Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Hochwertige Ferienwohnung direkt an Hauptverkehrsstrasse

| 15.09.2014 20:56 |
Preis: ***,00 € |

Reiserecht


Zusammenfassung:

Verkehrslärm als Reisemangel

Über einen auf Griechenland spezialisierten Reiseveranstalter haben wir eine hochwertige Ferienwohnung auf Kreta gemietet. In der Beschreibung im Internet fand sich kein Hinweis darauf, dass mit erheblichem Verkehrslärm durch eine nur 20 Meter entfernte Hauptstrasse zu rechnen ist, die durch die Hanglage der Ferienwohnung ungefiltert in das Apartment dringt.

Auch die geschickt aufgenommenen Fotos lassen keinen Schluss auf die direkt anliegende Strasse direkt am Ortseingang zu. Eine genaue Lagebeschreibung bot der Vermittler nicht an, sondern sandte eine Anfahrtsbeschreibung erst nach Vertragsabschluss zu. Auch aus dieser konnten wir nicht auf den erheblichen Verkehrslärm schließen.

Meine Frage dazu: liegt ein Reisemangel vor, weil der Vermittler nicht auf diesen für einen erholsamen Urlaub erheblichen Sachverhalt hingewiesen hat? Oder kann sich der Vermittler damit herausreden, dass er die Lage nicht explizit als ruhig beschrieben hat, was er aktuell versucht?

Unseres Erachtens liegt hier ein Verschweigen eines für einen Urlaub erheblichen Sachverhalts vor, zumal es sich wie gesagt um ein eher hochpreisiges Objekt handelt, bei dem man eine derart schlechte Lage nicht unbedingt erwarten kann.

Sehr geehrter Ratssuchender,

gerne beantworte ich Ihre Frage aufgrund Ihrer Sachverhaltsschilderung wie folgt:

Die reisevertraglichen Vorschriften sind nach der Rechtsprechung auf Ferienhausverträge entsprechend anzuwenden, sofern die Buchung aus dem Angebot eines gewerblichen Reiseveranstalters erfolgt (Führich, Handbuch Reiserecht § 5 Rn 93; BGH NJW 1992, 3158 ; OLG Köln, NJW-RR 2005, 703 ).

Nach Ihrer Schilderung erfolgte die Buchung über einen auf Griechenland spezialisierten Reiseveranstalter, so dass ich davon ausgehe, dass die reisevertraglichen Vorschriften analog anzuwenden sind. Im Falle eines Reisemangels könnten Sie daher gemäß § 651c, d BGB analog Minderungsansprüche aufgrund des Straßenlärms gegenüber dem Reiseveranstalter geltend machen.

Verkehrslärm stellt dann einen Reisemangel dar, wenn dies nicht klar und deutlich aus der Prospektbeschreibung hervorgeht; dabei sind die Angaben des Reiseveranstalters in einem von ihm zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses herausgegebenen Prospekt – wobei es sich insoweit auch im einen Internetauftritt handeln kann – als entscheidende Umschreibung seines geschuldeten Leistungsprogramms anzusehen, für das er einzustehen hat (Führich, Handbuch Reiserecht § 9 Rn 322b, § 7 Rn 224).

Unvollständige Angaben oder bewusste Weglassungen in der Beschreibung gehen ebenfalls regelmäßig zulasten des Veranstalters (Führich, Handbuch Reiserecht § 7 Rn 229). Soweit Sie mitteilen, dass der Veranstalter in seiner Onlinedarstellung keine genaue Lagebeschreibung der Ferienwohnung anbot und nicht auf die stark befahrene Hauptverkehrsstraße hingewiesen hat, dürfte dies letztlich zu seinen Lasten gehen.

Regelmäßig muss im Prospekt auf starken Verkehrslärm bei Haupt- und Durchgangsstraßen hingewiesen werden, es sei denn, der Kunde kennt die Lage der Ferienwohnung. Insoweit hat dies das LG Frankfurt in einem Fall angenommen, in dem sich die Wohnung in einem engen Tal ohne Ausgang befand; in derartigen Fällen sei daher auch ohne expliziten Hinweis mit Verkehrslärm zu rechnen (Führich, Handbuch Reiserecht § 9 Rn 322b, LG Frankfurt, NJW-RR 1993, 1144 ). Auch der normale Straßenlärm bei einem Stadthotel wird als ortsüblich angesehen (LG Frankfurt, NJW-RR 1992, 51 ; AG Kleve, RRa 1998, 138).

Nach Ihren Ausführungen ist jedoch wohl davon auszugehen, dass der Straßenlärm der 20 m entfernten Hauptverkehrsstraße einen Reisemangel darstellt, zumal auf diese Straße und den damit verbundenen Lärm nach Ihren Angaben in der Beschreibung des Reiseveranstalters nicht hingewiesen wurde. Um eine abschließende Beurteilung vornehmen zu können, wäre jedoch grundsätzlich die Einsicht in die Reise- und Vertragsunterlagen – insbesondere in die Prospekt- bzw. Onlinebeschreibung – notwendig.

Im Falle der Geltendmachung eines Reisemangels wegen Verkehrslärms muss der Reisende nach der Rechtsprechung jedoch dies zumindest für einige Beispielstage durch Angabe der Zahl, Art und Zeit der vorbeifahrenden Fahrzeuge und der dadurch verursachten Beeinträchtigung konkretisieren (AG Duisburg, RRa 2004, 214 ); die pauschale Behauptung von Straßenlärm wäre daher nicht ausreichend.

Zudem möchte ich rein vorsorglich darauf hinweisen, dass etwaige Ansprüche innerhalb eines Monats nach dem vertraglich vorgesehenen Ende der Reise gemäß § 651g Abs. 1 BGB analog gegenüber dem Veranstalter geltend gemacht werden müssen. Anderenfalls wären sämtliche reisevertraglichen Ansprüche ausgeschlossen.

Ich hoffe, Ihnen einen ersten Überblick verschafft zu haben. Sollten Sie eine weitere Tätigkeit durch mich wünschen, stehe ich Ihnen hierfür jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Neubauer
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 19.09.2014 | 07:48

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"

Sehr prägnanter und verständlicher Rat, herzlichen Dank.
Ich bin zuversichtlich, auf dieser Basis eine außergerichtliche Einigung erzielen zu können.

"