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Kfz-Werkstatt: Verletzte Beratungs- und Aufklärungspflicht


23.12.2016 14:32 |
Preis: 48,00 € |

Vertragsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Gerhard Raab



Guten Tag!
Bei meinem vorliegen Fall hätte ich gerne eine juristische Einschätzung zum Thema Beratungspflicht sowie Sorgfaltspflicht eben dessen Händlers bzw. der angeschlossenen Werkstatt.Wir haben im Juli 2015 einen Neuwagen bei Ford mit entsprechender Garantie erworben.

Bereits im Herbst 2015 kam es zu einem Austausch des Kühlschlauches durch einen Marderschaden (den wir selbst bezahlten, da unter Selbstbehalt der Versicherung). Alle Check-Ups ließen wir fristgemäß (zuletzt im Juli 2016, danach musste das Kühlwasser bereits 1 Woche später auch nochmal nachgefüllt werden, obwohl lt. Aussage die Schläuche ok waren) durchführen, um die Neuwagengarantie sowie Gewährleistung auf 24 Monate zu verlängern. Seit diesen beiden Vorfällen sind wir bzgl. der Kühlflüssigkeit auch recht vorsichtig und kontrollieren regelmäßig.

Nun kam es vorletzte Woche wiederzu einem Ausfall der Heizung, sodass mein Partner am nächsten Tag sofort zum Händler/Werkstatt fuhr, um das Problem begutachten zu lassen. Es war wieder Kühlmittel ausgetreten (wahrscheinlich wieder Marder), und der Werkstattleiter gab meinem Freund für eine Woche später einen Termin, da man ja mit Nachfüllen des Kühlmittels problemlos weiterfahren könne und er so keine sonstigen Schäden identifzieren konnte. So wurde das Auto letzte Woche zur Reparatur abgegeben - nun ist plötzlich der gesamte Motor kaputt und muss ausgetauscht werden (wurde heute von einem Gutachter der Versicherung bestätigt).

Es gab bereits ein 2-stündiges Gespräch mit dem Leiter des Hauses, da wir sofort angeführt haben, dass die erste Beratung bzgl. des Schadens ja wohl falsch gewesen sei, wenn das Auto dann doch einen kapitalen Motorschaden davon getragen hat. Diese weißen jegliche Verantwortung von sich: Ihre Auskünfte und Beratungen wären nicht verbindlich und sie würden keine Garantie für Ihre Aussagen übernehmen. Wir hätten als Kunden selbst einschätzen müssen, dass das Auto nicht mehr fahrbereit war. Es wäre komplett Eigenverschulden, da vermutlich der Motor überhitzt hätte (durch den Kühlwasserschlauchschaden) und wir trotz Kontrollleuchte weitergefahren wären.
Dies ist jedoch nicht der Fall. Die Temperatur haben keine Anormalitäten gezeigt, und es ist keine Kontrollleuchte aufgetreten. Erst bei diesem Gespräch im Nachhinein wurde uns gesagt, dass das Auto keine Kühlmittelfüllstandsanzeige besitzt und man so als Fahrer diesen nicht nachvollziehen kann. Wir wurden zu keiner Zeit überhaupt darauf hingewiesen, dass der Kühlmittelverlust so schnell einen kapitalen Motorschaden zur Folge haben kann. Es wurde uns immer gesagt, dass man mit kaputten Schläuchen locker noch weiter fahren könne. Hätten sie uns die Empfehlung ausgesprochen, das Auto bei Ihnen stehen zu lassen, hätten wir das selbstredend getan! Deshalb waren wir ja auch schon öfter bei Unsicherheiten vor Ort (wie eben, als der Kühlmittelstand weniger war), da wir uns auf die Einschätzung der Fachleute absolut verlassen haben. Einen Neuwagen zu kaufen war für uns keine leichte Entscheidung und deshalb haben wir bisher immer lieber zweimal nachgefragt als einmal zu wenig. Es war aber nie Thema, dass durch den Kühlmittelverlust ein größerer Schaden überhaupt enstehen kann. Man müsste dies als autofahrende Kunde schließlich selbst wissen, wann man sein Fahrzeug bewegt und wann nicht, war die lapidare Aussage in dem Gespräch mit der Hausleitung. Wir sind beide Laien, was Autos angeht und haben uns auf die Einschätzung des Werkstattleiters verlassen, dass man das Auto tatsächlich fahren kann.
Es geht um einen Betrag von 6000,00 Euro für den Einsatz eines neuen Motors, wobei hiervon evtl. Teile von der Versicherung wegen versichertem Folgeschaden von Marderbiss getragen werden.

