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Käufer storniert Vorbestellung ohne Ware bezahlt zu haben - Rücktrittsrecht?

14.09.2007 11:27 |
Preis: ***,00 € |

Kaufrecht


Sehr geehrte Damen und Herren,
ein Kunde hat im Juli Artikel für eine im August erschienene Kollektion im Wert von ca. 400 Euro über meine gewerbliche Webseite vorbestellt. Es wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die genauen Liefertermine noch nicht feststehen.
Nachdem mir dann die genauen Liefertermine bekannt waren, sendete ich dem Kunden diese zusammen mit der Rechnung für seine bestellten Artikel per Email zu. Dies geschah ca. 3 Wochen später. Daraufhin teilte mir der Kunde mit, dass er die Bestellung, bis auf einen Artikel, stornieren wolle. Einen Grund gab er nicht an.
Da die Artikel aber bereits aus den USA bei mir eingetroffen waren und auch schon von mir bezahlt wurden, bin ich mir nicht sicher, ob der Kunde die Bestellung so einfach stornieren kann oder ob er an die Bestellung gebunden ist.
Ich habe den Kunden bisher nur gebeten, seine Zahlung vorzunehmen, leider meldet er sich seitdem nicht mehr.
Wenn er von seinem Widerrufsrecht Gebrauch machen möchte, muss er dann nicht erst die Ware bezahlen und erhalten haben? Gibt es ein Rücktrittsrecht bei solchen Vorbestellungen? Wie könnte ich weiter vorgehen, damit ich nicht auf den Waren "sitzen" bleibe, oder ist der Kunde im Recht, wenn er ein paar Wochen später einfach mal so entscheidet, seine bestellten Artikel doch nicht zahlen zu wollen. Immerhin habe ich ja auch zusätzliche Kosten mit diesen Artikeln (Zoll, Steuer, Versandkosten).

Vielen Dank für Ihre Hilfe.

Sehr geehrter Fragesteller,

gerne beantworte ich Ihnen Ihre Fragen auf der Grundlage des von Ihnen angegebenen Sachverhalts wie folgt:

Ausgehend davon, dass es sich bei dem Kunden um einen Verbraucher handelt und ihm somit tatsächlich ein Widerufsrecht zusteht, kann der Kunde seine auf den Abschluss des Vertrages gerichtete Willenserklärung im Rahmen des Fernabsatzgeschäftes grundsätzlich ohne Angaben von Gründen widerrufen.
Dies kann er auch vor Erhalt der Ware ausüben. Ansonsten hätte Sie die absurde Situation, dass der Kunde angewiesen wäre, auf die Ware zu warten, erst dann zu widerrufen und ggf. berechtigt wäre die Ware auf Ihre Kosten zurückzusenden.

Ein Ausnahme von dem Recht des Widerrufs besteht für Fälle, in denen die Ware für Kundenspezifikationen angefertigt worden ist. Dies erscheint bei Ihnen allerdings nicht der Fall zu sein, dass es sich um eine bereits bestehende Collection gehandelt hat.

Der Kunde ist somit nach den hier vorliegenden Informationen im Recht und kann die Bezahlung sowie die Annahme der Ware verweigern.

Ein gewerblicher Kunde hingegen hätte ein solches Widerrufsrecht nicht. Ein Rücktrittsrecht besteht nicht.

Ich hoffe, Ihnen ein erste rechtliche Orientierung gegeben zu haben.


Mit freundlichen Grüßen

Günthner
Rechtsanwalt


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