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Haftung des Programmierers bei Dienstvertrag

| 05.10.2013 01:01 |
Preis: ***,00 € |

Internetrecht, Computerrecht


Zusammenfassung: Auch bei Dienstverträgen besteht eine verschuldensabhängige Haftung nach §§ 280 ff. BGB für Programmierer/IT-Experten, wenn diese als falsch beraten.

Guten Tag,

ich interessiere mich für die Haftung eines Freelancers auf Dienstvertrag-Basis. Es wird abgerechnet nach Programmierstunden, in denen die Beratung enthalten ist.

Wir gehen von einer Situation aus, in der eine Software entwickelt wird. Dieser Software gehen 2000 Std. Arbeit einher bis zum Zeitpunkt dieser Fragestellung. An diesem Team arbeiten 3 Software-Entwickler inkl. dem Freelancer Schulz.

Einer dieser Komponente baut auf einem System auf, welches der Freelancer Schulz ausgewählt, aufgesetzt und installiert hat, genannt Server-Software FLOPP. Innerhalb der Entwicklung wird diese Komponente von Freelancer Schulz mit einem Aufwand von 500 Std. an die Server-Software FLOPP angebunden und integriert. Diese 500 Std. der Integration bestehen aus 300 Std. Entwicklung und 200 Std. Fehlerbehebung.

Zum Zeitpunkt der erreichten 2000 Stunden hat die Software einer Abnahme, einhergehend mit einer Leistungsüberprüfung nicht Stand gehalten und weist eine Fehlerquote von 20% auf.

Eine Prüfung des Freelancers Schulz ergibt, dass die Server-Software fehlerhaft ist, auf die mit 500 Std. Aufwand aufgebaut wurde. Die Behebung ist ohne Weiteres nicht möglich oder ratsam. Eine andere Server-Software als FLOPP muss integriert werden.

Mit der Integration der neuen Server-Software SUPER wird es jedoch nötig die gesamte Integration, die mit Server-Software FLOPP zu 500 Std. bereits vorgenommen wurde, für Server-Software SUPER neu zu vollziehen, damit einhergehend ein Aufwand von 200 Std.

--- Resümee

Durch die fehlerhafte Auswahl des Live-Systems wurden 200 Std. Fehlerbehebung für FLOPP vergeudet sowie Ressourcen von weiteren 200 Std. für die Integration des neuen Systems in Anspruch genommen. Damit ist ein Arbeitsmehraufwand von 400 Std. auf Basis der schlechten Server-Auswahl entstanden.

Durch die nicht vollzogene Abnahme ist ein Schaden entstanden, der sich auf 500 Std. in Geldwert bezieht und der Agentur zu Lasten fällt. Die Agentur trägt somit einen Schaden von 900 Std. in Geldwert zzgl. der Zeit, die die Firma nicht gewinnbringend arbeiten konnte (unbestimmter Wert X).

--- Meine Fragen

1. Inwiefern ist Freelancer Schulz für die Auswahl seines Server-Systems haftbar?

2. Welche Verantwortung trifft Freelancer Schulz, der als Experte eingestellt wurde, im Gegenzug zur Agentur, die über diese Expertise nicht verfügt und über die Entscheidungen von Freelancer Schulz urteilen konnte?

3. Im Falle einer Haftung von Freelancer Schulz, welche Kosten wären ihm zuzuschreiben?
- Die Arbeitsstunden (900 Std.)?
- Der Geldwerte Nachteil durch das Ausbleiben der Abnahme?
- Der Schaden, in denen die Firma nicht gewinnbringend arbeiten konnte (Wert X)?

Vielen Dank für Ihre Einschätzung!

Guten Morgen,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Diese möchte ich Ihnen anhand des von Ihnen geschilderten Sachverhalts und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes (Sie haben den empfohlenen Mindestpreis unterschritten, stellen aber mehrere Einzelfragen) im Rahmen einer Erstberatung gern nachfolgend beantworten.

*****
1. Inwiefern ist Freelancer Schulz für die Auswahl seines Server-Systems haftbar?
*****

Liegt tatsächlich ein Dienst- und kein Werkvertrag vor, gibt es zwar keine Mängelgewährleistung, da dem Auftraggeber kein fertiges Werk geschuldet ist und die Projektverantwortung beim Auftraggeber selbst liegt. Dies heißt aber nicht, dass der Programmierer gar nicht haftet. Auch beim Dienstvertrag gibt es eine „allgemeine verschuldensabhängigen Haftung" nach §§ 280 ff. BGB.

Hat die Agentur also den Programmierer gerade aufgrund seiner Expertenkenntnisse auf das Projekt geholt und hat der Programmierer falsch ausgesucht bzw. bei der Auswahl beraten, haftet er auch, wenn er dies zu vertreten hat.

*****
2. Welche Verantwortung trifft Freelancer Schulz, der als Experte eingestellt wurde, im Gegenzug zur Agentur, die über diese Expertise nicht verfügt und über die Entscheidungen von Freelancer Schulz urteilen konnte?
*****

Siehe unter 1.). Eine Haftung dürfte in diesem Fall bestehen, denn der Programmierer war Experte und die Agentur hat auf sein Wissen vertraut und ihn gerade deswegen beschäftigt.

