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Kann ich meine Abiprüfungen nachträglich anfechten?

04.05.2013 11:09 |
Preis: ***,00 € |

Generelle Themen


Beantwortet von

Rechtsanwalt Alexander Nadiraschwili, LL.M.


Zusammenfassung: Möglichkeiten der Anfechtung von Abiturprüfungen nach Ablegen der Prüfung wegen Krankheit.

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe in der vergangenen Woche drei Abi-Klausuren in Baden-Württemberg nachgeschrieben. Eigentlich bin ich mit einem Schnitt von 1,2 der beste Schüler des Jahrgangs. In den Klausuren war ich kaum in der Lage zu denken und habe sie glaube ich weit unter meinen Möglichkeiten geschrieben.Ich habe die drei Klausuren nachgeschrieben, weil ich nach dem Deutschhaupttermin zu krank war um weitere Klausuren zu schreiben. Allerdings habe ich in der Zeit zwischen den eigentlichen Klausuren immer häufiger Panikattacken bekommen und kaum noch geschlafen. Die letzte Hauptterminklausur habe ich versucht mitzuschreiben.Als die Frage kam, ob sich jemand nicht in der Lage sieht die Prüfung mitzuschreiben habe ich mich gemeldet und bin aus der Prüfung herausgegangen.Kurz zuvor stand ich so neben mir, dass ich Schwierigkeiten hatte meinen Platz zu finden und ich nicht wusste wo ich meine Tasche abstellen sollte. Bei dieser Klausur hatte ich jedoch den zu lernenden Stoff im Kopf. Im Laufe der darauffolgenden zwei Wochen hab ich mehrere Ärzte aufgrund meiner Panik aufgesucht. Dies waren zwei Psychologen, ein Psychiater, der gleichzeitig Neurologe ist, einen Arzt für Akupunktur und einen Internist. In dieser Zeit habe ich auch immer weitere Ausfälle meines Geistes bekommen. Schließlich ist es mir immer schwerer gefallen mich auszudrücken und Transferaufgaben zu lösen. So hatte ich schließlich das Gefühl, obwohl ich in meinen Augen sehr viel für das Abi gelernt habe (bereits Monate zuvor und in den Osterferien vor den Prüfungen täglich 8 Stunden und mehr) kaum vorbereitet zu sein. In der Matheklausur habe ich eine Panikattacke bekommen, das hat die Aufsicht auch registriert. In Englisch habe ich mich auf das formulieren konzentriert und in Geschichte am Freitag wollte ich die Prüfung zunächst abbrechen, habe aber dann, durch den Schulleiter ermutigt, nach ca. einer halben Stunde nach Prüfungsbeginn, doch weiter geschrieben. Ich weiß kaum noch was ich geschrieben habe und habe allgemeine Konzentrationsschwierigkeiten. Gibt es eventuell eine Möglichkeit die Prüfungen im Nachhinein für ungültig zu erklären, weil ich nicht in der Lage war einzuschätzen ob ich die Prüfungen schreiben kann? Erst im Nachhinein bin ich nun allmählich in der Lage einzuschätzen, wie stark ich neben mir stand. Muss ich Fristen beachten oder kann ich auch das Ergebnis abwarten und dann noch dagegen, mit Aussicht auf Erfolg, vorgehen?

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegeben Informationen verbindlich wie folgt beantworten:


Grundsätzlich finden sich die Regelungen für die Unwirksamkeit von Abiturleistungen in der "Abiturverordnung Gymnasien der Normalform - NGVO" des Landes Baden-Württemberg. Darin heißt es in § 27:

(1) Wird ohne wichtigen Grund an einem der Prüfungsteile ganz oder teilweise nicht teilgenommen, gilt dies als Nichtzuerkennung der allgemeinen Hochschulreife. Über das Vorliegen eines wichtigen Grundes entscheidet bei der schriftlichen Prüfung der Leiter, bei der mündlichen Prüfung der Vorsitzende des Prüfungsausschusses, bei der fachpraktischen Prüfung im Fach Sport der Vorsitzende des Fachausschusses und bei der Kommunikationsprüfung der Schulleiter. Der Schüler hat den Grund unverzüglich der Schule mitzuteilen.

