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Kindergeld - Familienheimfahrten ohne eigenem Hausstand

| 10.10.2010 13:44 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Ernesto Grueneberg, LL.M.


Schönen Guten Tag,

ich bin 20 Jahre jung und sitze gerad an den Vorbereitungen für die Werbungskosten, um das Kindergeld zu retten. Dank einer sehr hilfreichen Internetseite (klicktipps.de) habe ich schon viele Informationen nutzen können, jedoch stellen sich mir insgesamt zwei Fragen.

1. Ich war vom 01.01.2010 mit dem ersten Wohnsitz am Ort A angemeldet, mit dem zweiten an Ort B. So war ich bis zum 11.04.2010 gemeldet. Gearbeitet habe ich ab 01.03. an Ort A, also dort, wo ich angemeldet war. Meine gesamte Familie wohnt an Ort B, weswegen ich häufig zum Ort B gefahren bin (mit einem mir überlassenem Auto, d.h. es gibt keine Belege!).

Ich würde also gerne als Werbungskosten für diesen Zeitraum Familienheimfahrten absetzen, um eben zum Ort B zu kommen. Wie oft darf ich maximal gefahren sein? Wie wird es berechnet (Entfernung zum Heimatort oder Reiseweg)? Ebenfalls mit 0,30€ pro km?

Die Arbeit habe ich ab 12.04.10 natürlich fortgeführt, nur hatte ich dann meinen ersten Wohnsitz an Ort B und meinen zweiten an Ort A, dort, wo ich gearbeitet habe. Ändert sich dadurch was?

Seit 01.08.2010 bin ich in einer Ausbildung an Ort C, dort habe ich ebenfalls seitdem einen zweiten Wohnsitz. Ich fahre aber eigentlich jedes Wochenende in die Heimat, zu Ort B und immer mit dem PKW meiner Mutter. Ändert sich hier durch was?

Also im Grunde genommen will ich für 52 Wochen Fahrten zu Ort B absetzen, im Teil dann von Ort A, im Teil von Ort C (ich will nicht betrügen!), weiß nur nicht ganz, wie das geht. Rechne ich
2 x Entfernung x 52 Wochen x 0,3 € oder nur 1 x Entfernung? Oder darf man nur einmal im Monat seine Familie besuchen? Was wird sicher anerkannt von der lieben Finanzbehörde / Kindergeldstelle?

2. Reisekosten: Gehen die Rechte von Finanzämtern soweit, dass sie Unternehmen fragen dürfen, ob ich tatsächlich bei dem Vorstellungsgespräch war, zu dem ich eingeladen wurde? Dürfen die betreffenden Unternehmen darüber Auskunft geben?


So, das klingt jetzt vielleicht wegen der vielen Orte etwas kompliziert, aber dennoch hoffe ich, dass Sie mir helfen können.

Mit freundlichen Grüßen

-- Einsatz geändert am 10.10.2010 14:52:56

Sehr geehrter Fragesteller:

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Ich möchte anhand des geschilderten Sachverhaltes im Rahmen einer Erstberatung wie folgt beantworten:

1) Faustregel hier lautet: Sie müssen zwischen doppelter Haushaltsführung und Familienheimfahrt unterscheiden: Hatten kein eigener Hausstand im Haus der Eltern, können Sie die Fahrkosten nur als Fahrkosten zwischen der Wohnung und Arbeitsstätte geltend machen. Sonst wäre an eine doppelte Haushaltsführung zu denken (mit dem Vorteil, dass auch die Kosten der auswärtigen Wohnung geltend gemacht werden könnten). Das Absetzen von Familienheimfahrten kommt nur subsidiär zur Anwendung (wenn es keine doppelte Haushaltsführung vorliegt)

Die Fahrtkosten sind anhand folgendem Formel zu kalkulieren:
Anzahl der Besuche x 0,30€ x *einfache* Entfernung. Dass Sie sich umgezogen sind, müssen Sie dann entsprechend für jeden Arbeitsort vorgehen (also nicht einfach 52 x Entfernung).

Belegen müssen Sie dies auf jeden Fall: dafür könnten Sie eine Erklärung des Eigentümers des überlassenen Fahrzeuges beifügen.

"Die Arbeit habe ich ab 12.04.10 natürlich fortgeführt, nur hatte ich dann meinen ersten Wohnsitz an Ort B und meinen zweiten an Ort A, dort, wo ich gearbeitet habe. Ändert sich dadurch was?"
Das Meldeverhältnis (also, wo Sie sich mit Hauptwohnsitz angemeldet haben) spielt bei der Beurteilung der steuerrechtlichen Wohnung kaum eine Rolle. Zitat aus Lohnsteuer-Richtlinien 2008 (R 9.10):
"Der Mittelpunkt der Lebensinteressen befindet sich bei einem verheirateten Arbeitnehmer regelmäßig am tatsächlichen Wohnort seiner Familie. Bei anderen Arbeitnehmern befindet sich der Mittelpunkt der Lebensinteressen an dem Wohnort, zu dem die engeren persönlichen Beziehungen bestehen. Die persönlichen Beziehungen können ihren Ausdruck besonders in Bindungen an Personen, z. B. Eltern, Verlobte, Freundes- und Bekanntenkreis, finden, aber auch in Vereinszugehörigkeiten und anderen Aktivitäten. Sucht der Arbeitnehmer diese Wohnung im Durchschnitt mindestens zweimal monatlich auf, ist davon auszugehen, dass sich dort der Mittelpunkt seiner Lebensinteressen befindet".

