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Kindesunterhalt bei fast gleichem aufenthalt

25.10.2016 13:50 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von


haben uns in Februar getrennt, habe seit dem auszug aus der Wohnung 732€ an die Frau für die zwei Kinder sechs und neun Jahre bezahlt, und das ganze Kindergeld in höhe von ca 380€ hat sie bekommen. Im Moment zahle ich 550€ obwohl die Kinder fast zu 50% bei mir leben.

auch wenn die Kinder nicht immer bei mir übernachten so hole ich sie trotzdem von der Schule ab, mache mit denen Hausaufgaben, essen zusammen und Abends fahre ich sie wieder zur Mutter. Wenn Training ist dann zum Training und so weiter und so fort.

Beispiel an Oktober:

Kinder Aufenthalt nach Stunden

Oktober

01.10.16 Samstag Papa
02.10.16 Sonntag Papa
03.10.16 Montag Papa
04.10.16 Dienstag Papa
05.10.16 Mittwoch Papa morgens zur Schule
06.10.16 Donnerstag Mama ab 18 Uhr bei den Kindern (Kinder nach Hort alleine zuhause)
07.10.16 Freitag Papa, von Hort abgeholt (Übernachtung)
08.10.16 Samstag 18 Uhr zur Mama gefahren
09.10.16 Sonntag Mama
10.10.16 Montag Mama
11.10.16 Dienstag von Hort abgeholt
12.10.16 Mittwoch morgens zur Schule gefahren
13.10.16 Donnerstag von Hort abgeholt, hausaufgaben gemacht abends zur Mutter gefahren
14.10.16 Freitag von Hort abgeholt, basketball training danach was essen 19:30 Uhr zur mutter
15.10.16 Samstag Mittags kinder abgeholt und zur hundeschule gefahren danach wieder zur mutter
16.10.16 Sonntag mama
17.10.16 Montag Elternabend von xxxx, Thema weiterführende schule (Mutter nicht anwesend)
18.10.16 Dienstag mama
19.10.16 Mittwoch xxxx landheim, morgens zur schule zum verabschieden.
20.10.16 Donnerstag Elternabend von xxxx (Mutter nicht anwesend)
21.10.16 Freitag Papa xxxx ankunft vom Landheim, xxxx und xxxx zu mir
22.10.16 Samstag Papa
23.10.16 Sonntag Papa
24.10.16 Montag Papa, Kinder von der schule abgeholt, lorin zu Ergotherapie, 17 uhr xxxx zum Musikunterricht
25.10.16 Dienstag morgens zur Schule
26.10.16 Mittwoch
27.10.16 Donnerstag
28.10.16 Freitag
29.10.16 Samstag
30.10.16 Sonntag
31.10.16 Montag

wieviel müsste ich in so einem fall zahlen, muss ich überhaupt was zahlen.
und wie ist das wenn die mama plötzlich aus trotz anfängt die Kinder mehr zu behalten?

Gruß
25.10.2016 | 15:53

Antwort

von


(15)
Feldmannstraße 26
66119 Saarbrücken
Tel: 0681 9102551
Web: http://kanzleiarbeitsrecht.org
E-Mail:

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

zur 1. Frage

Sie fragen, ob es Möglichkeiten gibt, die Höhe des geschuldeten bzw. aktuell geleisteten Kindesunterhaltes herabsetzen zu können, da sich die gemeinsame Kinder täglich fast zur Hälfte bei Ihnen aufhalten und auch bei Ihnen "leben".

Bei der Beantwortung gehe ich davon aus, dass die Kinder grundsätzlich aber ihren gewöhnlichen und bestimmungsgemäßen Aufenthalt bei der Mutter haben, denn Sie sind aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Das heißt, die Mutter führt den Haushalt für die Kinder dort weiter, wäscht, kauft ein kocht etc., kurz gesagt die Kinder haben also grundsätzlich weiter bei der Mutter ihren Lebensmittelpunkt und "wohnen" weiterhin dort.
Daran knüpft dann die Frage des Unterhaltes an. Grundsätzlich hat dann der Elternteil bei dem die Kinder nicht ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben den sogenannten Barunterhalt voll zu leisten, also zu 100 % und die Mutter hat den vollen Naturalunterhalt zu leisten. Dazu gehört auch die grundsätzliche Aufsichtspflicht über die Kinder. Das ist das übliche Residenzmodell.

