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Haftung des Steuerberater bei fehlerhafter Erstellung eines Steuerantrages

| 28.09.2018 21:22 |
Preis: 50,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Guten Tag,
wie ich leider feststellen musste hat mein Steuerberater (Kanzlei in Deutschland) in der Steuererklärung für 2016 einen Posten der berufsbedingten Kosten in Höhe von ca. 4000 CHF nicht angesetzt und ich gehe gerade von einem finnziellem Nachteil von ca. 1300 CHF zu meinen ungunsten aus. Dieser Steuerberater ist seit ca 5 Jahren für mich tätig und erstellte regelmässig sowohl die schweizer als auch die deutsche Steuererklärung.

In der Steuererklärung Schweiz hat er in 2015 die Kosten für Fahrten zwischen Wohnung (Erstwohnsitz in D) und "Dienstzweitwohnung" (CH) mit ca. 10.000 CHF angesetzt und im Bescheid der Steuerverwaltung wurde dieser Betrag auf die Höhe der Kosten einer Bahncard 100 (ca. 4300 CHF) gekürzt. Bei der Erstellung der darauf folgenden Steuererklärung für 2016 habe ich anstelle der Vorlage von Tankbelegen ihn gebeten, die Kosten einer Bahncard an zu setzen. Leider habe ich versäumt, dies vor Abgabe der Steuererklärung persönlich zu prüfen und habe die Steuererklärung unterzeichnet und eingereicht. Ihr wurde mit Bescheid aus Juli 2018 gefolgt.
Aktuell hat die gleiche Kanzlei die Steuererklärungen für 2017 (Deutschland und Schweiz) erstellt. Bevor ich die Erklärung in der Schweiz eingereicht habe fiel mir dieses mal auf, dass die Fahrtkosten nicht angesetzt waren. Meine Rückfrage hat dazu geführt, dass seitens der Kanzlei eine aktualisierte Erklärung 2017 an mich übermittelt wurde, welche ich heute fristgerecht bei der schweizer Behörde eingeworfen habe. Durch den Ansatz der Fahrtkosten wird gemäss "provisorischer Steuerberechnung" meine Steuer in der Schweiz um etwa 1300 CHF geringer ausgefallen.
Der deutschen Steuererklärung liegt das Blatt "Allgemeine Auftragsbedingungen für Steuerberater, Steuerbevollmächtigte und Steuerberatungsgesellschaften", Stand 02/2017 bei, für die Erstellung der schweizer Steuererklärung wurde (meines wissens) keine Zusatzvereinbarung getroffen.
Habe ich wegen des Fehlers in der festgesetzten Steuer 2016, den ich selbst bei meiner Unterzeichnung nicht bemerkt habe, einen Anspruch gegen den Steuerberater ?
29.09.2018 | 23:20

Antwort

von


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Sehr geehrter Ratsuchender,

nach Ihren Schilderungen, die ich als wahr, richtig und vollständig erachte und damit so übernehme, haben Sie einen Anspruch gegen Ihren Steuerberater. Die Hürden von hinnehmbaren Pflichtverletzungen seitens der Zunft der Steuerberater sind in der Rechtsprechung relativ hoch und streng aufgehängt, auch wenn diese häufig nach einer pflichtgemäßen Ausübung dieser Tätigkeit noch nachträglich von Steuerberatern gefordert wird, ( was manchmal auch unfair sein kann ). So ist es aber seine Aufgabe, im Rahmen der Mandatsführung zu beraten, zu gestalten, aufzuklären und danach zu handeln, § 1 StBerG, § 33 StBerG, um damit zuletzt den Mandanten von JEDEM Schaden freizuhalten.

