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Ist es Pflicht bei einer Rechnung 'reverse charge' anzubieten?

| 21.06.2016 15:05 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Andreas Wehle


Ich verkaufe im Moment eine selbst programmierte Software über das Internet. (Firmensitz ist in Deutschland). Beim Preis im Online Shop ist die VAT im Preis inbegriffen. Nun habe ich öfter das Problem dass es Firmenkunden aus dem EU Ausland gibt die eine Rechnung ohne VAT verlangen. (reverse charge) Da man im Shop beim kauf der Software aber keine VAT Nummer angeben kann und ich auch die Steuer schon eingenommen habe ist meine Frage nun ob es für mich eine Pflicht ist die Rechnung ohne VAT mit 'reverse charge' bereitzustellen oder ob es in meinem ermessen liegt dies anzubieten?

Vielen Dank im Vorraus!

Sehr geehrter Ratsuchender,

gern beantworte ich Ihre Frage aufgrund der von Ihnen getätigten Angaben wie folgt.

Das von Ihnen, soweit es Ihr Shop ist, angebotene Verfahren entspricht nicht ganz den rechtlichen Gegebenheiten.

Sie sagen, dass in dem Preis im Online-Shop bereits die Umsatzsteuer inkludiert ist. Das ist für Privatkunden so auch in Ordnung, da nach der Preisangabenverordnung gegenüber Endverbrauchern immer der Bruttoendpreis bezeichnet werden muss.
Bei Ihrem Angebot könnte es sich jedoch um eine sonstige elektronische Dienstleitung handeln, die einer Besteuerung mit der Umsatzsteuer des Landes zu versehen ist, in dem der private Leistungsempfänger seinen Wohnsitz inne hat. Diese ist dann auch regelmäßig dahin abzuführen. Für kleine Unternehmen wurde hierzu das sog. Mini-One-Stop-Shop Verfahren entwickelt.

Welchen Betrag macht denn die von Ihnen vereinnahmte Umsatzsteuer aus, für den Privatkunden in Polen, Österreich usw.?

Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass die Sache hier nicht ganz so einfach ist, wie es möglicherweise gerade von Ihnen gehandhabt wird und dass ggf. die Unternehmer in der EU, die eine Rechnung von Ihnen mit dem Hinweis auf das „Reverse-Charge-Verfahren" haben möchte, eher das kleinere Übel sind.

So Sie nicht an dem Regelfall „Reverse-Charge-Verfahren" teilnehmen, sind Sie aufgefordert, die richtige Umsatzsteuer und den für das jeweilige EU Land zutreffenden Umsatzsteuersatz auf der Rechnung an den EU Unternehmer auszuweisen und diese auch an die entsprechende Steuerbehörde abzuführen.

Die Erleichterung für Unternehmer, die an Unternehmer innerhalb der EU leisten, ist ja gerade das „Reverse-Charge-Verfahren", dass die Belastung mit der Umsatzsteuer auf den Leistungsempfänger verschiebt.

Insoweit sollten Sie Ihren Online-Shop entsprechend anpassen, oder soweit es nicht Ihr eigener Online-Shop ist, darüber nachdenken, ob diese Weg des Vertriebes für Ihr Produkt passt, bzw. die vertraglichen Regelungen zum Produkt je nach Kunde angepasst werden müssen.
So kann zum Beispiel der Produktpreis für Unternehmer (netto, also zzgl. USt) anders gestaltet sein, als der für Verbraucher (brutto, inkl. USt). Ihre Rechnung in dem Falle den ausgewiesenen Preis zzgl. des jeweiligen Umsatzsteuersatzes/-betrages in Wege des Reverse-Charge-Verfahrens sein.
In Bezug auf ausländische Privatpersonen, ist dann immer noch die Frage der oben beschriebenen Möglichkeit der richtigen Umsatzbesteuerung offen.

