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Haus vererben - Welche Möglichkeiten gibt es, möglichst wenig Erbschaftssteuer und Pflichtanteil zu


19.07.2007 11:57 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von



Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Vater wird demnächst ein Haus von seiner Mutter erben, der Vater ist schon verstorben. Mein Vater hat zwei weitere Geschwister, welche den Pflichtanteil bekommen sollen. Mein Vater bekommt das Haus weil er darin wohnt und sich um das Haus kümmert. Es handelt sich um ein 4 Familienhaus mit 4 Stockwerken. In einem wohne ich, in einem mein Vater, und die zwei weiteren sind vermietet.

Wert vom Haus ca. 500.000
Alter Mutter von Vater (Oma): 86
Alter Vater: 56
Alter von mir: 35

Mein Vater möchte nun, dass ich ein Stockwerk kaufe bevor die Oma verstirbt damit sich der Pflichtanteil verringert welchen er an die Geschwister auszahlen muss.

Die Oma möchte ins Altersheim und dafür würde dann das Geld verwendet.

Ich möchte nun fragen ob das möglich und wenn überhaupt sinnvoll ist oder ob es auch andere Möglichkeiten gibt.

Kann meine Oma vielleicht mir direkt eine Wohnung vererben?

Welche Möglichkeiten gibt es, um möglichst wenig Erbschaftssteuer und Pflichtanteil zu zahlen? Wenn ich die Wohnung kaufe habe ich ja auh kosten für die zinsen zu zahlen.
19.07.2007 | 14:59

Antwort

von


10 Bewertungen
Saaläckerstr.2a
63801 Kleinostheim
Tel: 06027-990650
Web: www.kanzlei-wollinger.de
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Sehr geehrter Fragesteller,

ich danke Ihnen für Ihre Anfrage.
Vorerst möchte ich Ihnen mitteilen, daß es sehr schwer ist, Pflichtteilsansprüche zu umgehen. Das Pflichtteilsrecht wurde geschaffen, um die Familie abzusichern.
Der Pflichtteil ist für die Angehörigen selbst dann nicht zu umgehen, wenn er zur existentiellen Belastung wird.Ihr Vorschlag, daß Sie eine Wohnung kaufen ist natürlich möglich.Allerdings müssen Sie hierbei bedenken, daß der Verkaufspreis der Wohnung ein angemessener sein muss, d.h. die Wohnung muss zu dem üblichen Verkehrswert verkauft werden.
Denn Vermögensverschiebungen, die in Wirklichkeit Schenkungen sind, werden ( im Streitfall bzw. bei Ausbezahlung Pflichtteil)voll oder teilweise als entgeltlich deklariert. Bei grobem Mißverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung besteht die gesetzliche Vermutung für eine "verschleierte Schenkung". Wenn Sie also die Wohnung "zu günstig" erwerben, kann hierdurch ein Pflichtteilsergänzungsanspruch der Geschwister Ihres Vaters entstehen.Kaufen Sie die Wohnung aber zum "regulären " Preis ist diese somit aus der Erbmasse draußen. In der Erbmasse bleibt dann nur noch das Geld, welches die Oma für den Hauskauf erhalten hat. Ist dieses Geld aber zum Zeitpunkt ihres Todes aufgebraucht, ist es auch nicht mehr in der Erbmasse ( und für Pflichtteilsansprüche nicht maßgeblich).Insofern ist es natürlich sinnvoll, dieses Geld dann für die Kosten des Pflegeheimes zu verwenden.Auch wenn Ihre Oma einen aufwendigen Lebensstil hat oder gerne mal ins Casino geht um zu spielen, mindert das die Pflichtteilsansprüche.......Verschenkt Ihre Oma aber offiziell Bargeld an Sie oder Ihren Vater, hätten die Geschwister wieder hieran einen sog. Pflichtteilsergänzungsanspruch. Diesen Pflichtteilsergänzungsanspruch haben die Geschwister nur, wenn Ihre Oma innerhalb von 10 Jahren nach der Schenkung verstirbt. Lebt Sie länger als 10 Jahre gibt es keinen Ergänzungsanspruch.

Ihre Oma kann Ihnen auch eine Wohnung vererben, allerdings bleiben hierdurch die Pflichtteilsansprüche in derselben Höhe bestehen. Um Steuern zu sparen, d.h. damit Ihr Vater nicht " so viel " erbt kann eine solche Aufteilung event. sinnvoll sein. Dies müßte durchgerechnet werden, Ihr Vater hat einen Steuerfreibetrag in Höhe von 205.000 EUR und Sie einen in Höhe von 52.100 EUR.

