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Hotelüberbuchung

11.04.2013 20:33 |
Preis: ***,00 € |

Reiserecht


Zusammenfassung: Überbuchung eines Hotels als Reisemangel; Unterbringung in einer Ersatzunterkunft; Minderung des Reisepreises


Ich habe das einzige Hotel, welches sich im Vatikanstaat befindet, für 2 Tage bei einem Veranstalter und danach für 1 Tag mit einem Veranstalter anderen gebucht (war nicht anders möglich) , um das (Vor) Konklave live mitzuerleben. Zu Beginn des Konklave bin ich angereist- das Hotel war überbucht. Der Grund, der mir genannt wurde: Das Hotel ist wohl vertraglich dazu verpflichtet Vatikanbedienstete in dieser Zeit dort unterzubringen. Ich habe verlangt, wenigstens ein Hotel am Petersplatz zu bekommen, aber das konnte mir natürlich nicht mehr angeboten werden. Das angebotene Hotel habe ich abgelehnt, da die Lage überhaupt nicht in Frage kam. ( ich kenne mich in Rom gut aus, da ich dort ca. 2x im Jahr bin) Ich habe ein Upgrade auf ein 5Sterne Hotel in der Stadtmitte angenommen, da ich ja irgendwo bleiben mußte und mir die Lage und Ausstattung diese Hotel bekannt war. Es handelt sich um ein wirklich gutes Hotel, aber mir ging es ja um die Lage! In diesem Hotel wurde kein Deutsch gesproch, was auch von mir ein Kriterium für das "Vatikanhotel" war. Taxi wurde bezahlt. Habe die Reiseveranstalter über die Situation sofort telefonisch in Kenntnis gesetzt und erklärt dass die Situation inakzeptabel für mich ist. Ich habe ja schließlich Vatikan und nicht Italien gebucht.Ich bin nur nach Rom geflogen, um die Pabstwahl live zu erleben, deshalb war mir eine Unterkunft am Vatikan wichtig. Ich hatte keine Lust mich jeden Tag durch die Menschenmassen zu quälen, sondern wollte alles entspannt von der Dachterrasse aus beobachten. Auf Nachfragen meinerseits wurde mir auch die Benutzung der Dachterrasse gestattet, aber ich mußte ja trotzden, um dorthin zu gelangen, durch die Stadt und durch das Gedränge. Der 2. Reiseveranstalter hat mir den halben Reisepreis und einen 30 Euro Gutschein erstattet - damit habe ich mich einverstanden erklärt. Der erste Reiseveranstalter bietet mir lediglich einen Reisegutschein über 30 Euro an, damit ich mich" bei der nächsten Reise davon überzeugen kann, dass eine Reise auch ordnungsgemäß durchgeführt werden kann". Die Hotelkosten für die 2 Tage betrugen ca. 290 Euro. Ich möchte die Angelegenheit nicht auf sich beruhen lassen, da ich mich entsetzlich über die Vorkommnisse geärgert hab. Nach meiner Rückreise habe ich auf eine Minderung des Reisepreises bestanden. Nach langem Hin- und Her hat der Veranstalter alle Ansprüche abgelehnt. Ich habe mit anwaltlichen Schritten gedroht. Soll ich jetzt den Vorgang einem Anwalt übergeben, oder wie soll ich weiter vorgehen?
Vielen Dank
> Ich hoffe Sie können mir helfen.
> Mit freundlichen Grüßen

Sehr geehrter Ratssuchender,

gerne beantworte ich Ihre Frage aufgrund Ihrer Sachverhaltsschilderung wie folgt:

Die Überbuchung des durch Sie gebuchten Hotels stellt einen Reisemangel i. S. d. § 651c Abs. 1 BGB dar. Der Reiseveranstalter hat insoweit jedoch Abhilfe geschaffen, indem er Ihnen eine Ersatzunterkunft zur Verfügung gestellt hat. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass eine Ersatzunterkunft grundsätzlich in Standard, Kategorie und räumlicher Lage zum gebuchten Objekt vergleichbar sein muss (Führich, Basiswissen Reiserecht Rn 158).

Nach Ihren Angaben haben Sie ein „Upgrade" auf ein 5-Sterne-Hotel erhalten, so dass ich davon ausgehe, dass das Ersatzhotel im Hinblick auf Standard und Kategorie zumindest gleichwertig, wenn nicht sogar besser war.

In Bezug auf die räumliche Lage ist auf Folgendes hinzuweisen:

Wird der Reisende in einem gleichwertigem Ersatzhotel untergebracht, liegt nach der Rechtsprechung ein Reisemangel vor, wenn sich die Ersatzunterkunft in einem anderen Ort befindet (so Tonner / MüKo, § 651c BGB Rn 32). Dabei nimmt die Rechtsprechung – je nach Einzelfall – Minderungsquoten zwischen 18 und 30 % an (vgl. beispielsweise AG Hamburg, RRa 2001, 260; AG Düsseldorf, RRa 1997, 87; AG Düsseldorf, NJW-RR 2003, 1363).

