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Haftpflichtversicherung bei Sportunfall

28.03.2012 18:39 |
Preis: ***,00 € |

Schadensersatz


Beantwortet von

Rechtsanwältin Dr. Elke Scheibeler


Fall: Spieler A macht sich beim Basketball mit seinen Ellebogen Platz zwischen sich und seinem Gegner und haut dabei Spieler B einen Zahn raus. Spieler B fordert nun von der Haftpflichtversicherung von A Schadensersatz.

Fragen:
1a. Welche Tatbestaende muessen erfuellt sein, dass die Haftpflichtversicherung von A fuer den Schaden aufkommen muss? (meiner Meinung nach denkbare Kategorien: normale Regelüberschreitung, grobes Foul, gefährliches Spiel, Vorsatz, etc.)

1b. Unter welchen Umstaenden kann sich die Haftpflichtversicherung von Spieler A das Geld von Spieler A zurueckholen bzw. in welchem Fall ist die Haftpflichtversicherung die (finanziell) leidtragende und die beiden Spieler haben finanziell keine Nachteile?

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegeben Informationen verbindlich wie folgt beantworten:


Zunächst weise ich darauf hin, dass der Schaden der Haftpflichtversicherung unverzüglich angezeigt werden muss, da diese wegen einer verspäteten Anzeige eine Obliegenheitsverletzung geltend machen und die Regulierung des Schadens aus diesem Grund ablehnen könnte.

In Betracht käme ggf. auch eine Haftpflichtversicherung des Sportvereins, wenn der Unfall im Rahmen eines Vereinstrainings passiert ist. Etwas Anderes ist natürlich dann der Fall, wenn es sich um ein privates Spiel im Garten o.ä. handelte.

Bei Sportunfällen wird angenommen, dass der Mitspieler in eine mögliche Körperverletzung eingewilligt hat, da er ja wusste, dass man sich beim Sport auch bei regelgerechten Verhalten der anderen Spieler verletzen kann. Eine Schadenersatzpflicht ist daher ausgeschlossen, wenn Spieler A nicht haftpflichtversichert ist und er den Schaden ohne gewichtige Regelverletzung verursacht hat (BGH NJW 2003, 2018 , BGH vom 27.10.2009, VI ZR 296/08 ). Spieler A muss also gegen eine Spielregel des Basketball verstoßen haben. Eine Regelüberschreitung reicht daher aus.

Wenn ein Regelverstoß vorliegt, muss die Versicherung von B den Zahnersatz zahlen. Sie hat aber nach der Leistung die Möglichkeit, den Vertrag zu kündigen, § 111 VVG . B könnte also insofern der Leidtragende sein, dass ihn seine Versicherung "hinauswirft" und er dann Probleme hätte, eine neue zu finden. Dies kommt insbesondere bei notorisch unvorsichtigen Menschen oft vor.

Ich warne A und B insbesondere davor, den Sachverhalt der Versicherung nicht korrekt zu schildern. Hat A sich regelgerecht verhalten, muss B damit leben, dass er seinen Zahnersatz selbst bezahlen muss. Hierfür gibt es Zusatzversicherungen, die er hätte abschließen können. Er ist das Risiko einer Verletzung durch die Teilnahme am Sport bewusst eingegangen. Sollte sich durch die Einvernahme von dritten Zeugen ggf. herausstellen, dass A und B den Sachverhalt falsch wiedergegeben haben, um die Versicherung zu betrügen, haben beide mit einer Strafanzeige zu rechnen.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Elke Scheibeler, Rechtsanwältin

Rückfrage vom Fragesteller 29.03.2012 | 16:47

Sehr geehrte Frau Scheibeler,

vielen Dank zunächst für Ihre Antwort.

Meiner Meinung nach ist in der Rechtsprechung anerkannt, dass nicht jede geringfügige Verletzung der Spielregeln eine Haftung mit sich bringt, wie Sie behaupten. Vielmehr hat "der geschädigte Hallenhandballsportler (...)für einen Anspruch aus Paragraph 823 Abs. 1 BGB grundsätzlich den schwerwiegenden Regelverstoß durch den Schädiger und das Verschulden des Schädigers zu beweisen." (LG Marburg, vom 19.05.1988 - Aktenzeichen 2 0 310/87) (DRsp Nr. 1992/11353).

Die Haftpflichtversicherung zahlt im Fall von einfacher Fahrlässigkeit, sowie grober Fahrlässigkeit, nur nicht im Fall von Vorsatz. (vgl. http://www.haftpflichtversicherung.net/private-haftpflichtversicherung/grobe-fahrlaessigkeit.html)

"Bei der Bewertung eines Regelverstoßes als fahrlässiges Verhalten im Sinne eines Verstoßes gegen die im Verkehr erforderliche Sorgfalt ist mithin ein besonderer, durch die Eigenart des Spiels geprägter Maßstab anzulegen, und die Häufigkeit von Regelverstößen der fraglichen Art in der betroffenen Sportart ist hierbei mit zu berücksichtigen." (LG Marburg, vom 19.05.1988 - Aktenzeichen 2 0 310/87) (DRsp Nr. 1992/11353).

