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Hotel ist noch nicht fertig gebaut!


| 01.04.2005 18:27 |
Preis: ***,00 € |

Vertragsrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 02.03.05 buchten wir (2 Erwachsene + 2 Kinder) eine Pauschalreise nach Ägypten für den Zeitraum 12.05. - 19.05.05. Da es laut Katalog ein neues Hotel ist, rief das Reisebüro vor Reservierung beim Reiseveranstalter an, der die Fertigstellung des Hotels zum Reisetermin bestätigte.

Auf der Homepage der Hotelkette fand ich diese Woche die Info, dass die Eröffnung des Hotels auf Juni verschoben wurde. Laut dem Google-Cache war ersichtlich, dass diese Info mindestens seit dem 06.03.05 dort stand.

Nachdem wir über das Reisebüro beim Veranstalter nachfragen ließen, bekamen wir am folgenden Tag ein Fax mit der Info, dass das gebuchte Hotel nicht rechtzeitig öffnen wird. Als Alternative bot man uns das Nachbarhotel an, das über die Konzernmutter des Reiseveranstalters vertrieben wird, zu den gleichen Konditionen, obwohl es "nur" 4 Sterne hat (das gebuchte hat die Kategorie 4+). Direkt über die Konzernmutter wäre dieses Hotel insgesamt jedoch 100 EUR billiger zu buchen und die Visagebühren in Höhe von 100 EUR wären hier auch schon erhalten. Auf Anfrage sagte man uns zu, den Katalogpreis der Konzernmutter zu erhalten, die Visagebühren wären aber unser Problem, sodass wir durch einen von uns nicht zu vertretenden Fehler für eine identische Reise 100 EUR mehr bezahlen sollen, als jemand, der die Reise bei der Konzernmutter direkt gebucht hat. Eine weitere Kulanzregelung wurde telefonisch ausgeschlossen.
Weiterhin bot man uns eine kostenfreie Umbuchung auf ein anderes Hotel des Kataloges zum Katalogpreis sowie eine kostenfreie Stornierung an.

Damit nicht genug: Die kostenfreie Stornierung und Neubuchung des Ersatzhotels bei der Konzernmutter zum günstigeren Preis scheiterte an fehlenden Flügen, da der Reiseveranstalter die für uns gebuchten Flüge angeblich technisch nicht zur Konzernmutter abgeben konnte. Heute konnte das Reiesebüro doch noch Flüge organisieren, nun ist bei der Konzernmutter jedoch der günstige Preis nicht mehr zu bekommen, da die Frühbucherphase vorbei ist, sodass es preislich nun gleich ist, welches "Angebot" wir annehmen.

Wir würden die Reise natürlich gerne antreten, aber finden den Umgang ziemlich ärgerlich.

Was können wir machen?

- Was wäre, wenn wir auf die Einhaltung der Buchung bestehen würden?
- Kann der Reiseveranstalter vom Vertrag zurücktreten?
- Welche Forderungen sind bei einer Stornierung durch uns gegenüber dem Reiseveranstalter durchsetzbar?
- Ist das Verhalten des Reiseveranstalters rechtens?

Über eine kurze rechtliche Beurteilung mit Tipps für die weitere Vorgehensweise wäre ich Ihnen dankbar.

Beste Grüße
Ein Ratsuchender

Anbei einen Auszug aus den Reisebedingungen im Katalog:

- Der Reiseveranstalter kann bis 4 Wochen vor Reiseantritt von der Reise zurücktreten, wenn die Durchführung der Reise nach Ausschöpfung aller Möglichkeiten für den Reiseveranstalter deshalb nicht zumutbar ist, weil die ihr im Falle der Durchführung entsthenden Kosten eine Überschreitung der wirtschaftlichen Opfergrenze, bezogen auf diese Reise, bedeuten würden. Ein Rücktrittsrecht des Reiseveranstalters besteht jedoch nicht, wenn er die dazu führenden Umstände zu vertreten hat (z.B. Kalkulationsfehler) oder wenn er diese Umstände nicht nachweisen kann.
- Der Reiseveranstalter kann bis 2 Wochen vor Reiseantritt von der Reise zurücktreten bei Nichterreichen einer in der Leistungsbeschreibung und/oder in der Reisebestätigung angegebenen Mindestteilnehmerzahl.
- Im Falle des Rücktritts durch den Reiseveranstalter ist der Reisende berechtigt, die Teilnahme an einer mindestens gleichwertigen anderen Reise zu verlangen, wenn der Reiseveranstalter in der Lage ist, eine solche Reise ohne Mehrpreis für den Reisenden aus ihrem Angebot anzubieten.
01.04.2005 | 19:35

Antwort

von


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August-Bebel-Straße 29
63225 Langen
Tel: 06103 - 2707599
Web: kanzlei-sachse.de
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Sehr geehrter Fragesteller/in,

Zunächst versuche ich etwas Ordnung in das vertragliche Wirrwar zu bringen.

