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Hessen - Grenzbepflanzung mit Bambus


| 27.05.2006 10:55 |
Preis: ***,00 € |

Nachbarschaftsrecht



Ich möchte entlang der Grundstücksgrenze Bambus pflanzen, zwecks Sichtschutz.
Dieser soll eine Höhe von ca. 2-3m erreichen. Welche Abstände muss ich einhalten. Von wo aus werden diese berechnet?
a.) Mitte des Bambusstrauches (Erdaustritt) bis Grenze zum Zeitpunkt der Pflanzung
b.)Abstand des Triebes der aus der Erde austritt, der der Grenze am nächsten ist (zum Zeitpunkt der Pflanzung)
c.)Da Bambus sich weiter versäht, kann es vorkommen, dass einelne Triebe näher an Grunstück des Nachbarn "wandern", gilt dieser Abstand dann?
d.) .... ?

Danke
Sehr geehrte Fragestellerin,
sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich basierend auf den vorliegenden Informationen und im Hinblick auf den Einsatz gerne beantworte.

Die Grenzabstände für Pflanzen sind im Nachbarrechtsgesetz des Bundeslandes Hessen in den Paragraphen 38 – 41 geregelt. Ich habe mir erlaubt die entsprechenden Normen der Einfachheit halber im Folgenden zu zitieren:

§ 38 Grenzabstände für Bäume Sträucher und einzelne Rebstöcke

Der Eigentümer und die Nutzungsberechtigten eines Grundstücks haben bei dem Anpflanzen von Bäumen, Sträuchern und einzelnen Rebstöcken von den Nachbargrundstücken - vorbehaltlich des § 40 - folgende Abstände einzuhalten:
1. mit Allee- und Parkbäumen, und zwar
a) sehr stark wachsenden Allee- und Parkbäumen, insbesondere dem Eschenahorn (Acer negundo), sämtlichen Lindenarten (Tilia), der Platane (Platanus acerifolia), der Roßkastanie (Aesculushippocastanum), der Rotbuche (Fagus sylvatica), der Stieleiche (Quercus robur), ferner der Atlas- und Libanon-Zeder (Cedrus atlantica u. libani), der Douglasfichte (Pseudotsuga taxifolia), der Eibe (Taxus baccata), der österreichischen Schwarzkiefer (Pinus nigra austriaca) 4 m,
b) stark wachsenden Allee- und Parkbäumen, insbesondere der Mehlbeere (Sorbus intermedia), der Weißbirke (Betula pendula), der Weißerle (Alnus incana), ferner der Fichte oder Rottanne (Picea abies), der gemeinen Kiefer oder Föhre (Pinus sylvestris), dem abendländischen Lebensbaum (Thuja occidentalis) 2 m,
c) allen übrigen Allee- und Parkbäumen 1,5 m,
2. mit Obstbäumen, und zwar
a) Walnußsämlingsbäumen 4 m,
b) Kernobstbäumen, soweit sie auf stark wachsender Unterlage veredelt sind, sowie Süßkirschenbäumen und veredelten Walnußbäumen 2 m,
c) Kernobstbäumen, soweit sie auf schwach wachsender Unterlage veredelt sind, sowie Steinobstbäumen, ausgenommen die Süßkirschenbäume 1,5 m,
3. mit Ziersträuchern, und zwar
a) stark wachsenden Ziersträuchern, insbesondere der Alpenrose (Rhododendron-Hybriden), dem Feldahorn (Acer campestre), dem Feuerdorn (Pyracantha coccinea), dem Flieder (Syringa vulgaris), dem Goldglöckchen (Forsythia intermedia), der rotblättrigen Haselnuß (Corylus avellana v. fuscorubra), den stark wachsenden Pfeifensträuchern - falscher Jasmin - (Philadelphus coronarius, satsumanus, zeyheri u.a.), ferner dem Wacholder (Juniperus communis) 1 m,
b) allen übrigen Ziersträuchern 0,5 m,
4. mit Beerenobststräuchern, und zwar
a) Brombeersträuchern 1 m,
b) allen übrigen Beerenobststräuchern 0,5 m,
5. mit einzelnen Rebstöcken 0,5 m.


§ 39 Grenzabstände für lebende Hecken

(1) Der Eigentümer und die Nutzungsberechtigten eines Grundstücks haben bei dem Anpflanzen lebender Hecken von den Nachbargrundstücken - vorbehaltlich des § 40 - folgende Abstände einzubehalten:
1. mit Hecken über 2 m Höhe 0,75 m,
2. mit Hecken bis zu 2 m Höhe 0,50 m,
3. mit Hecken bis zu 1,2 m Höhe 0,25 m.

