Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.084
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Ich wurde enterbt durch Verleumdung im Testament


| 10.04.2006 14:21 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Michael Böhler



Sehr geehrte Frau Anwältin, sehr geehrter Herr Anwalt,
Ich bin im Alter von 16 Jahren, auf Grund schulischer Probleme von zuhause ,,weggelaufen´´.Ich lebte unter Aufsicht des Jugendamtes, bei der Mutter eines Freundes, mit dem ich zusammen,
zur Schule ging.In dieser Zeit haben mein Freund und ich eine
Dummheit begangen, insofern, als wir mit dem Konsum von Cannabis und Marihuana anfingen.Nach 1 Jahr etwa, zeigte mein Vater mich
bei der Polizei an, ich wurde verurteilt, wegen Verstoss gegen das BTMG, zu 1 Jahr auf Bewährung.Ich bedauerte mein Handeln zutiefst. Ich zog wieder zu meinen Eltern, machte mein Abitur,
ging zur Bundeswehr, studierte Modedesign.Ausser dieser ,,Jugend-
sünde´´,hat es nie mehr Anlass zur Sorge oder zu Streit für meine Eltern gegeben. Meine Mutter verstarb 1985.Mein Vater heiratete 1987, zum zweiten Mal.-6- Jahre später,1993,erfuhr ich dann,von meinem Vater, dass ich ein adoptiertes Kind bin.Seitdem hatte ich nur einen distanzierten, persönlichen Kontakt zu ihm, wie auch zu meinem Bruder. Als mir 2003, am Telefon durch die Frau meines Vaters mitgeteilt wurde, ich solle meinen Vater, nicht mehr zuhause besuchen kommen,klingelten bei mir die Alarmglocken. Ich ließ mir über meinen Anwalt,Einsicht in das Testament meiner Eltern geben.Im gemeinsamen Testament meiner Eltern(meiner verstorbenen Mutter und meines Vaters),musste ich dann folgendes lesen:
,,wir machen uns gegenseitig zu Alleinerben.Nach dem Tod des letztverstorbenen, soll unser Sohn Claus, alleiniger Erbe werden. Unseren Sohn Thomas,enterben wir ausdrücklich.Wir entziehen ihm auch den Pflichtteil.Unser Sohn Thomas ist seit 1 Jahr drogenabhängig. Wir werden von ihm fortwährend beleidigt.Ausserdem, hat unser Sohn Thomas, in einem Gespräch mit seiner Mutter, ihr gegenüber angedeutet, er werde seinem Vater, noch ein Messer in den Bauch rammen.´´Diese Aussagen sind, bis auf die Tatsache, dass ich mit 17,Drogen konsumiert habe,nicht wahr.Die Auskunft, um welche ich Sie bitte, betrifft meine Chancen,meinen Pflichtteil hier, gegen dieses Testament, einklagen zu können.Ich möchte es noch einmal, betonen, dass ich immer, ein völlig liebevolles, wie intaktes Verhältnis, zu meinen Eltern, hatte.Dieses Testament hat mich zutiefst, geschockt. Seit 2003,habe ich nachweislich Depressionen und musste mich, diesbezüglich, auch in therapeutische Behandlung begeben.Meine zweite Frage,betrifft die Behauptung meiner Mutter,,er werde seinem Vater noch ein Messer in den Bauch rammen.´´Muss ich in diesem Falle, den Gegenbeweis erbringen können ? Immerhin ist meine Mutter, 1985, verstorben.Für einen anwaltlichen Rat bin ich Ihnen, sehr verbunden.Mit freundlichen Grüssen, dean59

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich auf Grundlage Ihrer Angaben wie folgt beantworten möchte:

Zunächst einmal spielt es keine Rolle, ob Sie ein leibliches oder adoptiertes Kind Ihres Vaters sind; dadurch, dass er Sie (zusammen mit Ihrer verstorbenen Mutter) als Kind angenommen hat, sind Sie wie ein leibliches Kind zu behandeln. Dies regelt § 1754 Abs. 1 BGB:

„Nimmt ein Ehepaar ein Kind an oder nimmt ein Ehegatte ein Kind des anderen Ehegatten an, so erlangt das Kind die rechtliche Stellung eines gemeinschaftlichen Kindes der Ehegatten.“

Weiter steht Ihrem Vater das Recht zu, Ihren gesetzlichen Erbteil durch letztwillige Verfügung (Testament, Erbvertrag usw.) zu Ihrem Nachteil auf die Hälfte einzuschränken – die Hälfte des Erbteils steht Ihnen aber als Pflichtteil zu, § 2303 Abs. 1 BGB:

