Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
479.629
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Haupt- und Nebenwohnsitz


01.06.2007 17:14 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Marcus Schröter, MBA



Sehr geehrte Damen und Herren,

zu folgendem Sachverhalt erbitte ich eine anwaltliche Auskunft:

Bislang wohnten wir in Stadt XY in Schleswig-Holstein. Ich arbeite dort in einer 19,5 Stunden-Stelle, die nur 1 km von unserer Wohnung entfernt ist. Anfang 2007 kauften wir ein Haus in Mecklenburg-Vorpommern. Mein Lebensgefährte (Rentner) hält sich seitdem überwiegend dort auf und ich bin ebenfalls dort - außer wenn ich in XY arbeite. Nun denken wir, dass wir uns eigentlich nach Meck-Pom ummelden müssten mit 1. Wohnsitz, weil wir überwiegend dort sind. Die Wohnung in Schleswig-Holstein wollen wir aber als Zweitwohnsitz beibehalten, nicht zuletzt, weil ich weiterhin in XY arbeiten werde und die Entfernung zwischen beiden Wohnungen 160 km beträgt und eine tägliche Fahrt zu weit ist.
Meine Fragen:

1. Können wir das Haus in Meck-Pom beide als ersten Wohnsitz anmelden oder gibt es Probleme, weil ich in Schleswig-Holstein arbeite? (Wir leben seit vielen Jahren zusammen und ich möchte keinen anderen Hauptwohnsitz wie mein Lebensgefährte haben)

2. Aufgrund der vielen Renovierungsarbeiten im neuen Haus haben wir es noch nicht geschafft, die Einkommensteuererklärung für 2006 abzugeben, aber bereits um entsprechende Fristverlängerung beim bisherigen Finanzamt gebeten. Geben wir die Einkommensteuererklärung nach Ummeldung unseres Hauptwohnsitzes beim neuen Finanzamt in Meck-Pom ab?

3. Hat die Ummeldung steuerlich irgendwelche Auswirkungen, obwohl der Umzug und die Ummeldung keine beruflichen Gründe hatte? Kann ich zumindestens die wöchentlichen Fahrten zur Arbeit von unserem Haus in Meck-Pom aus in der Steuererklärung 2007 geltend machen, d.h. i.d.R. einmal wöchtlich Hin- und Rückfahrt von je 160 km? Oder vielleicht auch noch andere Kosten?!

4. Welche Aspekte gibt es bei einer solchen Ummeldung noch zu beachten?

Vielen Dank für die Beantwortung dieser Fragen.

Sehr geehrte Ratsuchende,

Ihre Anfrage beantworte ich auf Grundlage Ihrer Angaben wie folgt:

1. Der Hauptwohnsitz ist dort wo der Lebensmittelpunkt ist und ein eigener Hausstand geführt wird. Bei Alleinlebenden ist das in der Regel der Ort, in dem man sich den größten Teil des Jahres aufhält, bei Familien oder Lebensgemeinschaften deren Familiensitz bzw. Lebensmittelpunkt. Soweit diese der Fall ist, müssen Sie Ihren 1. Wohnsitz dort in Meck-Pomm anmelden.

2. Für die Bearbeitung der Einkommensteuererklärung ist das Wohnsitzfinanzamt örtlich zuständig. Dies ist das Finanzamt, in dessen Bezirk der Steuerpflichtige bei Abgabe der Steuererklärung seinen Wohnsitz bzw. seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Soweit Sie den 1.Wohnsitz nach an Ihren neuen Wohnsitz verlegen, ist das dortige Finanzamt zuständig.

3.Sie können Aufwendung für eine Doppelte Haushaltsführung in 2007 geltend machen. Dazu gehören zum einen die angesprochenen Heimfahrten, als die Kosten für den Zweitwohnsitz.

4. Hinsichtlich der Abgabe der Steuererklärung ist zu beachten, dass Sie eine neue Steuernummer erhalten und die Steuerakte an das neue Wohnsitzfinanzamt gesandt wird. Bei dem Zweitwohnsitz kann möglicherweise Zweitwohnsitzsteuer anfallen.

Ich hoffe Ihnen einen ersten Überblick verschafft zu haben.

