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Kapitalertragssteuer bei Bausparern?


| 02.11.2007 08:05 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Reinhard Schweizer



Guten Morgen,

wir haben uns ein Einfamilienhaus zum Selbstbezug gebaut und haben dies mit insg. 4 Bausparverträgen finanziert.
Diese sind alle noch nicht zuteilungsreif und wurden vorfinanziert; hierfür sind Schuldzinsen fällig.
Wir bekamen nun ein Schreiben bezüglich des zu gering ausgestellten Freistellungsauftrags. Für dieses Jahr sollen 2013,-EUR Guthabenzinsen gutgeschrieben werden, was natürlich unseren Sparer-Freibetrag von 1602,-EUR übersteigt.
In den nächsten Jahren wird diese Differenz noch höher, da die Besparung ja immer mehr wird.
Nun habe ich aber irgendwo gelesen, dass in einem Fall wie dem unseren, keine Kapitalertragssteuer fällig ist, da die Schuldzinsen immer über den Guthabenzinsen liegen und somit keine Gewinnerzielungsabsicht, was die Grundlage für eine Steuerpflicht ist, vorliegt.
Meine Frage ist nun: Stimmt das und wie kann ich dem Finanzamt ggf. dies in der Steuererklärung klar machen, dass die Kapitalertragssteuer, die die Bausparkasse heuer und künftig automatisch abführt, nicht Rechtens ist?
Ich möchte das Geld dann wenigstens bei der Steuererklärung zurück bekommen, wenn die Bausparkasse dies schon nicht automatisch berücksichtigen kann/darf…..
Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Online-Anfrage, die ich aufgrund Ihrer Angaben gerne wie folgt beantworten möchte:

Da Sie das Einfamilienhaus nicht vermieten, sondern zu eigenen Wohnzwecken nutzen, stellen die Bausparzinsen steuerpflichtige Einnahmen aus Kapitalvermögen dar (§ 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG).
Auf eine „Gewinnerzielungsabsicht“ kommt es insoweit wegen fehlender Vermietung nicht an.

Die Bausparzinsen unterliegen nach § 43 Abs. 1 Nr. 7 EStG auch zwingend der Zinsabschlagsteuer.

Der Zinsabschlag entfällt gem. § 43 Abs. 1 Nr. 7 Buchst. b) cc) und dd) EStG nur dann, wenn

• der Zinssatz nicht mehr als 1 % beträgt,
• der Sparer eine Arbeitnehmersparzulage oder Wohnungsbauprämie erhält,
• die Zinsen im Jahr pro Bausparvertrag unter 10,00 € liegen oder
• der Bausparkasse ein Freistellungsauftrag erteilt worden ist.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht zu beanstanden, wenn die Bausparkasse die Zinsabschlagsteuer von den Bausparzinsen einbehält, soweit diese das Freistellungsvolumen übersteigen.

Die einbehaltene Zinsabschlagsteuer wird Ihnen dann aber wieder vom Finanzamt auf Ihre Einkommensteuerschuld angerechnet, wenn Sie Ihre Steuererklärung zusammen mit der „Anlage KAP“ (= Einkünfte aus Kapitalvermögen) abgeben und Sie die Steuerbescheinigung der Bausparkasse im Original beifügen.

Ich hoffe, dass ich Ihnen in der Sache weiterhelfen konnte und weise bei Unklarheiten auf die kostenlose Nachfragefunktion hin.
Sollten Sie eine darüber hinausgehende Vertretung in Erwägung ziehen, empfehle ich Ihnen eine Kontaktaufnahme über die unten mitgeteilte E-Mail-Adresse. Einstweilen verbleibe ich

mit besten Grüßen

Reinhard Schweizer
Rechtsanwalt, Dipl.-Finanzwirt

E-Mail: reinhard.schweizer@gmx.net

Durch Weglassen oder Hinzufügen weiterer Sachverhaltsangaben Ihrerseits kann die rechtliche Beurteilung anders ausfallen, sodass die Beratung innerhalb dieses Forums lediglich eine erste rechtliche Orientierung in der Sache darstellt und keinesfalls den Gang zu einem Kollegen vor Ort ersetzen kann.

Nachfrage vom Fragesteller 02.11.2007 | 09:34

Danke für die rasche Antwort.
Wenn ich das also richtig verstehe, muss ich die Zinsabschlagsteuer, die über den Freibetrag hinaus geht, bezahlen.

Folgenden Hinweise habe ich von unserer Bausparkasse noch erhalten:

"Nach einem Erlass des Bundesfinanzministeriums vom 28.2.1990 (BStBl. 1990 I, 124) stellen Zinsen auf Bausparguthaben, die durch einen Auffüllungskredit fremdfinanziert werden (wie es bei unseren Darlehen der Fall ist), unter bestimmten Voraussetzungen auch im Falle der Finanzierung selbst genutzten Wohneigentums keine Einkünfte aus Kapitalvermögen dar. Übersteigen die Schuldzinsen des Vorfinanzierungsdarlehens (Auffüllungskredit) auf Dauer die Guthabenzinsen des Bausparvertrags, kann es nach der derzeit geltenden Rechtslage an der für die Steuerpflicht erforderlichen Einkunfserzielungspflicht fehlen...."

Kann ich die Schuldzinsen den Guthabenzinsen also gegenrechnen und bekomme das Geld doch wieder zurück?

Vielen Dank und schönes Wochenende!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 02.11.2007 | 10:24

Ja, die entsprechende Zinsabschlagsteuer müssen Sie zunächst bezahlen, können sie aber wieder in Ihrer ESt-Erklärung in Anrechnung bringen (vgl. meine Erstantwort).

Die Schuldzinsen können Sie den Guthabenzinsen leider NICHT gegenrechnen.
Das von Ihnen erwähnte BMF-Schreiben vom 28.02.1990 betrifft eine nicht mehr aktuelle Rechtslage.
Nach damaliger Rechtslage konnten die Schuldzinsen im Rahmen des § 10e EStG a. F. als Vorkosten geltend gemacht werden, soweit sie die Guthabenzinsen überstiegen haben.

Mit besten Grüßen und ebenfalls ein schönes Wochenende

Reinhard Schweizer
RA, Dipl.-Fw.



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