Teilweise spricht die Rechtsprechung dem Reisenden bereits allein wegen der Zuweisung einer Ersatzunterkunft eine Minderung zu (so Tonner / MüKo, § 651c BGB Rn 27). Insoweit wird von den Instanzgerichten vertreten, dass allein die Unterbringung in einem anderen Hotel eine Minderung von 10 bis 20 % des Reisepreises rechtfertigt (so AG Düsseldorf, RRa 2004, 179; AG Hamburg, RRa 2005, 217; AG Frankfurt, NJW-RR 2000, 787).

Fehlende Deutschkenntnisse des Personals stellen dagegen nur dann einen Reisemangel dar, wenn dies bei der Buchung ausdrücklich – beispielsweise im Reiseprospekt – zugesichert war (so AG Duisburg, RRa 2008, 72). Anderenfalls muss der Reiseveranstalter im Ausland kein deutschsprachiges Personal einsetzen (AG Bad Homburg, RRa 1996, 19). Ob vorliegend eine Zusicherung seitens des Reiseveranstalters getätigt wurde, kann ich mangels Kenntnis der entsprechenden Unterlagen nicht abschließend beurteilen.

Da Ihnen zudem ein Taxi durch den Reiseveranstalter zur Verfügung gestellt wurde und Sie auch die Dachterrasse des ursprünglich gebuchten Hotels nutzen konnten, dürften weitere Minderungsansprüche ausscheiden. Insbesondere die Tatsache, dass Sie letztlich durch das Gedränge in der Stadt mussten, dürfte lediglich als eine geringfügige Abweichung und somit als Unannehmlichkeit zu werten sein.

Nach Ihren Angaben könnte vorliegend daher eine Minderung des Reisepreises in einem Bereich zwischen 10 bis 20 % in Betracht kommen, wobei eine seriöse Einschätzung natürlich erst nach Durchsicht sämtlicher Unterlagen erfolgen könnte. Einen Reisegutschein im Rahmen der Minderung müssen Sie natürlich nicht akzeptieren.

Aufgrund der Tatsache, dass der Reiseveranstalter zwischenzeitlich alle Ansprüche zurückgewiesen hat, würde ich empfehlen, die Angelegenheit einem Rechtsanwalt zur weiteren Bearbeitung zu übergeben. Gerne bin ich bereit, Ihre Ansprüche geltend zu machen.

Ich hoffe, Ihnen einen ersten Überblick verschafft zu haben.

Ich weise abschließend darauf hin, dass es durch Hinzufügen und Weglassen wesentlicher Umstände im Sachverhalt durchaus zu einer komplett anderen rechtlichen Bewertung kommen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Neubauer
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 12.04.2013 | 10:57

Sehr geehrter Herr Neubauer,

ich danke Ihnen für die schnelle Beantwortung meiner Frage. Bei einer Reisepreisminderung von 10-20% würde die Entschädigung max. 60 Euro betragen, sodass es sich für mich finaniell überhaupt nicht lohnen würde, einen Anwalt zur weiteren Bearbeitung hinzuzuziehen. Könnte nicht auch die unterlassenen Informationspflicht und die aufgewendete Zeit für den Umzug in das andere Hotel noch geltend gemacht werden? Der Veranstalter kann aber wohl belegen, dass er vom Hotel nicht benachrichtigt wurde.
Mit freundlichen Grüßen

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 12.04.2013 | 11:16

Sehr geehrter Ratssuchender,

gerne beantworte ich Ihre Nachfrage wie folgt:

Der Umzug in ein Ersatzhotel berechtigt den Reisenden regelmäßig zu einer Reisepreisminderung in Höhe von 50 % des Tagesreisepreises, da regelmäßig für das Ein- und Auspacken der Koffer, die organisatorische Abwicklung des Umzugs und das Zurücklegen des Weges zwischen den Hotels nicht mehr als ein halber Reisetag anfällt (AG Duisburg, RRa 2008, 72; LG Düsseldorf, RRa 1997, 13).

Dies ist regelmäßig der Fall, wenn Reisende in einem Hotel untergebracht waren und dann nach einigen Tagen in ein anderes Hotel umziehen. Vorliegend habe ich Ihre Angaben so verstanden, dass Sie nach Ankunft im Vatikan gar nicht erst in das ursprüngliche Hotel eingecheckt sind, sondern direkt in das Ersatzhotel fuhren, so dass wohl ein Umzug nicht gesondert zu entschädigen wäre.

Auch die unterlassene Information durch die Überbuchung dürfte eine weitere Minderung nicht rechtfertigen, zumal dem Hotel nach Ihren Sachverhaltsangaben die Überbuchung nicht bekannt war.

Da der Reiseveranstalter nach Ihren Angaben die Minderungsansprüche endgültig abgelehnt hat, wären die außergerichtlich entstehenden Rechtsanwaltskosten ersatzfähig, da sich der Reiseveranstalter dann in Verzug befinden würde. Sollte Ihnen diese Ablehnung schriftlich vorliegen, könnte dies hierdurch nachgewiesen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Neubauer
Rechtsanwalt

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