Das was sie detailliert beschreiben, ist die Ausübung eines sehr großzügig gehandhabten Umgangsrechtes mit ihren Kindern. Die Frage, ob der über das normale Maß hinausgehende Umgang mit ihren Kindern, wie hier beschrieben, dann auch zu einem Anspruch auf Herabsetzung des Unterhaltsbedarfes führt, ist aber grundsätzlich zu verneinen.

Das ist nur bei vollständiger Teilung der Aufgaben im Einverständnis mit der Mutter möglich im wesentlichen in einem so genannten "Wechselmodell".
Sie müssten dann verbindlich vereinbaren, dass ihre Kinder tatsächlich auch 50 % des Aufenthaltes bei Ihnen haben, sprich "Wohnen" mit allen Konsequenzen, also kompletter Versorgung für diese Tage auch durch Sie, Essen machen, Waschen, Kleider kaufen, etc..
Dieses Wechselmodell hat aber den großen Haken, dass Sie gegen den Willen der Mutter das kaum vor dem Familiengericht durchsetzen können, erfordert also im Prinzip Einverständnis mit der Mutter.
Der Barunterhalt wäre bei diesem Modell dann auch nur im Verhältnis der beiderseitigen Einnkünfte zu quoteln. Verdienen Sie also mehr, so haben sie auch bei diesem Modell mehr Barunterhalt zu zahlen und nicht etwa nur 50 %. Hat die Mutter keinen wesentlichen Einnahmen macht das auch keinen Sinn. Wie gesagt ist dieses Modell gegen den Willen eines Elternteils vor Gericht auch nicht durchsetzbar.

Hier gibt es nur die Möglichkeit den geschuldeten Unterhalt wegen des tatsächlichen Kostenmehraufwandes durch den intensiven Umgang unter Umständen bei Anwendung der Düsseldorfer Unterhaltstabelle eine Stufe herabsetzen lassen. Das geht verbindlich gegen den Willen der Mutter aber auch nur über einen Unterhaltsprozess.

Einverständlich könnten Sie natürlich alles regeln und dazu etwa eine verbindliche notarielle Vereinbarung über den geschuldeten Unterhalt treffen.

Zur zweiten Frage

Wenn die Mutter aus Trotz anfängt, vielleicht auch weil Sie den Unterhalt herabsetzen wollen, die Kinder zu behalten, ist das dann erstmal eine Frage der Regelung und Ausübung des Umgangsrechtes.
Gegen den Willen der Mutter lässt sich aber mehr als das sogenannte Wochenendeabwechslungsmodell mit einmaliger wöchentlicher Übernachtung der Kinder beim Vater kaum erzwingen vor Gericht. Sie könnte den Umgang also durchaus erfolgreich reduzieren. Die Kinder werden aber gefragt und ihre Aussage hat auch schon Gewicht. Der aktuelle Umgang bei Ihnen ist jedenfalls mehr als das normal Übliche, was im Streitfall vom Gericht festgelegt würde, also Vorsicht.

Als Notbremse bleibt Ihnen dann nur der Ausweg sich das Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Kinder übertragen zu lassen mittels einem Antrag vor Gericht mit allen Pflichten und Konsequenzen, wenn das arbeitstechnisch möglich wäre. Aber auch das wird ungern von den Gerichten bei einem Vollzeit arbeitenden Vater gemacht, wenn die Mutter dagegen ist.

Im Rahmen des hier Möglichen hoffe ich , Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen.

Wenn es richtig Streit über die Unterhaltszahlungen gibt und dann die befürchtete Trotzreaktion eintritt, sollten Sie weiteren und detaillierten anwaltlichen Rat vor Ort einholen.


Bei Unklarheiten können Sie auch die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Andreas Orth, LL.M.


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