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Kassenminus: Ausgleich aus eigener Tasche?

| 24.11.2013 02:05 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Carsten Neumann


Zusammenfassung: Ein Kellner ist nicht vepflichtet, einen durch Zechprellerei verursachen Kassen-Fehlbestand auszugleichen, wenn hierzu vertraglich nichts vereinbart ist, und der Kellner auch keine angemessene Manko-Zulage erhält.

Ich bin als studentische Aushilfe als Rotationkraft in einem größeren Full-Service Gastronomie Unternehmen tätig. Insgesamt, jedoch mit einer Pause, bin ich bereits fast drei Jahre für das Unternehmen als Aushilfe aber auch als Teilzeit-Mitarbeiter tätig. Meine Aufgaben umfassen sowohl das Zubereiten von Getränken an der Bar als aber auch primär das führen einer Service-Station also Kellnern.

Jeder Kellner bekommt zu Beginn der Schicht Wechselgeld im Wert von 75€ und hat eine eigene ID bzw. Kellner-Karte oder Schlüssel. In erster Linie ist es nur möglich auf die eignen offenen Tische bzw. Rechnungen im System zu bonieren oder die Rechnung zu ziehen sprich die Rechnung aus dem System zu nehmen und somit auf seine Börse anrechnen zu lassen. Es ist jedoch auch möglich ohne, dass eine Rechnung auf den eigenen Namen läuft, den Inhalt und Wert der Rechnung einzusehen. Bei Feierabend wird nachdem alle Tische abgegeben bzw. kassiert wurden ein Kassenschnitt gezogen um die Kellner-Börse abzurechnen.

Laut meinem Arbeitsvertag bin ich dazu verpflichtet jegliches Trinkgeld zu separieren, des Weiteren steht in meinem Vertrag, dass jegliches Kassenplus bei der Abrechnung einbehalten wird. Eine Mankoreglung gibt es nicht.

Es ist üblich dennoch sein Kassenminus auszugleichen, da es sich meist um kleine Beträge handelt. Eine niedergeschriebene Reglung zum Ausgleichen des Kassenminus ist mir jedoch nicht bekannt und steht auch nicht in meinem Arbeitsvertrag.

Heute gab es den Fall, dass in meinem Bereich bzw. innerhalb meiner Service-Station ein Tisch weg war. Also die Gäste waren weg aber die Rechnung noch offen. Da ich den Tisch nicht kassiert habe gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Gäste sind gegangen ohne zu bezahlen oder ein anderer Mitarbeiter hat den Tisch kassiert ohne die Rechnung auf seine ID bzw. seinen Schlüssel aus dem System zu nehmen.

Als mir dies aufgefallen ist habe ich sofort den Schichtleiter darüber in Kenntnis gesetzt. Dieser unternahm jedoch erstmal nichts. Als ich Feierabend gemacht habe nahm nach langem hin und her mit dem Stellvertretendem Betriebsleiter und dem Schichtleiter, da ich mich weigerte die offene Rechnung auf meine Kappe zu nehmen, dieser einen Teil von der offenen Rechnung herunter, das restliche so entstandene Kassenminus musste ich unter Protest aus eigener Tasche zahlen.

Ich bin der Meinung, da es weder eine Mankoreglung gibt und ich mich Vertraglich nicht dazu verpflichtet habe ein Kassenminus auszugleichen und die offene Rechnung bzw. das Kassenminus nicht durch mein Verschulden zu Stande gekommen ist, muss ich das Kassenminus auch nicht ausgleichen. Muss das Unternehmen in einem solchen Fall mir nicht eine Fahrlässigkeit nachweisen?

Erfahrungsgemäß ist das mit dem Ausgleichen aus eigener Tasche (auch bei höheren Beträgen) gang und gebe und die Kellner werden mehr oder weniger dazu gezwungen.

Also kurz gesagt ist in meiner Kasse ein Minus entstanden, welches ich aus eigener Tasche ausgleichen musste, ohne dass dies durch mich verschuldet wurde. Ich würde jetzt gerne wissen in wie fern es möglich ist gegen das Unternehmen vorzugehen bzw. ich überhaupt „recht" habe.

Da ich bis Ende meines Studiums (noch min. 3 Semester) dort eine lukrative Nebenbeschäftigung habe stellt sich für mich außerdem die Frage wie weit ich vor einer Kündigung geschützt bin sollte ich rechtlich gegen das Unternehmen vorgehen bzw. kann ich mir vorstellen, sollte ich wirklich einen Anwalt einschalten etc. , dass man mir meinen Arbeitsalltag sehr erschweren wird um mich zum eigenständigen kündigen zu bewegen.

Über eine Antwort und evtl. weiterführende Rechtsberatung und sogar Vertretung würde ich mich sehr freuen.

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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegeben Informationen verbindlich wie folgt beantworten:


Es ist eine weit verbreitete Praxis unter Wirten und Gastronomie-Betrieben, das Verlustrisiko durch Zechprellerei auf die Kellner abzuwälzen. Diese Praxis ist jedoch rechtswidrig. Als Kellner sind Sie weder Bürge noch Garant dafür, dass ein Gast auch bezahlt. Das Zahlungsrisiko trägt der Wirt bzw. Gastronom, dessen Kunde und Vertragspartner der Gast ist. Wie Sie selbst mitteilen, haben Sie sich vertraglich nicht verpflichtet, unverschuldete Minus-Bestände in der Kasse auszugleichen und Ihr Arbeitgeber zahlt Ihnen auch keinen Manko-Zuschlag.

Sie sind nicht verpflichtet, einen von Ihnen nicht verschuldeten Minus-Bestand in der Kasse auszugleichen.