Die einzig andere Möglichkeit, die beste Möglichkeit steuerlich und bzgl. der Pflichtteilsansprüche gesehen, wäre
(gewesen)schon zu Lebzeiten alle 10 Jahre Vermögen zu übertragen.
Die Übertragung von Vermögenswerten auf die Kinder, Kindeskinder empfielt sich vor allem deshalb, weil z.B. jedes Kind nach jedem Elternteil alle 10 Jahre erneut einen Steuerfreibetrag von 205.000 EUR bei der Schenkungssteuer und Erbschaftssteuer ausnutzen kann. Diese sog. Etappenschenkung ist steuerlich völlig neutral,wenn sie mehr als 10 Jahre vor dem Erbfall stattgefunden hat.
In Anbetracht des hohen Alters Ihrer Oma habe ich bei realistischer Einschätzung meine Bedenken, ob diese Möglichkeit Ihnen noch etwas "bringen" kann.
Bedauerlicherweise muss ich Ihnen mitteilen, daß Sie etwas spät dran sind. Hätte Ihre Oma vor 10 Jahren das Haus richtig (ohne Nießbrauchsvereinbarung) auf Ihren Vater überschrieben, müßten Sie im Todesfall keine Pflichtteilsansprüche bzgl. des Hauses erfüllen.
Einzig möglich jetzt ist, daß Ihre Oma in kurzer Zeit das Haus auf Ihren Vater ( und Sie ) überschreibt und Sie hoffen, daß Ihre Oma noch mindestens 10 Jahre lebt. Dann hätten die Geschwister keinen Pflichtteilsanspruch bzgl. des Hauses. Bei einem soclen Übergabevertrag dürfte dann kein Nießbrauchssrecht der Oma eingetragen werden. Ggf. sollten Sie anwaltliche Beratung bzgl. eines solchen Übergabevertrages in Betracht ziehen.
Für weitere Beratung stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Ich hoffe Ihnen weitergeholfen zu haben und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen

Diana Wollinger
Rechtsanwältin

D.Wollinger@Kanzlei-Wollinger.de


Nachfrage vom Fragesteller 19.07.2007 | 20:28

Danke für die Antwort.
Wie hoch ist denn der Pflichtteil welchen mein Vater zahlen muss?

Welche Kosten würden denn auf meinen Vater zukommen? (Pflichtteil + Erbschaftssteuer)

Was passiert, wenn die Oma dann vor den 10 Jahren stirbt, hat man dadurch einen Nachteil?

Wird die immobilie nicht nach einem Einheitswert bewertet und dadurch die Versteuerung sehr gering, so dass der Freibetrag vielleicht reicht?

Ist die Versteuerung bei dem Barguthaben höher?

Ergänzung vom Anwalt 20.07.2007 | 14:29

Sehr geehrter Fragesteller,
ich möchte Ihnen auf Ihre Nachfrage, wie folgt antworten:

Der Pflichtteil, den Ihr Vater, ausgehend von einem Wert von 500.000 EUR zahlen müßte beträgt für die zwei Geschwister jeweils ca. 83.000 EUR, also ca. 166.000 EUR gesamt.

Falls Ihre Oma vorher versterben sollte ( vor den 10 Jahren)fällt das Haus in den sog. "Pflichtteilsergänzungsanspruch" und die Geschwister bekommen ihren Anteil. Über die genaue Höhe kann ich Ihnen im Rahmen dieses Forums keine Angaben machen. Das wäre unseriös. Hierzu sind genaueste Angaben erforderlich und vielfältige Faktoren spielen eine Rolle.

Ebenso kann und möchte ich keine Angaben über die Höhe der genauen Erbschaftssteuer machen. Die Höhe der Erbschaftssteuer wird anders berechnet, als z.B. Pflichtteilsansprüche.
Hinweisen möchte ich Sie aber darauf, daß Ende 2006 das Bundesverfassungsgericht über die Erbschaftssteuer entschieden hat und in seinem Urteil folgendes festgestellt hat:" Die bisherige Regelung der Erbschaftssteuer, nach der Immobilien, Grundbesitz und Betriebsvermögen geringer besteuert werden als Kapitalvermögen, ist verfassungswidrig. Bis zum 31.12.2008 muss der Bundestag nun die Regelung der Erbschaftssteuer ändern.
Bis dahin soll die alte Regelung gelten, nach der bei Immobilien, Grundstücken und Betrieben nicht der tatsächliche Verkehrswert für die Berechnung der Erbschaftssteuer zugrundegelegt wird. Bei Grundbesitz wird die Steuer nach Bodenrichtwerten oder Ertragswerten festgelegt. Und die liegen oftmals weit unter dem Verkehrswert. Bei bebauten Grundstücken liegt nach Angaben des Finanzministeriums der zugrunde gelegte Wert im Durchschnitt bei etwa 50 % des Verkehrswertes. Ihr Vater hätte demnach ( ausgehend von 50 %, also 250.000 EUR)für das Haus nach Abzug des Freibetrages "nur" ca. 45.000 EUR zu versteuern. Ausgehend von der Steuerklasse I dann auf die 45.000 EUR gem.
§ 19 ErbStG dann 7 % Steuern zu zahlen.
Insofern stimmt Ihre Vermutung, daß Bargeld derzeit noch höher besteuert wird, als Immobilien etc.

Ich möchte Sie darauf hinweisen, daß meine "Berechnung" nur auf den von Ihnen mitgeteilten Werten beruht. Sollten sich noch andere Werte im zukünftigen Nachlass Ihrer Oma befinden, wie Bargeld etc. ändert sich natürlich der Pflichtteilsanspruch.

Mit freundlichen Grüßen

Diana Wollinger
Rechtsanwältin
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