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Heilpraktikerkurs als Werbungskosten


27.03.2006 16:37 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht



Meine Frau ist staatlich geprüfte Masseurin und Bademeisterin und arbeitete bis vor kurzem freiberuflich als Masseurin.
Gleichzeitig hat sie eine Heilpraktikervorbereitungsschule
besucht und schließlich die Heilpraktikerprüfung abgelegt. Wir haben für 2004 die Kosten der Heilpraktikerschule als Werbungskosten in der Einkommenssteuererklärung angesetzt. Das Finanzamt hat diese jedoch nur anteilmäßig als Sonderausgaben anerkannt. Gleichzeitig verlangte das Finanzamt für die künftige freiberufliche Tätigkeit Vorsteuer. Ich habe einen Widerspruch eingelegt mit Hinweis auf das Grundsatzurteil BFH vom 04.12.2002-VI R 120/01, BStBl 2003 II S.403. Um die Vorsteuer zu vermeiden, habe ich erwähnt, dass wegen der Geburt unseres Kindes in Juli 2005 meine Frau höchstwahrscheinlich für einige Jahre wird nicht freiberuflich tätig sein können, was auch zutrifft. Das Finanzamt antwortete, dass für die Anerkennung der vorweggenommenen Werbungskosten eine "Bereitschaft zum Geldverdienen" sichtbar sein muß. Dadurch, dass meine Frau mit dem Kind einige Zeit zuhause bleibt, ist diese Bereitschaft nicht sichtbar. Ich soll mich hierzu schriftlich bis zum 30.03.06 äußern. Es besteht also noch eine Chance, der Ausgang ist jedoch von meiner Formulierung abhängig. Ich verstehe jedoch nicht, worauf das Finanzamt hinaus will. Meine Frau wird sicherlich sobald möglich wieder arbeiten wollen, kann jedoch noch nicht als Heilpraktikerin tätig sein, da ihr die geeigneten Methoden fehlen. Deswegen besucht sie weiterhin eine Homöopathieschule, wodurch weitere Werbungskosten anfallen werden. Es handelt sich keinesfalls um Liebhaberei, meine Frau wil wirklich als Heilpraktikerin tätig werden. Bitte um Hilfe - was soll ich dem Finanzamt antworten???
Sehr geehrter Fragesteller,

in Ihrem Fall kommt es darauf an, ob die entstandenen Kosten als Ausbildungs oder Fortbildungskosten einzuordnen sind. In letzter Zeit haben die Richter am BFH die Grenze der Einordnung als Fortbildungskosten und damit die Volle Absetzbarkeit als Werbungskosten bewußt weiter gefasst mit der Begründung, dass auf dem heutigen Arbeitsmarkt eine einzige Ausbildung meist nicht ausreicht und eine flexible Anpassung nötig ist. Dies wurde neben dem von Ihnen bereits zitierten Urteil auch nochmals explizit im Urteil des BFH vom vom 17. Dezember 2002 VI R 137/01 klargestellt.

In Ihrem Fall, soweit man das aus den vorliegenden Daten entnehmen kann, handelt es sich um Fortbildungskosten, da die gemachten Kurse grob dem selben Berufszweig der Heilberufe im weiteren Sinne zuzuordnen sind.

Sie müssen dem Finanzamt klarmachen, dass Ihre Frau nicht willkürlich daheimbleibt um die Kinder zu erziehen, sondern, dass es sich um eine normale Babypause handelt. Hierbei sollten Sie erwähnen, dass sie keine andere Wahl hat, da sonst niemand da ist, der auf die Kinder aufpasst.

Durch Ihren Einspruch gegen die Umsatzsteuerpflicht geht das Finanzamt davon aus, dass keine Gewinnerzielungsabsicht gegeben ist und daher auch keine Werbungskosten abgesetzt werden können. Sie müssen dem Finanzamt also klarmachen, dass lediglich während der Babypause keine Umsätze erzielt werden, danach aber schon. Gegebenenfalls wäre es sogar sinnvoll den Einspruch gegen die Umsatzsteuerpflicht zurückzunehmen aber dafür die vollen Werbungskosten abzuziehen. Dies hängt jedoch vom Einzelfall ab und kann hier so pauschal nicht beantwortet werden.

Sollte das Finanzamt Ihren Erklärungen nicht nachkommen und dem Widerspruch nicht abhelfen, sollten Sie eventuell Klage einlegen, wobei Ich Ihnen im Rahmen eines Mandats gerne behilflich wäre.

Mit freundlichen Grüssen
Nikolai Zimmermann
Rechtsanwalt

www.ra-zimmermann.com
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