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Haus vor der Ehe gekauft - wer hat welche Ansprüche bei Scheidung?

| 20.05.2013 11:09 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von


Meine Frau und ich lernten uns 2006 kennen.

Ich habe 2007 (mit vorhandenem, eigenem Kapital) ein Grundstück gekauft und gleichzeitig den Werksvertrag für den Bau eines EFH unterzeichnet. Dazu passend einen Kredit aufgenommen. Überall stehe ich alleine drin (Grundbuch, Bank).

Nun hatte sich die Erschließung des Grundstückes verzögert und wir haben 2009 geheiratet und ein Kind bekommen. Das Haus konnte aufgrund der Verzögerung dann erst 2010 gebaut werden. Der Kredit läuft aber schon seit 2007. In der Bauphase (während der Ehe) haben wir (ich) nochmal nachfinanziert. Ich trage sämtliche Kosten alleine.

Einen Ehevertrag oder Ähnliches haben wir nicht.
Welcher Anteil am Haus stünde meiner Frau bei Scheidung zu?

Einsatz editiert am 20.05.2013 11:20:47
20.05.2013 | 12:44

Antwort

von


(407)
Otto-von-Guericke-Str. 53
39104 Magdeburg
Tel: 0391-6223910
Web: http://kanzleifamilienrechtmagdeburg.simplesite.com
E-Mail:

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegeben Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Voranzustellen ist, dass Ihre Frau im Falle der Scheidung keinen direkten Anspruch in das Haus hat.

Für Ihre Ehe gilt mangels anderweitiger ehevertraglicher Regelung der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft.

Dies bedeutet, dass bei Beendigung des Güterstandes durch Scheidung lediglich ein sogenannter Zugewinnausgleichsanspruch geltend gemacht werden kann.

Zugewinn ist der Vermögenszuwachs während der Ehezeit. Ermittelt wird der Zugewinn durch Festellung des Endvermögens am Ende der Ehe vom dem das sogenannte Anfangsvermögen (vermögensstand zum Zeitpunkt der Eheschließung) in Abzug gebracht wird.

Der Zugewinnausgleichsanspruch ist ein Anspruch in Geld.

In Ihrem Fall liegt die Kernproblemtik im Anfangsvermögen. Unstreitig ist das Grundstück, welches vorehelich erworben wurde, im Anfangsvermögen einzustellen. Hierneben hatten Sie zu diesem Zeitpunkt bereits einen Kredit für den Hausbau aufgenommen. Der Kredit mindert das Anfangsvermögen. Davon ausgehend, dass durch die Bauverzögerung der Kredit noch nicht zur Auszahlung kam bzw. verwendet worden ist, ist der Kreditbetrag (als Anspruch gegen die Bank) wiederum als positives Vermögen im Anfangsvermögen einzustellen.

Im Endvermögen sind Haus und Grunstück und die aktuelle Restschuld bei der Bank einzustellen.

Ein etwaiger Zugewinn bestünde dann, wenn das Endvermögen höher als das Anfangsvermögen ist.
Die Ehefrau hätte dann Anspruch auf die Hälfte des sich ergebenden Zugewinns.

Zur besseren Verdeutlichung der Rechtslage folgend eine beispielhafte Berechnung mit fiktiven Daten:

Grundstück: 50.000 Euro
Kredit: 200.000 Euro
Wert Haus: 200.000 Euro
aktuelle Restschuld: 180.000 Euro

Endvermögen: Haus + Grunstück abzgl. Restschuld = 70.000 Euro
Anfangsvermögen: Grundstück + Darlehensforderung abzgl. Darlehensschuld = 50.000 Euro

Zugewinn: Endvermögen abzgl. Anfangsvermögen = 20.000 Euro

Ausgleichsanspruch: 10.000 Euro

Bei diesem Beispiel hätte die Ehefrau einen Anspruch auf Zahlung von 10.000 Euro, vorausgesetzt diese hätte auf Ihrer Seite keinen Zugewinn erwirtschaftet.

Bei konkreten Zahlen ergeben sich naturgemäß andere Beträge.

Zu beachten ist zudem, dass die Berechnung des Zugewinns auf Basis der Gesamtvermögensstände beider Eheleute vorzunehmen ist. Es findet zudem keine isolierte Betrachtung einzelner Vermögenswerte statt.




Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Tobias Rösemeier, Rechtsanwalt


Rechtsanwalt Tobias Rösemeier
Fachanwalt für Familienrecht

Rückfrage vom Fragesteller 20.05.2013 | 12:57

Vielen Dank für die hilfreiche und ausführliche Antwort!

Wie verhält es sich denn mit den Kreditzinsen, die wir (ich) in den Ehejahren gezahlt haben? Wird das überhaupt in Betracht gezogen oder wird nur Anfangs- und Endvermögen isoliert betrachtet und was dazwischen alles war spielt keine Rolle? Ist der "Wert" des Hauses das, was ich nachweislich reingesteckt haben beim Bauen oder würde der aktuelle Wert von einem Gutachter geschätzt werden?

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 20.05.2013 | 13:12

Sehr geehrter Ratsuchender,

in der Tat sind die Zinszahlungen während der Ehezeit ohne Relevanz für die Feststellung des Zugewinns. Maßgebend für die Ermittlung eines etwaigen Zugwinnausgleichsanspruches sind einzig die Anfangs- und Endvermögensstände.

Wert des Hauses ist der aktuelle Wert, der durch einen Sachverständigen ermittelt werden kann.

Auch hier ist es so, dass grundsätzlich nicht maßgebend ist, was "reingesteckt" worden ist.


Bewertung des Fragestellers 20.05.2013 | 12:59

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