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Ist es ratsam das Erbe auszuschlagen?

11.07.2004 17:50 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Erbschaft ausschlagen ?

Meine Tante ist in diesem Jahr verstorben und hat meine Schwester und mich in einem Testament als alleinige Erben eingesetzt. Das Testament wurde 1995 ausgestellt. Meine Tante kam 1999 in ein Altenheim nach einem Schlaganfall auf der Straße. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie Ersparnisse von ca. 20000 Euro, Privatschulden hatte sie nicht. Da sie 5 Jahre im Altenheim lebte,eine geringe Rente bekam und zuletzt Pflegefall war, dürfte das Geld aufgebraucht sein. Leider habe ich noch keine Antwort von der Betreuerin erhalten, ob noch Geld übrig ist. Ich habe jedoch von einem Anwalt erfahren, daß es einen Freibetrag von 1700 Euro geben würde, den der Staat sich nicht nehmen kann. Ich nehme an, daß dies der Gesamtbetrag wäre, der für meine Schwester und mich zusammen übrig bleiben würde. Ist das richtig so ?
Eine weitere Frage: Können wir im Falle einer Annahme des Erbes z.B. für die Beerdigungskosten nachträglich herangezogen werden ?
Zusammengefaßt: Ist es ratsam das Erbe auszuschlagen ?
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Sehr geehrter Ratsuchender,

für die Frage, ob eine Ausschlagung vorgenommen werden sollte kommt es entscheidend darauf an, ob der Nachlass überschuldet ist, mithin der Wert des Nachlasses inklusive aller Forderungen, geringer ist als die Schulden. Sie sollten daher genaue Nachforschungen treffen, ob und in welchem Umfang noch Ersparnisse vorhanden waren und in welche Höhe noch Forderungen gegen die Erblasserin bestanden haben.

Einen Freibetrag gibt es für die Erben nicht. Im Gegenteil: man haftet grundsätzlich sogar mit dem eigenen Vermögen für Nachlassverbindlichkeiten, wenn man nicht die Haftung auf den Nachlass beschränkt.

Als Erbe ist man auch verpflichtet, die Kosten für die Beerdigung zu übernehmen. Sofern die Beerdigungskosten also eventuelle Restersparnisse übersteigen, wäre eine Ausschlagung anzuraten.

Werden Sie aufgrund einer Ausschlagung nicht Erbin, haften für die Beerdigungskosten die nächsten Angehörigen der Erblasserin. Diese müssen die Beerdigungskosten nur dann nicht zahlen, wenn dies grob unbillig wäre, z.B. weil diese mittellos sind. In diesem Fall haben Angehörige sogar ein Recht darauf, dass die Kosten vom Sozialhilfeträger (Landkreise/kreisfreie Städte) übernommen werden. Sind die Angehörigen aber selbst vermögend, müssen sei auch bei einem verschuldeten Nachlaß die Kosten der Beerdigung übernehmen.

Zu beachten ist auch, dass der Nachlass eventuell mit Pflichtteilsansprüchen der Pflichtteilsberechtigten belastet ist.

Eine Erbausschlagung ist nur binnen sechs Wochen seit Kenntnisnahme vom Erbfall möglich.
Die Ausschlagung erfolgt durch Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht. Sie kann dort in schriftlicher Form niedergelegt werden oder in öffentlich beglaubigter Form (Notar) gebührenpflichtig abgegeben werden.
Der Erbteil des Ausschlagenden geht bei gesetzlicher Erbfolge (von speziellen Ausnahmen abgesehen) an dessen Erben. Bei einer Überschuldung des Erbes ist es in diesen Fällen deshalb anzuraten, auch für die eigenen minderjährigen Kinder mitauszuschlagen, damit nicht diese für die Schulden haften müssen - erwachsene Kinder müssen dies selbst tun.

Ich hoffe, Ihnen hiermit weitergeholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Falk Brorsen
Rechtsanwalt

www.goettingen-recht.de


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