Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Bewertungen
509.096
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Kann ich Mietnachzahlung vom Ex verlangen

| 24.08.2013 16:29 |
Preis: ***,00 € |

Generelle Themen


Beantwortet von

Rechtsanwalt Carsten Neumann


Zusammenfassung: Eine Mehrheit von Mietern in einem Wohnraum-Mietvertrag bilden eine BGB-Gesellschaft (§§ 705 ff.). Unter den Mietern richten sich gegenseitige Ansprüche aus der Durchführung des Mietvertrages nach dessen Beendigung nach BGB-Gesellschaftsrecht über die Auflösung einer Gesellschaft.

Hallo,
mein Ex- Freund und ich haben von 2009 an in einer gemeinsamen Wohnung gelebt (Beide standen im Mietvertrag).
Im Dezember 2010 zog er aus (Mietvertrag blieb unverändert), ich zog im März 2011 aus.
Die Miete und sämtliche Nebenkosten (Strom, Internet) gingen von meinem Konto ab. Die Kaution hab ich damals überwiesen bekommen. Wer sie bezahlt hat, weiß ich nicht mehr, wahrscheinlich er, da er sie nun zurückverlangen will. Außerdem will er den Wert diverser anderer Sachen einfordern, z.b. einen TV, den er bezahlt hat, mir aber überlassen hat (die Sachen wurden aber bereits 2007/2008 gekauft). Eine Forderung hat er bisher nie geltend gemacht.
Kann er die Kaution und die anderen Sachen zurück verlangen? (Kaution kann er sicherlich nachweisen anhand von Kontoauszügen, die Rechnungen oder Quittungen von den Sachen hat er nicht).
Und kann ich wiederum rückwirkend die Hälfte der Miete oder sonstigen Kosten, wie Strom und Internet, verlangen, die nachweislich komplett von meinem Konto abgingen?
Außerdem hat er jetzt gegen einen gerichtlichen Mahnbescheid Widerspruch eingelegt- dabei geht es um ein Handy, welches er sich ohne mein Wissen bei einem Mobilfunkanbieter bestellt hat und dadurch meinen Handyvertrag um gleich 2 Jahre verlängert hat. Bei dem Handyvertrag bin ich Vertragsinhaber, er der Nutzer. Die Rechnungsadresse ist meine, die Lieferanschrift seine. Da er sich jetzt weigert, weiter für den Vertrag aufzukommen (Einzugsermächtigung zurück gezogen), habe ich das Handy gefordert bzw dann den Warenwert.
Wenn ich jetzt nochmals die Gerichtsgebühr bezahle, geht es vor ein Amtsgericht. Wie sieht es in diesem Fall mit den Kosten aus?
Wäre evt. sogar eine Anzeige wegen Unterschlagung möglich?

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegeben Informationen verbindlich wie folgt beantworten:


1.

Wenn zwei Personen zusammen eine Wohnung anmieten, dann bilden sie rechtlich eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Nach § 706 Abs. 1 BGB haben die Gesellschafter in Ermangelung einer anderen Vereinbarung gleiche Beiträge zu zahlen. Wenn im Innenverhältnis zwischen Ihnen und Ihrem früheren Mitbewohner keine abweichende Vereinbarung getroffen wurde, muss er sich an den Kosten aus dem Mietvertrag in gleicher Höhe wie Sie beteiligen. Das betrifft Miete, Nebenkosten und Renovierungskosten. Durch den Auszug eines Mieters wird eine solche GbR nicht aufgelöst.

Gegenüber dem Vermieter haftet - bei einer Mehrheit von Mietern - jeder Mieter auf die volle Miete (Nebenkosten) als sog. Gesamtschuldner (§ 421 BGB), er kann jedoch von seinem Mitmieter intern die anteilige Erstattung der an den Vermieter gezahlten vollen Miete (und Nebenkosten) verlangen.

Wenn und soweit Sie hier mit der Miete (Nebenkosten) allein gegenüber dem Vermieter für den Mietanteil Ihres Ex-Freundes in Vorlage gegangen sind, haben Sie einen hälftigen Ausgleichsanspruch gegen Ihren ehemaligen Mitbewohner (§ 426 Abs. 1 Satz 1 BGB). In Höhe des von Ihnen mitgetragenen Miet- und Nebenkostenanteils Ihres früheren Mitbewohners geht die Mietforderung auf Sie über und kann von Ihnen gegen Ihren Ex-Freund geltend gemacht werden (§ 426 Abs. 2 Satz 1 BGB).

Hinsichtlich der Kosten für das Internet ist dies nicht zu bejahen, da es sich nicht um Mietkosten handelt. Die Internetkosten muss derjenige tragen, der sie verursacht hat bzw. auf dessen Namen der Internet-Anschluss läuft.

2.

Wenn Ihr Ex-Freund die Kaution gestellt hat, handelt es sich um eine Gesellschaftseinlage. Nach § 733 Abs. 2 Satz 1 BGB müssen bei einer Auflösung der Gesellschaft die Einlagen zurückerstattet werden.

Ihr Ex-Freund kann daher die Auszahlung der Kaution von Ihnen verlangen.

Insoweit Mietforderungen auf Sie übergegangen sind, weil Sie für den Anteil Ihres Ex-Freundes in Vorlage gegangen sind (s.o.), können Sie mit Ihrer Ausgleichsforderung gegen den Auszahlungsasnspruch Ihres Ex-Freundes die Aufrechnung erklären.

3.

