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Haustür bei Bauausführung beschädigt - Schadenersatzregelung?


18.12.2017 18:46 |
Preis: 80,00 € |

Baurecht, Architektenrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Meine erst 10 Monate alte Holzhaustür mit Ornamentglaseinsätzen und Kassettenfüllungen wurde bei Bauarbeiten am Haus (EFH-Neubau) durch ein Rüttelgerät beschädigt. Vorwiegend am Wetterschenkel und an einer Kassettenfüllung. Die Haftpflichtversicherung des Unternehmens übernimmt die Kosten. Aber nun stehen mehrere Möglichkeiten der Schadensbeseitigung im Raum und mir ist nicht klar, welche Variante § 249 BGB entspricht:

Variante 1 - Vorschlag der Versicherung: Wetterschenkel tauschen, Tür außen neu lackieren, Kosten 1720 Euro.

Frage 1: Sollte ich nicht so gestellt werden, als hätte das Ereignis nicht stattgefunden? Bei dieser Vorgehensweise habe ich aber "nur" noch eine reparierte Haustür. Alle Beschläge müssen ab- und wieder angebaut werden, die Tür muss in die Tischlerei und zurück transportiert werden (540 km) und wird dadurch sicherlich nicht besser. Muss ich das akzeptieren?

Frage 2: Ausserdem muss bei dieser Variante 1 eine Baustellentür für anderthalb Wochen eingebaut werden.
Wie verhält es sich hier mit den höheren Heizkosten (nicht isoliert), dem fehlenden Einbruchschutz und der eventuell nicht gegebenen Funktions-/Nutzungsfähigkeit, wenn nur eine Holzplatte als Ersatz für die Reparaturzeit eingekeilt wird (es gibt noch einen Nebeneingang)? Steht mir, wie ja auch im Bereich der KFZ-Schadensregulierung, ein Nutzungsausfall zu? Wie ist mit dem fehlenden Einbruchschutz und den höheren Heizkosten umzugehen?

Variante 2: Meine favorisierte Lösung: die Anfertigung eines neuen Türblattes, Umbau des Ornamentglases (Kosten 3800 Euro). Hier ist keine Baustellentür nötig, die Maße liegen vor, das neue Türblatt würde nur getauscht. Keine Baustellentür, keine höheren Heizkosten, kein Verschleiß der Tür durch An- und Abschrauben von Beschlägen und Transport, kein fehlender Einbruchschutz.

Die Versicherung argumentiert mit meiner Schadenminderungspflicht.

Frage 3: Würde mir nicht aber eigentlich Variante 2 aufgrund des geringen Alters der Tür zustehen? Und auch, wenn die Versicherung jetzt nicht einlenkt und darauf spekuliert, dass der Klageweg nicht beschritten werden soll, wie stehen die Chancen vor Gericht, vor allem mit Blick auf das geringe Alter der Tür, die Variante 2 durchzusetzen?

Vielen Dank.




18.12.2017 | 19:40

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Frage 1: Sollte ich nicht so gestellt werden, als hätte das Ereignis nicht stattgefunden? Bei dieser Vorgehensweise habe ich aber "nur" noch eine reparierte Haustür. Alle Beschläge müssen ab- und wieder angebaut werden, die Tür muss in die Tischlerei und zurück transportiert werden (540 km) und wird dadurch sicherlich nicht besser. Muss ich das akzeptieren?

Nein. Wenn der von der Versicherung angebotene Betrag nicht alle entstehenden Kosten abdeckt, müssen Sie dies nicht akzeptieren. Es gilt für Sie in der Tat der Grundsatz, dass Sie so gestellt werden müssen, als ob das schädigende Ereignis nicht eingetreten wäre. D. h. es wären Ihnen auch keine weiteren Transportkosten etc. entstanden.

Frage 2: Ausserdem muss bei dieser Variante 1 eine Baustellentür für anderthalb Wochen eingebaut werden.
Wie verhält es sich hier mit den höheren Heizkosten (nicht isoliert), dem fehlenden Einbruchschutz und der eventuell nicht gegebenen Funktions-/Nutzungsfähigkeit, wenn nur eine Holzplatte als Ersatz für die Reparaturzeit eingekeilt wird (es gibt noch einen Nebeneingang)? Steht mir, wie ja auch im Bereich der KFZ-Schadensregulierung, ein Nutzungsausfall zu? Wie ist mit dem fehlenden Einbruchschutz und den höheren Heizkosten umzugehen?

Sie können für die Mehrkosten der Heizung ebenfalls Schadenseratz verlangen (Naturalrestitution). Aber Sie müssen die Mehrkosten nachweisen können. Optische Beeinträchtigung und "Unsicherheit" ist schwer in einem Wert zu bemessen, so dass ein Gericht Ihnen hier schwer Recht geben wird bzw. genauer einen konkreten Betrag zusprechen wird.

Frage 3: Würde mir nicht aber eigentlich Variante 2 aufgrund des geringen Alters der Tür zustehen? Und auch, wenn die Versicherung jetzt nicht einlenkt und darauf spekuliert, dass der Klageweg nicht beschritten werden soll, wie stehen die Chancen vor Gericht, vor allem mit Blick auf das geringe Alter der Tür, die Variante 2 durchzusetzen?

Die Chacen sind schwierig abzusehen. Es müsste ein Gutachter beurteilen, inwieweit Ihnen Variante 1 zuzumuten ist. Kann über Variante 1 wert- und optikmäßig Ersatz verschafft werden, kann die Versicherung Variante 1 auswählen. Allein der Umstand, dass für eine gewissen Zeit eine Bautür angebracht werden muss, dass die Türe transportiert werden muss etc. schließt diese Variante nicht aus.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Traub
-Rechtsanwalt-


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