterhalts zusätzlich zum Nettoeinkommen die Anrechnung eines Wohnwertvorteils für meine selbstgenutzte Immobilie.

Meine Fragen:

a) Was ist mit dem von meiner Tochter selbst selbstgenutzte Anteil an der Wohnung ("Kinderzimmer" + Bad)? Muss ich hierfür auch einen Wohnwertvorteil hinnehmen?

b) Ich besitze das Haus gemeinsam mit meiner Mutter und nutze mehr Wohnraum als mir nach den Eigentumsanteilen zustehen würde.Was ist mit dem von meiner eigenen Mutter unentgeltlich überlassenen Anteil an der Wohnung? Muss ich hierfür auch einen Wohnwertvorteil hinnehmen oder darf ich diese Flächen bei der Berechnung ausnehmen?

c) Der Wohnwertvorteil bezieht sich ja wohl auf die für ähnliche Wohungen im Umfeld erzielbare Nettokaltmiete. Wenn ich nun nicht nur theoretisch sondern auch praktisch vermieten würde, dann müsste ich die Mieteinnahmen versteuern. Kann ich bei der Berechnung des Wohnwertvorteils die Anrechnung des Steueranteils fordern? Ich muss ja schließlich u.U. wirklich aus meiner Wohnung ausziehen um den Unterhalt leisten zu können.

d) Ich tilge für die Immobiliie monatlich EUR 800,- von einem für den Erwerb aufgenommen Kredit. Die Immobilie ist gleichzeitig meine persönliche Altersvorsorge. Eine andere Altersvorsorge habe ich nicht. Kann ich die Tilgung oder einen Teil der Tilgung bei der Berechnung meines Haftungsanteil mindernd geltend machen?

Danke für Ihre Mühen, MfG

31.10.2016 | 11:16

Antwort

von


(741)
Wrangelstrasse 16
24105 Kiel
Tel: 0431-895990
Web: http://www.kanzlei-steidel.de
E-Mail:

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

a + b.

Der Wohnvorteil wäre in Ihrem Fall nach dem "angemessenen Wohnwert" nicht dagegen nach dem "objektiven Mietwert" zu bemessen. Es gilt nach der familiengerichtlichen Rechtsprechung dazu:

Bewohnen neben dem Unterhaltspflichtigen weitere Familienangehörige oder weitere sonstige Personen das Eigenheim, kann für den angemessenen Wohnwert der objektive vorhandene Wohnwert nur anteilig berücksichtigt werden. Das OLG München hatte mit Beschluss v. 20.7.1998 - <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=12%20WF%20885/98" target="_blank" class="djo_link" title="OLG München, 20.07.1998 - 12 WF 885/98">12 WF 885/98</a> dazu entscheiden: Bei mehreren Erwachsenen in der Wohnung ist der (angemessene) Wohnwert nach Köpfen zu verteilen.

Der Anteil Ihrer Mutter und Ihrer Tochter sind also aus dem Gesamtwohnwert herauszurechnen.

c.
Da in Ihrem Fall eben nicht der objektive Mietwert sondern der ( geringere ) angemessene Wohnvorteil berücksichtigt werden muss, stellt sich die Frage nach einem Steueranteil nicht.

Ein solcher wäre allerdings auch nicht zu berücksichtigen, wenn der objektive Mietwert maßgeblich wäre.

d.
Ein Anteil der Tilgung des Immobilienkredits ist in jedem Falle abzusetzen, da Sie eine sogenannte sekundäre Altersvorsorge in Höhe von 4 % des Bruttoeinkommens abziehen dürfen. Wie hoch der angemessene Betrag hier ist, kann mangels entsprechender Angaben nicht errechnet werden.
Zinsen und angemessene Tilgung müssen ohnehin abgezogen werden. Nur wenn der Wohnwert den angemessenen Schuldendienst für die Immobilie übersteigt, wird ein Wohnvorteil überhaupt anerkannt.

Da die Unterhaltsberechnung hier aufgrund der individuellen Umstände recht komplex erscheint, sollten Sie anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Sascha Steidel
Fachanwalt für Familienrecht

Rückfrage vom Fragesteller 31.10.2016 | 11:39

Vielen Dank, für die Antwort, zu d. noch eine Nachfrage:
Das es sich um meine einzige Altersvorsorge handelt, kommt für mich nicht auch die Anrechnung als "primäre Altervorsorge" in Höhe von 20% des Buttoeinkommens infrage?
Danke, MfG

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 31.10.2016 | 12:38

Sofern keine gesetzliche Rentenversicherung besteht, können in der Tat etwa 23 % ( 19 % Beitragssatz zuzügl 4. % sekundäre AV ) in Ansatz gebracht werden.

MfG
Sascha Steidel
Rechtsanwalt

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