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Hauserbe - Was zäghlt zum Zugewinn?


| 25.10.2006 07:12 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht



Ich bin verheiratet. Meine Frau und ihr Bruder haben vor 2 Jahren ein Haus geerbt. Meinen Schwager haben wir ausgezahlt. Die Finanzierung hierfür wurde von mir übernommen. Grundbucheintrag nur meine Frau. Jetzt werden meine Frau und ich uns trennen. Was zählt nun zum Zugewinn? Ist das Anfangsvermögen das tatsächliche Erbe, also 1/2 Anteil des Hauses? Oder zählt der Wert des kompletten Gebäudes zum Anfangsvermögen. Meines Erachtens müsste das tatsächliche Erbe (1/2 des Hauses) zum Anfangsvermögen zählen und der Kauf vom Bruder zum Zugewinn zählen. Ist das richtig?

-- Einsatz geändert am 25.10.2006 07:12:45

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Sehr geehrter Ratsuchender,


wie Ihnen offenbar bekannt ist, wird nach § 1374 Abs. 2 BGB Vermögen, das einer der Ehegatten nach Eintritt des Güterstandes von Todes wegen oder mit Rücksicht auf ein künftiges Erbrecht erwirbt, nach Abzug der Verbindlichkeiten dem Anfangsvermögen hinzugerechnet.

Zweck dieser Vorschrift ist es, solche Vermögensbestandteile von einer Ausgleichspflicht zwischen den Ehegatten auszunehmen, dessen Erwerb nicht aus der ehelichen Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft herrührt, sondern einem Ehegatten von Dritten aufgrund persönlicher Beziehungen oder ähnlicher Umstände zufließen, an denen der andere Ehegatte keinen Anteil hat (so auch BGH NJW 1995, 3113).

Dementsprechend ist Ihre Ansicht zutreffend.

Denn im vorliegenden Fall ist nur die eine ideelle Hälfte der Immobilie ererbtes Vermögen im güterrechtlichen Sinn. Zwar muss der Erwerb nicht unbedingt über den Nachlass selbst erfolgen - so können z.B. auch Abfindungen für den Verzicht auf ein angefallenes oder auch künftiges Erbrecht zum privilegierten Erwerb nach § 1374 Abs. 2 BGB zählen; so liegt der Fall aber nicht, denn der Erwerb der anderen ideellen Haushälfte vom Bruder beruht nicht auf erbrechtlichen Beziehungen zwischen Ihrer Frau und Ihrem Schwager.

Entscheidend ist, dass sich der Kauf des Miteigentumsanteils Ihres Schwagers sich außerhalb des Erbrechts und auch nicht aufgrund vorweggenommener Erbfolge vollzogen hat.
Deshalb ist dieser Teil des Vermögenszuwachses als echter Zugewinn zu werten. Von der Ausgleichspflicht ist nur der ererbte Teil auszunehmen.


Ich hoffe, Ihre Frage hinreichend und verständlich beantwortet zu haben, bitte benutzen Sie andernfalls die Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen


Wolfram Geyer
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 25.10.2006 | 08:41

Sehr geehrter Herr Geyer,
vielen Dank für die schnelle Antwort. Mich verwirrt jedoch eine Aussage: "Entscheidend ist, dass sich der Kauf des Miteigentumsanteils Ihres Schwagers sich außerhalb des Erbrechts und auch nicht aufgrund vorweggenommener Erbfolge vollzogen hat". Die Auszahlung meines Schwagers wurde notariell durch einen "Erbauseinandersetzungsvertrag" beurkundet. Ist dies "außerhalb des Erbrechts"? Vielen Dank im voraus für Ihre schnelle Antwort.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 25.10.2006 | 09:35

Sehr geehrter Ratsuchender,

der Erbauseinandersetzungsvertrag ändert nichts an der rechtlichen Beurteilung. Die Vereinbarung der Überschreibung der Haushälfte Ihres Schwagers an Ihre Frau gegen Auszahlung erfolgte zwar anlässlich der Erbschaft, aber nicht aufgrund eines Ihrer Frau zustehenden Erbrechts.

Ich hoffe, die Frage ist für Sie nunmehr geklärt.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfram Geyer
Rechtsanwalt

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