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Internationaler Wochenaufenthalter und Besteuerung des Schweizer Arbeitslohns

| 30.10.2020 11:04 |
Preis: 98,00 € |

Steuerrecht


Guten Tag,

ab 1.2.2021 werde ich für einen Schweizer AG tätig werden.

Mein Hauptwohnsitz liegt in Hamburg. Es wird eine regelmäßige Rückkehr (MO Flug HH-Basel / DO Basel-HH) erfolgen. Die Arbeitszeit/Leistung (ca 35h) wird teils vor Ort in der Schweiz erbracht und teil (5h) in Hamburg via Home-Office.
Für den Aufenthalt in der Schweiz werde ich eine kleine 1-Zi Whg. anmieten.

Familienstand: Verheiratet und gemeinsam wohnhaft in Hamburg

Folgende Fragen dazu:
1) Was muss erfüllt sein, um den Status des internationalen Wochenaufenthalters zu erhalten?

2) Wird mein Schweizer Gehalt ausschließlich in der Schweiz versteuert und unterliegen weitere Einkünfte in DE lediglich dem Progressionsvorbehalt?

3) falls 1 und 2 nicht zutreffen - Was muss unternommen werden, damit das Schweizer Gehalt lediglich in der Schweiz versteuert wird?

Vielen Dank für Ihr Feedback.




Sehr geehrter Fragesteller,

zu Ihrer ersten Frage:

Der Status als sog. Internationaler Wochenaufhalter erfordert die Erfüllung folgender Voraussetzungen:

- Sie haben Ihren Arbeitsort in der Schweiz und üben hier eine unselbstständige Erwerbstätigkeit aus (+)

- Sie haben Ihren Lebensmittelpunkt und somit Ihren steuerrechtlichen Wohnsitz weiterhin im Ausland (fehlende Niederlassungsbewilligung "Ausweis C" als Indiz dafür) (+)

- Ihnen kann eine regelmässige Rückkehr an Ihren Lebensmittelpunkt im Ausland nicht
zugemutet werden, das heißt, Sie sind kein Grenzgänger mit täglicher
Rückkehr an den ausländischen Wohnsitz (+)

- Sie verfügen in der Schweiz über eine Wohnung zwecks Aufenthalt während der Woche (+)

- Sie kehren an den Wochenenden regelmässig (mindestens alle 2 Wochen) an Ihren ausländischen (deutschen) Wohnort zurück (+)

- Ihr Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit wird an der Quelle gemäss Art. 116 des Steuergesetzes (StG) besteuert werden.

Ich sehe somit nach Ihren Angaben alle Voraussetzungen als erfüllt an.

Zu Ihrer zweiten Frage:

Die Steuerpflicht internationaler Wochenaufenthalter beschränkt sich auf die in der Schweiz erzielten Einkünfte; Bemessungsgrundlage bilden dabei sämtliche Bruttoeinkünfte, wobei Einkünfte und Vermögen im Ausland nicht zur Satzbestimmung herbeigezogen wird.

Wenn ein Arbeitnehmer im Inland einen Wohnsitz behält, weil er regelmäßig zur in Deutschland verbleibenden Familie heimkehrt, richtet sich das Besteuerungssrecht für grenzüberschreitende Einkünfte aus unselbständiger Tätigkeit im Verhältnis zur Schweiz nach dem zwischen Deutschland und Schweiz bestehenden Doppelbesteuerungsabkommen.

Art. 15 Abs. 1 DBA lautet:

"Vorbehaltlich der Artikel 15 a bis 19 können Gehälter, Löhne und ähnliche Vergütungen, die eine in einem Vertragstaat ansässige Person aus unselbständiger Arbeit bezieht, nur in diesem Staat besteuert werden, es sei denn, dass die Arbeit in dem anderen Vertragstaat ausgeübt wird. Wird die Arbeit dort ausgeübt, so können die dafür bezogenen Vergütungen in dem anderen Staat besteuert werden."

Arbeitslohn, der in der Schweiz besteuert wird, ist in Deutschland unter Progressionsvorbehalt steuerfrei gestellt. Zu beachten ist hierbei, dass dieser Betrag nach deutschen steuerlichen Vorschriften - etwa im Hinblick auf den Werbungskostenabzug betrifft - zu ermitteln ist. (Der Progressionsvorbehalt bedeutet, dass ein verbleibendes inländisches steuerpflichtiges Einkommen, zum Beispiel aus der Vermietung von Immobilien, in der Besteuerung einem höheren Steuersatz unterliegt, als es ohne ein derartiges Einkommen der Fall wäre. Bei Ehepaaren, bei denen der im Inland verbleibende Ehepartner eigene inländische Einkünfte - z. B. als Arbeitnehmer - hat, ist deshalb zu prüfen, inwieweit die Nachteile der Progressionseinkünfte des in der Schweiz arbeitenden Ehepartners einen möglichen Splittingvorteil aus der steuerlichen Zusammenveranlagung als Ehepaar überwiegen. Dann könnte eine getrennte Veranlagung beider Ehepartner vorzuziehen sein. Dafür empfiehlt sich die Konsultation eines Steuerberaters.)

Zu Ihrer dritten Frage:

Da Sie kein sog. Grenzgänger sein können (aufgrund der Entfernung), müssten Sie als sog. Aufenthalter gelten. Die Voraussetzungen hierfür wären:

Sie arbeiten nicht nur in der Schweiz, sondern wohnen auch dort, das heißt, Sie haben keinen Wohnsitz mehr in Deutschland. Aber abgesehen davon, dass auch die Ehepartner dann nicht mehr dort wohnen dürfte (und eine Nachzugsbewilligung beantragen müsste), benötigen Sie, um als Aufenthalter in der Schweiz arbeiten zu können, eine gültige Aufenthaltsbewilligung (Arbeitsgenehmigung), die Sie dazu berechtigt, in der Schweiz zu wohnen und einer Tätigkeit nachzugehen. Dabei wird unterschieden zwischen einer B-Bewilligung, die fünf Jahre gültig ist oder einer L-Bewilligung, mit einer Gültigkeitsdauer bis zu einem Jahr.
Dann würden Sie dem schweizer Steuerrecht unterliegen, würden aber als Ausländer monatlich besteuert, indem Ihr Arbeitgeber einen bestimmten Anteil Ihres Bruttogehalts einbehielte, und zwar die sog. Quellensteuer, welche direkt an die schweizer Steuerbehörde abgeführt würde. Der Steuersatz ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich, liegt aber maximal bei 35 %.

Nach Ihren Angaben gehe ich davon aus, dass Sie eher dem Art. 15 DBA folgen werden.

Ich hoffe, Ihnen einen Überblick gegeben zu haben. Sollte noch etwas unklar geblieben sein, so fragen Sie gerne nach. Vorerst verbleibe ich mit freundlichen Grüßen!

Elisabeth v. Dorrien
Rechtsanwältin

Ergänzung vom Anwalt 30.10.2020 | 12:19

Vielen Dank für das freundliche Telefonat! Wie angekündigt, hier ein Link zum DBA Deutschland-Schweiz:

https://www.infobest.eu/de/themengebiete/artikel/steuern/das-deutsch-schweizerische-doppelbesteuerungsabkommen-2/

Nochmals alles Gute!

EvD

Bewertung des Fragestellers 30.10.2020 | 12:32

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Stellungnahme vom Anwalt:

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