Meine Frage hierbei ist nun, ob die Werkstatt nicht sehr wohl ihre Beratungspflicht und Sorgfaltspflicht verletzt hat, in dem sie uns keine korrekte Auskunft zu Art des Schadens und den daraus resultierenden Möglichkeiten gegeben haben? Bzw. ist der Schaden nicht einfach nicht richtig erkannt worden? Es ist ok, wenn ein Kfz-Meister das Auto genauer begutachten muss, um eine Einschätzung abgeben zu können, aber wir wurden ohne ein solches Angebot mit einem "Es reicht vollkommen wenn wir das in der nächsten Woche oder so mal machen" wieder weggeschickt.
Ich bin der Meinung, dass durch eine ausreichende Beratung und eine Empfehlung zum sofortigen Abstellen des Autos bei der Werkstatt mindestens Teile des Schadens vermieden hätten werden können. Ich habe bereits recherchiert und einen Fall vom OLG Oldenburg gefunden (1U 132/13, 26.6.14), bei dem entschieden wurde, dass Kfz-Werkstätten für die Richtigkeit über ihre Auskünfte zur Diagnose eines Fahrzeugschadens haften.

Weitere Fragen wären:
1) Kann ich diesen Fall an eine Schiedsstelle für Kfz weitergeben, bzw. ist das ein geeigneter Weg um eine Einigung zu erreichen?
2) Wenn wir nun eine Eigenleistung tätigen müssen - bezahle ich diese im Voraus und gebe am besten einen schriftlichen Hinweis mit, dass ich mir die Rückforderung vorbehalte?
3) Welche Schritte können ansonsten weiter eingeleitet werden und worauf sollen wir achten?

Vielen Dank für Ihre Antworten und schöne Feiertage!

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Sehr geehrte Fragestellerin,

zu Ihrer Anfrage nehme ich wie folgt Stellung:


1.

Den Sachverhalt fasse ich bezüglich der rechtlich relevanten Fakten kurz folgendermaßen zusammen:

Es trat Kühlwasser aus, weil ein Schlauch, vermutlich durch Marderbiss, beschädigt worden ist. Den Kühlschlauch ließen Sie im Herbst 2015 erneuern. Im Juli 2016, eine Woche nach einer Inspektion, ist nochmals Kühlwasser nachgefüllt worden, wobei Sie nicht sagen, ob Sie das Kühlwasser nachgefüllt hatten oder ob das im Rahmen eines Werkstattaufenthalts geschehen ist. Die Ursache für den Kühlwasserverlust, der im Juni 2016 festgestellt wurde, ist im Sachverhalt nicht genannt.

Sodann kam es Anfang Dezember 2016 zu einem erneuten Kühlwasserverlust, wobei wiederum ein Marderbiss als Ursache vermutet wurde. Seitens der Werkstatt erkannte man den Reparaturbedarf, gab Ihrem Freund aber den Tipp, bis zum Werkstatttermin eine Woche später könne man mit dem Fahrzeug fahren, wenn man das Kühlmittel nachfülle.

Als Sie das Fahrzeug sodann zu dem vereinbarten Termin in die Werkstatt gebracht hatten, diagnostizierte man einen Motorschaden mit der Folge, dass ein neuer Motor eingebaut werden müsse.

Rechtlich zu prüfen ist damit die Aussage des Werkstattleiters, man könne problemlos trotz Kühlmittelverlusts weiterfahren, wenn man die Kühlflüssigkeit nachfülle.


2.

Tatsache ist, dass ein Motor gekühlt werden muss. D.h., wenn es sich um ein Fahrzeug mit Wasserkühlung, wie im vorliegenden Fall, handelt, muss ausreichend Kühlflüssigkeit vorhanden sein, um die Kühlung des Motors sicherzustellen. Ist die Kühlung des Motors nicht mehr sichergestellt, wird einen Motorschaden eintreten.

Vor diesem Hintergrund halte ich die Auskunft des Werkstattleiters, man könne mit dem Fahrzeug noch eine Woche (bis zum Werkstatttermin) fahren, in dieser Absolutheit für falsch oder zumindest für grob fahrlässig. In beiden fällen müsste die Kfz-Werkstatt für den eingetretenen Schaden, also für die Kosten, die beim Einbau eines neuen Motors anfallen, eintreten.

