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Jahrelanger Mißbrauch an Minderjährige

04.11.2010 10:53 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Martin Kämpf


Liebe Damen und Herren,

so fing es an: meine Schwester, eine gute Freundin und ich waren oft bei einer Familie (Mutter, Vater, Kind) aus der Nachbarschaft, bei der wir wie eigene Kinder behandelt worden sind (da war ich ca. 9 Jahre). Irgendwann (da war ich 11 Jahre) hat der Mann begonnen uns aufzuklären z.B. Filme mit uns angeschaut wie z.B. Eis am Stiel. Das war uns sehr, sehr unangenehm und wir konnten das Gesehene gar nicht richtig einordnen. Er alberte immer mit uns rum und kitzelte uns durch. Meiner Schwester ging er dabei unter das T-Shirt (sie war damals 13/14 Jahre). Irgendwann hat er auch begonnen mich anzulangen und zu küssen (unter meinem T-Shirt und auch weiter unten). Ich weiss nicht, warum ich das zugelassen habe: vielleicht weil ich ein Scheidungskind bin und in ihm einen Vaterersatz gesehen habe und ich hatte Angst, diesen zu verlieren; oder aus Scham vor den anderen habe ich nie was erzählt; oder weil ich es einfach nicht zuordnen konnte, ob es richtig/normal ist oder falsch. Es wurde für mich irgendwann Normalität. Auf jeden Fall hat er mich, seitdem ich 13 Jahre bin angelangt. Er hat mir immer heimlich intime, sexuelle und leidenschaftliche Briefe zugesteckt, in denen er mir seine Gefühle und Triebe beschrieben hat. Auch dies zu lesen war mir sehr unangenehm und so fremd. Er hat kaum eine Situation ausgelassen mich zu begrabschen z.B. sogar am Kinderbett seines Kindes, als ich diesem eine Gute-Nacht Geschichte vorgelesen habe. Einmal hat er mir sein "..." gezeigt, da bin ich weggerannt und er hat nur gelacht. Das ging wie gesagt jahrelang (bis ich 17 Jahre war, hat er mir Briefe geschrieben). In all den Jahren habe ich nichts erwidert, weder Zärtlichkeiten noch Briefe, ich habe ihn nur machen lassen. Und noch heute (ich bin 27 Jahre), baggert er mich an und er hat nicht einmal ein schlechtes Gewissen. Und vor ein paar Wochen kam der Klick bei mir, dass es nicht mehr so weiter geht. Ich habe erst jetzt erkannt, dass es nicht normal war und ich für das Geschehene keine Schuld trage. Das Alles hat so viele Ängste in mir verursacht. Ich bin so traurig darüber, dass mir die Leichtigkeit der Kindheit geraubt worden ist und ich meine ersten sexuellen Erfahrungen nicht mit einem erleben durfte, in den ich verliebt war. Und was mich auch sehr bewegt ist, dass er Grundschullehrer!!! ist. Ich weiss nicht, was ich tun soll.
Welche Möglichkeiten habe ich sowohl STRAFRECHTLICH als auch ZIVILRECHTLICH? Da ich seine Tochter und Frau sehr mag, weiss ich nicht, ob ich ihn anzeigen möchte. Welche zivilrechtlichen Möglichkeiten habe ich? Außergerichtlicher Vergleich? Von Schmerzensgeld/Schadensersatz (in welcher Höhe?) bis...?

Vielen Dank für Ihre Auskunft!

Sehr geehrte Fragestellerin,

ich bedanke mich für Ihre Anfrage und beantworte diese unter Berücksichtigung Ihrer Sachverhaltsschilderung sowie Ihres Einsatzes wie folgt:

1. Ausweislich Ihrer Sachverhaltsschilderung machte sich der Täter jedenfalls des sexuellen Missbrauchs von Kindern, strafbar gemäß § 176 StGB (Strafgesetzbuch), schuldig, indem er Sie im Kindesalter sexuell berührte und im Intimbereich küsste.
Der sexuelle Missbrauch von Kindern sieht als Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vor. Die Verfolgung der Straftat des sexuellen Missbrauchs von Kindern verjährt binnen zehn Jahren. Die Verfolgungsverjährung ist noch nicht eingetreten, da die Verjährung bis zur Vollendung Ihres 18. Lebensjahres ruhte.

Möglicher Weise hat sich der Täter bei den späteren Taten der sexuellen Nötigung, strafbar gemäß § 177 StGB, schuldig gemacht.
Dies wäre der Fall, wenn er Sie alternativ mit Gewalt oder Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder unter Ausnutzung einer Lage, in der Sie ihm schutzlos ausgeliefert waren, dazu veranlasste, die sexuellen Handlungen durch ihn zu dulden.
Dies kann an Hand Ihrer Sachverhaltsschilderung nicht abschließend beurteilt werden. Ich bitte höflich um Ergänzung im Rahmen der kostenlosen Nachfragefunktion.

Sie können den Täter bei jeder Polizeidienststelle oder der Staatsanwaltschaft schriftlich oder zu Protokoll der Geschäftsstelle anzeigen.
Bei einer Verurteilung wegen des mehrfachen Missbrauchs von Kindern und der mehrfachen sexuellen Nötigung droht dem Täter eine Haftstrafe. Darüber hinaus steht zu erwarten, dass er künftig seinen Beruf nicht mehr ausüben darf.

Als Geschädigte des sexuellen Missbrauchs von Kindern sind Sie nebenklageberechtigt. Das bedeutet, dass Sie unter anderem dem gesamten Strafverfahren als eigenständige Prozessperson samt einem Anwalt, der Sie bei der Wahrnehmung Ihrer Interessen unterstützt, beiwohnen dürfen. Des Weiteren haben Sie als Nebenklägerin beispielsweise ein eigenes Fragerecht. Im Übrigen können Sie als Nebenklägerin im Rahmen des Strafverfahrens auch in einem sogenannten Adhäsionsantrag einen Schadensersatzanspruch auf Schmerzensgeld gegen den Täter geltend machen.
Die Höhe des Schadensersatzanspruchs lässt sich anhand der von Ihnen gelieferten Informationen nicht einschätzen. Denn hierfür sind eine Vielzahl von Faktoren maßgeblich (beispielsweise Anzahl der Taten, Intensität der jeweiligen Taten, Einkommensverhältnis des Täters u.a.).

2. So sich der Täter im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleichs auf die Zahlung eines Schmerzensgeldes einlässt, erscheint meines Erachtens auch die zivilrechtliche Geltendmachung Ihres Schadensersatzanspruches möglich.
Die gerichtliche Durchsetzung eines Schadensersatzanspruches im Zivilrechtsweg erscheint aufgrund des sogenannten Strengebeweises im Zivilprozess schwierig. Im Zivilprozess dürften Sie nämlich als Opfer/Geschädigte des sexuellen Missbrauchs von Kindern selbst nicht (!) als Zeugin gehört werden.

Abschließend empfehle ich Ihnen angesichts der Schwere der hier zur Rede stehenden Taten dringend, einen im Strafrecht als Opferanwalt/Nebenklägervertreter tätigen Anwalt mit der Wahrnehmung Ihrer rechtlichen Interessen zu beauftragen und sich von diesem zunächst unter detaillierter Schilderung der einzelnen Sachverhalte beraten zu lassen.

Ich hoffe, Ihnen einen ersten rechtlichen Überblick ermöglicht zu haben, und stehe Ihnen im Rahmen der kostenlosen Nachfragefunktion ebenso wie für eine weitere Wahrnehmung Ihrer rechtlichen Interessen als Anwalt gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Kämpf
Rechtsanwalt

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