Aber davon abgesehen ist mir besonder wichtig zu erfahren, ob die Haftpflichtversicherung von Spieler A diesen bei fahrlässigem, oder auch bei grob fahrlässigem Verhaltens in Regress nehmen kann.

Vielen Dank für Ihre Beantwortung.

Gruß,

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 29.03.2012 | 18:42

Sehr geehrter Fragesteller,

gerne beantworte ich Ihre Nachfrage wie folgt:

Ich habe in meiner Antwort nicht behauptet, dass eine geringfügige Regelverletzung ausreicht. Da haben Sie mich offenbar falsch verstanden: Vielmehr hatte ich Ihnen geantwortet:

"Eine Schadenersatzpflicht ist daher ausgeschlossen, wenn Spieler A nicht haftpflichtversichert ist und er den Schaden ohne GEWICHTIGE Regelverletzung verursacht hat (BGH NJW 2003, 2018 , BGH vom 27.10.2009, VI ZR 296/08 )."

Dem Verweis auf das Urteil des LG Marburg kann ich entnehmen, dass Sie mit meiner Auswahl der genannten Urteile nicht zufrieden waren, vielleicht weil Sie sich nicht auf Basketball bezogen. Sie sind aber vom BGH, also dem höchsten deutschen Gericht, und aktueller, so dass Sie einem Richter in Ihrem Fall wohl eher als Orientierung dienen würden.

Ich habe aber jetzt ein neueres Urteil des OLG Köln gefunden, das sich immerhin auf Handball bezieht, und das die verschiedenen Nuancen besser darstellt, vielleicht sind Sie mit diesem ja zufriedener:

http://www.justiz.nrw.de/nrwe/olgs/koeln/j2002/17_U_29_01urteil20020123.html


Ich entnehme Ihrer Antwort weiter, dass Sie den Hinweis erwartet hätten, dass die Haftpflichtversicherung bei Vorsatz nicht zahlt. Natürlich ist es so, dass der Versicherer nicht zahlt, wenn der Versicherungsnehmer den Schaden vorsätzlich herbeigeführt hat, § 103 VVG . Aber wohlbemerkt: Der Vorsatz muss sich auf den SCHADEN beziehen, also auf den ausgeschlagenen Zahn, und dass Spieler A Spieler B vorsätzlich den Zahn ausgeschlagen hat, behaupten Sie nicht. Spieler A wollte sich nur Platz schaffen, das Ganze war ein Unfall und keine vorsätzliche Körperverletzung. Also war für einen solchen Hinweis auf den Haftungsausschluss gemäß § 103 VVG gar kein Anlass. Für Fahrlässigkeit jeglicher Art in Bezug auf den ausgeschlagenen Zahn kommt die Versicherung auf, soweit eine Forderung gegen Spieler A unter den geschilderten Umständen begründet werden kann. Den Hinweis auf das daraus folgende Kündigungsrecht hatte ich bereits erteilt.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Scheibeler

Ergänzung vom Anwalt 02.04.2012 | 20:18

Der Fragesteller hat am 02.04.2012 erneut eine Nachfrage gestellt, dieses Mal per E-Mail:

"Sehr geehrte Frau Dr. Scheibeler,

vielen Dank zunaechst fuer die Beantwortung meiner Nachfrage auf frag-einen-anwalt.de

Sie haben jedoch leider bei der Beantwortung erneut keine Antwort auf einen fuer mich sehr wichtigen Aspekt des Sachverhalts gegeben, naemlich, ob die Haftpflichtversicherung den Spieler A (Schaediger) finanziell in Regress nehmen kann. Ihren Hinweis auf ein Kuendigungsrecht fand ich sehr hilfreich und ich bedanke mich dafuer, jedoch moechte ich insbesondere wissen, ob eine Regressfaehigkeit vorliegt.

Ich waere Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir diese Frage abschliessend noch kurz und buendig beantworten koennten.

Gruss"

Sehr geehrter Fragesteller,

wie bereits mitgeteilt, kann bereits aus der Kündigungsmöglichkeit ein finanzieller Nachteil entstehen, da es dann sehr teuer werden könnte, erneut eine Haftpflichtversicherung zu erhalten.

Da Sie aber erneut explizit nach Regressmöglichkeiten fragen: Diese bestehen u.U. wenn ein sog. Selbstbehalt vereinbart wurde, bis zur Höhe des Selbstbehaltes und für den Fall, dass der Schaden die Versicherungssumme übersteigt, was aber nicht der Fall sein dürfte. Es wäre aber dann wohl eher, dass die Versicherung in dieser Höhe schon gar nicht erst zahlt.

Die Haftpflichtversicherung tritt möglicherweise auch dann nicht ein, wenn Spieler A und B in häuslicher Gemeinschaft leben, der Schaden im Ausland währens eines Urlaubs aufgetreten ist, und bei Verletzung der bereits erwähnten Anzeigeobliegenheiten in Bezug auf den Schadensfall an sich und spätere Aufforderungsschreiben oder staatsanwaltschaftliche bzw. polizeliche Ermittlungen. Aber auch dies wäre kein Regress, sondern würde direkt zur Verweigerung des Eintritts führen.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Scheibeler

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