Wenn Sie den Fehlbetrag in der Kasse nur unter Vorbehalt einer rechtlichen Prüfung ausgeglichen haben, können Sie den Betrag von Ihrem Arbeitgeber wieder zurückfordern und äußerstenfalls vor dem Arbeitsgericht einklagen.

Wenn in dem Betrieb, in dem Sie arbeiten, im Schnitt mehr als zehn Vollzeit-Arbeitnehmer beschäftigt sind (ohne Mitzählung von Auszubildenden; Zählweise: über 30 Std./Woche = 1,00 Vollzeitarbeitnehmer, bis einschl. 30 Std. = 0,75 AN, bis einschl. 20 Std. = 0,5 AN), und Sie im Betrieb schon länger als ein halbes Jahr durchgehend beschäftigt sind, genießen Sie gesetzlichen Kündigungsschutz, und Ihr Arbeitgeber darf Ihnen nicht kündigen, weil Sie berechtigte Lohnforderungen geltend machen.

In der Praxis ist es allerdings so, dass rechtliche oder gerichtliche Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sehr häufig mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses enden. Dies muss nicht durch eine Arbeitgeber-seitige Kündigung erfolgen, oft wird der Arbeitnehmer durch Mobbing und Schikane dazu gebracht, von selbst zu kündigen oder einem Aufhebungsvertrag zuzustimmen.

Wenn es sich bei Ihrem "Job", wie Sie mitteilen, um eine lukrative Nebenbeschäftigung handelt, die Sie bis zum Ende Ihres Studiums gern weiter ausüben wollen, kann es sich für Sie aus taktischen Gründen vorteilhafter darstellen, wenn Sie den Vorfall auf sich beruhen lassen und keine Schritte mehr gegenüber Ihrem Arbeitgeber unternehmen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Carsten Neumann, Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 24.11.2013 | 04:48

Sehr geehrter Herr Neumann,

vielen Dank für ihre Antwort. Gerade in der Hitze des Gefechts bei einer solchen Situation und gerade in dieser Branche ist mir klar das ein Rechtsanwalt wahrscheinlich noch einmal alle Fakten im Detail prüfen müsste.

Da ich den "Job" zwar als lukrativ ansehe, jedoch nicht auf ihn angewiesen bin, ziehe ich es wirklich in Erwägung sogar bis vor ein Arbeitsgericht zu ziehen wenn es sein muss. Da ich leider immer wieder merke, das weder die Schichtleiter noch die Betriebsleitung mit solchen Situationen umzugehen weiß und die Mitarbeiter aus Angst ihren Job zu verlieren in die eigene Tasche greifen. Jedoch ist die Kette für die ich Arbeite ein bereits größeres Unternehmen mit dutzenden Filialen, die sicherlich wissen sich rechtlich abzusichern.

Stimmt es den, dass in jedem Fall der Arbeitgeber mir eine Fahrlässigkeit nachweisen muss. Ist also der Arbeitgeber in der "Beweispflicht"?

Und könnte ich mich den, sollte so ein Fall noch einmal eintreten, weigern das Kassenminus auszugleichen? Den in meinem Fall war es ganz einfach so, dass man sich geweigert hätte meine Börse abzurechnen, was dazu führt, dass ich den Betrieb nicht verlassen dürfte?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 24.11.2013 | 14:31

Sehr geehrter Fragesteller,

nur bei einer vertraglich ausdrücklich vereinbarten Manlo-Haftung haftet der Arbeitnehmer für jeden Fehlbestand in der Kasse, unabhängig von einem Verschulden. Dies setzt aber voraus, dass der Arbeitnehmer den alleinigen Zugriff auf die Kasse hat (war bei Ihnen ja wohl nicht der Fall; Sie teilen mit, auch ein anderer Kollege könne am Tisch kassiert haben), und vor allem, dass ein Manko-Zuschlag gezahlt wird, wobei die Haftungssumme die erhöhte finanzielle Zuwensung nicht übersteigen darf (BAG, Urteil vom 17.09.1998 - – 8 AZR 175/97, BAG, Urteil vom 02.12.1999 – 8 AZR 386/98).

Ist dies - wie bei Ihnen - nicht der Fall, haftet der Arbeitnehmer für ein Kassen-Minus nur nach allgemeinen Grundsätzen, d.h. wenn ihm der Arbeitgeber ein Verschulden nachweisen kann.

In der Praxis läuft es so, wie Sie selbst mitteilen, dass Ihnen ein Fehlbestand einfach vom Lohn abgezogen und nicht ausgezahlt wird, oder Sie im Betrieb festgehalten werden, bis Sie den Fehlbestand aus eigener Tasche bezahlen. (Im Grunde ist das schon Nötigung und Freiheitsberaubung.)

Sie können sicher sein, dass wenn Sie sich gegen solche Methoden rechtlich wehren, dies das Ende des Arbeitsverhältnisses herbeiführen wird. Angenommen, man lässt Sie beim nächsten Mal den Betrieb nicht verlassen, weil Sie sich weigern, einen Fehlbestand aus eigener Tasche auszugleichen - dann können Sie über Handy die Polizei rufen, um sich "befreien" zu lassen. Glauben Sie wirklich, Sie könnten danach Ihre Arbeit noch fortsetzen? Wahrscheinlich würde man Ihnen Diebstahl und Veruntreuung unterstellen, eine Anzeige gegen Sie erstatten und dies zum Anlass für eine fristlose Kündigung nehmen.

Wenn Sie mit den bei Ihrem Arbeirgeber praktizierten Methoden nicht einverstanden sind, sollten Sie sich am besten eine andere Nebenbeschäftigung suchen.

Mit freundlichen Grüßen,
Neumann
Rechtsanwalt


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