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Heimarbeit


| 08.05.2007 15:53 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Stefan Steininger



Guten tag, ich habe ein großes komplexes Problem. Seit Jahren bin ich für eine Firma in der Reitdeckenproduktion/Nähen tätig.
Ich arbeite im Stücklohn, also eigentlich akkordlohn. Da ich überwiegend kleine Stückzahlen, Muster- und Sonderanfertigungen fertige kann ich natürlich keinen Akkordlohn machen. Werde aber nach stück bezahlt. Der Grundlohn beträgt 7,34 €. Hinzu kommen noch ca 30 % Zuschläge für Urlaub, Feiertage, lohnfortzahlung. Da dieses bei Heimarbeit nicht gezahlt wird.

Diesen Brief möchte ich zur firma schicken :
Meine Frage korrekt ?

Es ist leider mal wieder soweit, das ich mich melden muss weil ich seit 14 tagen kaum Arbeit bekomme. Dieses ist glücklicherweise schon lange nicht mehr vorgekommen. Nach unserem letzten Gespräch, vor längerer Zeit, diesbezüglich sagten Sie persönlich mit dafür sorgen zu wollen dass dies nicht wieder vorkommt. Ich bitte Sie erneut verstärkt darauf zu achten das ich ausgelastet bin. So wie es jetzt aussieht habe ich keine Möglichkeit mehr für meinen Urlaub sowie die anstehenden Feiertage rauszuarbeiten geschweige denn den laufenden Monat zu decken.

Ein weiteres Problem was mir schon seit langer zeit „unter den Nägeln brennt“, wie Sie wissen, ist meine Entlohnung als „Heimarbeiter“. Auch diesbezüglich hatten wir im Herbst 2005 bereits gesprochen. Ich habe Sie damals darum gebeten eine andere Art der Entlohnung für mich zu suchen, so dass ich auch ohne die Mithilfe meiner Mutter einen akzeptablen Lohn erzielen kann. Das Ergebnis war für nicht wirklich rosig, Sie sagten kein Heimarbeiter kann ungleich behandelt bzw. benachteiligt werden.

Zum Thema „ungleich Behandlung / Benachteiligung“ möchte ich Ihnen folgendes sagen. Seit diesem Gespräch im Herbst ´05 ist es nun schon oft vorgekommen das meine Mutter immer wieder mal für längere Zeit nicht hier war. Ich habe in diesen Zeiten dann verstärkt darauf geachtet was ich alleine erarbeite. Das Ergebnis ist für mich niederschmetternd. Würde ich auf Dauer alleine dieses Sortiment (Einzelteile, Musteranfertigungen, Sonder- und Spezialanfertigungen etc. aüßerst selten große Stückzahlen) was jetzt von meiner Mutter und mir für ------ genäht wird herstellen käme ich noch nicht einmal in die nähe des sowieso schon sehr geringen Stundensatz von 7,34 €. Ich hätte hochgerechnet wahrscheinlich am Monatsende einen Auszahlungsbetrag von 800,00 € - 900,00 €.
Davon kann ich auf Dauer meine Lebensunterhaltungskosten nicht begleichen.

Alleine nur durch das vor- bzw. rausarbeiten für die Abwesenheitszeit meiner Mutter war es möglich in diesen Zeiten meinen Lohn einigermaßen auf gleich bleibenden Niveau zu halten.
Was auch nur funktioniert wenn Arbeit da ist.

Durch die ehemalige Selbstständigkeit meiner Eltern und auch durch meine Arbeit bei ------ weiß ich das Heimarbeiter/innen nicht soviel verschiedene Artikel in wiederum etlichen verschiedenen Ausführungen und geringen Stückzahlen anzufertigen haben wie ich. Normalerweise haben Heimarbeiter/innen in der regel 3 – 4 Artikel anzufertigen. Fast immer in größeren Stückzahlen und dann auch durchgehend ohne Farb- und Maschinenwechsel. Das Heißt Sie holen sich die Ware an Ihren Platz, rüsten die Maschine einmal um und nähen bis 20/ 50 / 100 oder mehr Teile eines Artikels fertig sind. Bei, erfahrungsgemäß, durchschnittlich 4 Stunden am tag und liegen am Monatsende, nach meinen Beobachtungen, bei einer Durchschnittlichen Auslastung bei einen Verdienst von ca. 650,-- € im Durchschnitt (vor Zuschläge und Steuer)

Bei mir sieht es stattdessen so aus (unter der Vorraussetzung das genug Arbeit vorhanden ist), das ich ganztägig arbeite, oft sogar auch am Wochenende. Und nach 4 Wochen einen Verdienst von 1.100,-- € im Durchschnitt (vor Zuschläge und Steuer) erziele. Dieses aber auch nur weil meine Mutter kostenfrei täglich ca. 4-6 Std. mitnäht. Am Beispiel einer Schabracke mit doppelter 2-farbiger Kordel muss ich 4 Maschinen einrüsten, davon habe ich an einer Maschine zum versäubern, Kordel und Etikett aufnähen im schlimmsten Fall (der häufig vorkommt) 4 Farbwechsel. Dieses kann man bei großen Stückzahlen ab 15 Stk. Akzeptieren. Bei mir sind es aber leider selten mehr wie 5 oder 6 im Höchstfall 10 Stk.