Es ist laut Sachverhaltsschilderung anzunehmen, dass B Ihr Lebensmittelpunkt darstellt (Besuche 1x Woche).

2) Reisekosten: Gehen die Rechte von Finanzämtern soweit, dass sie Unternehmen fragen dürfen, ob ich tatsächlich bei dem Vorstellungsgespräch war, zu dem ich eingeladen wurde? Dürfen die betreffenden Unternehmen darüber Auskunft geben?

Die Lage ist im § 93 AO geregelt:
Die Beteiligten und andere Personen haben der Finanzbehörde die zur Feststellung eines für die Besteuerung erheblichen Sachverhalts erforderlichen Auskünfte zu erteilen. Dies gilt auch für nicht rechtsfähige Vereinigungen, Vermögensmassen, Behörden und Betriebe gewerblicher Art der Körperschaften des öffentlichen Rechts. Andere Personen als die Beteiligten sollen erst dann zur Auskunft angehalten werden, wenn die Sachverhaltsaufklärung durch die Beteiligten nicht zum Ziel führt oder keinen Erfolg verspricht.
Die Auskünfte sind wahrheitsgemäß nach bestem Wissen und Gewissen zu erteilen. Auskunftspflichtige, die nicht aus dem Gedächtnis Auskunft geben können, haben Bücher, Aufzeichnungen, Geschäftspapiere und andere Urkunden, die ihnen zur Verfügung stehen, einzusehen und, soweit nötig, Aufzeichnungen daraus zu entnehmen.

Sie sind Beteiligte, die Unternehmen sind Dritte. Dritte müssen Auskunft erteilen.

Abgesehen davon, sollte ich Sie darauf hinweisen, dass falsche Angaben ggü. dem Finanzamt zur Strafbarkeit wg. Steuerhinterziehung führen können.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 10.10.2010 | 16:58

Sehr geehrter Herr Grueneberg,

vielen Dank erst einmal für Ihre schnelle, ausführliche Antwort.

Zu der zweiten Frage danke ich Ihnen erst einmal, ich denke, die ist in soweit beantwortet.

Zu der ersten Frage allerdings habe ich allerdings noch eine Nachfrage:
Ich weise daraufhin, dass nur an Ort C eine eigene Wohnung durch mich selbst gemietet existiert. An Ort A wohnt meine Mutter, an Ort B der Rest meiner Familie. Dort wohne ich nur in meinen ehemaligen "Kinderzimmern", weswegen nicht von doppelter Haushaltsführung gesprochen werden kann. (sofern ich Sie und die Rechtslage verstanden habe)

Also wäre es nur ein Besuch bei meiner Familie.

- Findet die Regelung dann überhaupt noch Anwendung? Ich kann das nicht so direkt aus Ihrer Antwort herauslesen. Kann ich sowohl die Fahrtkosten zur Arbeit (jeweils in Wohnortsnähe, ca. 20 km) als auch die Besuchsfahrtkosten in die Heimat absetzen?

- Geht es tatsächlich jedes Wochenende, auf verschiedenen Seiten stand etwas von 2 mal im Monat?

- Ist diese Beispielrechnung korrekt, wenn ich mich auf die Zeit ab dem 01.08.10 beziehe: 200km (Entfernung von Ort C zu Ort B) x 0,30 € und das mal genommen mit den Wochenenden, an denen ich dort war?

- Der Wagen gehört meiner Mutter und sie stellt ihn mir wegen ihr guten Wohnlage an Ort A kostenlos zur Verfügung. Wird da eine Bestätigung der Überlassung akzeptiert?!


Ich hoffe, dass Sie mir auch noch diese Fragen beantworten können und verbleibe nochmal mit einem Dankeschön und freundlichen Grüßen

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 10.10.2010 | 17:37

Die von Ihnen gestellte Nachfrage geht deutlich über die kostenfreie Funktion. Eine Beantwortung Ihrer weiteren Fragen kann daher nur in Rahmen einer Kostenpflichtigen Folgefrage. Hierzu kontaktieren Sie mich gern per E-Mail.

Nichtdestotrotz werde ich stichpunktweise auf Ihre Fragen eingehen:

Ein Nachweis der Durchführung der Fahrten ist nur insoweit erforderlich, um diese glaubhaft zu machen, denn die tatsächliche Kosten müssen nur nachgewiesen werden, wenn mehr als 4.500 € geltend gemacht werden.

Eine Begrenzung der Besuche gibt es mE nicht. Es wird über 46 Besuche im Jahr aber als Mindestzahl, nicht als Obergrenze, gesprochen.

Bezüglich der Rechnung ist diese in Ordnung.

Mit freundlichen Grüßen

Bewertung des Fragestellers 10.10.2010 | 18:03

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