Ein Haftungsanspruch der Agentur dem Grunde nach besteht also. Die Haftung der Höhe nach behandelt Ihre nachfolgende Frage:

*****
3. Im Falle einer Haftung von Freelancer Schulz, welche Kosten wären ihm zuzuschreiben?
- Die Arbeitsstunden (900 Std.)?
- Der Geldwerte Nachteil durch das Ausbleiben der Abnahme?
- Der Schaden, in denen die Firma nicht gewinnbringend arbeiten konnte (Wert X)?
*****

Als Schaden sind die Positionen einzubeziehen, die der Agentur aufgrund der Falschberatung/-implementierung entstanden sind. Das wären jedenfalls die 500 Stunden, die in die Entwicklung/Fehlerbehebung von FLOPP geflossen sind. Die 200 Stunden für SUPER dürften herauszurechnen sein, denn diese 200 Stunden wären auch angefallen, wenn das Projekt gleich mit der richtigen Server-Software SUPER entwickelt worden wäre.


Bei der Frage der Schadenshöhe gibt es durchaus Spielraum und eine konkrete Berechnung lässt sich nur die Einblick in die Unterlagen vornehmen. Es wäre z.B. zu berücksichtigen, wenn der Agentur weitere Schäden – zum Beispiel durch einen zugesagten und nun verpassten Fertigstellungstermin – entstanden sind.
Ebenfalls zu schauen wäre aber auch, ob die anderen beiden Entwickler auf dem Projekt eine „Mitschuld" tragen, da sie teilweise in die Auswahl und Implementierung von FLOPP eingebunden waren.

Was sollten Sie tun? Wenn Sie als betroffener SW-Entwickler fragen und eine IT-Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben, die auch Vermögensschäden abdeckt, melden Sie den Fall zunächst vorsorglich Ihrer Versicherung und suchen Sie das Gespräch mit der Agentur. Sollten Sie als Agentur gefragt haben: Stellen Sie die Ihnen (vermeintlich) entstandenen Schadenspositionen zusammen und suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Freelancer.

Je nach Bedeutung und Volumen des Projekts für die Agentur macht es für beide Parteien Sinn, sich vor Aufnahme von Gesprächen noch einmal genauer von einem Rechtsanwalt beraten zu lassen, der dann Einsicht in Verträge, Pflichtenhefte oder andere Dokumentationen erhalten sollte, um die Lage am konkreten Einzelfall beurteilen zu können.


Ich hoffe, meine Antwort hat Ihnen hinsichtlich einer ersten Einschätzung weitergeholfen. Für eine weitergehende Beratung oder Vertretung steht Ihnen unsere Kanzlei gerne zur Verfügung.

Mit den besten Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 05.10.2013 | 14:14

Vielen Dank für Ihre Beantwortung!

Ich stelle die Frage aus der Stellung der Agentur.

In Bezug auf das erwähnte Expertenwissen: Gehen wir einmal davon aus, dass der Freelancer sich -nicht- konkret mit FLOPP ausgekannt hat, dafür aber insgesamt eine höhere Kenntnis in der Software-Entwicklung verfügte und kommunizierte.

Die Tauglichkeit von FLOPP wurde immer wieder agenturseitig befragt. Bis zur Beurteilung der Untauglichkeit von FLOPP wurde das System FLOPP kontinuierlich als richtige Basis definiert, mit der konkreten Aussage, dass alle offenen Fehler sich durch angestrebte Fehlerbehebung beseitigen lassen.

In Vertrauen auf die Aussage der soliden Basis von FLOPP wurden kontinuierlich Entwicklungen basierend auf FLOPP aufgesetzt, die nicht im ursprünglichen Pflichtenheft festgehalten wurden.

Entwicklungen von FLOPP wurden ausschließlich vom Freelancer Schulz getätigt.

--- die Frage

Basierend auf der eingangs erwähnten "allgemeinen Expertise" in Software-Entwicklung, sehen Sie die Haftung auch dann verpflichtend?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 05.10.2013 | 14:59

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Nachfrage.

Auch mit Ihrer ergänzenden Sachverhaltsschilderung gehe ich von einer Haftung "dem Grunde nach" aus, insbesondere wenn Ihnen auf mehrfache Nachfrage immer wieder versichert wurde, dass sich durch Anpassungen/Fehlerbehebungen das Projektziel erreichen lässt und seitens des Entwicklers keine Zweifel angemeldet wurden oder zusätzliche Expertise eines Dritten verlangt wurde.

Wie in meiner ersten Antwort geschrieben, sollten Sie als nächsten Schritt eine Schadensaufstellung vornehmen (verlorene Arbeitsstunden, Ansprüche Ihres Kunden etc.).

Als Nächstes wäre zu prüfen: Wurden im Vertrag mit dem Freelancer Haftungsbegrenzungen vereinbart? Haben Sie dem Freelancer eine Pflicht zum Abschluss einer IT-Haftpflicht auferlegt oder besteht eine Versicherung ohnehin?

Wie wurde das Projekt dokumentiert? Sind Sie für den Fall der streitigen Auseinandersetzung um Ihren Schadenersatzanspruch in der Lage, Ihren Anspruch dem Grunde und der Höhe nach zu beweisen?

Sollte es Ihrerseits Möglichkeiten geben, den Schaden durch eigene Maßnahmen zu begrenzen, wären Sie gemäß § 254 BGB hierzu verpflichtet (zum Beispiel Beschäftigung eines anderen Freelancers, der das Projekt fertigstellen kann, um evtl. mit dem Kunden vereinbarten Vertragsstrafen für eine verspätete Fertigstellung zu entgehen).

Ihre weitere Strategie in dieser Sache sollte davon abhängig gemacht werden, welche Antworten Sie auf diese Fragen finden. Ist die Beweissituation gut, kann der Anspruch ggf. auch streitig durchgefochten werden. Ist Ihre Beweissituation eher dünn, da viel mündlich abgesprochen wurde, es keine Zeugen und/oder Meetingprotokolle, Emails etc. gibt, wäre über eine vergleichsweise Einigung nachzudenken.

Mit freundlichen Grüßen
Claudia Bischof

Bewertung des Fragestellers 23.10.2013 | 21:16

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