Auch normieren §§ 57, 60 StBerG und §§ 3 und 4 BOStB weitere Pflichten zu eigenverantwortlicher Tätigkeit, zur gewissenhaften Erledigung der Aufträge und zu manchem mehr. Bereits eine fahrlässige Verletzung dieser Pflichten löst die vertragliche Haftung des Steuerberaters aus. Die Haftung bedeutet die Verantwortung, für die Folgen des Handelns und auch des Unterlassens einstehen zu müssen, wobei hier wohl Zweiteres der Fall sein dürfte. Als Anspruchsgrundlage kommt hier § 280 BGB ( Pflichtverletzung aus dem BGB ) i. V. m. § 241 Abs. 2 BGB in Betracht, was die Verletzung von sämtlichen Hauptleistungs-, Nebenleistungs- und Schutzpflichten beinhaltet. Ein Vertrag, mit dem der Steuerberater die Wahrnehmung aller steuerlichen Interessen des Mandanten übernimmt, ist regelmäßig ein Dienstvertrag i. S. v. §§ 611, 627 BGB, der eine Geschäftsbesorgung zum Gegenstand hat.

Der mit dem Steuerpflichtigen abgeschlossene Vertrag ist in seiner weiteren Ausprägung damit übrigens ein Geschäftsbesorgungsvertrag, der den Steuerberater nach §§ 1 bis 9, 13 BOStB dazu anhält, sorgfältig und fachkundig zu beraten und zu betreuen, rechtzeitig alle gebotenen Schritte vorzubereiten und umzusetzen, Fristen einzuhalten, den Mandanten umfassend auch dahingehend zu belehren, wonach dieser nicht gefragt hat, den Mandanten vor sämtlichen Schäden zu bewahren und sogar den Mandanten dahingehend nachträglich aufzuklären, daß und WAS falsch gelaufen ist.

Mit einer Regressklage belasten Sie natürlich das weitere Mandatsverhältnis, so daß Sie auf dessen weitere Hilfe nicht setzen können. Im Falle einer Regressnahme sollten Sie zunächst ( siehe oben die letzte Pflicht ) Ihren Steuerberater höflich bitten Ihnen schriftlich mitzuteilen ob und was nach dessen heutiger Sicht ( unschädlich für die Haftung, wie er es damals bewertet hat ) nachträglich hätte besser laufen können und ob er diesen Fehler anerkennt. Er wird sofort seine Haftpflichtversicherung informieren müssen, da ihm sonst der Verlust der Versicherungsleistung droht, ( Obliegenheitsverletzung ).

Abschließend weise ich noch einmal auf Ihren ärgerlichen, aber doch geringen Schaden hin. Eine Haftungsgrundlage und ein Schaden ist bei Ihnen zwar gegeben, wie Sie damit aber vorliegend weiter verfahren wollen, sei Ihnen dann persönlich anheimgestellt. Am besten Sie lassen sich erst einmal eine Antwort auf Ihre oben angeregte Frage stellen und entscheiden dann gesondert, wie Sie weiter mit dieser Sache verfahren wollen.

Mit freundlichen Grüssen

Fricke
RA und Dipl. Kfm.


Bewertung des Fragestellers 11.10.2018 | 20:51

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"Habe dank der Antwort die Forderung gegenüber dem Steuerberater durchsetzen können. Wünschenswert wäre gewesen, auch die Fragestellung der Anrechnung der eigenen Sorgfaltspflicht vor der Unterschrift mit abgewogen zu erhalten (es ist mir selbst ja in 2017er Erklärung aufgefallen und ich konnte den Steuerberater vor weiterem Schaden bewahren...). Eine Rückfrage war aber dank des Einlenken des Steuerberater hierzu nicht erforderlich. Hätte ich allerdings nicht deutlich beim Steuerberater nachgefragt, wie wir mit der Situation weiter verfahren wäre vermutlich von dessen Seite nichts gekommen ..."
Stellungnahme vom Anwalt:
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BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 11.10.2018
4,4/5,0

Habe dank der Antwort die Forderung gegenüber dem Steuerberater durchsetzen können. Wünschenswert wäre gewesen, auch die Fragestellung der Anrechnung der eigenen Sorgfaltspflicht vor der Unterschrift mit abgewogen zu erhalten (es ist mir selbst ja in 2017er Erklärung aufgefallen und ich konnte den Steuerberater vor weiterem Schaden bewahren...). Eine Rückfrage war aber dank des Einlenken des Steuerberater hierzu nicht erforderlich. Hätte ich allerdings nicht deutlich beim Steuerberater nachgefragt, wie wir mit der Situation weiter verfahren wäre vermutlich von dessen Seite nichts gekommen ...


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