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Hauptwohnsitz England mit dt. Arbeitsverhaeltniss, Wohnungsverkauf

11. November 2010 22:37 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Meine Frau und ich, beide deutsche Staatsbuerger, sind seit 10 Jahren in England, wobei wir seit fast 3 Jahren in einer Eigentumswohnung leben.
Ich werde in kuerze eine Stelle in Deutschland annehmen, voraussichtlich kann ich die erste Arbeitszeit (3 Monate)
auf einen 3 taegigen Deutschlandaufenthalt pro Woche beschraenken. Arbeitgeber bezahlt alles in Deutschland, alle Versicherungen (KVS, RVS etc) werden damit auch in Deutschland erleistet.
Jetzt sind wir auf der Suche nach dem besten Steuerverhalten.

Meine Frage gliedert sich in 2 Bereiche, die wohl sehr miteinander verbunden sind:

1) Gestaltung des Wohnsitzes
2) Verkauf der Eigentumswohnung in England und deutsche Steuerimplikationen

**

Zu 1)

Ich werde wohl vorerst eine Wohnung als Zweitwohnsitz in Deutschland melden muessen, wobei der Lebensmittelpunkt weiter in
England besteht (Frau, Wohnung). Spaetestens im April werden wir dann unseren Lebensmittelpunkt nach Deutschland verlegen.
somit besteht kaum Wahrscheinlichkeit, dass ich mehr als 183 Tage im Jahr 2011 in England verbringen werde.

a) Wird Deutschland somit automatisch der Lebenmittelpunkt fuer das Steuerjahr 2011?
b) Welche Kosten (Zweitwohnung, Reise etc) im Zeitraum Jan-Aril kann ich 2011 von der Steuer absetzen, wenn ueberhaupt?
c) Muss ich irgendwelche Beweise (Flug/Zug/Faehrentickets) aufheben?
d) Ist es sinnvoller, die 3 Tage pro Woche in Hotels zu verbringen um somit eine Meldepflicht zu umgehen ?

Zu 2)

Nach englischem Steuergesetz werden beim Verkauf der Wohnung keine Steuern anfallen, da diese als langjaehriger Hauptwohnsitz gilt.
Unser Lebensmittelpunkt (also Hauptwohnsitz) wird bis zum Verkauf in dieser Wohnung/England sein. Eigentlich
moechten wir die Wohnung nicht verkaufen, jedoch wuerden beim Verkauf nach Vermieten auch in England Kapitalserwerbssteuern faellig,
damit ist ein kurzfristiger Aufschub des Verkaufens nicht sinnvoll.


- Angenommen wir verkaufen die Wohnung im Maerz. Muss der Gewinn des Immobilienverkaufs in Deutschland versteuert werden oder wuerde hier einfach das englische Gesetz greifen, solange wir noch den Hauptwohnsitz in England haben?
- Wenn der Gewinn nach Deutschland ueberwiesen wird, fallen irgendwelche Steuern an?

Fuer Antworten bin ich Ihnen sehr dankbar, auch fuer eine Empfehlung wie diese Situation steuerrechtlich am vorteilhaftesten
gehandhabt werden kann. Meine Frau hat auch die Moeglichkeit, >6 Monate in England zu bleiben - falls das einen steuerlichen Vorteil erschafft.






Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Frage beantworte ich im Rahmen einer Erstberatung und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes gerne wie folgt:

Zu Frage 1):

Da Sie beabsichtigen mehr als 6 Monate in Deutschland zu verbringen, ja sogar nach ca. 3 Monaten Ihren Hauptwohnsitz nach Deutschland verlegen wollen, besteht eine unbeschränkte Einkommensteuerpflicht gemäß § 1 Abs. 1 EStG , d.h. für sämtliche Einkünfte Ihrerseits auf der ganzen Welt (Welteinkommensprinzip).

Daran ändert auch nichts der mögliche anfängliche Aufenthalt in einem Hotel, da mindestens mit der Verlegung des Wohnsitzes ins Inland (Deutschland) ein nach dem Gesetz erforderlicher Wohnsitz begründet würde. Selbst aber wenn Sie das ganze Jahr im Hotel in Deutschland verbringen würden, wären Sie unbeschränkt Einkommensteuerpflichtig, da Sie dann zumindest Ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Inland (Deutschland) hätten, was nach ständiger BFH Rechtsprechung ausreicht.

Für die ersten Monate muss nach Ihrer Schilderung jedoch nach deutschem Steuerrecht eine doppelte Haushaltsführung angenommen werden, da solange weder Ihre Ehefrau zugezogen ist, noch Ihre selbstgenutze Wohnung in England verkauft wurde, Ihr eigener Hausstand (Lebensmittelpunkt) weiterhin in England liegt, und Sie aber am Beschäftigungsort wohnen, und die Begründung beruflich veranlasst ist, § 9 Abs. 1 EStG .

