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Hausdach u. Schneefang beschädigt


21.03.2006 21:56 |
Preis: ***,00 € |

Baurecht, Architektenrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Jutta Petry-Berger



Hallo

Mein 2004 neu gedecktes Dach hat den 2. Winter nicht unbeschadet überstanden.
Der vom Dachdecker montierte Schneefang ist teilweise samt Befestigungsschrauben herausgerissen und liegt mit einem haufen Schnee und Dachziegeln am Boden.
Andere Teile des Schneefang (2 Stahlrundrohre im Abstand von ca. 10 cm übereinander) hat es so verbogen, dass die um die Halterungen und unter den Rohren befindlichen Dachziegel gebrochen sind.
Kann ich davon ausgehen, dass ein Schneefang, wenn er schon nicht den Schnee vollständig oben hält, wenigstens selbst oben bleibt und nicht auch noch Dachziegen beschädigt?

Wer zahlt den Schaden?
a) Am Schneefang?
b) die durch den Schneefang beschädigten Dachziegel?

Besteht hier ein Anspruch auf eine Gewährleistung? VOB?

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Sehr geehrte Fragesteller,

vielen Dank für Ihre online-Anfrage, die ich aufgrund Ihrer Sachverhaltsschilderung wie folgt beantworten möchte:

Aufgrund des geschlossenen Werkvertrages war der Dachdecker zur mangelfreien Errichtung der vertraglich vereinbarten Bauleistung verpflichtet. Nachdem der Schneefang mit den Ziegeln bereits nach 1,5 Jahren von dem Dach herunter gebrochen ist, dürfte feststehen, dass er nicht für die vertraglich vorausgesetzte Verwendung geeignet war und nicht die funktionellen Voraussetzungen erfüllte, den ein Schneefang üblicherweise genügen muss, so dass ein Mangel im Sinne von § 633 BGB angenommen werden kann.

Da Sie das Werk nach Fertigstellung des Daches im Jahre 2004 abgenommen haben, beginnt ab diesem Zeitpunkt für Ihre Mängelansprüche die 5 jährige Verjährungsfrist zu laufen (§ 634 a Abs. 1 Nr. 2 BGB). Weiterhin hat die Abnahme zur Folge, dass Sie im Streitfall beweisen müssen, dass der Dachdecker einen mangelhaften Schneefang eingebaut hat.

Gemäß § 634 BGB stehen dem Besteller aufgrund eines Mangels folgende Rechte zu:
- Nacherfüllung gem. § 635 BGB
- Selbstvornahme und Ersatz Ihrer Kosten nach erfolgloser Mängelbeseitigungsfrist § 637 BGB
- Rücktritt vom Vertrag oder Minderung gem. §§ 636, 323, 326 Abs. 5 BGB ODER
- Schadensersatz gem. §§ 636, 280, 281, 283 ,311 a BGB nach einer Mängelanzeige mit angemessener Frist zur Nachbesserung und erfolglosem Verstreichen der Frist

Sie sollten dem Dachdecker die Mängel daher schriftlich anzeigen und ihn unter Fristsetzung zur Nacherfüllung gem. § 635 BGB auffordern. Nach erfolglosem Verstreichen der Frist können Sie nach Ihrer Wahl den Mangel entweder auf Kosten des Dachdeckers selbst beseitigen lassen ODER seinen Werklohn mindern sowie vom Vertrag zurücktreten ODER Schadensersatz bzw. Ersatz Ihrer vergeblichen Aufwendungen verlangen. Der Schadensersatzanspruch nach §§ 636, 280, 281, 283 ,311 a BGB setzt ein Verschulden des Dachdeckers voraus und umfasst einmal den Schaden an dem Schneefang selbst sowie die hierdurch entstandenen Mangelfolgeschäden, also den Dachziegeln.

Im Übrigen werden die Sonderregelungen nach der VOB nur dann Anwendung finden, wenn die VOB ausdrücklich vertraglich vereinbart wurde. Dies setzt voraus, dass Ihnen auch die Möglichkeit verschafft wurde, in zumutbarer Weise von dem Inhalt der VOB in Kenntnis zu nehmen.

Weiterhin weise ich Sie darauf hin, dass Sie Ihre Ansprüche ggf. auch auf vertraglich übernommener Garantien des Dachdeckers stützen können.

Ich hoffe, Ihnen eine hilfreiche erste Orientierung gegeben zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen
Jutta Petry-Berger
Rechtsanwältin

Nachfrage vom Fragesteller 23.03.2006 | 10:39

Hallo

Hat der Dachdeker viele Chancen sich herauszureden?
Z.B.
Wurde in einen ca. 100 Meter höher über Normal Null und 10 KM entfernt liegenden Ort als Katastrophengebiet ausgerufen wg. zuviel Schneefall. Bei uns war viel Schnee, aber kein Katastrophengebiet erklährt. (ca. 600 Meter über N.N.)

Könnte er mich damit abspeisen, ich hätte das Dach ab einer gewissen Schneehöhe abräumen lassen müssen?

Ich habe von Ihm keine "Gebrausanweisung" für den Schneefang in der so etwas festgelegt wäre. Oder maximal zulässige Gewichte angegeben sind. Der Dachstuhl hat es ausgehalten.
Ich habe mir darum zu keinem Zeitpunkt sorgen gemacht.

...Im Übrigen werden die Sonderregelungen nach der VOB nur dann Anwendung finden, wenn die VOB ausdrücklich vertraglich vereinbart wurde....

Besteht hier ein Anspruch auf eine Gewährleistung? auch ohne VOB?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 24.03.2006 | 20:09

Sehr geehrter Fragesteller,

der Umstand, dass Ihr Wohnort nicht zum Katastrophengebiet erklärt wurde, spricht zunächst gegen das Vorliegen außergewöhnlicher Umstände, unter denen auch ein ansonsten mangelfreier Schneefänger gleicher Art und Güte nicht standgehalten hätte. Hat der Dachdecker Ihnen darüber hinaus nachweislich keine „Bedienungsanleitung“ ausgehändigt, wird er Ihnen nicht vorwerfen können, Sie hätten es pflichtwidrig versäumt, ab einer bestimmten Höhe den Schnee vom Dach zu entfernen. Aufgrund der Gesamtumstände bestand meiner Auffassung nach weiterhin keine ungefragte Erkundigungspflicht. Mithin wird ein etwaiges Mitverschulden nicht in Betracht kommen.

Im Bestreitensfalle müssen Sie das Vorliegen eines Mangels im Sinne von § 633 BGB, ohne dass es auf die Regelungen der VOB ankäme, beweisen. Wenn der Mangel nicht bereits aufgrund der Art der Befestigung des Schneefängers offenkundig erkennbar ist, wird ggf. nur aufgrund eines Sachverständigengutachtens geklärt werden können, ob der eingebaute Schneefänger nicht den anerkannten Regeln der Technik, wozu insbesondere die DIN –Normen zählen werden, entspricht und damit mangelhaft ist bzw. oder ob er falsch befestigt wurde. Für eine Beurteilung aus sachverständiger Sicht werden ggf. auch die sogenannten Schneelastzonen herangezogen werden können. Hiernach beträgt die Regelschneelast bei einem Bauwerksstandort von 600 m über Null in der für ihren Wohnort maßgeblichen Scheelastzone III 1,60 Kilonewton/qm.

Mit freundlichen Grüßen
Petry-Berger
Rechtsanwältin

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