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Kann-Kind Baden-Württemberg Einschulung

| 23.04.2013 21:24 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Zusammenfassung: Soll ein Kind als sog. Kann-Kind früher eingeschult werden, hat die Schule die Entscheidung über die Aufnahme des Kindes unter Berücksichtigung des geistigen und körperlichen Entwicklungsstandes des Kindes zu treffen. Gegen die Ablehnung der Aufnahme kann Widerspruch eingelegt werden.

Unsere Tochter ist im Februar 5 Jahre alt geworden und somit ein Kann-Kind. Wir möchten sie gerne einschulen.
Die zwei Erzieherinnen mit viel Erfahrung sind konträrer Meinung: Die eine sagte mir, grundsätzlich bin ich eher dagegen Kann-Kinder einzuschulen, aber bei Ihrer Tochter absolut dafür. Die andere ist (aus Prinzip) dagegen. Die Erzieherin, die dagegen ist, ist präsenter und hat auch das Gespräch mit der Kooperations-Lehrerin sowie der Ärztin vom Gesundheitsamt entsprechend vorsondiert.
Danach sagte mir die Kooperationslehrerin, die mein Kind ca. 5x bei sich hatte, daß sie bei meinem Kind "etwas Bauchweh" hätte, wenn es schon eingeschult werden würde, grundsätzlich sei sie fit und hätte auch Spaß dabei, aber ihre Konzentration ließe schnell nach (sie machte ein Bsp., das aber sehr hinkte). Bei der amtsärztlichen Untersuchung wurde meinem Kind auf dem grünen Schein bescheinigt: motorisch und kognitiv topfit, schulfähigkeit aus medizinischer Sicht gegeben (nebenbei lobte sie sehr die Konzentrationsfähigkeit bei schwierigen Aufgaben;-)). Aber auch hier sagte die Ärztin, sie sei eher dagegen, weil mein Kind so jung sei, wenn sie mit der Schule dann fertig wäre!!!
Unser Kinderarzt sagte bei der U9, er mache sich um unser Kind keine Sorgen, wenn sie eingeschult werden würde, sei aber auch grundsätzlich eher dagegen.
Soweit, so gut-anscheinend alles eine Glaubenssache....
Bei der Anmeldung in der Schule, die im Nachbarort liegt (der Kindergarten ist zwei Ortschaften weiter, d.h. die Kooperationslehrerin kommt nicht von dieser Schule!) sagte mir der Rektor, als ich sagte, daß es sich um ein Kann-Kind handele, dass das mein gutes Recht sei und versprach mir einen Anruf vor Ostern, falls bei den Testungen des Kindes sich Zweifel bei der Schulfähigkeit ergeben sollten. Diese Woche (also ein Monat später als versprochen) ruft er mich an und sagt, sie wollten das Kind zurückstellen, obwohl es alle Test soweit gut abgelegt hätte, aber es sei halt so jung ("sie ist dann die jüngste in der Klasse...").
Unsere Tochter geht nicht so gerne in den Kindergarten, das letzte Jahr verläuft kaum mit Struktur, sogenannte Vorschule findet einmal alle 1 bis 2 Monate statt, ihre Freundinnen werden alle in die Schule gehen-mir grausts, wenn sie noch 1,5 Jahre weiter in den Kindergarten gehen müßte.
Nun meine Frage: Was passiert, wenn der Schulleiter dagegen ist und eine Zurückstellung erwirkt. Welche Möglichkeiten haben wir dann noch als Eltern? Wie wird der weitere Ablauf sein? Wie sind unsere Chancen? Wie verhalten wir uns sinnvollerweise? Reicht uns die Zeit (Mitte Juli fangen schon fast die Sommerferien an...)? Was ist, wenn dieser Rektor sich weigert unser Kind einzuschulen, können wir dann in den Nachbarort auf die Grundschule? oder bleibt uns dann nur eine Privatschule?
Besten Dank!

Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für die Anfrage. Vorweg möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass dieses Forum dafür gedacht ist, einen ersten Eindruck zu der Rechtslage zu vermitteln. Durch Weglassen oder Hinzufügen von wesentlichen Teilen des Sachverhalts kann es durchaus zu einer anderen rechtlichen Beurteilung kommen.

Unter Berücksichtigung des geschilderten Sachverhalts und Ihres Einsatzes möchte ich Ihre Fragen nunmehr wie folgt beantworten:

"Was passiert, wenn der Schulleiter dagegen ist und eine Zurückstellung erwirkt. Welche Möglichkeiten haben wir dann noch als Eltern?"

Die Regelung zu den Kann-Kindern findet sich in § 73 Abs. 1 des Schulgesetzes für Baden-Württemberg (SchG). Kann-Kinder sind demnach die Kinder, die bis zum 30. Juni des folgenden Kalenderjahres, in dem das Schuljahr beginnt, das sechste Lebensjahr vollendet haben und von den Erziehungsberechtigten in der Grundschule angemeldet wurden. Nach § 74 Abs. 1 SchG können Kinder, die gemäß § 73 Abs. 1 noch nicht schulpflichtig sind, auf Antrag der Erziehungsberechtigten zu Beginn des Schuljahres in die Schule aufgenommen werden, wenn auf Grund ihres geistigen und körperlichen Entwicklungsstandes zu erwarten ist, daß sie mit Erfolg am Unterricht teilnehmen werden.