„Ist ein Abkömmling des Erblassers durch Verfügung von Todes wegen von der Erbfolge ausgeschlossen, so kann er von dem Erben den Pflichtteil verlangen. Der Pflichtteil besteht in der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils.“

Einziger Weg, Ihnen auch den Pflichtteil zu entziehen, ist das Vorliegen eines Grundes des § 2333 BGB:

„Der Erblasser kann einem Abkömmling den Pflichtteil entziehen:
1. wenn der Abkömmling dem Erblasser, dem Ehegatten oder einem anderen Abkömmling des Erblassers nach dem Leben trachtet,

2. wenn der Abkömmling sich einer vorsätzlichen körperlichen Misshandlung des Erblassers oder des Ehegatten des Erblassers schuldig macht, im Falle der Misshandlung des Ehegatten jedoch nur, wenn der Abkömmling von diesem abstammt,

3. wenn der Abkömmling sich eines Verbrechens oder eines schweren vorsätzlichen Vergehens gegen den Erblasser oder dessen Ehegatten schuldig macht,

4. wenn der Abkömmling die ihm dem Erblasser gegenüber gesetzlich obliegende Unterhaltspflicht böswillig verletzt,

5. wenn der Abkömmling einen ehrlosen oder unsittlichen Lebenswandel wider den Willen des Erblassers führt."

Möglich wäre hier Alternative 1 wegen der angeblichen Drohung, dem Vater ein Messer in den Bauch zu rammen; dies setzt den ernsten Willen zur Herbeiführung des Todes des Erblassers voraus. In Ihrem Fall kann das nicht angenommen werden: weder kann Ihnen eine derartige Äußerung bezeugt werden und selbst wenn hätten Sie den ernsten Willen nicht gehabt.

Dann wäre höchstens Alternative 5 einschlägig. Doch auch wenn Sie drogenabhängig wären, könnten Sie deswegen nicht den Pflichtteil verlieren, wenn Sie sich zum Zeitpunkt des Erbfalls dauerhaft von diesem Lebenswandel abgewendet hätten. Dies regelt § 2336 Abs. 4 BGB:

§2336BGB
„(1) Die Entziehung des Pflichtteils erfolgt durch letztwillige Verfügung.
(2) Der Grund der Entziehung muss zur Zeit der Errichtung bestehen und in der Verfügung angegeben werden.
(3) Der Beweis des Grundes liegt demjenigen ob, welcher die Entziehung geltend macht.
(4) Im Falle des § 2333 Nr. 5 ist die Entziehung unwirksam, wenn sich der Abkömmling zur Zeit des Erbfalls von dem ehrlosen oder unsittlichen Lebenswandel dauernd abgewendet hat.“



Die Beweislast (Abs. 3) trifft die Erben Ihres Vaters (also momentan dessen Frau und Ihren Bruder): von diesen müsste Ihnen also nachgewiesen werden, dass Sie drogenabhängig sind. Da diesen das – wie von Ihnen geschildert – nicht gelingen kann, müssen Sie auch keine Besserung im Sinne des Abs. 4 beweisen (dies würde von einem wirklich Drogenabhängigen uU verlangt).

Sie haben also Ihren Pflichtteilsanspruch gegen die übrigen Erben durch das Testament nicht eingebüßt und können diesen nach dem Erbfall erfolgreich geltend machen.

Auch bestünde die Möglichkeit, Ihren Vater zur Unterlassung dieser unwahren ehrenrührigen Äußerungen zu zwingen. Ebenso könnten Sie ihn wegen der verwirklichten Ehrdelikte strafrechtlich verfolgen lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Böhler
Rechtsanwalt
Bewertung des Fragestellers |


Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Sehr geehrter Hr.Boehler, Vielen Dank für Ihre sehr ausführliche
Antwort zu meinem Fall.Sie haben mir hier sehr klar aufgezeigt, wie die argumentative Vorgehensweise, im Falle einer Klageerhebung zu wählen wäre. Mit freundlichen Grüssen,
"
FRAGESTELLER 5/5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60078 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Ausführlich, verständlich und klar geschrieben. Sehr zufrieden. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Herr RA Vasel erschien mir sehr kompetent, da er auch bei angedachtem weiteren Verfahren meines Steuerberaters fundierte Bedenken, gerade paradoxerweise bezüglich eventuell sich daraus ergebender steuerlicher Nachteile, hatte ... ...
FRAGESTELLER
3,2/5,0
Ohne Paragraphenangabe, alles pi x Daumen, man hätte zb § 850d ZPO oder sowas erwähnen können, Frage wurde obendrein unvollständig beantwortet aber Alles in Allem eine kleine Übersicht, musste im Endeffekt trotzdem alles Nachschlagen ... ...
FRAGESTELLER