Sie können dann die Mehraufwendungen wegen einer doppelten Haushaltsführung als Werbungskosten abziehen. In Betracht kommen:

die Fahrtkosten in tatsächlicher Höhe zu Beginn und am Ende der doppelten Haushaltsführung; Alternativ auch die allgemeine Kilometerpauschale (Fahrtaufwendungen als Reisekosten) in Höhe von 30 Cent pro Kilometer
die Fahrtkosten für die wöchentliche Familienheimfahrt in Höhe von 30 Cent je Entfernungskilometer, sofern keine Erstattung vom Arbeitgeber
Verpflegungsmehraufwendungen in Tagespauschalen je nach Abwesenheit für maximal drei Monate nach Bezug der Wohnung am Beschäftigungsort (bei 24 Stunden - 24 EUR, bei 14 bis 24 Stunden - 12 EUR, bei 8 bis 14 Stunden - 6 EUR)
Aufwendungen für die Zweitwohnung
Umzugskosten in tatsächlicher Höhe (also keine Umzugspauschale, diese gibt es nur bei einem berufsbedingten Umzug, welcher ab Beendigung der doppelten Haushaltsführung angenommen werden könnte)

Sie sollten sämtliche Belege für Reisekosten aufheben. Auch sollten Sie Mietverträge von der Zweitwohnung, sowie Belege über Nebenkosten wie Strom etc. zum Nachweis aufheben. Notfalls lassen Sie sich Bestätigungen vom Vermieter aushändigen.

Damit Sie später sämtliche Heimfahrten besser nachvollziehen können, sollten Sie sich am besten eine schriftliche Aufstellung zur Vorlage beim Finanzamt anfertigen.

Zu Frage 2):

Zunächst trifft es zu, dass nach Ihrer Schilderung gemäß sec. 222 Kapitalgewinnsteuergesetz (Taxation of Chargeable Gains Act 1992) die Veräußerung eines Wohnhauses, das den Hauptwohnsitz einer natürlichen Person bildet, einschließlich des dazugehörigen Grundstücks von bis zu 5000qm in England von der Steuer befreit ist.

Andernfalls fällt eine Kapitalgewinnsteuer (capital gains tax) an.

Die Veräußerung der Wohnung könnte in Deutschland einen privaten Veräußerungserlös darstellen, wobei sich dann die Frage stellen würde, ob dieser steuerpflichtig ist. Zunächst ist der Verkauf ein privates Veräußerungsgeschäft nach § 22 Nr. 2 EStG , § 23 EStG . Daran würde sich auch nichts ändern, wenn Ihre Ehefrau erst nach 6 Monaten zuzieht (vgl. das oben dargestellte; allenfalls hätte dies nochmals auf die Länge der doppelten Haushaltsführung Auswirkungen).

Da die Wohnung nach Ihrer Schilderung jedoch noch keine 10 Jahre in Ihrem Eigentum steht, kommt eine Ausnahme von der Veräußerungsgewinnbesteuerung nur bei Gebäuden in Betracht, die vom Zeitpunkt der Anschaffung oder Fertigstellung bis zur Veräußerung

oder

im Jahr der Veräußerung und in den beiden vorangegangenen Jahren

zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurden.

Da nach Ihrer Schilderung beim Veräußerungszeitpunkt unterstellt ein 3 Jahreszeitraum vorliegt (dieser muss unbedingt eingehalten werden! „seit fast 3 Jahren"), würde die zweite Alternative zum Tragen kommen, so dass dann kein privates Veräußerungsgeschäft vorliegt. Es fällt dann keine Gewinnbesteuerung in Deutschland an. Beachten Sie aber dazu bitte unbedingt die Einhaltung der zuvor genannten 3 Jahresfrist vor Veräußerung. Beachten Sie dabei: es genügt, wenn Sie die Immobilie wenigstens ein einziges volles Kalenderjahr und jeweils einen Tag im vorangegangenen Jahr und im Veräußerungsjahr zu eigenen Wohnzwecken genutzt haben.


Ich hoffe Ihnen damit einen ersten Überblick im Rahmen einer Erstberatung verschafft zu haben.

Rückfrage vom Fragesteller 13. November 2010 | 23:34

Vielen Dank fuer Ihre Antwort. Wir werden den Verkaufsabschluss auf jedenfall nicht vor 3 Jahren + 1 Tag vereinbaren. Nachdem das englische Steuerjahr 2010 erst im April endet, verstehe ich Ihre Antwort aber so, dass der Verkauf dann trotzdem im deutschen Steuerjahr 2011 angegeben werden muss, wobei keine Gewinnsteuer zutrifft. Stimmt das so?

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 15. November 2010 | 21:28

Sehr geehrter Fragesteller,

dies trifft zu. Es kommt nach Ihrer Schilderung lediglich auf die unbeschränkte Einkommensteuerpflicht an.

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