Insoweit liegt es nur bedingt in Ihrem Ermessen, hier vom Reverse-Charge-Verfahren Gebrauch zu machen.
Dessen Anwendung erleichtert Ihnen einfach die Handhabung mit der Umsatzbesteuerung Ihrer verkauften Ware, indem Sie die Umsatzbesteuerung auf den Leistungsempfänger, nach dessen Umsatzsteuergesetzgebung sind auch die Besteuerung (vgl. § 3a UStG) richtet, abwälzen. Im Gegenzug erleichtern Sie mit der Anwendung des Reverse-Charge-Verfahrens


Mit freundlichen Grüßen

Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen

Nachfrage vom Fragesteller 21.06.2016 | 17:11

Sehr geehrter Herr Wehle,

vielen dank erstmal für ihre ausführlich Antwort. :)

Sie haben Recht es handelt sich um eine 'sonstige elektronische Dienstleitung' und die Umsatzsteuer wurde über das MOSS verfahren abgewickelt und bezahlt.

Ich werde mir Ihren Rat zu Herzen nehmen und das System so anpassen das Firmen mit VAT Nummer dann ohne Umsatzsteuer kaufen können und eine entsprechen Rechnung mit reverse charge bekommen.

Abschließend wäre es nur gut zu wissen ob bisher dann alles korrekt war. Alle Rechnungen waren mit ausgewiesener Umsatzsteuer und diese wurde per MOSS Verfahren abgewickelt und bezahlt. Es kam ausschließlich kein reverse charge zum Einsatz.

Vielen Dank!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 21.06.2016 | 17:31

Sehr geehrter Ratsuchender,

gern beantworte ich Ihre Nachfrage aufgrund der von Ihnen getätigten Angaben wie folgt.


Bisher haben Sie damit alle Ihre Kunden als Privatkunden behandelt und den Unternehmern darunter die Geltendmachung der grenzüberschreitenden Umsatzsteuer erschwert bzw. sogar unmöglich gemacht.

Grundsätzlich soll die gezahlte Umsatzsteuer als Vorsteuer erst geltend gemacht werden, wenn von der anderen Seite des Geschäftes auch die Umsatzsteuer abgeführt wurde.

Sonst liefe man Gefahr hier dem Umsatzsteuerdeklarationsbetrug Tür und Tor zu öffnen, indem man sich auf der Leistungsempfängerseite Vorsteuern auszahlen lasse und auf der anderen Seite des Geschäftes die Umsatzsteuer nicht abführte oder im Fall einer juristischen Person, diese mit entsprechenden Verbindlichkeiten gegenüber den Finanzbehörden in die Insolvenz laufen lassen würde.
Ein solches Geschäftsmodell soll auf jeden Fall vermieden werden, was das Reverse-Charge-Verfahren wohl aushebelt, indem die Steuer auf der gleichen Seite anfällt, die diese bei Vorliegen der Voraussetzungen wohl dann als Vorsteuer geltend machen kann.

Mit dem von mir unterbreiteten Vorschlag, dass für Unternehmen der ausgeschriebene Preis als Nettopreis gelte, umgehen Sie hier die Abführung der individuellen Umsatzsteuer. Eine entsprechende Rechnung mit dem Verweis auf das Reverse-Charge-Verfahren und der damit verbundenen Umsatzsteuerpflicht beim Leistungsempfänger umgeht etwaige Diskussionen über den Abgabepreis.
An dieser Stelle würden zwar Unternehmer gegenüber Privatpersonen einen höheren Nettopreis entrichten, erspart Ihnen aber etwaige Rechnungsspiele.

Ich hoffe Ihre Frage beantwortet zu haben und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen

Bewertung des Fragestellers 24.06.2016 | 14:49

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"Vielen Dank für ihre ausführliche Erklärung Herr Wehle. Top!"
Stellungnahme vom Anwalt:
Sehr geehrter Ratsuchender, vielen Dank für Ihre Bewertung. Gern stehe ich Ihnen auch künftig für Ihre Fragen zur Verfügung. Mit freundlichen Grüßen RA A. Wehle /Aachen