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Hat der Pflichtteilsberechtigte nur Anspruch auf Anteile von Haus und Grund?


10.09.2005 09:25 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von



Situation:
Leiblicher Vater in 01/05 verstorben

2 Kinder aus 1. Ehe (auch ich)
4 Kinder aus 2. Ehe

2 Kinder aus 1. Ehe aus Erbfolge ausgeschlossen nur pflichtteilsberechtigt

- ich bei 2. Frau mündlich 3x nach Beteiligung an Pflege-/Beerdigungskosten gefragt – sie 3x abgelehnt
- bei einem Telefonat Auskunft von 2. Ehefrau:
o es sei eigentlich nichts vorhanden und ich könne kaum mit mehr als 3-5 Tausend-Euro rechnen
o sonst keinerlei mündlichen Absprachen erfolgt oder schriftlichen Informationen von 2. Ehefrau erhalten
- nach einigen Monaten bat ich schriftlich um Daten von Haus und Grund (für ungefähre Wertermittlung)
- daraufhin erhielt ich Schreiben von 2. Ehefrau, ich hätte „Angebot von 3-5 T€ angefochten“ und folgende Berechnung

H+G 170.000,00
abzgl. Hälfte Frau -85.000,00
85.000,00
zzgl. 1/2 Sparbuch 2.338,00
87.338,00
abzgl. 1/2 Hypotheken-Schuld -1.157,00
abzgl. Beerdigungskosten -9.500,00 Hälfte ???
abzgl. Todespflege -1.500,00 Hälfte ???
75.181,00
abzgl. 1/2 Ehefrau -37.590,50
37.590,50
geteilt 6 f. Kinder 6.265,08
geteilt 2 f Pflicht 3.132,54 s. BGB §2303-2338 §10 Abs.6LpartG

Fragen
1. hat der Pflichtteilsberechtigte mit Ausschluss aus Erbfolge nur Anspruch auf Anteil von Haus/Grund?
2.ist diese o.g. Berechnung korrekt?
3.gilt hier nicht eine Auskunftspflicht und müssen nicht auch Belege z.B. f. Pflege, Beerdigung, Haus und Grund gereicht werden oder muß ich alles glauben
4.muß ich Beerdigungs/Pflegekosten trotz Ablehnung zahlen,
5.Angabe von Hausbank über WErt von Haus/Grund liegt nach Meinung anderer Personen (Makler etc.) unter dem Marktwert, müsste ich im Fall x wirklich einen Gutachter allein zahlen oder wie kann ich Wert von Haus und Grund ohne teuren Gutachter erfahren (möchte Gutachter möglichst umgehen), sie schreibt aber ich hätte "o.g.Angebot "lt. o.g. Telefonat angefochten und damit müsse ich selbst Gutachter beauftragen und zahlen (vorherige Gespräche oder schriftlichen Informationsaustausch gab es nicht, nur belangloses Telefonat)
6.wie gilt die gesezliche Frist für Erbangelegenheiten; muss man alles in 3 Jahren geregelt haben oder nur begonnen haben, darüber zu verhandeln

10.09.2005 | 11:44

Antwort

von


10 Bewertungen
Marktplatz 5
91785 Pleinfeld
Tel: 09144-94930
E-Mail:
Sehr geehrter Fragsteller,

aufgrund der von Ihnen erteilten Informationen beantworte ich Ihre Frage wie folgt:

1. Als Pflichtteilsberechtigter haben Sie nicht nur Anspruch auf einen Anteil von Haus und Hof. Gemäß § 2311 I BGB wird bei der Berechnung des Pflichtteils der Bestand und der Wert des Nachlasses zur Zeit des Erbfalls zugrunde gelegt. Der Pflichtteil errechnet sich aus dem Wert des Nachlasses zum Todeszeitpunkt (alle vermögenswerten Gegenstände, Geldanlagen, Bargeld, Auto, Hausrat, Wohnungseinrichtung etc.) abzüglich der sogenannten Erblasserschulden (z.B. Bankschulden oder noch offene Rechnungen). Angezogen dürfen auch die sogenannten Erbfallkosten (hierzu weiter unten).