(2) Als wichtiger Grund gilt insbesondere Krankheit. Auf Verlangen ist ein ärztliches oder amtsärztliches Zeugnis vorzulegen. Wer sich in Kenntnis einer gesundheitlichen Beeinträchtigung oder eines anderen wichtigen Grundes der Prüfung unterzogen hat, kann dies nachträglich nicht mehr geltend machen. DER KENNTNIS STEHT DIE FAHRLÄSSIGE UNKENNTNIS GLEICH; fahrlässige Unkenntnis liegt insbesondere dann vor, wenn beim Vorliegen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung nicht unverzüglich eine Klärung herbeigeführt wurde.

(Prüfungsangst und -stress werden im Übrigen nicht als Beeinträchtigung anerkannt)

In der Praxis bedeutet dies, dass der Schüler die Krankheit nachträglich grundsätzlich nicht geltend machen kann. Eine vom Schüler nicht erkennbare Krankheit, die zur Prüfungs- bzw. Leistungsunfähigkeit führt, ist nämlich nur in äußerst seltenen – und tragischen – Ausnahmefällen denkbar, etwa beim Beginn einer Hirnhautentzündung. Allerdings hat ein kranker Schüler, der es trotz Kenntnis seiner Krankheit zunächst versucht hat, die Arbeit zu fertigen, die Möglichkeit, die Arbeit wegen seiner Krankheit abzubrechen - von dieser Möglichkeit haben Sie jedoch ausgehend von Ihren Schilderungen keinen Gebrauch gemacht.

Auch wenn Sie vielleicht nicht erkannt haben, ob Sie krankheitsbeding Prüfungsunfähig sind, verlangt die Rechtsprechung in solchen Zweifelsfällen die Ursachen der Beeinträchtigungen des Gesundheitszustandes mit Hilfe eines Arztes aufzuklären. Daher ist sofort ein Amtsarzt, zumindest aber einen Facharzt aufzusuchen, wenn die gesundheitliche Beeinträchtigung bemerkt wird. Darüber ist dann ein Attest auszustellen.

Diese amts- oder fachärztliche Aufklärung der Befindlichkeiten hat unverzüglich zu erfolgen. Unverzüglich kann je nach den Umständen auch bedeuten, dass ein Rücktritts-Handeln noch am Prüfungs-Tag vorgenommen werden muss. Bei Ihnen ist bereits eine Woche vergangen, was eine mögliche Anfechtung bedeutend erschwert.

Ihrer Schilderung habe ich entnommen, dass Sie vor den Nachschreibeterminen bereits mehrere Ärzte konsultiert haben. Hier wäre festzustellen, ob Ihnen seitens dieser Ärzte eine Gesundheitsbeeinträchtigung bescheinigt wurde. Sogar wenn dies der Fall gewesen sein sollte, ist eine mögliche Anfechtung der abgelegten Prüfungsleistungen schwer durchzusetzen, da Sie in diesem Fall KENNTNIS von einer gesundheitlichen Beeinträchtigung hatten und trotzdem an der Klausur teilgenommen haben.

Sofern also keine Gesundheitsbeeinträchtigung von den behandelnden Ärzten bescheinigt wurde, müssten diese nunmehr nachträglich bescheinigt werden können (durch einen Arzt) und zusätzlich müsste dieser erklären, dass diese Beeinträchtigung schon bestand als Sie die Klausuren geschrieben haben.

Falls Sie eine Anfechtung in Erwägung ziehen, sollten Sie unbedingt unverzüglich gegenüber der Schule oder Schulbehörde die vorliegenden Umstände anzeigen und erklären, Sie wollen die abgelegten Prüfungsleistungen als nicht abgelegt werten lassen.

Insgesamt gehe ich jedoch auf Grund des geschilderten Sachverhalts davon aus, dass die Aussichten für eine erfolgreiche Nichtanerkennung der Prüfungsleistungen ohne entsprechendes ärztliches Attest ziemlich gering sind.

Ich hoffe Ihnen hiermit einen ersten Überblick über die Rechtslage gegeben zu haben und bedaure Ihnen keine positivere Auskunft geben zu können. Außerdem bitte ich Sie ausdrücklich zu beachten, dass dies nur eine vorläufige Einschätzung der Rechtslage auf Grund der mir vorliegenden Umstände darstellt.


Mit freundlichen Grüßen

Alexander Nadiraschwili
Rechtsanwalt

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