Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.463
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Kann eine mündliche Äußerung zu Lebenszeiten eine gesetzliche Erfolge beinflussen?


31.12.2014 06:57 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht



Meine Großtante ist gestorben ohne eine eigene Familie zu hinterlassen. Drei Parteien hatten sich um sie gekümmert und ein gutes Verhältnis zu ihr:
-Mein Onkel mit einer Tochter
-Meine Mutter mit zwei Kindern aus 2. Ehe und neuem Mann
-Ich mit meiner Ehefrau und 2 Kindern (meine Mutter war bei meiner Geburt sehr jung, so dass dies hier quasi drei Familien sind)

Zu Lebzeiten hat meine Großtante geäußert, dass im Hinblick auf Ihren Tod "einschließlich der Musik auf ihrer Trauerfeier alles geregelt" sei.
Nach Ihrem Tod ist jedoch ein Testament nicht gefunden worden. Meine Mutter und mein Onkel sind aufgrund der gesetzlichen Erbfolge die Erben, meine Familie ist außen vor.

Irritierend ist dabei, dass mein Onkel als Betreuer eingesetzt wurde und schon zu Lebenszeiten meiner Großtante -ohne mein Wissen- ihre Wohnung aufgelöst hat und dabei nach seiner Aussage "leider kein Testament gefunden wurde". Im Nachlassgericht ist nichts hinterlegt worden. Ich vermute, dass er das Testament, was sich im Haus befunden hat, vernichtet hat, um einen größeren Anteil des Erbes zu erhalten, was jedoch nicht beweisbar ist.

Der Tod war vor einem Jahr, der Erbschein wurde im September diesen Jahres ausgestellt.

Letztendlich bleibt nur die Äußerung meiner Großtante, dass Sie sich Gedanken gemacht hat, wie nach Ihrem Tod zu verfahren sei, was ich so interpretiere, dass dies auch eine gerechte Aufteilung ihres Vermögens einschließt. Die Äußerung der "Regelung", ohne auf das Erbe einzugehen, bestätigen sowohl meine Mutter als auch mein Onkel,, fühlen sich aber nicht verpflichtet, hier gerecht zu verteilen, obwohl ich mein Unverständnis zu ihrer Haltung schon geäußert habe..

Meine Frage: Macht es Sinn, hier ein Gericht einzuschalten, um einen Anteil des Erbes für mich feststellen zu lassen oder gibt es andere Wege für eine Einigung/Durchsetzung? Ich habe keine Rechtschutzversicherung, die hier einspringen kann.

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrter Fragensteller!

Mit dem von Ihnen dargestellten Sachverhalt stehen Sie leider nicht alleine da. Es wird vermutet, dass eine Vielzahl von privatschriftlichen Testamenten durch Dritte vernichtet werden. Das wichtigste ist daher, dass die testamentarischen Erben so früh wie möglich Zugang zu Wohnung, Schließfach und anderen Orten gelangen, wo das Testament aufbewahrt werden könnte, um eine Zerstörung durch den gesetzlichen Erben oder in einem früheren Testament Bedachten zu erschweren (doch selbst kann innerhalb weniger unbeobachteter Momente alles schon geschehen sein). Hier bei Ihnen ist es noch einfacher gewesen, da Ihr Onkel ja auch vorher schon Zugang zur Wohnung der Erblasserin hatte. Einen gesetzlichen Anspruch darauf, dass Sie bei der „Wohnungsdurchsuchung" oder gar früher bei der Auflösung der Wohnung zugezogen werden müssen gibt es nicht. Deshalb sollte ein privatschriftliches Testament immer in amtliche Verwahrung beim Nachlassgericht gegeben werden. Dann würde im Erbscheinsverfahren alles ordentlich geschehen.

Ohne den Beweis, dass ein Testament tatsächlich vorlag und auch nicht durch die Erblasserin selbst vernichtet worden ist, können Sie nicht Erbe sein. Eine Feststellungsklage würde ohne Erfolg sein. Zwar ist die (zu beweisende) Äußerung Ihrer Großtante ein Indiz dafür, dass auch die anderen sie pflegenden Personen bedacht werden sollten, und dieses geht nur durch errichtetes Testament. Doch ist ebenso auch möglich, dass es sich Ihre Großtante zu einem späteren Zeitpunkt (wo sie aber noch testierfähig war) anders überlegt hat, und das Testament selbst vernichtet und hat so gesetzliche Erbfolge eintreten lassen wollen. Möglich wäre auch, dass Ihre Großtante sie bereits von Anfang an getäuscht haben könnte. Ich sage nicht, dass es so ist. Aber in einem Erbprozess wären Sie in der Beweislast und schon allein auf diesen ersten groben Einwänden wäre die Klage als unbegründet abzuweisen.

Allenfalls Chancen bestünden, wenn Zeugen (also andere Personen als Sie) konkret benennen könnten, dass ein Testament existiert hat (weil die Erblasserin ihnen dieses zum Beispiel gezeigt hat) und am besten auch, wo (zum Beispiel Schreibtisch) dieses verwahrt worden ist. Dabei sind nur Aussagen aus jüngster Zeit relevant, weil sonst eine eigenhändige Vernichtung immer möglicher wird. Kommt der Richter jedoch aufgrund der Zeugenaussagen zu der Überzeugung, dass zum Zeitpunkt des Todes ein Testament bestand, und dieses auch nicht von der Erblasserin selbst durch eigenhändige Vernichtung widerrufen worden ist, so gilt der Inhalt des Testaments als wirksame Erbeinsetzung! Damit Sie Erbe werden, muss dann allerdings auch durch die Aussagen feststehen, dass Sie Erbe, und auch zu welchem Bruchteil, geworden sind. Allein Ihr Parteivortrag, dass Sie aufgrund der Aussage „alles ist geregelt" Erbe sind, reicht nicht. Wurde tatsächlich ein Testament errichtet? Wer ist zu welchem Bruchteil bedacht worden? Wurde das Testament nicht selbst widerrufen? All diese Fragen müssen dem Richter nach einer Beweisaufnahme so klar sein, als hätte er das Testament vor sich liegen.

Im Ergebnis: Wenn es Zeugen gibt (Freunde, Zimmergenossen, Nachbarn, Ärzte, Pflegekräfte, Bank, Bestatter, Pfarrer) die quasi ganz konkret das Testament runtererzählen können, dann hätten Sie eine Chance. Ohne solche Zeugen, können Sie es bei Gericht vergessen.

Im Übrigen müssen Sie aufpassen, was Sie über Ihren Onkel erzählen. Wenn Sie die Vernichtung des Testaments (Urkundenunterdrückung, § 274 StGB und Betrug, § 263 StGB) nicht beweisen können - und Sie sind für solch eine Behauptung beweispflichtig – kann Ihr Onkel Ihnen auch ganz schnell ein Verfahren wegen falscher Verdächtigung anhängen (§ 187 StGB). Wenn es nicht anders geht, zumindest immer klarmachen, dass Sie nur einen Verdacht haben.
FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60176 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Kompetent und verständlich besten Dank ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Besten Dank!!! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen herzlichen Dank für die ausführliche Beantwortung meiner Frage! ...
FRAGESTELLER