Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.084
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Hilfe! Unser eigener Anwalt erpresst uns?


15.06.2006 10:40 |
Preis: ***,00 € |

Mietrecht, Wohnungseigentum


Beantwortet von

Rechtsanwalt Markus Timm



Mein Partner besitzt ein Grundstück aus 1. Ehe ca. 650 km von unserem Wohnort entfernt! Seit 5 Jahren versuchen wir das Grundstück zu veräußern, jedoch ohne Erfolg (nördl. Brandenburg) Seit April vorigen Jahres haben wir eine "Mietnomade" drin wohnen. Nach 3 Monaten haben wir das einem Anwalt übergeben. Auf diesen Anwalt sind wir damals gekommen, da sich herausstellte, dass unsere Mietnomade schon andere geprellt hat. Der Mitvertrag ist über eine englische Firma abgwickelt (bzw. gefälschte Unterschrift, vermutlich) Da der Anwalt ja bereits fit war in der letzten Räumungsklage, haben wir uns für den entschieden. Mein Partner hat Antrag auf Prozesskostenbeihilfe gestellt und der wurde auch bewilligt. (Hintergrund: Er ist der einzige der arbeitet, daher kommt die Bank und fordert immer von ihm, seine geschiedenen Frau Hartz 4 und ich bin seit 1.5 Jahren selbstständig , so relativ ohne Einkommen, sind ja auch nicht meine Schulden) Der Anwalt hat uns nun nach über einem Jahr mitgeteilt, dass die Staatsanwaltschaft Neuruppin in der Mietsache nicht weiter ermitteln wird, da der Mieter noch viel größere Betrugsdelikte laufen hat. Somit sind weitere Aktivitäten eingestellt. Unser Anwalt sitzt in Düsseldorf und ist für uns schon seit 6 Monaten für tel. Nachfragen nicht erreichbar. Außerdem hat er uns deutlich zu verstehen gegeben, dass seine Auslagen über die Prozesskostenbeihilfe nicht gedeckt sind und wir also Mandanten dritter Klasse sind. Da wir uns ja nun fragen, was der Anwalt überhaupt geleistet hat, haben wir ihn nun 3 Mal aufgefordert uns die Akte auszuhändigen. Die ersten 2 Male baten wir um Kopie der Akte und als er uns mitteilte , dass nicht weiter ermittelt wird , wollten wir die Originale. Er hat uns auch während der gesamten Zeit selten (nur auf Anfrage) Kopien des Schriftverkehrs geandt. Fakt ist, wir wissen nicht, was der Mann treibt, ob er überhaupt für uns ausreichend tätig geworden ist. Er hat wohl über die Prozesskostenbeihilfe 251,95 Euro erhalten und fordert jetzt von uns und von seiner Ex jeweils 499,73 Euro , also insg. 1000 Euro. Erst dann will er die Unterlagen rausrücken! Das grenzt für mich an Erpressung und wofür haben wir dann die Prozesskostenbeihilfe beantragt? Er setzt 12 Monatsmieten als Streitwert an, aber langsam glaube ich, dass der Fall nur in der Schublade lag, damit die Schuldensumme so anwachsen konnte! Die Bank sitzt uns im Nacken und droht mit Zwangsversteigerung und der Typ bekommt jetzt vom Gericht (indirekt) dort Wohnrecht auf Lebenszeit , oder wie? Wir verstehen die Welt nicht mehr. Wir sind verzweifelt! Wer kann uns helfen? Darf derAnwalt die Akte zurückhalten? Darf er Gelder zusätzlich zur Prozesskostenbeihilfe fordern? Können wir den Anwalt wechseln? Sollte der bei uns in Baden-Württemberg sein oder dort ,wo das Mietobjekt ist, in Brandenburg? Wie steht es in diesem Fall mit der Prozesskostenbeihilfe? Wir haben den Eindruck, dass der Anwalt uns mit seiner vorgehensweise nachhaltig finanziell geschädigt hat (genaueres wissen wir natürlich erst, wenn wir die Akte haben), muss man sich das gefallen lassen? mfg
Sehr geehrte(r) Ratsuchende(r),

ich bedanke mich für Ihre Anfrage, die ich auf Grundlage des von Ihnen geschilderten Sachverhalts wie folgt summarisch beantworten will:

1. Gegen die Streiwertfestsetzung (Jahresmiete) ist so nichts zu sagen.
2. Je nach Ausgang des Verfahrens hat Ihr Anwalt gegen Sie einen Anspruch auf die die Prozesskostenhilfe übersteigenden Kosten (für die Prozesskostenhilfe gilt ab 3.000,00 EUR Streitwert ein reduzierter Satz). Dies wird im Kostenfestsetzungsantrag bestimmt. Dieser wird vom Rechtspfleger auf Antrag Ihres Anwalts erteilt und ist in der Akte enthalten. Wegen dieses Anspruch kann er ein Zurückbehaltungsrecht gegen Sie geltend machen.
3. Sollten Sie einen neuen Anwalt beauftragen, müssten Sie diesen aus eigener Tasche bezahlen. Die Prozesskostenhilfe wird jeweils für eine Instanz und die dort entstehenden Kosten bewilligt. Da Ihr Anwalt bereits tätig geworden ist, sind seine Gebühren auch angefallen.
4. Wie Sie schon richtig bemerkten, ist es schwierig, zum Verfahrensinhalt ohne Akteneinsicht Stellung zu nehmen. Zwar kann sich ein Räumungsverfahren hinziehen (in Brandenburg regelm. 1 Jahr). Nach Ihrer Schilderung ist aber durchaus mit einem erfolgreichen Abschluss zu rechnen.
5. Die Aussage Ihres Anwalts, Sie seien Mandanten 3. Klasse, ist nicht nachzuvollziehen und insofern auch kritikwürdig: Ihr Anwalt hatte die Pflicht, Sie darüber aufzuklären, dass die Prozesskostenhilfe regelm. nur diejenigen Kosten umfasst, die für einen beim Gericht ansässigen Anwalt anfallen.
6. Sie sollten den Sachverhalt bei der zuständigen Rechtsanwaltskammer vorbringen. Diese wird dann Druck auf den Anwalt ausüben und Ihrerseits Akteneinsicht beantragen.
7.
Ich hoffe, Ihnen mit meiner Auskunft weiter geholfen zu haben. Im Rahmen der Nachfragefunktion stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichem Gruß

M. Timm
-Rechtsanwalt-
www.peukerttimm.de

Nachfrage vom Fragesteller 15.06.2006 | 18:50

Danke für die weniger erfreulichen Nachrichten, hier bleiben aber viele Fragen offen! Wozu Prozesskostenbeihilfe, wenn die nur 250.- Euro von 1250,00 zahlen? Der Anwalt hat uns dann in Sachen Prozesskostenbeihilfe schlecht bzw. garnicht beraten. Der Anwalt ist also berechtigt , die Akte für sich zu behalten und er ist nicht einmal verpflichtet uns die Kopie zu überlassen, damit wir sehen in welcher Form er aktiv geworden ist? Habe ich das richtig verstanden? Macht es Sinn, wenn wir uns selbst an die Staatsanwaltschaft in Neuruppin wenden?
Zu 3) Wenn ich diesen Anwalt weiter beschäftige, zahle ich ihn ja
auch aus eigener Tasche, ODER? und der tut ja nix! und vor allem vertrauen wir Ihm nicht mehr, schon deshalb, weil er uns nicht auf dem laufenden hält!
zu 4) Es sieht überhaupt nicht gut aus, die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen eingestellt, es wird kein Räumungsurteil geben... wie gesagt, der hat jetzt vom Gericht zuszusagen einen "Freibrief" bekommen. Was soll daran gut aussehen? Wir können dem Mann ja auch kaum kündigen, da ja eine inzwischen nicht existente Firma im Mietvertrag als Partner steht und nicht der Mieter selbst! Ich verstehe Ihre Antwort nicht! Bitte schildern Sie mir Ihren Gesichtspunkt dazu!
zu 6) Welche Rechtsanwaltskammer 1.) an unserem Wohnort 2.)am Wohnort des Mietobjektes, 3.) Sitz des Anwaltes???
Ihre Antworten haben mir jetzt nicht wirklich geholfen. WAS SOLLEN WIR IHRER MEINUNG NACH TUN, um den Mieter rauszubekommen. Weiter einen Anwalt bezahlen, der nix macht? Den Anwalt wechslen?Die Frage wo der neue Anwalt sitzen sollte, blieb völlig unbeantwortet!? ... oder doch die Jungs von Moskau -Inkasso vorbeischicken!!! Warum können wir das Haus nicht einfach räumen, Schloss austauschen und fertig? Wir dürfen kein Wasser und Strom abstellen.... nein Wasser zahlen wir für den auch noch mit. Macht ja nix, wir habens ja! Zeigen Sie mir wenigstens EINEN Weg auf, wie wir den Mieter loswerden, bzw. wirkungsvoll weiter gegen ihn vorgehen können? ... ansonsten bin ich langsam für "warmen Abriss" mfg J.S.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 16.06.2006 | 08:46