(2) Abs. 1 gilt nicht für Hecken, die das öffentliche Recht als Einfriedung vorschreibt.


§ 40 Ausnahmen

(1) Die doppelten Abstände nach den §§ 38 und 39 sind einzuhalten gegenüber Grundstücken, die
1. dem Weinbau dienen,
2. landwirtschaftlich nutzbar sind oder dem Erwerbsgartenbau oder dem Kleingartenbau dienen und im Außenbereich (§ 19 Abs. 1 Nr. 3, § 35 Baugesetzbuch) liegen oder
3. durch Bebauungsplan der landwirtschaftlichen, erwerbsgärtnerischen oder kleingärtnerischen Nutzung vorbehalten sind.

(2) Die §§ 38 und 39 gelten nicht für
1. Anpflanzungen, die hinter einer Wand oder Mauer vorgenommen werden und diese nicht überragen,
2. Anpflanzungen an den Grenzen zu öffentlichen Straßen, zu öffentlichen Grünflächen und zu Gewässern,
3. Anpflanzungen auf öffentlichen Straßen.

(3) § 16 Abs. 4 und 5 des Hessischen Forstgesetzes in der Fassung vom 4. Juli 1978 (GVBl. I S. 424, 584), zuletzt geändert durch Gesetz vom 29. März 1988 (GVBl. I S. 130), bleibt unberührt.


§ 41 Berechnung des Abstandes

Der Abstand wird von der Mitte des Baumstammes, des Strauches oder des Rebstocks bis zur Grenzlinie gemessen, und zwar an der Stelle, an der der Baum, der Strauch oder der Rebstock aus dem Boden austritt.


Hieraus ergibt sich auch die Art und Weise Berechnung des Grenzabstandes.

Eine Hecke setzt voraus, dass es sich um eine Gruppe gleichartig wachsender Gehölze handelt, die in langer und schmaler Erstreckung aneinander gereiht sind. Wesentlich ist dabei die Geschlossenheit des Pflanzenkörpers unter sich, der Verbund zu einer wandartigen Formation.
Bambus wird aufgrund seiner Wuchsform allerdings wohl zu den Gehölzen gerechnet (vgl. AG Schwetzingen Az. 51 C 39/00 v. 19.04.2000).
Maßgeblich ist allerdings die Art der Bepflanzung.

Die Anpflanzung von Bambus bringt es mit sich, dass dieser unterirdisch weiter in das Gebiet des Nachbarn wächst. Ich möchte hier darauf hinweisen, dass damit weiterer Ärger fast vorprogrammiert ist. Insoweit können sich mögliche Beseitigungsansprüche des Nachbarn nach § 910 BGB oder dem Nachbarrecht ergeben.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen

Stephan Weingart
Rechtsanwalt


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Nachfrage vom Fragesteller 30.05.2006 | 03:19

Bei einer Hecke wäre somit ein Abstand von 75cm notwendig. Die Ausbreitung kann man durch Sperren im Boden verhindern.

Ich würde nun eine Sperre in 50cm Abstand und eine 100cm Abstand anbringen. Die Bambushecke pflanze ich dazwischen an (also das die Mitte mind. 75cm weg ist)

Somit müßte ich den §§38-41 genüge tun

Leider habe ich im Internet ein Meinung gefunden, die Besagt dass der Abstand vom nächten Halm des Bamusstrauches gemessen wird (also nicht von der Mitte aus)- möglichweise bezog sich diese nicht auf Hessen)

Könne Sie hierzu nochmals Stellung beziehen ?

Danke

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 31.05.2006 | 09:31

Sehr geehrter Fragesteller,

gerne beantworte ich auch Ihre Nachfrage.

Botanisch gehört der Bambus meines Wissens nach zu den Gräsern. Rechtlich wird er allerdings zu den Sträuchern und Gehölzen gerechnet. Nach dem zitierten Urteil des AG Schwetzingen verfügt der Bambus über hölzerne Stämme, die eine Achse für den Gesamtpflanzenkörper bilden.
M.E. ist daher der Abstand nach § 41 NachbG BW zu bemessen.

Maßgeblich für den Abstand ist allerdings die Art der Bepflanzung.
Ist keine Hecke gegeben, so gelten die Abstände für stark wachsende Sträucher nach § 38, hier 1 m

Mit freundlichen Grüßen

Stephan Weingart
Rechtsanwalt

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