2. Die durchgeführte Berechnung ist nicht korrekt. Ich gehe mangels anderweitiger Informationen davon aus, dass des Haus beiden Ehegatten gehört hat und zwischen den beiden kein Ehevertrag bestanden hat, somit der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft zum Frage kommt. Desweiteren gehe ich aufgrund der mitgeteilten Berechnung davon aus, dass auch das Sparbuch beiden je zur Hälfte gehört, genauso wie die Schulden.
Es ergäbe sich dann folgende Berechnung, wobei auch die oben bezeichneten Positionen mit einberechnet werden müßten:

Hälfte von Haus und Grund: 85.000,00
Hälfte Sparbuch: 2338,00
Hälfte Hypothekenschuld -1157,00
Nachlass 86.181,00
./. Beerdigungskosten -9500,00
verbleibender Nachlass 76.681,00

Die Kosten der Todespflege habe ich hier nicht abgezogen, weil ich nicht erkennen kann, um welche Kosten es sich hier handeln sollte. Hier kann ggf. im Rahmen der Nachfragefunktion noch Klärung geschaffen werden. Bei den Beerdigungskosten gehe ich davon aus, dass der Erblasser keine Regelung getroffen hat, wer sie zu tragen hat. Sie können somit in voller Höhe beim Nachlass in Anzug gebracht werden.

Ihr Erbteil errechnet sich wie folgt:
Erbteil der Ehefrau: 1/2
Erbteil der 6 Kinder: je 1/12
Nachdem der Pflichtteil auf die Hälfte des gesetzlichen Erbteils geht, steht Ihnen von der oben errechneten Summe 1/24 zu, also 3.195,04 EUR.

3. Auskunftsanspruch:
Sie haben einen umfassenden Auskunftsanspruch gegen den Erben. Der Erbe muss dem Pflichtteilsberechtigten detailliert Auskunft über den Bestand des Nachlasses erteilen, auf Verlangen ein Bestandsverzeichnis vorlegen und den Wert der Nachlassgegenstände durch einen Sachverständigen ermitteln lassen. Urkunden und Belege muss der Erbe dem Pflichtteilsberechtigten nach wohl herrschender Meinung nicht übergeben, es sei denn, zum Nachlass gehört ein Unternehmen. Der Pflichtteilsberechtigte kann vom Erben allerdings verlangen, dass das Inventar von einem Notar aufgenommen wird.

Hat der Pflichtteilsberechtigte Zweifel an der Richtigkeit oder Vollständigkeit des vom Erben erstellten Inventars, muss dieser die Richtigkeit notfalls durch eidesstattliche Versicherung bekräftigen.

4. Wert von Haus und Grund:
Soweit der Wert von Haus und Grund streitig ist, muß dieser durch ein Sachverständigengutachten ermittelt werden. Die Kosten des Gutachtens gehen dann zu Lasten des Nachlasses (werden also von dem Aktivvermögen des Erblassers abgezogen) und beeinträchtigen damit natürlich auch Ihren Pflichtteil. Sie sind aber nicht verpflichtet, den Sachverständigen selbst zu bezahlen oder zu beauftragen.
Eine einvernehmliche und wirtschaftlich vernünftige Einigung zwischen Erben und Pflichtteilsberechtigtem ist daher die bessere und kostengünstigere Variante. In der Praxis bietet sich eine Wertermittlung durch Nachfragen bei mehreren Banken und Immobilienmaklern an.

5. Verjährung
Ihre Ansprüche verjähren binnen drei Jahren ab dem Zeitpunkt, in welchem sie von Ihrer Enterbung erfahren haben. Sie müssen bis dorthin nicht alles geregelt haben, sollten bis dorthin aber auf jeden Fall eine Klage eingereicht haben, damit die Verjährung nicht eintritt.

Ich empfehle ihnen, einen Anwalt mit Ihrer Vertretung zu beauftragen, da die Materie des Pflichtteilsrechtes viel zu kompliziert ist, als das sie in einer Online-Beratung umfassend aufgearbeitet werden könnte. Für eine Nachfrage stehe ich Ihnen im Rahmen der einmaligen Nachfragefunktion gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Bernhard Trögl
Rechtsanwalt
Marktplatz 5
91785 Pleinfeld
Tel. 09144/94930
Fax 09144/94932
mail: ratroegl@t-online.de



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