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Ich (23) wurde beim Ladendiebstahl erwischt, wie soll ich mich jetzt verhalten ?

01.04.2009 10:19 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Christian Joachim


Guten Tag,

ich (23) wurde beim Ladendiebstahl erwischt. Der Wert der Ware beläuft sich auf ca. 30 €.
Ich hatte die Waren in einem Stoffbeutel und offenem Rucksack im Einkaufswagen liegen (kleine Artikel), zusammen mit anderer Ware die ich jedoch regulär an der Kasse gekauft habe.
Von Dedektiv wurde ich direkt hinter Kasse nach Bezahlen angesprochen.
Im Büro war ich mit dem Dedektiv alleine (ohne Polizei) , auf die Fragen ob ich die Tat zugeben würde habe ich gesagt dass ich vorerst keine Angaben machen würde. Er kopierte mienen Ausweis und gab mir einen Zettel mit den Überweisungsdaten für die "Fangeprämie" mit. Ich habe nichts unterschrieben.

Wie soll ich mich jetzt verhalten ? Was wird folgen wie gegenüber der Polizei verhalten ?

1. Ist es ratsam zu sagen man habe es einfach im Einkaufswagen übersehen ? Wie wäre dann der weitere ablauf ?

2. Fangprämie überweisen oder erst abwarten ?

3. Nächsten Schritte um möglichst wenig weitere Probleme und hohe Kosten zu verursachen ?

Sehr geehrter Fragesteller,

herzlichen Dank für Ihre Fragen und dem damit entgegengebrachten Vertrauen.

In Ihrem Fall ist zwischen zwei wesentlichen Aspekten zu unterscheiden. Der strafrechtlichen Verfolgung und der zivilrechtlichen Ansprüche des Kaufhauses hinsichtlich der Fangprämie.

Zunächst zur Fangprämie. Rechtsprechung und Literatur sind sich bezüglich der Beurteilung der Fangprämie uneinig. Zum einen wird in der Literatur davon ausgegangen, dass eine Fangprämie zwar zu zahlen ist, die Obergrenze sollte hier jedoch regelmäßig der Warenwert der gestohlenen Sache bilden. Dies sieht der Bundesgerichtshof, allerdings aus einer älteren Entscheidung anders. Er nimmt an, dass Fangprämien in Höhe bis zu 50,00 DM (umzurechnen in Euro) auch bei geringwertigen Sachen ersatzfähig sein sollen. Bei wertvolleren Sachen muss die Prämie jedoch deutlich geringer sein als der Warenwert. Hier darf Sie nach einem Urteil des Landgerichts Berlin 250,00 €, was hier jedoch Luxusgüter betraf, nicht überschreiten. Darüber hinaus kommt es darauf an, ob die Fangprämie gegebenenfalls Bestandteil des zwischen Ihnen und dem Kaufhaus geschlossenen Vertrags hinsichtlich Ihres Einkaufs gekommen ist. Sodann wäre gegebenenfalls aus den AGB, die teilweise in den Kaufhäusern aushängen und auf die Fangprämie hinweisen, eine Fangprämie vertraglich vereinbart worden. Allerdings muss diese auch angemessen sein. Ich gehe dabei unter Berücksichtigung des Vorgenannten von etwa 50,00 € bis 60,00 € als angemessenen Betrag aus. Bearbeitungskosten oder Verwaltungskosten dürfen jedoch nicht erhoben werden.

Eine strafrechtliche Verfolgung droht Ihnen nur, wenn der Ladendiebstahl zur Anzeige gelangt. Sodann wird die Staatsanwaltschaft gegen Sie wegen eines entsprechenden Tatbestandes, also Diebstahl nach § 242 StGB oder auch des Diebstahls geringwertiger Sachen nach § 248a StGB ermitteln. Hier kommt es darauf an, welchen Wert die von Ihnen mitgenommenen Sachen haben. Die Geringfügigkeitsgrenze wird etwa bei 40,00 € - 50,00 € gesehen. Sofern es ein erstmaliger Verstoß bei gegenwärtigen Sachen ist, kann ich mir vorstellen, dass gegebenenfalls eine Einstellung der strafrechtlichen Verfahrens erfolgt. Ansonsten ist gegebenenfalls mit einer Geldstrafe im Rahmen eines Strafbefehls zu rechnen.

Sofern Sie angeben wollen, dass Sie die Waren nur vergessen haben auf das Band zu legen, kann es passieren, dass im Rahmen einer Hauptverhandlung vor einem Gericht der Sachverhalt geklärt wird. Sodann werden Ihre Aussagen und die Aussagen des Hausdetektiv gegenüberstehen und der zuständige Richter wird diese bewerten und gegebenenfalls zu dem Schluss kommen, dass der für den Diebstahl erforderliche Vorsatz vorhanden gewesen ist oder nicht. Allerdings sprechen die Tatsachen bereits gegen Ihre Auslegung, da es zum einen mehrere Sachen gewesen sind und sich diese auch in zwei unterschiedlichen Behältnissen befunden haben.

Sofern Sie nicht tun, werden sie in einigen Wochen erfahren, ob eine entsprechende Anzeige erfolgt ist oder nicht. Falls er dies der Fall sein würde, würden Sie von der zuständigen Polizeidienststelle eine Anhörung erhalten, wo Sie den Sachverhalt aus Ihrer Sicht darstellen können. Dies müssen Sie jedoch nicht. Sodann wird die Angelegenheit an die Staatsanwaltschaft abgegeben, diese entscheidet sodann über das weitere Vorgehen, Einstellung, Strafbefehl oder gegebenenfalls Hauptverhandlung.

Gleiches gilt für die Fangprämie. Auch hier können Sie abwarten, welche Konsequenzen das Kaufhaus zieht.

Sollten Sie jedoch bereits aktiv gegebenenfalls auf die weiteren Abläufe einwirken wollen, so sollten Sie Kontakt mit dem Warenhaus aufnehmen und eine Zahlung anbieten und gegebenenfalls dadurch die Strafanzeige verhindern, sofern diese noch nicht erstattet worden ist. Eventuell lässt sich das Kaufhaus dann auch zu einer Rücknahme der Strafanzeige bewegen.

Dass ein anderer Verlauf eintreten würde, als wenn Sie lediglich abwarten würden, obliegt sodann lediglich Ihrem Verhandlungsgeschick.

Ich hoffe, mit meinen Antworten Ihre Fragen hilfreich beantwortet zu haben und stehe Ihnen selbstverständlich gerne weiterhin zur Verfügung.

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