So einfach aufgrund des geschilderten Sachverhalts die Rechtslage sein mag, so problematisch kann aber die Durchsetzung Ihrer Ansprüche werden.

Das Problem liegt darin, dass Sie im Streitfall den Beweis erbringen müssen, der Werkstattleiter habe gesagt, man könne mit dem Fahrzeug definitiv eine Woche fahren, wenn man Kühlmittel nachfülle. Ob Sie diesen Beweis, der im Zweifelsfall wohl nur durch Zeugen zu führen sein wird, erbringen können, erscheint fraglich.

Man braucht nicht über hellseherische Fähigkeiten zu verfügen, wenn man prognostiziert, dass der Werkstattleiter im Rahmen eines Rechtsstreits dahingehend aussagen wird, dass er beispielsweise grundsätzlich vom Fahren bei einem undichten Kühlsystem abrate, dass es aber technisch durchaus möglich sei, durch ständiges Nachfüllen von Kühlwasser das Fahrzeug zu bewegen. D.h., es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie sich der Werkstattleiter einlassen könnte, um letztlich eine Haftung der Werkstatt auszuschließen. Was der Werkstattleiter im Fall eines Rechtsstreits sagt, wissen wir heute nicht, d.h., dass hier liegt ein ganz erhebliches Prozessrisiko und damit auch ein Kostenrisiko (sofern Sie nicht rechtsschutzversichert sind).

Auch ist nicht ganz klar, ob das Kühlwasser wirklich nachgefüllt worden ist. Das Nachfüllen des Kühlwassers erfolgt abhängig vom Fahrzeugtyp auf unterschiedliche Weise. Sich auf die Kühlwassertemperaturanzeige im Armaturenbrett zu verlassen, birgt jedenfalls ein hohes Risiko, da dann die Gefahr besteht, dass der Schaden bereits eingetreten ist, wenn eine zu hohe Kühlwassertemperatur angezeigt wird.

Diese Gesichtspunkte skizzieren die Frage, ob und gegebenenfalls inwieweit Ihnen ein Mitverschulden an dem Motorschaden angelastet werden kann.

Statt sich auf das Kontrollinstrument bzw. die Kontrolllampe zu verlassen, hätte man in Kenntnis des Kühlwasserverlustes das Kühlwasser rein vorsorglich auffüllen und, nur um eine Zahl zu nennen, alle 20 km kontrollieren müssen.

Die Auskunft, mit einem defekten Kühlsystem infolge undichter Kühlschläuche könne man problemlos weiterfahren, ist in dieser Absolutheit nicht richtig. Je nachdem, wie stark der Kühlwasserverlust ist, muss man nachfüllen.

Wenn seitens der Werkstatt auf die Gefahren nicht genauestens hingewiesen wird, trifft die Werkstatt ein Verschulden an dem aufgetretenen Motorschaden. Das Problem bleibt, wie ich oben bereits gesagt hatte, die Frage, wie sich, wenn Sie die Werkstatt verklagen, diese verteidigen wird.


3.

Natürlich können Sie die Angelegenheit an eine Schiedsstelle weiterleiten. Alternativ besteht die Möglichkeit, dass Sie die Werkstatt auf Schadenersatz in Anspruch nehmen und, wenn sich die Werkstatt weigert, Klage bei Gericht einreichen.

Sollten Sie einen neuen Motor einbauen lassen, und sollten Sie diesem Motor bezahlen, sollte das selbstverständlich unter dem Vorbehalt der Rückforderung geschehen. Das fixieren Sie auf jeden Fall schriftlich, um ein Beweismittel in Händen zu haben.

Die Schritte die Sie einleiten können, habe ich bereits skizziert: Sie können die Werkstatt auffordern, wegen falscher Beratung Schadenersatz zu leisten, indem Ihnen die Werkstatt einen neuen Motor einbaut. Kommt die Werkstatt dieser Aufforderung nicht nach, haben Sie die Möglichkeit, Klage zu erheben.

Auf jeden Fall werden Sie einen Rechtsanwalt mit der weiteren Bearbeitung des Falls beauftragen müssen, damit alle Möglichkeiten ausgelotet und die richtigen Schritte eingeleitet werden können.

Sollte weiterer Erläuterungsbedarf bestehen, stehe ich selbstverständlich gern zur Verfügung.


Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Raab
Rechtsanwalt
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