Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.084
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Höhe der Mietminderung bei Schimmelbefall?


27.08.2006 01:52 |
Preis: ***,00 € |

Mietrecht, Wohnungseigentum


Beantwortet von

Rechtsanwältin Jutta Petry-Berger



Hallo,

ich wohne seit 1.12.2006 in einer 2-Zimmer-Soutterain-Wohnung mit Wohnküche. Ca. im Juli 2006 habe ich Schimmelbefall im Wohn-Schlafzimmer und in der kleinen Kammer, die ich als Schrank nutze, entdeckt. Der Schimmel befindet sich hauptsächlich unter den Fußbodenleisten und in der unteren Region der Wände in Fensternähe. Nachdem ich den Vermieter darüber in Kenntnis gesetzt hatte, gab er an, dass es seine Schuld sei, da die Mauer feucht wäre.Eine Woche später jedoch, nachdem ich ihn erneut darauf angesprochen hatte, gab er an, das wäre meine Schuld, da ich nicht richtig lüften würde. Seit ca 2 Monaten, habe ich an den Beinen und den Armen Aussschlag und auch meine Katzen sind mittlerweile beide schwer krank, jedoch kann man bei Tieren nicht feststellen, ob es am Schimmel liegt. Auch ich war noch nicht beim Allergietest. Auch habe ich dem Vermieter das alles nie schriftlich mitgeteilt.
Meine Fragen:
1. Kann ich die Miete mindern? Wenn ja, um wieviel Prozent?
2. Kann ich ausserordentlich kündigen? Wenn ja, mit welcher Frist?
3. Kann ich Schadensersatz für die entstandenen gesundheitlichen Schäden, für mich und meine Tiere verlangen?

Vielen Dank für Ihre Mühe
Sehr geehrter Fragesteller,

ich bedanke mich für Ihre online-Anfrage, zu der ich wie folgt Stellung nehmen möchte:

Aufgrund der Schimmelbildung in Ihrer Wohnung werden Sie gem. § 536 BGB berechtigt sein, die Bruttomiete je nach Ausmaß der Beeinträchtigung um 20 % oder mehr zu mindern. So nimmt die Rechtsprechung beispielsweise bei feuchten Wänden in allen Räumen und Schimmelflecken in Bad und Küche eine Mietminderung in Höhe von 15 % an (LG Berlin, Az 64 S 356/98, GE 2000, S. 345; Landgericht Neubrandenburg 17 %, Az 1 S 297/01,WM 2002, S. 309), erheblicher Schimmelbefall in Wohn- und Schlafzimmer: 20 % (LG Osnabrück WM 1989, 370) und bei einem Schimmelbefall in allen Zimmern infolge baulicher Mängel der Außenwände 20 % (AG Berlin Köpenick, Az 17 C 475/00, MM5/02, S. 37). Ist die Wohnung infolge feuchter Wände und Decken unbewohnbar, kommt eine Mietminderung um 100 % in Betracht (vgl. AG Potsdam, Az 26 C 533/93, WM 1995, S. 534). Sie sollten Ihren Vermieter daher aus Beweisgründen nochmals schriftlich unter Fristsetzung zur Mängelbeseitigung auffordern und androhen, die Miete nach Ablauf der gesetzten Frist in genannter Höhe bis zur vollständigen Beseitigung der Mängel zu mindern. Darüber hinaus sollten Sie die Miete ab sofort unter Vorbehalt der Rückforderung stellen.

Weiterhin weise ich darauf hin, dass der Mieter zwar durch ausreichendes Lüften einer allein durch Feuchtigkeit entstehenden Schimmelbildung vorzubeugen hat - sollte die Frage streitig sein, ob bauliche Mängel oder falsches Mieterverhalten die Feuchtigkeitsschäden verursacht haben, muss der Vermieter jedoch beweisen, dass die Ursache nicht in seinem Pflicht- und Verantwortungsbereich liegt. (BGH, Az XII ZR 272/97). Dies wird im Ergbnis nur durch ein Sachverständigengutachten geklärt werden können.

Das Recht zur fristlosen Kündigung wegen der Schimmelbildung wird Ihnen nach der erfolglosen Abhilfefrist gem. § 569 Abs. 1 BGB nur dann zustehen, wenn Sie eine Gesundheitsgefährdung gutachtlich beweisen können. Allein die Feststellung von Schimmelpilzbefall, die Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung über mögliche Gesundheitsrisiken und Vorlage privater Gutachten über eine allgemeine Giftigkeit von Schimmelpilzen werden nicht ausreichen, um eine drohende oder bestehende erhebliche Gesundheitsgefährdung konkret zu belegen. Falls Sie eine fristlose Kündigung in Erwägung ziehen, ist eine umgehende ärztliche Untersuchung dringend anzuraten. Sollte das Ergebnis der Untersuchung eine Gesundheitsgefährdung bestätigen, ist der Ausspruch der Kündigung an keine Frist gebunden.

Fällt die Schimmelbildung in den Verantwortungsbereich des Vermieters und befindet er sich mit der Mängelbeseitgung in Verzug, wird Ihnen schließlich ein Ersatzanspruch für die gesundheitlich erlittenen Schäden – auch an den Tieren - gem. § 536 a Abs. 1 BGB zustehen.

Ich hoffe, Ihnen eine hilfreiche erste Orientierung gegeben zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen
Petry-Berger
Rechtsanwältin
FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60078 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Ausführlich, verständlich und klar geschrieben. Sehr zufrieden. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Herr RA Vasel erschien mir sehr kompetent, da er auch bei angedachtem weiteren Verfahren meines Steuerberaters fundierte Bedenken, gerade paradoxerweise bezüglich eventuell sich daraus ergebender steuerlicher Nachteile, hatte ... ...
FRAGESTELLER
3,2/5,0
Ohne Paragraphenangabe, alles pi x Daumen, man hätte zb § 850d ZPO oder sowas erwähnen können, Frage wurde obendrein unvollständig beantwortet aber Alles in Allem eine kleine Übersicht, musste im Endeffekt trotzdem alles Nachschlagen ... ...
FRAGESTELLER