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Höhe der Abfindung für ein Haus bei Scheidung?


17.11.2004 21:33 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht



Hallo!
Mein Mann und ich leben getrennt. Im Laufe der Ehe (kein Ehevertrag, keine Gütertrennung) haben wir ein Haus angeschafft, in dem ich weiterhin mit den Kindern lebe. Alle damit zusammenhängenden Kosten werden von mir getragen.
Im Grundbuch stehe nur ich, Darlehensschuldner sind wir jedoch beide. Meine Frage: Welcher Wert würde bei einer „Auszahlung“ bzw. „Abfindung“ (also einer nachträglichen Gütertrennung, um das Haus aus der Scheidungsmasse herauszuhalten und somit die Kosten zu minimieren) zugrunde zu legen sein? M.E. müssten dabei nicht die Anschaffungskosten vermindert um die Darlehensbelastung angesetzt werden, sondern vom derzeit zu erzielenden Marktwert abzüglich Belastung (ggf. auch abzüglich evtl.beim Verkauf anfallender Vorfälligkeitsentschädigung?) auszugehen sein.
Viele Grüße,
Motte

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Sehr geehrte Motte,

zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass die notarielle Scheidungsfolgenvereinbarung ein Jahr bestanden muss, bevor der Scheidungsantrag gestellt werden kann. Ansonsten ist der Scheidungsrichter nicht an die Scheidungsfolgenvereinbarung gebunden.

Ferner möchte ich darauf hinweisen, dass eine Entlassung des Ehemanns aus der Mithaft für das Darlehen nur mit der Zustimmung der Bank möglich sein wird. Ob die Zustimmung erteilt wird, hängt im wesentlichen von Ihrer Einkunfts- und Vermögenssituation ab. Im Normalfall wird diese Zustimmung nicht erteilt. In diesem Fall bliebe Ihnen noch die Möglichkeit, sich eine Bank zu suchen, allein ein neues Darlehen aufzunehmen und die alte Bank abzulösen. Im Falle der Scheidung steht Ihnen gegenüber der Bank ein Sonderkündigungsrecht zu. Jedoch wird dann eine Vorfälligkeitsentschädigung fällig.

Der Zugewinnausgleich wird nach Maßgabe des Vermögenszuwaches im Zeitraum der Ehe berechnet. Maßgeblich hierfür ist die Differenz zwischen dem Anfangs und dem Endvermögen.

Bezogen auf das Haus ergibt sich daraus folgendes:

Anfangsvermögen = anfänglicher Wert des Hauses

Endvermögen (Zeitpunkt: Gütertrennung oder Scheidungsantrag)
= heutiger Wert des Hauses; ggf. Auskunft des Gutachterausschusses des zuständigen Kreises einholen
abzgl. heutiger Darlehensvaluta (ggf. zzgl. Vorfälligkeitsentschädigung)

Ich hoffe, Ihnen mit dieser Auskunft weitergeholfen zu haben. Für Rückfragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Kai Breuning
- Rechtsanwalt -

Nachfrage vom Fragesteller 17.11.2004 | 22:13

Sehr geehrter Herr Breuning,
erst einmal vielen Dank für die schnelle Antwort.
Zur Klarstellung möchte ich nur noch einmal nachfragen: "Heutiger Wert des Hauses" ist keine Größe, die sich irgendwie aus gegebenen Werten (Anschaffungskosten, Belastung, bereits getilgte Beträge etc.) berechnen lässt, sondern der z.Zt. vermutlich auf dem Markt erzielbare Preis?
Nochmals danke und viele Grüße,
Motte

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 18.11.2004 | 11:33

Sehr geehrte Motte,

der Verkehrswert ist derjenige Wert, der sich am Markt erzielen lässt. Dies ist - zumindest theoretisch - ein objektiv feststellbarer Wert, ähnlich z.B. dem Börsenkurs einer Aktie.

Davon zu unterschieden wäre z.B. der Buchwert, d.h. derjenige Wert, mit dem ein Unternehmen ein Objekt in seinen Büchern (= seiner Bilanz) ansetzt. Dieser Buchwert leitet sich auch dem Anschaffungspreis und den rechnerischen Abschreibungen ab.

Der Verkehrswert kann nur durch Marktbeobachtung und unter Zugrundelegung des tatsächlichen Beschaffenheit des Objektes ermittelt werden.

Sofort deutlich wird das daran, dass das Objekt weniger Wert wird, wenn der Sturm das Dach abdeckt, obwohl die rechnerischen Größen sich nicht geändert haben.

Da für Grundstücke kein börsenkurs ermittelt wird, behilft man sich mit der amtlichen Kaufpreissammlung für Grundstücke. Diese wird beim Gutachterausschuss des örtlich zuständigen Kreises geführt. Jeder notarielle Vertrag über ein Grundstück wird in Kopie dorthin gesandt. Somit ist dort ein einigermaßen korrekter Einblick in die Marktlage möglich. Als Ausgangspunkt für Verhandlungen reicht dieser (telefonisch kostenlos) zu erfahrende Wert meistens aus.

Ein Gutachter würde denselben WErt erfragen und dann prüfen, ob Wertzu- oder abschläge auf das konkrete Grundstück im Verhältnis zu dem Durchschnittsgrundstück des Gutachterausschusses vorzunehmen sind.

Mit freundlichen Grüßen
Kai Breuning
- Rechtsanwalt -

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