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Inobhutnahme Sohn

03.08.2020 14:29 |
Preis: 69,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Helge Müller-Roden


Zusammenfassung: Gem. § 42 SGB VIII sind Jugendämter berechtigt und verpflichtet, ein Kind oder einen Jugendlichen in seine Obhut zu nehmen, wenn das Kind oder der die das Jugendliche um Obhut bittet oder eine dringende Gefahr für das Wohl des Kindes oder der die des Jugendlichen die Inobhutnahme erfordert.

Mein Sohn F (10 Jahre) wohnt mit seinen zwei älteren Geschwistern bei meiner Ex-Frau. Wir sind seit 2015 getrennt, wurden 2016 geschieden.
Da meine Ex-Frau in der Trennungsphase ursprünglich in Ihre 500km entfernte Heimat zurückziehen wollte, besitzt meine Ex-Frau seitdem das Aufenthaltsbestimmungsrecht.
Zu dem geplanten Wegzug ist es faktisch nie gekommen, meine Ex-Frau und meine Kinder wohnen seither 15 Fahrminuten von mir entfernt.

Wir haben beide Sorgerecht, ich übe regelmäßig mein Umgangsrecht aus. Meine Kinder sind jedes zweite Wochenende bei mir, hälftig in den Ferien, darüber hinaus auch je nach Absprache mal unter der Woche oder über mehrere Tage während der schulfreien Zeit in der Corona-Krise.
Ich habe ein gutes Verhältnis zu meinen Kindern, meine Kinder sind gerne bei mir.

Da es zwischen meiner Ex-Frau und unserem Sohn F regelmäßig zu Streitigkeiten gekommen ist (verbale Entgleisungen, ein durch Hüpfen beschädigtes Sofa) wurde in der Vergangenheit von ihr mehrfach die Polizei (!) gerufen, um F maßregeln zu lassen. So auch am frühen Abend des 14.07.2020.
Die Polizei hat daraufhin das Jugendamt verständigt und um einen Entscheid zum weiteren Vorgehen gebeten. Ich habe am 14.07.2020 um 17:40 einen Anruf vom Jugendamt erhalten, ich solle meinen Sohn F binnen 10 Minuten abholen, ansonsten würden das Jugendamt eine Inobhutnahme anordnen („wir wollen auch Feierabend machen").
Ich machte dem Jugendamt klar, dass ich noch bei der Arbeit bin (ca. 45 Minuten Fahrtzeit) und nicht so schnell reagieren könne; auf meine Ankunft wollte das Jugendamt nicht warten und hat die sofortige Inobhutnahme angekündigt.
Nachweislich wurde mein Sohn F dann erst gegen 20:30 von der Polizei bei meiner Ex-Frau abgeholt und in eine Jugendhilfeeinrichtung gebracht.

Ich habe noch am selben Abend per Mail der Inobhutnahme beim Jugendamt widersprochen und angeboten, meinen Sohn dauerhaft bei mir aufzunehmen. Den Widerspruch habe ich in den Folgetagen mehrfach schriftlich wiederholt.

In dieser Einrichtung befindet sich mein Sohn (10 Jahre!) seit nunmehr fast drei Wochen. Ein Kontaktaufnahme durch mich wurde seitens des Jugendamts abgelehnt, ich weiß weder wo mein Sohn genau ist, noch wie ich ihn erreichen kann. Man gibt mir keine Auskunft, es wird auf Datenschutz verwiesen.
Dies obwohl ich über die letzten Jahre fast täglich telefonischen Kontakt zu meinen Kindern hatte!

Ich habe mir nie etwas zu Schulden kommen lassen, es gibt keinen sachlichen Grund mir den Kontakt zu verweigern.

Mein Anliegen ist es, meinen Sohn F möglichst kurzfristig aus der Inobhutnahme zu bekommen. Er könnte dauerhaft in meinem Haushalt leben.
Um mein Recht durchzusetzen habe ich seit zwei Wochen einen Anwalt beauftragt. Leider geschieht seitens des Anwalts wenig. Er hat bei Gericht eine Sachstandsauskunft beantragt und erfahren, dass der Fall seit meinem Einspruch wohl beim Familiengericht liegt, aber noch keine Ladung etc. erfolgt sei.
Mir rennt die Zeit davon, ich habe seit Monaten einen gemeinsamen Urlaub mit meinen drei Kindern ab 22.08.2020 in Italien gebucht, den ich gerne wahrnehmen möchte.

Ich möchte wissen, welche Maßnahmen ich ergreifen kann, um meinen Sohn kontaktieren zu können bzw. wie ich ihn aus der Inobhutnahme bekomme.

Danke im Voraus.

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

§ 42 SGB VIII regelt die Inobhutnahme von Kindern/Jugendlichen durchs Jugendamt:
(1) 1Das Jugendamt ist berechtigt und verpflichtet, ein Kind oder einen Jugendlichen in seine Obhut zu nehmen, wenn
1. 1. das Kind oder der Jugendliche um Obhut bittet oder
2. 2. eine dringende Gefahr für das Wohl des Kindes oder des Jugendlichen
die Inobhutnahme erfordert und
a) die Personensorgeberechtigten nicht widersprechen oder
b) eine familiengerichtliche Entscheidung nicht rechtzeitig eingeholt
werden kann oder
3. 3. ein ausländisches Kind oder ein ausländischer Jugendlicher unbegleitet
nach Deutschland kommt und sich weder Personensorge- noch
Erziehungsberechtigte im Inland aufhalten.
2Die Inobhutnahme umfasst die Befugnis, ein Kind oder einen Jugendlichen bei einer geeigneten Person, in einer geeigneten Einrichtung oder in einer sonstigen Wohnform vorläufig unterzubringen; im Fall von Satz 1 Nummer 2 auch ein Kind oder einen Jugendlichen von einer anderen Person wegzunehmen.

Allerdings ist die Maßnahme vorläufig und bedarf einer zeitnahen Bestätigung durch das Familiengericht. Wenn die Inobhutnahme am 14.07.2020 erfolgte, obwohl das Jugendamt wusste, dass Sie bereit und in der Lagen waren, Ihren Sohn zu sich zu nehmen, ist die Maßnahme an sich bereits rechtswidrig.

Das verstärkt sich noch durch deren Dauer und grenzt an einen Fall von Kindesentzug. Die Erziehung ihres Kindes ist das originäre Recht und auch die Pflicht der Eltern, so dass das Jugendamt Kinder an ihre Eltern auch zurückgeben muss, wenn die Familienverhältnisse nicht ideal sind.

Ich empfehle an das Amtsgericht eine einstweilige Verfügung zu richten
und so die Kindesherausgabe beim Familiengericht zu beantragen,
um zumindest die Kontaktaufnahme durch Sie zu erreichen
in deren Rahmen eine gerichtliche Anhörung des Kindes erfolgen kann.
und bei der Polizei eine Strafanzeige wegen Kindesentzug zu stellen

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

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