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Homeoffice aus Deutschland, Arbeitsort Schweiz. Wochenaufenthalt/60 Tage

7. Februar 2022 19:18 |
Preis: 63,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich arbeite seit zwei Jahren in der Schweiz und habe NRW in Deutschland als meine Heimat, zu der ich zurückkehren möchte. Da ich meinen Job auch remote ausüben kann, kam mir die Idee, meinen Permit B in einen Permit G/Wochenaufenthalter zu ändern. Ich würde in Deutschland wohnen, dort im Homeoffice arbeiten und an mindestens 60 Tagen im Jahr in der Schweiz vor Ort bei der Firma arbeiten.

Ist dies grundsätzlich möglich? Wie verhält es sich steuerrechtlich und bezüglich der Sozialversicherung? Könnte es für mich oder den Arbeitgeber Probleme geben?

Viele Dank im voraus

8. Februar 2022 | 11:29

Antwort

von


(647)
Charlottenstr. 14
52070 Aachen
Tel: 0241 - 53809948
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Sehr geehrter Ratsuchender,

gern beantworte ich Ihre Fragen aufgrund der von Ihnen getätigten Angaben wie folgt.

Wochenaufenthalter kehren nur am Wochenende an ihren Hauptwohnort in Deutschland zurück und übernachten unter der Woche am Ort ihres Arbeitsplatzes in der Schweiz. In der Regel wird dort ein Zweitwohnsitz angemeldet.

Steuerrechtlich gilt ein Grenzgänger dann als Wochenaufenthalter, wenn er an mehr als 60 Tagen pro Jahr in der Schweiz übernachtet, anstatt an seinen Hauptwohnsitz in Deutschland zurückzukehren.

Arbeitnehmer, die als Wochengrenzgänger in der Schweiz arbeiten, zahlen Ihre gesamten Steuern in der Schweiz. In Deutschland fällt dann in der Regel keine weitere Steuerzahlung an, außer es gibt auch in Deutschland ein zusätzliches Einkommen.

Das hat insoweit zur Folge, dass Sie kein häusliches Arbeitszimmer in Deutschland steuerlich ansetzen können, da Sie damit angeben würden tatsächlich in Deutschland die Tätigkeit auszuüben, was zum Verlust des Grenzgängerstatus und zur Besteuerung Ihrer Einkünfte von Ihrem Schweizer Arbeitgeber in Deutschland führen könnte.

Im Jahr 2002 wurden die Sozialversicherungssysteme durch das Freizügigkeitsabkommen mit der EU (FZA) und das EFTA-Übereinkommen aufeinander abgestimmt. Deshalb richtet sich die Versicherungspflicht nach dem Erwerbsortsprinzip. Jede in der Schweiz erwerbstätige Person und ihre nichterwerbstätigen Familienangehörigen müssen in der Schweiz eine Krankenversicherung abschließen.
Grenzgängerinnen und Grenzgänger aus EU-/EFTA-Staaten mit einem Ausweis G sind ab dem Beginn ihres Arbeitsverhältnisses versicherungspflichtig.
Die Schweiz hat jedoch mit den angrenzenden Staaten (Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich) Sondervereinbarungen getroffen, damit sich Personen, die in diesen Ländern wohnen, im Wohnland versichern können (Optionsrecht).
Betroffene, die sich nicht in der Schweiz versichern wollen, müssen bei der zuständigen Behörde des Arbeitskantons innerhalb von drei Monaten nach Beginn der Erwerbstätigkeit ein Gesuch um Befreiung von der Versicherungspflicht einreichen.
Das Bundesgericht hat im März 2015 ein Urteil zur Ausübung des Optionsrechts in der Krankenversicherung gefällt. Danach ist eine sogenannte stillschweigende Ausübung des Optionsrechts nicht rechtsgültig. Grenzgängerinnen und Grenzgänger, die bisher nicht in der Schweiz, sondern im Ausland versichert waren, und kein formelles Gesuch um Befreiung von der Versicherungspflicht in der Schweiz gestellt haben, können sich in der Schweiz nach KVG versichern. Sie müssen von der zuständigen Stelle des Arbeitskantons bestätigen lassen, dass sie noch nicht rechtsgültig vom Optionsrecht Gebrauch gemacht haben. Unter Vorweisung dieser Bestätigung werden sie vom schweizerischen Krankenversicherer aufgenommen.

So der Erwerbsort tatsächlich in Deutschland ist, gilt auch hier das Erwerbsortprinzip. Steuern und Sozialversicherung ist in Deutschland nach den hiesigen Regelungen zu zahlen.

In Bezug auf eventuelle Probleme für den Arbeitgeber möchte ich auf Art. 4 Satz 2 des schweizerischen Bundesgesetzes über direkte Bundessteuern hinweisen.

Zitat:
Als Betriebsstätte gilt eine feste Geschäftseinrichtung, in der die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens oder ein freier Beruf ganz oder teilweise ausgeübt wird.


Auch in Art. 5 Abs. 1 DBA D/CH findet sich eine gleichlautende Formulierung:
Zitat:
(1) Im Sinne dieses Abkommens bedeutet der Ausdruck "Betriebstätte" eine feste Geschäftseinrichtung, in der die Tätigkeit des Unternehmens ganz oder teilweise ausgeübt wird.


Insoweit kann Ihre Wohnung, in der Sie Ihrer Arbeitsverpflichtung nachkommen, als Betriebsstätte Ihres Arbeitgebers angesehen werden, was dazu führt, dass Ihr Arbeitgeber fortan in Deutschland eine steuerbare Betriebsstätte unterhält, die gewerblich und steuerlich anzumelden sein wird.

Ich bin der Auffassung, dass nur die derzeitige Corona-Situation eine und der neue Trend der Homeofficetätigkeit über Staatengrenzen hinweg noch keine entsprechende Umsetzung in der Steuer- und Sozialverwaltung gefunden hat.
Anderslautende gesetzliche Regelungen zur Erleichterung von Homeofficetätigkeiten über Grenzen hinweg gibt es schlicht und ergreifend nicht. Die Politik ist derzeit noch mit anderen Dingen beschäftigt.

Ich hoffe Ihre Fragen beantwortet zu haben und verbleibe
Mit freundlichen Grüßen

Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen



https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1991/1184_1184_1184/de

https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Internationales_Steuerrecht/Staatenbezogene_Informationen/Laender_A_Z/Schweiz/1972-09-09-Schweiz-DBA-Konsolidierte-Fassung.pdf?__blob=publicationFile&v=2


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