Für die Nutzungsüberlassung von Möbeln oder des TV kann Ihr Ex-Freund keinen Wertersatz verlangen (§ 733 Abs. 2 Satz 3 BGB). Im Übrigen kann er die Rückgabe der eingebrachten Gegenstände verlangen (§ 732 BGB).

Insoweit können Sie aber ein Zurückbehaltungsrecht ausüben, bis Ihnen Ihr Ex-Freund seinen von Ihnen vorgestreckten Anteil an der Tragung der Miet- und Nebenkosten erstattet hat (§ 273 Abs. 1 BGB)

4.

Wenn der SMS-Kartenvertrag auf Ihren Namen läuft, und Ihnen im Rahmen dieses Vertrages ein Handy überlassen wurde, sind Sie Eigentümer des Handy's. Sie können von Ihrem Ex-Freund die Herausgabe des Handy's verlangen. Ist die Herausgabe nicht mehr möglich, oder nach einer Fristsetzung und Ankündigung, können Sie statt der Herausgabe Zahlung des Wertersatzes verlangen.

Die Kosten eines Gerichtsprozesses müssen Sie gegenüber der Gerichtskasse erst einmal vorstrecken. Sie haben im Falle des Obsiegens aber einen vollstreckbaren Erstattungsanspruch gegen Ihren Ex-Freund.

Wenn Ihr Ex-Freund noch in Besitz des Handy's ist und sich weigert, Ihrem Herausgabeverlangen Folge zu leisten, macht er sich einer veruntreuenden Unterschlagung schuldig ($ 246, 2. Alt. StGB). Sie können ihn in diesem Fall anzeigen.

Dies gilt allerdings nicht, wenn Sie statt der Herausgabe von Ihrem Ex-Freund Zahlung von Wertersatz verlangen. Denn in diesem Fall wollen Sie das Handy gar nicht mehr zurückhaben, und Ihr Ex-Freund kann es behalten. Eine strafbare Unterschlagung läge auch dann nicht vor, wenn Ihr Ex-Freund das Handy unabsichtlich verloren haben sollte, oder es durch Fahrlässigkeit zerstört wurde.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Carsten Neumann, Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 27.08.2013 | 21:35

Vielen Dank für die ausführlich Antwort!
Eine Nachfrage hätte ich noch bezüglich diesen Abschnittes:

"Für die Nutzungsüberlassung von Möbeln oder des TV kann Ihr Ex-Freund keinen Wertersatz verlangen (§ 733 Abs. 2 Satz 3 BGB). Im Übrigen kann er die Rückgabe der eingebrachten Gegenstände verlangen (§ 732 BGB). "

Was ist mit Gegenständen, die sich nicht mehr in meinem Besitz befinden, wenn z.B. der TV bereits kaputt gegangen ist?
Und müsste er für Forderung der Rückgabe nicht auch beweisen können, dass es seine Gegenstände sind durch Rechnungen oder Ähnlichem?
Zudem hat er mir die Gegenstände bei der Trennung überlassen (=Schenkung?!), dieses kann ich auch anhand von Mails und Zeugenaussagen beweisen (Mailzitat:"...Letztendlich hast Du den TV,die Wii,die Kaution(Die Du eigentlich mir erstmal nicht geben und nicht komplett einbehalten solltest) und noch anderes übernommen.Ich habe mich damit abgefunden...")

Vielen Dank!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 28.08.2013 | 07:53

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

Gegenstände Ihres Ex-Freundes, die nicht mehr in Ihrem Besitz sind, können Sie natürlich nicht mehr herausgeben. Hierbei ist folgendes zu beachten:

Wenn die Gegenstände durch Ihr Verschulden kaputt gegangen sind, hat Ihr Ex-Freund einen Anspruch auf Schadenersatz. Auch Gegenstände, die kaputt gegangen sind, bleiben weiterhin im Eigentum des jeweiligen Eigentümers - sollte dies Ihr Ex-Freund sein, dürfen Sie die Gegenstände daher nicht ohne dessen Zustimmung entsorgen. Anderenfalls laufen Sie auch hier Gefahr, sich schadenersatzpflichtig oder sogar strafbar (Sachbeschädigung/Unterschlagung) zu machen. Zumindest sollten Sie ihn in entsprechender Anwendung von § 895 Abs. 3 und 4 ZPO vorher unter Setzung einer Frist von einem Monat auffordern, den betreffenden Gegenstand abzuholen und die Entsorgung ankündigen, falls eine Rücknahme unterbleibt. Dies gilt jedenfalls dann, wenn eine Verwertung des Gegenstandes keine Aussicht auf Erzielung eines Erlöses verspricht. (Anderenfalls kann eine öffentliche Versteigerung des Gegenstandes geboten sein.)

Im Streitfall muss Ihr Ex-Freund beweisen, dass er Eigentümer der Gegenstände ist, die er herausverlangt - oder zumindest, dass er die Gegenstände in die häusliche Gemeinschaft eingebracht hat. Nach § 1006 BGB wird vermutet, dass der tatsächliche Besitzer einer Sache auch deren Eigentümer ist. Diese Vermutung müsste Ihr Ex-Freund widerlegen. Dies kann er beispielsweise durch Vorlage einer Kaufpreisquittung versuchen.

Das Mailzitat Ihres Ex-Freundes hört sich eher wie ein resignatives Sich-Abfinden mit dem tatsächlichen Status quo an - also dass Sie die Gegenstände nicht herausgeben. Eine Schenkung ist dies m.E. nicht.

Mit freundlichen Grüßen,
Neumann
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 16.11.2013 | 09:04

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

Stellungnahme vom Anwalt: