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Hagelschaden auf dem Werkstattsgelände - Gilt die Obhutspflicht?

| 05.08.2013 17:38 |
Preis: ***,00 € |

Schadensersatz


Zusammenfassung:

Hagelschäden an KfZ auf Werkstattsgelände

Guten Tag,

vorletzten Sonntagabend hatten wir in Reutlingen einen Hagelsturm mit zahlreichen Schäden. Während dieser Zeit stand mein Pkw auf dem Gelände eines Mercedes-Benz Autohändlers in Metzingen weil ja die in Auftrag gegebenen Reparaturarbeiten am Auto nicht bis Freitag abgeschlossen werden konnten. Da der Wagen über das Wochenende draußen stand, wurde es auf dem Hof des Autohauses sehr stark beschädigt. Das Autohaus hat mich jedoch informiert, dass nach § 823 BGB Schadensersatzpflicht keine Obhutspflicht besteht, da es sich um höhere Gewalt handelte (Hagel). Ich soll also meine (Kasko) Versicherung einbeziehen und übrigens, die bis dahin entstandenen Kosten in Höhe von EUR 1.700,- habe ich auch zu tragen, egal ob aus meinem Wagen nun eine Ruine geworden ist.

Ist das so? Gibt es bei Hagel keine Obhutspflicht der Autowerkstatt? Erlaubt das deutsche Recht, dass ich einen intakten Wagen bei einer Werkstatt abgebe, eine Ruine zurückbekomme und dazu Reparaturen in Höhe von 1.700 EUR bezahle? Und was passiert im Falle eines Totalschadens?

Vielen Dank im Voraus für eine Stellungnahme.


-- Einsatz geändert am 05.08.2013 17:46:02

Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage!


Nachfolgend möchte ich gerne unter Berücksichtigung Ihrer Sachverhaltsschilderung sowie Ihres Einsatzes Ihre Frage wie folgt beantworten:

1. Ein Schadensersatzanspruch aus § 823 BGB kommt nicht in Betracht.

Nach dieser Vorschrift haftet eine Person nur für Gefahrenquellen, die sie selbst geschaffen hat. Dies ist hier zu verneinen, da die Werkstatt auf das Hagelaufkommen keinen Einfluss hatte

2. In Betracht kommt zunächst ein Schadensersatzanspruch gegen die Werkstatt wegen Verletzung vertraglicher Rücksichtnahmepflichten (§§ 280 , 241 BGB ).

Gemäß § 241 Abs. 2 BGB ist im Rahmen eines Vertragsverhältnisses jede Vertragspartei im Rahmen des Zumutbaren verpflichtet, Schaden von den Rechtsgütern des anderen abzuwenden.
Hierunter fällt auch die genannte Obhutspflicht.

Ein Ersatzanspruch würde jedoch voraussetzen, dass der Hagelschaden für die Werkstatt voraussehbar war, denn sonst würde es an dem für einen Schadensersatzanspruch erforderlichen Verschulden fehlen. Dies wäre nur der Fall, wenn es im Vorwege eine Hagelwarnung des Wetterdienstes gegeben hätte.

Eine Garantiehaftung der Werkstatt für alle denkbaren Schäden an den übergebenen Fahrzeugen besteht dagegen nicht.

Zudem müsste der Schaden im Rahmen des Zumutbaren durch die Werkstatt auch abwendbar gewesen sein. Dabei ist davon auszugehen, dass nicht sämtliche auf Reparatur wartende Fahrzeuge in der Werkstatthalle untergebracht werden können.

Es wäre hier also zunächst zu klären, ob es eine entsprechende Hagelwarnung gab, die von der Werkstatt ignoriert wurde und ob ausreichend Platz zum Unterstellen des Fahrzeuges bestand.

3. Aber auch, wenn dies beiden Fragen zu bejahen wären, käme ein anspruchsminderndes Mitverschulden in Betracht, sofern Ihr Fahrzeug vor Schadenseintritt noch fahrbereit war.

In dem Fall hätten Sie bei Hagelwarnung selbst dafür Sorge tragen müssen, dass das Fahrzeug sicher untergestellt wird.

Denn die Sorgfaltspflicht des Vertragspartners (Werkstatt) reicht nicht weiter als die des Auftraggebers und Eigentümers der beschädigten Sache.

4. Was die bisher entstandenen Reparaturkosten betrifft, so gilt, dass die Werkstatt Vergütung für bereits erbrachte Leistungen nur verlangen kann, wenn die Arbeiten bereits abgenommen wurden, § 644 BGB .

Solange die Reparatur noch einen wirtschaftlichen Sinn hat (der Wagen also wieder hergestellt werde kann), kann die Werkstatt jedoch Abnahme verlangen und damit den Vergütungsanspruch herbeiführen.

5. Liegt hingegen ein Totalschaden vor und sind die Leistungen der Werkstatt sinnlos, so fäll der Untergang der Sache in ihren Risikobereich, so dass Vergütung für die bisherigen Reparaturarbeiten nicht verlangt werden kann.

Ich hoffe, Ihnen eine erste rechtliche Orientierung ermöglicht zu haben und wünsche Ihnen viel Erfolg und alles Gute!


Ich möchte Sie gerne noch abschließend auf Folgendes hinweisen:

Die von mir erteilte rechtliche Auskunft basiert ausschließlich auf den von Ihnen zur Verfügung gestellten Sachverhaltsangaben. Bei meiner Antwort handelt es sich lediglich um eine erste rechtliche Einschätzung des Sachverhaltes, die eine vollumfängliche Begutachtung des Sachverhalts nicht ersetzen kann.

Ich hoffe, dass Ihnen meine Ausführungen geholfen haben.

Bei Nachfragen nutzen Sie bitte die kostenlose Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen

Ingo Driftmeyer
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 05.08.2013 | 19:22

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