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Hundebalgerei


27.06.2005 16:43 |
Preis: ***,00 € |

Sozialrecht



Hallo!!

Ich gehe ja mit meinem Hund (English Cocker Spaniel-Rüde, knapp 9 Monate jung) in die Hundeschule. Dort haben wir einen sehr netten Hund(Labrador-Rüde, gleiches Alter) kennengelernt. Die beiden verstehen sich prächtig und spielen gerne miteinander.

Vor ein paar Wochen haben wir diesen Hund mit seinem Frauchen mit ihrer Freundin und drei kleinen Kindern zufällig beim Gassi-Gehen hier in der Stadt getroffen. Beide Hunde waren an der Leine und haben gespielt, so wie sie es in der Hundeschule immer tun.

Eines der Kinder hat gefragt, ob die Hunde kämpfen würden. Darauf hat das Frauchen geantwortet, die Hunde würden nicht jaulen oder quietschen oder ähnliches und würden daher wirklich nur spielen.

Nach ein paar Minuten sagte die Freundin, sie würde gerne gehen, da die Kinder am Brunnen gespielt haben und sie nicht wollte, das sie noch ganz nass werden, worauf auch wir (meine Mutter, mein Hund und ich) weitergegangen sind.

Seit diesem Zeitpunkt war ich nur einmal in der Hundeschule und der Labrador war nicht da. Das war eingentlich nichts neues, denn die beiden fehlen öfter mal. In der Woche darauf habe ich eine Mail an die Hundeschule geschrieben, dass wir die nächsten Wochen nicht kommen können, weil mein Hund operiert wird. Daraufhin kam von der Hundeschule die Antwort, sie würde uns alles Gute wünschen (wegen der OP) und sie hätte ein Fax von der Frau an uns per Post weitergeleitet.

Ich habe mir nur dabei gedacht, das sie vielleicht fragen will, ob wir uns mal treffen könnten, damit die Hunde spielen können. Der Brief kam dann an und damit auch der Schock.
Sie sagt, mein Hund hätte ihren Hund gebissen, ihr Hund hätte aufgejault, sie sich deshalb verabschiedet. Am nächsten Tag hätte sie Blut am Maul ihres Hundes gefunden und eine Woche später wäre sie zum Tierarzt gegangen der gesagt hätte, diese Wunde wäre ein Biß.
Nun hätte sich da ein Abszeß gebildet der rausoperiert werden müßte. Von mir will sie nun die Tierarztkosten haben.

Den Fall habe ich nun der Hundeversicherung gemeldet und die schicken mir Unterlagen zu, die ich ausfüllen soll. Mit der Züchterin meines Hundes habe ich auch darüber gesprochen. Die meint, die Frau hätte sich damit einverstanden erklärt, das die Hunde spielen (beide Hunde an der Leine). Daher würde mich keine Schuld treffen. Die Wunde könnte ihrer Meinung nach auch von einem Stöckchen oder einem Knochen stammen und kein Tierarzt könnte nach dieser Zeit mit Sicherheit sagen, daß die Wunde von einem Biß stammt.

Mittlerweile habe ich noch einmal mit der Frau gesprochen. Sie sagt, sie wollte die Wunde selbst versorgen. Das ist aber schief gegangen und die Wunde hat sich entzündet, so das sie nach einer Woche zum Tierarzt gegangen ist. Die Kosten, die sie nun von mir haben will, belaufen sich auf ca. 160 €.
Meiner Meinung war da aber nichts. Die Hunde haben nur gespielt, so wie sie es immer tun. Ohne Beißen, ohne Alles.

Mir ist dieser Tag auch immer wieder und wieder im Kopf rumgegangen und inzwischern erinnere im mich daran, das der Labrador vor unserem Kommen auf dem Boden gelegen hat und an einer Plastikflasche rumgekaut hat (da hatte ich noch gedacht, dieser Hund hebt auch alles auf, genau wie meiner auch, daher ist mir das im Kopf geblieben). Vielleicht kommt die Verletzung ja daher.

Jetzt weiß ich nicht, was ich tun soll. Wir haben wirklich nichts davon bemerkt, das der andere Hund aufgejault haben soll. Beide Hunde verstehen sich auch prächtig, daher kann ich mir nicht vorstellen, das mein Hund den Anderen beißen soll. Auch weiß ich nicht, ob ich den Fall meiner Versicherung vorlegen soll, weil das ja als Schuldeingeständnis gewertet werden könnte. Und ich will auch nicht, das mein Hund als bissig dargestellt wird, da er das wirklich nicht ist.

Nun hätte ich gerne Ihre Meinung dazu gehört und dazu noch einen Rat, wie ich mich weiterhin verhalten soll.

Viele Grüße
Sehr geehrter Ratsuchender,

Sie könnten nach § 833 BGB zur Zahlung der Tierarztkosten als Schadensersatz verpflichtet sein. Diese Vorschrift begründet eine Gefährdungshaftung des Tierhalters aufgrund der Unberechenbarkeit tierischen Verhaltens.

Danach können Sie schadensersatzpflichtig sein, wenn Ihr Hund den anderen Hund gebissen hat. Das setzt aber voraus:

1. Dass Ihr Hund den anderen Hund wirklich gebissen hat,
2. Das der entstandene Schaden (hier: die Tierarztkosten) hierdurch auch in der geltend gemachten Höhe entstanden sind.

Beide Voraussetzungen muss die gegnerische Hundehalterin beweisen. Gelingt ihr dieser Beweis nicht, brauchen Sie nicht zu zahlen. So kann es - wie Sie selber sagen - durchaus sein, dass der Hund sich anderweitig verletzt hat.

Aber auch wenn es sich wirklich um einen Biss durch Ihren Hund handelt, brauchen Sie keinesfalls die gesamten Tierarztkosten zu tragen. Denn zum einen trifft die andere Halterin dieselbe Gefährdungshaftung, die Sie sich gem . § 254 BGB anrechnen lassen muss (was letztlich wahrscheinlich auf eine 50%ige Haftung hinauslaufen würde). Zum anderen trifft die Geschädigten eine Schadensminderungspflicht. Wenn es also zu einer Verschlimmerung dadurch gekommen ist, dass die Halterin zunächst unfachmännisch an dem Hund "herumgedoktert" hat und erst zum Tierarzt gegangen ist, als das Kind schon in den Brunnen gefallen war, brauchen Sie diese höheren (nicht schadensadäquaten) Kosten nicht zu tragen.

Derweil kann ich Ihnen empfehlen, nicht aus falsch vestandener Scheu die Sache nicht an die Haftpflicht zu melden. Sollte dort ein Prozess auf Sie zukommen und Sie werden zum Schadensersatz verurteilt, wird die Versicherung dann wegen versäteter Meldung nicht zahlen müssen.

Wie Sie nun weiter vorgehen sollten, hängt von Ihrer Einstellung ab. Entweder versuchen Sie eine Einigung zu erzielen (z.B. Hälftige Teilung der Tierarztkosten), oder aber Sie warten erst einmal ab, was jetzt passiert. Dabei spielt Ihnen jedenfalls zu, dass die Beweislast bei der Gegnerin liegt und dass sich wohl nicht zweifelsfrei feststellen lässt, ob die Verletzung von einem Biss Ihres Hundes stammt.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas J. Lauer
Rechtsanwalt
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