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Hausfriedensbruch bei teilweiser Erlaubnis durch Tochter

02.04.2018 11:15 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Gerhard Raab


Guten Tag ! Vorletztes Wochenende waren wir mit unserer Tochter (16 J.) verreist. Unsere Tochter hatte ohne unser Wissen einer uns bekannten Freundin (17 J.) erlaubt, unsere Wohnung an besagtem Wochenende am Sa. zwischen 4h und 8h morgens zu benutzen, damit sie nicht den 60 minütigen Weg (einfache Strecke) nach Hause und wieder zurück machen müsse. Der Freundin hat sie den Schlüsselcode zur Wohnung mitgeteilt. Am So. Mittag bekommen wir den Anruf meiner Schwester, die uns zufälligerweise etwas vorbeibringen wollte, daß sich in unserer Wohnung mehrere Jugendlich aufhalten. Die Wohnung sei teils verwüstet, die Schlafzimmer und das Bad benutzt, 2 Jungs wären in der Küche und bereiteten das Frühstück vor, ein weiterer, halb nackter Mann käme mit einer Musikbox aus dem Schlaftrakt und frage, wo das Problem wäre, denn die Freundin habe die Wohnung als ihr zuhause ausgegeben: offensichtlich hat die Freundin eine kleine Party inkl. Übernachtung unter Zugriff auf unsere Getränke und Lebensmittel bei uns abgehalten. Mittlerweile hat uns eine zweite, uns bekannte Freundin (16 J.) ihre Teilnahme an dieser Party gebeichtet, sich entschuldigt und den von ihr angestellten Schaden behoben.

Unsere Frage: können wir diese erste Freundin wegen Hausfriedensbruch anzeigen und auf Schadensersatz verklagen, denn unsere Tochter hat der Freundin mündl. unter Zeugen (u.a. die zweite Freundin) mitgeteilt, daß die Erlaubnis nur für die 4 Stunden gälte, und schriftl. (haben wir zwischen den Matratzen gefunden + nicht nachträglich von unserer Tochter dahingelegt // Zeugnis zweite Freundin: Zettel lag im Eingangsbereich der Wohnung, hingelegt, kurz nachdem wir Eltern die Wohnung für das Wochenende verlassen hatten), daß die Nutzung aller anderen Räume (insbesondere der Schlafzimmer) außer Wohnzimmer und Küche sowie Durchgangsbereich absolutes Tabu sind. Die erste Freundin hat unserer Tochter in der Schule mit Streß gedroht, wenn wir Eltern sie anzeigen. Die zweite, reumütige Freundin wollen wir nicht anzeigen.

Mit freundlichen Grüßen und vielen Dank !

Sehr geehrter Fragesteller,

zu Ihrer Anfrage nehme ich wie folgt Stellung:


1.

Zunächst ist der strafrechtliche Aspekt (Hausfriedensbruch gem. § 123 StGB , Sachbeschädigung gem. § 303 StGB , Diebstahl gem. § 242 StGB ) von den zivilrechtlichen Schadenersatzansprüchen zu unterscheiden.

Meiner Auffassung nach hat sich die Freundin (17 Jahre alt) des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht, da ihr gestattet war, die Wohnung für vier Stunden zu nutzen, sie aber über diese Zeit hinaus in der Wohnung verblieben ist. Dass die Aufenthaltsdauer befristet war, könnte durch Ihre Tochter als Zeugin bewiesen werden.

Die Anzeige würde ich auf alle in Betracht kommenden Delikte erstrecken, so dass auch die Strafbarkeit wegen Sachbeschädigung und Diebstahls/Unterschlagung einbezogen wäre. Ob der besagten Freundin Sachbeschädigung nachgewiesen werden kann, lässt sich dem Sachverhalt nicht entnehmen, da man ihr dann nachweisen müsste, welche Gegenstände sie beschädigt bzw. zerstört hat.

Auch die Frage des Diebstahls (oder ggf. der Unterschlagung) läßt sich hier nicht beantworten, weil aus Ihrer Sachverhaltsschilderung nicht hervorgeht, ob die Freundin Lebensmittel entwendet hat.


2.

Die Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen (hier kämen die §§ 823 Abs. 1 BGB und 823 Abs. 2 BGB in Verbindung mit einer Strafrechtsnorm in Frage) setzt zunächst voraus, dass ein Schaden verursacht worden ist. Das dürfte nach Ihrer Schilderung wohl anzunehmen sein, da Sie von einer teilweisen Verwüstung der Wohnung sprechen. Allerdings muss ich diesbezüglich darauf hinweisen, dass der Begriff der Verwüstung sehr weitreichend ist und deshalb, um eine rechtliche Prüfung vornehmen zu können, geprüft werden müsste, ob "nur" ein Durcheinander entstanden ist oder ob auch Sachen beschädigt wurden. Nur bei der Beschädigung von Sachen käme ein zivilrechtlicher Schadenersatzanspruch in Betracht.

Unterstellt man, dass Sachen beschädigt oder zerstört wurden, muss man weiter fragen, welche Beschädigungen konkret der Freundin zugeordnet und damit ihr angelastet werden können. Allein die Tatsache, dass Sachen beschädigt worden sind (vorausgesetzt, dem ist so), bedeutet noch nicht, dass die Freundin dafür haftet. Auf Schadenersatz haftet derjenige, der den Schaden vorsätzlich oder fahrlässig herbeigeführt hat.

Die Freundin hat zwar die Ursache für die "Verwüstung" gesetzt, indem sie die Party angezettelt hat, jedoch wird das in einem Rechtsstreit nicht ausreichen, um sie auf Zahlung von Schadenersatz zu verurteilen.


3.

D. h., Sie müssten zunächst aufklären, ob und ggf. welche Gegenstände die Freundin beschädigt hat. Dann müssten Sie überlegen, wie hoch der Schaden, der der Freundin angelastet werden kann, ist. Und schließlich müssten Sie prüfen, ob Sie - durch Zeugen - den Nachweis erbringen können, dass und welche Sachen die Freundin beschädigt hat.

Erst wenn diese Punkte geklärt sind, kann es ratsam sein, Schadenersatz zu verlangen.


Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Raab
Rechtsanwalt

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