Die Entscheidung über den Antrag trifft die Schule, § 74 Abs. 1 S. 2 SchG. Hat die Schule Zweifel am hinreichenden geistigen und körperlichen Entwicklungsstand des Kindes, zieht die Schule ein Gutachten des Gesundheitsamtes bei. Kinder, die vorzeitig eingeschult werden sollen, sind nach § 74 Abs. 3 SchG verpflichtet, sich auf Verlangen der Schule bzw. der Schulaufsichtsbehörde an einer pädagogisch-psychologischen Prüfung (Schuleignungsprüfung und Intelligenztest) zu beteiligen und vom Gesundheitsamt untersuchen zu lassen.

Wenn ich Sie richtig verstanden habe, hat ihre Tochter an den gewünschten Untersuchungen und Tests erfolgreich teilgenommen. Nach diesen bestehen keine Zweifel an dem geistigen und körperlichen Entwicklungsstand Ihrer Tochter. Daher kann der Schulleiter die Aufnahme Ihrer Tochter in die Schule eigentlich nicht ablehnen. Seine grundsätzlichen Bedenken haben keinen Raum, wenn Ihre Tochter durch die Tests und Untersuchungen ihre Schulfähigkeit bereits unter Beweis gestellt hat.

Sollte der Schulleiter die Aufnahme Ihrer Tochter dennoch ablehnen, müssten Sie gegen diese Entscheidung leider Widerspruch einlegen.


"Wie wird der weitere Ablauf sein?"

Der Schulleiter sollte nun definitiv eine Entscheidung über die Aufnahme Ihrer Tochter treffen. Wenn er die Aufnahme Ihrer Tochter tatsächlich ablehnen möchte, sollte er dies unbedingt schriftlich tun. Gegen diese Entscheidung müsste dann innerhalb einer Frsit von einem Monat Widerspruch eingelegt werden. Über diesen muss dann entschieden werden.


"Wie sind unsere Chancen?"

Da Ihre Tochter die geistigen und körperlichen Voraussetzungen für die Einschulung unter Beweis gestellt hat, sind die Chancen sehr gut.


"Wie verhalten wir uns sinnvollerweise?"

Sie sollten unbedingt noch einmal das Gespräch mit dem Schulleiter suchen und diesem noch einmal unter Hinweis auf die Schuluntersuchung und den Eignungstest darlegen, dass Ihre Tochter durchaus schulreif ist. Wenn er die Aufnahme dennoch verweigert, sollte er dies unbedingt schriftlich tun.


"Reicht uns die Zeit (Mitte Juli fangen schon fast die Sommerferien an...)?"

Sollte der Schulleiter die Aufnahme tatsächlich ablehnen, sollte wegen der Eilbedürftigkeit neben dem Widerspruchsverfahren auch ein Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz beim Verwaltungsgericht gestellt werden. In einem solchen Verfahren werden die Erfolgschancen des Antrags nur summarisch geprüft.


"Was ist, wenn dieser Rektor sich weigert unser Kind einzuschulen, können wir dann in den Nachbarort auf die Grundschule? oder bleibt uns dann nur eine Privatschule?"

Dies dürfte nicht möglich sein, denn nach § 76 Abs. 2 S. 1 SchG hat der Schulpflichtige die Schule zu besuchen, in deren Schulbezirk er wohnt.


Neben den rechtlichen Voraussetzungen kann ich Sie aus persönlicher Erfahrung nur ermutigen für eine frühere Einschulung Ihrer Tochter zu kämpfen, wenn Sie der Überzeugung sind, dass die Einschulung für Ihre Tochter das Richtige ist. Ich selbst habe 3 Kinder, von denen 2 vorzeitig eingeschult wurden, das dritte mit gerade 6 Jahren. Ich weiß, dass man immer mit Vorurteilen zu kämpfen hat und grundsätzlichen Meinungen, nach denen Kinder grundsätzlich nicht früher eingeschult werden sollten. Sicher sollte man ein Kind nicht leichtfertig früher einschulen, aber keiner kennt Ihr Kind so gut wie Sie selbst.
Meine Tochter, die mit 5 1/2 eingeschult wurde, ist jetzt in der 7. Klasse Gymnasium. Sicher ist sie die Jüngste in der Klasse, aber sie kommt gut zurecht. Und natürlich wird sie noch sehr jung sein, wenn sie Abitur macht, aber was spricht dagegen, wenn sie dann noch ein freiwilliges soziales Jahr oder ähnliches macht. So kann sie sich später noch Zeit nehmen. Aber Ihrer Tochter noch ein Jahr Kindergarten zu "schenken", das Sie gar nicht möchte, kann nicht der richtige Weg sein.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Tochter alles Gute und viel Erfolg! Sollten Sie weitere rechtliche Unterstützung benötigen, dürfen Sie mich gern über meine Daten kontaktieren.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Yvonne Bellmann, Rechtsanwältin

Bewertung des Fragestellers 26.04.2013 | 07:35

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FRAGESTELLER 26.04.2013 5/5,0
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