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Insolvenz, oder Vergleich?

15.07.2013 11:48 |
Preis: ***,00 € |

Insolvenzrecht


Ich habe im Januar 2011 eine Praxis für Physiotherapie gekauft. Von den avisierten Umsätzen von 120.000,00 € waren de Fakto null übrig. Die Übergeber haben die Patienten "mitgenommen". Der Prozeß läuft, aber es sieht nicht sonderlich gut aus, da der Vertrag sehr Verkäuferlastig formuliert ist. Der Anwalt, der den Vertrag gemacht hat, hat auch für die Gegenseite gearbeitet, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Beweis ist nicht so einfach.
Lange Rede, kurzer Sinn: Nach zwei Jahren sitze ich mit etwas über 100.000,00 € Schulden da, die Praxis habe ich aufgegeben. Die Schulden verteilen sich wie folgt:
5000 VW-Bank als Restschuld für mein Auto
85.000 Apo-Bank
15.000 Sparkasse
1100 Freundin
Ich arbeite 20 Stunden angestellt für Netto 1098 €, ca. 300 € als Minijob, bekomme Unterhalt in Höhe von 784 € (den ich aber noch versteuern muss mit ca 30%) und 454 € Unterhalt für meinen jüngsten Sohn (12, leichte Behinderung). Insgesamt habe ich drei Kinder. Einer lebt bei mir, der Große (20) studiert im Ausland (voraussichtlich noch 5-6 Jahre) und meine Tochter (19)macht noch ein Jahr Schule und geht dann auch ins Studium.
Die VW-Bank wird sich nicht auf einen Deal einlassen (wahrscheinlich), die könnte ich aber sofort bezahlen. Soviel Geld ist noch da und das Auto benötige ich beruflich. Der Sparkasse hatte ich 1500 € + anteilige Abtretung des Schadensersatzes aus dem Prozeß (falls gewonnen wird). Der Apobank habe ich 7000 € angeboten + anteilige Abtretung. Diese 8500 € muss ich mir leihen. Mehr kann ich nicht aquirieren. Die Apobank prüft noch, ob sie das Angebot so annehmen möchte oder nicht, aber man hat mir eine Einigung signalisiert. Die Sparkasse hat das Angebot abgelehnt und bietet mir eine monatliche Ratenzahlung von zunächst 20 € an. Die Rate soll dann im Laufe der Zeit angepasst werden. Mit 20 € decke ich aber noch nicht einmal die monatlich anfallenden Zinsen. Im Schreiben der Bank steht, dass ich mit der ersten Zahlung mit diesem Vergleich einverstanden erkläre. Mein Problem ist, dass ich nicht weiss, ob ich mit oder ohne Annahme dieses Angebots überhaupt noch Verhandlungsspielraum habe (eventuell zu einem späteren Zeitpunkt). Ist es klug, an dieser Stelle gleich "Ja" zu sagen? Und wenn ich davon ausgehe, dass ich einen Vergleich mit der Apobank so mache, muss ich monatlich die 7000 €, die Freundin und die Sparkasse zurückzahlen. Bei dem Einkommen und der Unterhaltspflicht den Kindern gegenüber. Was würde mir bleiben im Falle der Insolvenz?

Sehr geehrter Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Es tut mir leid, dass Sie sich in einer so unerfreulichen Situation befinden. Ihre Fragen beantworte ich hinsichtlich Ihrer Angaben und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes folgendermaßen:

Ihren Angaben zufolge haben Sie ein monatliches Einkommen in Höhe von circa 2400 € netto. Bei drei unterhaltsberechtigten Kindern wären im Fall einer Insolvenz hiervon monatlich Euro 157,03 pfändbar. Der Rest verbliebe Ihnen.

Der Prozeß, den Sie erwähnen, wäre möglicherweise bei der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens von Gesetzes wegen nach § 240 ZPO unterbrochen. Hierzu sollten Sie sich vor der Beantragung der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens im Detail anwaltlich beraten lassen.

Sofern Sie nachweisen können, dass Sie zur Ausübung Ihrer Erwerbstätigkeit Ihr Fahrzeug benötigen, können Sie dieses auch unter Umständen im Rahmen eines Insolvenzverfahrens behalten. Es ist Ihnen unbenommen, mit den unpfändbaren Einkommensbestandteilen Zahlungen an Gläubiger - also hier an die das Fahrzeug finanzierende Bank - zu leisten. Sie sollten sich mit der VW - Bank diesbezüglich gegebenenfalls in Verbindung setzen.

Sollten Sie jetzt allerdings die volle Summe an die VW - Bank zahlen und kurze Zeit später ein Insolvenzverfahren einleiten, wird diese Zahlung möglicherweise durch den künftigen Insolvenzverwalter/Treuhänder angefochten. Bei der beabsichtigten Einleitung eines Insolvenzverfahrens ist daher eine solche Zahlung ohne genaue rechtliche Prüfung nicht empfehlenswert. Um die Details prüfen zu können, sollten Sie sich einen Rechtsanwalt vor Ort suchen oder - sollte es sich bei Ihnen um ein Verbraucherinsolvenzverfahren handeln - an eine professionelle Schuldnerberatungsstelle wenden. Diese Arbeiten auch regelmäßig unentgeltlich.

Erfahrungsgemäß sollte einem Vergleichsangebot oder einer Ratenzahlungsvereinbarung - wie mit der Apobank - nicht übereilt zugestimmt werden. Als hilfreich hat sich erwiesen, alle Gläubiger schriftlich darüber zu informieren, dass Sie nicht unerhebliche Schulden bei mehreren Gläubigern haben und erwägen, ein Insolvenzverfahren zu durchlaufen. Dann werden Ihre Gläubiger bereits ahnen, dass sie in diesem Fall gar kein Geld mehr oder nur eine geringfügige Quote auf ihre Forderungen bekommen werden. Dies versetzt Sie in die Verhandlungsposition, Ihren Gläubigern vorzuschlagen, dass Sie bereit sind, einen Betrag von (beispielsweise 50 % - je nach Ihren Möglichkeiten) jetzt sofort zu zahlen, wenn Ihnen Ihre Restschuld erlassen wird. Es liegt daher in Ihrem Verhandlungsgeschick oder dem Ihres Anwalts und natürlich an der Kompromißbereitschaft Ihrer Gläubiger, ob Sie einen nicht unerheblichen Erlass der Forderungen erwirken und mit anderen Gläubigern Stundungen oder Ratenzahlungsvereinbarungen treffen können.

Sollte für Sie ein so genanntes Verbraucherinsolvenzverfahren in Betracht kommen, empfehle ich Ihnen, zu einer der professionellen Schuldnerberatungsstellen zu gehen. Dieser Schuldnerberatungsstellen schreiben üblicherweise ohnehin alle Gläubiger an, um einen Schuldenbereinigungsplan abzuschließen, dessen Scheitern für einen Verbraucherinsolvenzverfahren ohnehin Voraussetzung wäre. Ob für Sie eine Regelinsolvenz oder ein Verbraucherinsolvenzverfahren in Betracht kommt, kann anhand Ihrer Angaben leider nicht abschließend eingeschätzte werden. Daher erscheint als Erstes der Besuch einer Schuldnerberatungsstelle zweckmäßig.

Bei einer Schuldensumme von über 100.000 € wäre die Einleitung eines Insolvenzverfahrens mit der Aussicht, nach Abschluss des Verfahrens von allen Schulden befreit zu sein, u. U. eine gute Alternative. In diesem Zusammenhang weise ich Sie darauf hin, dass das Insolvenzverfahren auch vorzeitig beendet werden könnte, sofern Sie zwischenzeitlich wieder in die Lage versetzt sind, Ihre Schulden zu bezahlen.

Ich hoffe, dass Sie die für Sie beste Lösung finden und eine Einigung mit Ihren Gläubigern erzielen können.

Ich darf Sie abschließend darauf hinweisen, dass diese Plattform eine ausführliche und persönliche Rechtsberatung nicht ersetzen kann. Es wird ausschließlich das Ziel verfolgt, eine erste überschlägige Einschätzung Ihres geschilderten Rechtsproblems auf Grundlage der von Ihnen übermittelten Informationen von einem Rechtsanwalt zu erhalten. Die von mir erteilte rechtliche Auskunft basiert ausschließlich auf den von Ihnen zur Verfügung gestellten Sachverhaltsangaben. Durch Hinzufügen oder Weglassen relevanter Informationen im Rahmen Ihrer Sachverhaltsschilderung kann eine völlig andere rechtliche Beurteilung die Folge sein.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen ersten Überblick verschaffen und meine Ausführungen helfen Ihnen weiter. Sie können sich gern im Rahmen der Nachfrageoption auf diesem Portal mit mir in Verbindung setzen.

Über eine positive Bewertung freue ich mich

Nachfrage vom Fragesteller 15.07.2013 | 15:15

Sehr geehrte Anwältin
Vielen Dank für Ihre ausführliche Information.
Ich gehe davon aus, dass eine Schuldnerberatung für mich nicht zuständig ist, da es sich um eine Geschäftspleite/-aufgabe ging. das war zumindest meine erste Information vom Roten Kreuz. Einen Insolvenzanwalt wollte ich wohl gerne beauftragen, aber der verlangte 3000 € sofort, bevor er sich mit dieser Sache beschäftigt. Das konnte ich nicht, also hat er mich abgelehnt. Der jetzige Anwalt ist offensichtlich damit überfordert. Den Rat mit der VW-Bank höre ich zum ersten Mal. Mein jetziger Anwalt rät mir dazu, die 20 € anzunehmen. Aber bei einem Zinssatz von 14% zahle ich in hundert Jahren noch an 15.000 € rum, die ursprünglich nur 12.000 € waren. In 1 1/2 sind da mit Zinsen und Gebühren schon knapp 3000 € dazu gekommen.
Wenn mir 157 € gepfändet werden, kann ich besser meinen Minijob kürzen und innerhalb des pfändungsfreien Rahmens bleiben. Ich überlege ob ich neben meinem 20-Stunden-Job noch freiberuflich (also selbständig) arbeite. Was ändert sich dann für mich im Falle einer Insolvenz?
Beste Grüße

Nachfrage vom Fragesteller 15.07.2013 | 15:15

Sehr geehrte Anwältin
Vielen Dank für Ihre ausführliche Information.
Ich gehe davon aus, dass eine Schuldnerberatung für mich nicht zuständig ist, da es sich um eine Geschäftspleite/-aufgabe ging. das war zumindest meine erste Information vom Roten Kreuz. Einen Insolvenzanwalt wollte ich wohl gerne beauftragen, aber der verlangte 3000 € sofort, bevor er sich mit dieser Sache beschäftigt. Das konnte ich nicht, also hat er mich abgelehnt. Der jetzige Anwalt ist offensichtlich damit überfordert. Den Rat mit der VW-Bank höre ich zum ersten Mal. Mein jetziger Anwalt rät mir dazu, die 20 € anzunehmen. Aber bei einem Zinssatz von 14% zahle ich in hundert Jahren noch an 15.000 € rum, die ursprünglich nur 12.000 € waren. In 1 1/2 sind da mit Zinsen und Gebühren schon knapp 3000 € dazu gekommen.
Wenn mir 157 € gepfändet werden, kann ich besser meinen Minijob kürzen und innerhalb des pfändungsfreien Rahmens bleiben. Ich überlege ob ich neben meinem 20-Stunden-Job noch freiberuflich (also selbständig) arbeite. Was ändert sich dann für mich im Falle einer Insolvenz?
Beste Grüße

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 15.07.2013 | 16:02

Sehr geehrte Fragestellerin,

die Nachfrageoption ist für den Fall gedacht, dass etwas unverständlich war. Ihre Frage nach der freiberuflichen Selbständigkeit parallel zu Ihrer Beschäftigung in der Insolvenz ist eine völlig neue Frage. Diese kann ich hier leider als Nachfrage nicht beantworten.
Dennoch teile ich Ihnen mit, dass sich die Pfändungsgrenze in dem geschilderten Fall nicht ändern würde. Heranzuziehen sind hierbei immer all Ihre Einkünften, auch die aus selbständiger Tätigkeit. Ich hoffe, Ihnen hiermit trotzdem weitergeholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

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