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Handwerker kassiert Anzahlung und kommt nicht mehr

29.06.2016 12:54 |
Preis: ***,00 € |

Vertragsrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Zusammenfassung: Rechte bei verspäteter Fertigstellung

Sachverhalt:
Über ein Handwerkerportal habe ich einen Auftrag zur Komplett-Sanierung eines kleinen Badezimmers vergeben. In der Ausschreibung waren die Tätigkeiten und Leistungs- und Lieferumfänge beschrieben. Nach einigen Besichtigungen von Handwerkern wurde ich mir mit einem Handwerker auch preislich einig. Einen detaillierten Terminplan habe ich ihm bei Auftragsvergabe ebenfalls ausgehändigt. Eine Woche vor vereinbartem Arbeitsbeginn hat sich der Handwerker gemeldet und darum gebeten, schon eine Woche früher mit den Arbeiten zu beginnen. Dem habe ich zugestimmt. Bei Arbeitsbeginn hat der Handwerker eine Anzahlung von 50% des Auftragswertes eingefordert und erhalten. Nachdem der Handwerker alle Fliesen und Badkeramik demontiert und in der Wohnung gelagert hat ist er nicht mehr erschienen. Er hatte die Wiederaufnahme der Arbeiten immer wieder um 2-3 Tage verschoben. Dies war ca. 12 Mal der Fall. So dass nunmehr 1 Monat vergangen ist. Der Handwerker hatte zu Beginn der Arbeiten einen Schlüssel erhalten den er abends wieder abgeben sollte. Dies hat er nicht getan. Da dies zu dem Zeitpunkt der einzige Schlüssel war hatte ich für ca. 3 Wochen keinen Zutritt zu meiner Wohnung. Auch hier hat der Handwerker mich immer wieder vertröstet. Den Schlüssel habe ich dann 60 km entfernt in der Nähe einer anderen Baustelle ausgehändigt bekommen. Dies geschah allerdings auf wiederholte Nachfrage und Schriftwechsel. Bis heute, 4 Wochen nach Arbeitsbeginn ist der Handwerker nicht mehr erschienen. Ich habe Ihm bereits schriftlich eine Frist gesetzt um die Arbeiten wieder aufzunehmen. Auch diese hat er verstreichen lassen. Nachdem ich ihn nun negativ bewertet habe wurde er aktiv. Er hat mich sogar angerufen. Er hat telefonisch den Vorschlag gemacht die Arbeiten in einer Woche aufzunehmen oder mir die Anzahlung zurückzuerstatten. Ich habe ihm gesagt, dass ich gerne die Anzahlung zurück hätte. Aber leider scheint er auch dies auf die lange Bank zu schieben. Er schreibt aktuell: ich könne ihm den Vertrag ohne Fertigungsfrist nicht entziehen und er wolle mich auf Schadenersatz verklagen. Er schreibt weiterhin, dass er ja schon Arbeiten ausgeführt hätte.

Fragen:
Wie kann ich mich von dem Handwerker trennen und mein Geld zurückbekommen. Bzw. was ist mit meinem entstandenen Schaden? Der Terminplan bei Auftragsvergabe und die gesetzte Nachfrist waren für mich die entsprechenden Fristen.
29.06.2016 | 13:59

Antwort

von


(277)
Hopfengartenweg 6
90451 Nürnberg
Tel: 091138433062
Web: http://www.frischhut-recht.de
E-Mail:

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Zunächst steht Ihnen ein Anspruch auf Ersatz der durch den Verzug des von Ihnen beauftragten Handwerkers eingetretenen Schäden zu. Ersatzfähig sind grundsätzlich alle Nachteile, die Ihnen wegen der verspäteten Fertigstellung entstanden sind. Als ersatzfähige Positionen kommen daher auch die eingeschränkte Zutrittsmöglichkeit (z.B. Kosten einer Ersatzunterkunft) zu Ihrer Wohnung sowie die Aufwendungen um Ihren Schlüssel zurück zu erhalten, in Betracht.