1. Zur PKH (Prozesskostenhilfe):
a. Die 250,00 EUR decken auf keinen Fall die Kosten des Rechtsstreits. Insofern muss ich davon ausgehen, dass nicht vollumfänglich PKH bewilligt worden ist. Dies geschieht immer dann, wenn dem Rechtsstreit nur zum Teil Erfolgsaussichten beigemessen werden. Dies ergibt sich aus dem PKH-Beschluss. Entsprechende Informationen können Sie vom Gericht zu Ihrem Aktenzeichen erhalten.
b. Zwar hat der Anwalt einen über den PKH-Betrag hinausgehenden Anspruch gegen eine Prozesspartei (je nach Ausgang des Prozesses), wenn der Gegenstandswert 3.000,00 EUR überschreitet. Er muss dieses jedoch in seiner Rechnung genau darlegen. Ansonsten muss nicht gezahlt werden.
2. Sie können eine schriftliche Anfrage bei der Staatsanwaltschaft stellen. Soweit Sie Anzeigenerstatter sind werden Sie über den Ausgang (aber sehr wahrscheinlich nicht über den derzeitigen Stand) der Ermittlung informiert. Nur ein Anwalt kann Akteneinsicht beantragen.
3. Zum Zurückbehaltungsrecht des Anwalts: Soweit der Anwalt einen Anspruch aus dem Mandat gegen Sie hat, hat er ein Zurückbehaltungsrecht, was die Akte angeht. Sie sollten Ihn trotzdem zur Herausgabe zumindest einer Kopie auffordern (die Kosten hierfür wird er Ihnen in Rechnung stellen).
4. Zuständige Rechtsanwaltskammer: … ist die des Sitzes des Anwalts. Schildern Sie den Fall vollumfänglich (schriftlich und mündlich). Bitten Sie um Rat auch was ein rechtliches Vorgehen angeht.
5. Zum Fall „Räumung“: Wenn ein Kündigungsgrund besteht (ich gehe davon aus, dass die Miete nicht bezahlt wurde), ist die Räumungsklage der einzige – rechtsstaatlich – gangbare Weg, um den unliebsamen Mieter aus dem Eigentum herauszubekommen. Ohne die Akte eingesehen zu haben, kann ich über Erfolgsaussichten nur spekulieren, was Ihnen nichts bringt. Schlösser wechseln, Russenmafia, etc. stellen juristisch strafbare Handlungen dar. Hiervon rate ich dringend ab.
6. Sitz des „neuen“ Anwalts: Um Kosten zu sparen (PKH deckt nur die Kosten eines Anwalt vor Ort) sollten Sie einen Anwalt am Ort des Mietobjekts wählen.
7. Wie den Mieter loswerden: Aus oben genannten Gründen, werde ich mich auf die legalen Mittel beschränken. Von anderen Möglichkeiten rate ich wegen der weitgehenden Folgen ab. Wenn eine Räumungsklage keinen Erfolg hat, haben Sie keine Möglichkeit den Mieter loszuwerden. Wenn Sie einen Titel haben, sprich: die Klage erfolgreich war, müssen Sie vorerst die Kosten für die Räumung durch den Gerichtsvollzieher zahlen, wenn der Mieter nicht auszieht.

Sehr geehrter Ratsuchende, ich verstehe Ihre Frustration: Dem Rechtsstaat sind Grenzen gesetzt. Hinzu kommt bei Ihnen die schlechte Beratung durch einen Kollegen.

Sie haben nun zwei Möglichkeiten:
1. Holen Sie bzw. Ihr Lebenspartner sich zwei Beratungsberechtigungsscheine (einmal zum Thema Räumungsklage – weiteres Vorgehen; zum anderen wegen des möglichen Vorgehens gegen den eigenen Anwalt) bei Ihrem Amtsgericht. Hierzu füllen Sie unter Vorlage der Unterlagen bez. Ihrer finanziellen Lage bzw. die Ihres Lebenspartners die Beratungsscheine mit dem Rechtspfleger aus. Lassen Sie sich unbedingt die Berechtigungsscheine (nicht die Beratungsscheine) gegeben. Dann suchen Sie einen Anwalt auf, der Sie umfänglich berät. Hierzu müssen Sie einen Kostenbeitrag von jeweils 10,00 EUR beisteuern. Den Rest übernimmt der Staat.
2. Nehmen Sie Kontakt zu der Anwaltskammer auf und schildern Sie den Sachverhalt. Fragen Sie auch um Hilfe für weiteres Vorgehen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

RA Timm

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60078 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Ausführlich, verständlich und klar geschrieben. Sehr zufrieden. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Herr RA Vasel erschien mir sehr kompetent, da er auch bei angedachtem weiteren Verfahren meines Steuerberaters fundierte Bedenken, gerade paradoxerweise bezüglich eventuell sich daraus ergebender steuerlicher Nachteile, hatte ... ...
FRAGESTELLER
3,2/5,0
Ohne Paragraphenangabe, alles pi x Daumen, man hätte zb § 850d ZPO oder sowas erwähnen können, Frage wurde obendrein unvollständig beantwortet aber Alles in Allem eine kleine Übersicht, musste im Endeffekt trotzdem alles Nachschlagen ... ...
FRAGESTELLER