Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Jugendamt will gegen den Willen Kind anderweitig unterbringen und zur Not das Sorgerecht entziehen

24.08.2010 16:46 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Gerhard Raab


Die 16-jährige Tochter befindet sich seit 7 Monaten in einer psychiatrischen Einrichtung (selbstverletzendes Verhalten, Suizidgedanken, Zwangsstörung). Die Tochter lebt seit ihrer Geburt bei ihrer geschiedenen Mutter, die zu 50 % seelische Schwerbehinderung hat, jedoch seit 2 Jahren soweit gesundet ist. Der Vater hat gesetzliches Sorgerecht, hatte jedoch dieses nie in Anspruch genommen.
Die Tochter soll in Kürze, die soweit gesundet ist, lt. Jugendamt in eine therapeutische Wohngruppe ziehen. Das will die Tochter aber nicht, da sie dort einen Rückfall befürchtet. Sie möchte wieder zuhause wohnen. Die Mutter will ihre Tochter ebenfalls nach dem psychiatrischen Klinikaufenthalt wieder zuhause aufnehmen. Es würde eine weitere ambulante ärztliche Betreuung stattfinden, damit eine seelische Stabilisierung gewährt wird. Das Jugendamt wehrt sich gegen diese Entscheidung, da es das Kindes Wohl gefährdet sieht, wenn die Tochter wieder zuhause wohnen würde. Der Mutter wurde angedroht, ihr ggf. das Sorgerecht nehmen zu müssen, weil es nicht auszuschließen ist, dass die Tochter wieder suizidgefährdet wird. Das Jugendamt möchte, dass der ambulante Arzt von der ärztlichen Schweigepflicht entbunden wird, damit das Jugendamt entscheiden kann, ob das Kind in eine therapeutische Wohngruppe gehen soll.
Ist es so leicht, über das Sorgerecht der Mutter hinwegzuentscheiden, obwohl Mutter und Kind wollen, dass sie wieder zusammen wohnen? Wie sieht die Rechtslage aus?

Sehr geehrte Fragestellerin,

zu Ihrer Anfrage nehme ich wie folgt Stellung:


1.

Aufgrund Ihrer Sachverhaltsschilderung gehe ich davon aus, daß die Eltern das gemeinsame Sorgerecht haben. Damit haben auch beide Elternteile gemeinsam in Sorgerechtsangelegenheiten zu entscheiden.


2.

In Ihrer Schilderung des Falls fehlt das Geschehen, bevor Ihre Tochter in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen worden ist. Da nicht ersichtlich ist, wer die Einweisung in die psychiatrische Einrichtung veranlaßt hat, ist eine abschließende rechtliche Beurteilung nur schwer möglich.

Grundsätzlich gilt Folgendes: Wenn die Tochter genesen ist, sprechen zunächst keine Gründe dagegen, weshalb sie nicht bei ihrer Mutter wohnen solle.

Aufgrund Ihrer Sachverhaltsschilderung vermute ich, daß daß eingeschaltete Jugendamt eine therapeutische Nachbehandlung für erforderlich hält. Ob sich das Jugendamt hierbei auf ein ärztliches Gutachten beruft, geht aus der Schilderung ebenfalls nicht hervor.

Wenn aber ein Gutachten vorliegen sollte, das eine Nachbehandlung in einer therapeutischen Wohngruppe für geboten erachtet, spricht das, zumindest zunächst, gegen einen Umzug der Tochter zur Mutter.

Vielleicht ist für die Entscheidung des Jugendamts auch die (ehemalige) Krankheit der Mutter ein entscheidendes Kriterium, ein gemeinsames Wohnen von Mutter und Tochter abzulehnen.


3.

Ohne die Einzelheiten in einem derartigen Fall zu kennen, kann man nur spekulative "Empfehlungen" aussprechen.

Grundsätzlich könnte Ihre Tochter aufgrund des Sorgerechts zu Ihnen ziehen, sofern der Vater keine Einwendungen hat.

Sollte es zu einem gerichtlichen Verfahren bezüglich der Entziehung des Sorgerechts kommen, müßte gerichtlich geklärt werden, ob das Sorgerecht der Eltern dem Kindeswohl entgegen steht. Dann wären voraussichtlich Sachverständigengutachten zum Gesundheitszustand der Tochter und ggf. auch zur Umgebung im Haushalt der Mutter in Bezug auf die Gesundheit der Tochter einzuholen.

Festzuhalten bleibt allerdings, daß Ihnen das Sorgerecht nicht einfach entzogen werden kann.


4.

Wird das Sorgerecht einem Elternteil entzogen, übt der andere Elternteil das Sorgerecht allein aus; vgl. § 1680 Abs. 3 BGB. Wenn beiden Elternteilen das Sorgerecht entzogen würde, müßte ein Pfleger bestellt werden.


5.

Da Sie hier mit einem nicht unkomplizierten Fall konfrontiert sind, in dem es auf eine Vielzahl von Einzelheiten ankommt, empfehle ich Ihnen zwecks weiterer Beratung und Interessenvertretung einen Rechtsanwalt vor Ort aufzusuchen.


Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Raab
Rechtsanwalt

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 68779 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Vielen Dank, endlich habe ich Klarheit. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen Dank :-) ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Der Anwalt hat die Frage schnell und korrekt beantwortet. ...
FRAGESTELLER