Voraussetzung für diesen Schadensersatzanspruch ist eine Verzugslage. Diese setzt einen fälligen Erfüllungsanspruch sowie eine Mahnung nach Fälligkeit voraus. Schließlich ist ein Vertretenmüssen der Verzögerung durch den Handwerker notwendig. Das Vertretenmüssen der Verspätung wird durch das Gesetz jedoch vermutet, d.h. der Handwerker muss im Zweifelsfalle nachweisen, dass er die Verzögerung nicht zu vertreten hat. Nach Ihren Schilderungen dürften sämtliche Voraussetzungen vorliegen.

Sie haben ferner die Möglichkeit den sog. Schadensersatz statt der Leistung zu verlangen.
Voraussetzung hierfür ist, dass Sie dem Auftragnehmer eine angemessene Nachfrist zur Leistungserbringung gesetzt haben. Auch dies haben Sie nach Ihren Angaben (mehrfach) getan. Als Schadensersatzanspruch statt der Leistung können Sie den Ersatz aller Vermögensnachteile fordern, die Ihnen bei ordnungsgemäßer, also rechtzeitiger Vertragserfüllung nicht entstanden wären. Hierzu gehört auch ein etwaiger Mehraufwand den Sie an einen Drittunternehmer zu zahlen hätten, weil dieser anstatt des ursprünglichen Auftragnehmers das Badezimmer fertig stellen musste. Zusätzliche, durch die Verzögerung ausgelöste Finanzierungskosten oder auch entgangene Einnahmen sind ebenfalls zu ersetzen.

Schließlich können Sie auch vom bereits abgeschlossenen Vertrag zurücktreten. Auch die insoweit deckungsgleichen Voraussetzungen für ein Rücktrittsrecht dürften hier vorliegen. Im Falle des Rücktrittes sind die empfangenen Leistungen zurückzugewähren und die gezogenen Nutzungen herauszugeben. Der Handwerker hat Ihnen also insbesondere die Anzahlung zurückzahlen. (Grundsätzlich hätte der Handwerker im Gegenzug Anspruch auf Rückgewähr bereits geleiteter Teilleistungen. Vorliegend hat der Handwerker jedoch lediglich Fliesen demontiert, so dass eine Rückgewähr ausgeschlossen ist. Es besteht daher allenfalls ein Anspruch auf Wertersatz soweit ein solcher hier überhaupt bezifferbar ist.)

Ein Rücktritt ist ausgeschlossen, wenn die Pflichtverletzung, hier der Verzug des Handwerkers, unerheblich war. Dies dürfte vorliegend, angesichts der bereits über einen Monat andauernden Verzögerung, nicht der Fall sein.

Die oben dargestellten Schadensersatzansprüche können neben einem Rücktritt vom Werkvertrag geltend gemacht werden. Diese Rechte stehen also nicht in einem Exklusivitätsverhältnis.

Sollte es daher bei der Verweigerung des Handwerkers verbleiben, sollten Sie es in Erwägung ziehen, vom Vertrag zurück zu treten und Schadensersatz geltend zu machen. Sollten Sie hierbei anwaltliche Unterstützung wünschen, stehe ich Ihnen selbstverständlich jederzeit gern zur Verfügung, da meine Kanzlei auf bundesweite Mandate ausgerichtet ist. Die von Ihnen entrichtete Beratungsgebühr würde im Falle einer Beauftragung vollständig angerechnet werden.

Die seitens des Handwerkers erhobenen "Gegenansprüche" dürften abwegig sein.

Ich hoffe ansonsten, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen



Dipl.iur. Mikio A. Frischhut
Rechtsanwalt


Rechtsanwalt Mikio Frischhut

ANTWORT VON

(277)

Hopfengartenweg 6
90451 Nürnberg
Tel: 091138433062
Web: http://www.frischhut-recht.de
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