Mit besten Grüßen

RA Schröter

Nachfrage vom Fragesteller 01.06.2007 | 20:13

Sehr geehrter Herr Schröter,

vielen Dank erstmal für die Beantwortung. Bitte präzisieren Sie Ihre Antworten zu meinem Fragen 1 + 3 in Bezug auf:

zu 1) Sie schreiben Ihre Antwort so als ob es keine Unterschiede mehr zwischen Ehe und eheähnlicher Gemeinschaft gibt!? Hat sich das bei den Behörden ein Sinneswandel ergeben? (Bislang hieß es immer eheähnliche Gemeinschaften werden nicht anerkannt.)
UND: meine Frage bezog sich auch auf meine Berufstätigkeit in Schleswig-Holstein. Wird das Finanzamt/die Meldebehörde in Schleswig-Holstein nicht versuchen auf den 1.Wohnsitz zu bestehen, da ich dort weiter arbeite (und dem Land sonst Steuergelder entgehen)?

zu 3) Auf welcher Gesetzesgrundlage halten sie die Geltendmachung einer doppelten Haushaltführung in meinem Fall für möglich, obwohl mein Umzug nicht beruflich bedingt war und ich vorher nur einen Fahrtweg zur Arbeit von 1 km hatte?
(Falls die doppelte Haushaltsführung nicht anerkannt werden würde, könnte ich dann wie in Frage 3 erwähnt, wenigstens die einmal wöchentlichen Fahrten in der Steuererklärung geltend machen?!)

Vielen Dank für Ihre Bemühungen.

Ergänzung vom Anwalt 10.06.2007 | 14:46

Sehr geehrte Ratsuchende,

1. hinsichtlich des Nachweises des Lebensmittelpunktes ist dies bei einer Ehe sicherlich einfacher nachzuweisen, als bei einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft.

Jedoch gilt auch hier der Wohnort als Lebensmittelpunkt nach der Lohnsteuerrichtlinie 42. Danach befindet sich der Mittelpunkt der Lebensinteressen an dem Ort an dem die engeren persönlichen Beziehungen bestehen. Nachfolgend füge ich den Wortlaut der Richtlinie bei.

R 42 Maßgebliche Wohnung
Abs. 1 Satz 4 - 8
Der Mittelpunkt der Lebensinteressen befindet sich bei einem verheirateten Arbeitnehmer regelmäßig am tatsächlichen Wohnort seiner Familie. 5Die Wohnung kann aber nur dann ohne nähere Prüfung berücksichtigt werden, wenn sie der Arbeitnehmer mindestens sechsmal im Kalenderjahr aufsucht. 6Bei anderen Arbeitnehmern befindet sich der Mittelpunkt der Lebensinteressen an dem Wohnort, zu dem die engeren persönlichen Beziehungen bestehen. 7Die persönlichen Beziehungen können ihren Ausdruck besonders in Bindungen an Personen, z. B. Eltern, Verlobte, Freundes- und Bekanntenkreis, finden, aber auch in Vereinszugehörigkeiten und anderen Aktivitäten. 8Sucht der Arbeitnehmer diese Wohnung im Durchschnitt mindestens zweimal monatlich auf, ist davon auszugehen, dass sich dort der Mittelpunkt seiner Lebensinteressen befindet.

2. Die Geltendmachung der doppelten Haushaltsführung ist leider in Ihrem Fall nicht möglich, da hatte ich Ihre Fragestellung leider falsch aufgefasst. Da die Begründung des zweiten Wohnsitzes nicht beruflich veranlasst ist, kommt die Möglichkeit Aufwendungen für die Doppelte Haushaltsführung geltend zu machen nicht in Betracht.

Die Geltendmachung von Aufwendungen für Wege zwischen der Wohnung in Meck Pomm und der Arbeitsstätte ergibt sich aus der R 42 Satz 3.

Darin heißt es:
Hat ein Arbeitnehmer mehrere Wohnungen, so können Wege von und zu der von der Arbeitsstätte weiter entfernt liegenden Wohnung nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 Satz 6 EStG nur dann berücksichtigt werden, wenn sich dort der Mittelpunkt der Lebensinteressen des Arbeitnehmers befindet und sie nicht nur gelegentlich aufgesucht wird.

Insoweit können Sie die Aufwendungen für Fahrten zwischen der Wohnung in Meck Pomm zu Ihrem Arbeitsplatz dann steuerlich geltend gemacht werden, wenn sich der Mittelpunkt der Lebensinteressen in Meck-Pomm befindet.

Ich hoffe Ihnen einen hilfreichen Überblick verschafft zu haben.

Mit besten Grüßen

RA Schröter
FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 59978 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Sehr schnelle, ausführliche und ich hoffe auch kompetente Antworten. So richtig weiß man das ja erst später, wenn es zum Streitfall kommt. Jedenfalls weiß ich jetzt viel mehr wie ich weiter vorgehen sollte im Streitfall mit ... ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Die Antwort ist klar verständlich, ausführlich und zeugt von fachlicher Kompetenz. Besser geht's nicht. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Super sehr schnelle Antwort.preislich günstig. ...
FRAGESTELLER