Desweiteren steht der Unkostenfaktor in keinem Verhältnis zueinander. Normalerweise ist es ja so das ein/e Heimarbeiter/in eine Maschine stehen hat und einen kleinen Raum dafür benötigt. Kosten hierfür sind praktisch bei null. Der Stromverbrauch für eine Maschine liegt erfahrungsgemäß bei halbtägiger Benutzung und nähen von Kleinteilen bei ca. 40,-- € im Jahr. Eine Raummiete für einen 6 – 8m² großen Raum würde ca. 330,--€ (lt. Mietspiegel) im Jahr betragen. Gesamtkosten für Raum und Maschine 370,-- € im Jahr. Es ist allerdings auch sehr selten der fall das ein/e Heimarbeiter/in extra einen Raum anmietet. Mir ist auf jeden fall keiner bekannt.
Ich habe hingegen einen Maschinenpark von 8 Näh- und Spezialmaschinen zu bewältigen. Sowie einen Bügelplatz der der auch hin und wieder benötigt wird. Hinzu kommen noch ein großer Tisch zum einrichten des Zuschnittes sowie mehrere Tische und Arbeitswagen zum ablegen der Ware. Das lagern der Zubehörteile, (Garne, Schnallen, Bänder, Kordel, etc.) benötigt einen Raum für sich.
Meine Stromkosten belaufen sich auf ca. 500,-- € im Jahr, hinzukommen Heiz- und sonstige Unterhaltungskosten von ca. 2000,--€ im Jahr. Gesamtkosten also ca. 2500,--€ / Jahr
Diese Kosten habe ich noch nicht einmal mit dem Heimarbeitszuschlag in höhe von 10 % gedeckt.
Beispiel das Jahr 2006 : Verdienst vor Zuschläge und Steuer 15.186,-- €. Hiervon 10 % sind 1518,-- €.
Dem gegenüber stehen bei einer „normalen“ Heimarbeit, nach meinenBeobachtungen, bei einem Durchschnittlichen Jahresverdienst von 7000,-- € mit einem Zuschlag von 700,-- € Unkosten in höhe von ca. 340,-- € entgegen.


Ich hoffe Sie verstehen was ich Ihnen anhand dieses Beispieles sagen möchte.

Seit nunmehr über 20 Jahren arbeite ich für -------, davon bereits 14 Jahre als angestellter der Firma. Ich mache diese Arbeit gerne und es macht spaß, sofern Arbeit da ist. Leider kann ich davon meinen Lebensunterhalt alleine nicht bestreiten. Es sei denn ich arbeite mindestens 10 stunden täglich, auch am Wochenende und an Feiertagen. Dies kann aber nicht Sinn der Sache sein.
Eine andere fremde Hilfe kann ich nicht bezahlen, zum bin ich keine firma und zum anderen wovon(?).
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, aber Altersmäßig muss ich mir Gedanken über meine Zukunft machen. Ich bitte Sie deshalb noch einmal über eine andere Art der Entlohnung oder Einstufung nachzudenken. Es wird doch sicher eine Lösung geben.

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Sehr geehrte Fragestellerin,
sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage, diese möchte ich an Hand Ihrer Angaben summarisch wie folgt beantworten:

Ob der Brief in seiner inhaltlichen Form „richtig“ ist, kann natürlich aus der Ferne nicht beantwortet werden.

Die Rechtslage ist wie folgt:

Regelmäßig werden Heimarbeiter nach Stückzahlen vergütet. Dabei ist von entsprechenden Vorgabezeiten bei der Herstellung eines Stückes auszugehen.

Werden Vorgabezeiten so kurz bemessen, daß die Normalleistung nicht ausreicht, um ein bindend festgesetztes Mindeststundenentgelt zu erzielen, so ist die entsprechende Regelung unwirksam. (BAG 13.9.83 - 3 AZR 343/81, DB 84, 2047).

Im Übrigen dürfen Sie nicht von der Arbeit ausgenommen werden, wenn andere Kollegen arbeite. Wer Heimarbeit an mehrere in Heimarbeit Beschäftigte ausgibt, soll die Arbeitsmenge auf die Beschäftigten gleichmäßig unter Berücksichtigung ihrer und ihrer Mitarbeiter Leistungsfähigkeit verteilen (vgl. Bauer in Küttner „Personalbuch“)

Sollte es im konkreten fall zu einem Streit mit der Firma kommen, sollten Sie unbedingt einen Kollegen vor Ort aufsuchen.

Ich hoffe, Ihren einen hilfreichen ersten Überblick verschafft zu haben. Für das entgegengebrachte Vertrauen bedanke ich mich recht herzlich. Bitte beachten Sie, dass diese Beratung eine umfassende Prüfung an Hand aller Unterlagen nicht ersetzen kann. Für Rückfragen und die weitere Interessenvertretung stehe ich gerne zur Verfügung.


Mit freundlichen Grüßen


Stefan Steininger
Rechtsanwalt

www.anwalt-for-you.de

Nachfrage vom Fragesteller 09.05.2007 | 09:39

Danke für Ihre Antwort, eine Frage aber noch :
§ 11 Absatz 1 des HAG - Betrifft die Verteilung der Heimarbeit nur die Arbeitsmenge, oder auch die Art der Heimarbeit. Zum beispiel Heimarbeiter A bekommt große Stückzahlen die im Stück/Akkordlohn gut zu schaffen sind. Heimarbeiter B aber fast nur geringe Stückzahlen und viele verschiedene Artikel

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 09.05.2007 | 09:46

Grundsätzlich sollen Heimarbeiter möglichst gleich behandelt werden.

Wenn die Arbeitsbereiche identisch sind, könnte in Ihrer Schilderung eine Benachteiligung von B zu sehen sein. Natürlich müssen nicht alle das Gleiche machen. Es wird daher auf den Grund der Verteilung im Einzelfall ankommen.

Bewertung des Fragestellers |


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