Wenn ich Sie richtig verstanden habe, hat Ihr Reiseveranstalter zunächst wegen Nichtfertigungsstellung die Reise abgesagt.
Danach haben Sie dem Antritt einer Ersatzreise zu den telefonisch abgesprochenen Bedingungen zugestimmt. Diese Reise lässt sich nun aber erneut - diesmal wegen fehlender Flüge - nicht realisieren.

Schwarz auf Weiss haben Sie wahrscheinlich nur den ursprünglichen Vertrag nebst darauf bezogener Absage des Veranstalters.

Da Ihr Anbieter vorliegend nicht in der Lage ist, die vereinbarte vergleichbare Alternativreise anzubieten (zu deren Annahme Sie im Übrigen auch nicht verpflichtet sind),empfehle ich Ihnen, vom Reisevertrag gegenüber dem Veranstalter zurückzutreten, ihn aufzuforrdern, die Übernahme der Kosten einer ALternativreise zu übernehmen und in Ruhe eine Alternativreise bei einem Drittanbieter im vereinbarten Zeitraum zu buchen.

Diese Reise darf, wenn sie vergleichbar ist, nach der Rechtsprechung ruhig etwas teurer sein.

Das AG Bad Homburg hat etwa entschieden:
Ist eine Ferienanlage einen Monat vor Reiseantritt einer Urlauberfamilie noch nicht fertig gestellt und sagen ihr Ausweichangebote des Veranstalters nicht zu, so muss der Veranstalter die Mehrkosten für eine Ersatzbuchung übernehmen - auch wenn die Reise ( in diesem Fall 80 Prozent) teurer ist als die ursprüngliche. So das Urteil des AG Bad Homburg (Az.: 2 C 2261/01-22).

Dieses Ergebnis entspricht auch der Rechtslage.
Rechtlich ist Ihrem Veranstalter die Erfüllung der Pflicht zur Durchführung der vereinbarten Reise aus einem Grund unmöglich geworden, den er als Veranstalter zu vertreten hat. Als solcher hat er sich nämlich vor dem Angebot der Reise zu vergewissern, dass das von ihm angebotene Hotel zum zeitpunkt der Reise auch fertiggestellt ist.

Sie sind daher vorliegend zum Rücktritt vom Vertrag berechtigt. (Ebenso der Reiseveranstalter nach seinen AGB. Diese entbinden ihn aber keineswegs von der dann bestehenden Schadensersatzpflicht)

Der Reiseveranstalter haftet Ihnen auf Schadensersatz.
Da hier Schadensersatz wegen Nichterfüllung geschuldet wird, haftet er Ihnen auf das sog. positive Interesse.

Das bedeutet, Sie sind so zu stellen, wie wenn der Vertrag ordnungsgemäß erfüllt worden wäre. Sie sind daher berechtigt, eine vom Leistungsspektrum vergleichbare Ersatzreise auf Kosten des Veranstalters bei einem Drittanbieter anzutreten, mag diese letztlich auch teurer sein, als die vom Reiseveranstalter angebotene Reise, wenn keine anderen vergleichbaren Reisen zumutbar zu finden sind.

Daneben können Sie sich auch dafür entscheiden, zu hause zu bleiben. Die entgangenen Urlaubsfreuden sind dann abzugelten. So § 651 f II BGB.

Welcher exakte Betrag als Entschädigung für nutzlos aufgewendete Urlaubszeit verlangt werden kann, hängt von den jeweiligen Gerichten ab. Während sich die Beträge früher weitgehend nach dem entsprechenden Verdienst des Reisenden bemaßen, tendiert die Rechtsprechung derzeit vermehrt dazu, feste Pauschalen zuzusprechen. Im Regelfall werden hier zwischen 25 und 65 Euro je (vollem) Tag und Reiseteilnehmer zugesprochen.

Wichtig ist nur, dass alle Ansprüche gemäß § 651 g binnen eines Monats ab dem vertraglich vereinbarten Ende der Reise geltend gemacht werden müssen.

Ich hoffe, Ihnen weitergeholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

F.Sachse
Rechtsanwalt


Nachfrage vom Fragesteller 02.04.2005 | 16:19

Sehr geehrter Herr Sachse,

ich bedanke mich sehr für Ihre fundierte Auskunft.

Heute haben wir eine vergleichbare Reise gebucht, am Montag werde ich dem "alten" Reiseveranstalter gegenüber schriftlich vom Vertrag zurücktreten und meine Ansprüche ankündigen.

Hierzu noch 2 Fragen:

- Ab wann kann ich die Differenz der beiden gebuchten Reise geltend machen? Sofort oder nach Abschluss der Reise?

- Stünden Sie bei Problemen mit dem "alten" Reiseveranstalter für eine Mandatierung zur Verfügung?

Besten Dank und viele Grüße

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 02.04.2005 | 21:30

Sehr geehrte Fragestellerin,

Den Ersatz des Schadens können Sie unmittelbar nach Erklärung des Rücktritts verlangen, wenn die die Ersatzreise bereits gebucht sein sollte. DIe entstandenen Mehrkosten sind dann umgehend zu ersetzen.

Ich würde mich freuen, Sie in dieser Angelegenheit vertreten zu dürfen.

Mit freundlichen Grüßen

F.Sachse
Rechtsanwalt

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