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Haftpflicht Fussballspiel D-Jugend

| 19.11.2018 12:45 |
Preis: 65,00 € |

Schadensersatz


Beantwortet von

Rechtsanwalt Peter Eichhorn


Guten Tag

Mein Sohn, 11 Jahre, spielt Vereinsfussball. In einem Spiel der Kreisliga gegen eine andere Mannschaft wurde er von einem gegnerischen Spieler gefoult. Mein Sohn hatte dem Stürmer den Ball wegnehmen können, hat einen zweiten Spieler der Gegner umdribbelt und ist Richtung gegnerisches Tor gerannt. Er wurde dann von einem gegnerischen Spieler hart gefoult. Hart gefoult heisst: Der gegenerische Spiel hat ca. 8m Anlauf geholt und ist von der Seite voll auf meinen Sohn losgerannt. Ohne zu bremsen hat er ihn mit voller Wucht gefoult bzw. umgestossen. Durch die Wucht ist mein Sohn gestürzt und hat sich den Oberarm gebrochen, der inzwischen operiert wurde.

Fragen zu beantworten:
- Kann ich bei dieser Familie Schadenersatzanspruch geltend machen?
- Falls ja wie? (Brief oder muss es über einen Anwalt gehen?) Gibt es Fristen einzuhalten?
- Wenn ja: Für die Behandlungskosten? Schmerzensgeld? Lohnausfall meiner Frau wegen Betreuung? Stornokosten Ferien, welche im Selbstbehalt übrig blieben (Ferienantritt wegen OP nicht möglich)

Danke und Gruss

Sehr geehrter Ratsuchender,

lassen Sie mich Ihre Fragen wie folgt beantworten.

Ob Sie für Ihren Sohn letztlich erfolgreich Schadensersatz und Schmerzensgeld geltend machen können, hängt von mehreren Voraussetzungen ab.

1.
Zunächst kommen als Anspruchsgrundlage § 823 Abs. 1 BGB und § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 229 StGB in Betracht.

"Wer vorsätzlich oder fahrlässig [...] den Körper, die Gesundheit [...] eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet."
"Die gleiche Verpflichtung trifft denjenigen, welcher gegen ein den Schutz eines anderen bezweckendes Gesetz verstößt."

Fahrlässigkeit liegt bereits dann vor, wen die Schädigung vorhersehbar und vermeidbar war.

Die Voraussetzungen für den Ersatzanspruch scheinen zunächst vorzuliegen, wenn Sie das Verhalten des Gegenspielers (durch Zeugenaussagen, wie z.B. von Zuschauern und des Schiedsrichters) beweisen können.
Es liegt in der Natur der Sache, dass es hier - je nach Anhängerschaft - verschiedene Aussagen geben wird.

2.
Jedoch gibt es im Sport, vor allem bei "gefährlichen" Wettkampf-Sportarten wie Fußball eine ist, Einschränkungen der Haftung.

Nicht jeder Zusammenprall lässt auf ein Verschulden schließen.

Es ist gerade Sinn des Spiels eines Verteidigers, den Angreifer - regelgerecht - zu stoppen bzw. vom Ball zu trennen.

Bei einer leichten Regelübertretung entfällt - unabhängig von den Folgen - die Haftung.

BGH, Urteil vom 05. November 1974 – VI ZR 100/73 –, BGHZ 63, 140 -149, Leitsatz:
"Der Teilnehmer an einem Fußballspiel nimmt grundsätzlich Verletzungen, die auch bei regelgerechtem Spiel nicht zu vermeiden sind, in Kauf. Daher setzt ein [...] [A]nspruch gegen einen Mitspieler den Nachweis voraus, daß dieser sich nicht regelgerecht verhalten hat."

"Handelt es sich um ein regelwidriges Verhalten [...], das im Grenzbereich zwischen Härte, also einem regelgerechten Verhalten, und Unfairness [...] liegt, handelt es sich objektiv um einen geringfügigen Regelverstoß (vgl. BGH, Urteil vom 10.02.1976 - Az. VI ZR 32/74 ).
Dies ist bei der Frage des Verschuldens genauso zu berücksichtigen, wie der Grundsatz, dass eine Vermeidbarkeit bei Beachtung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt nur mit aller Zurückhaltung bejaht werden kann. Denn die Hektik und Eigenart eines Fußballspiels zwingt den Spieler oft im Bruchteil einer Sekunde Chancen abzuwägen und Risiken einzugehen. Es stellt hohe Anforderungen an die physische und psychische Kraft, an Schnelligkeit, Geschicklichkeit und körperlichen Einsatz." (OLG Hamm, Urt. v. 07.02.17 – I-9 U 197/15 – Rdnr. 18, juris)

"Auch reicht eine einfache Fahrlässigkeit des Verletzers grundsätzlich nicht aus, selbst wenn ein objektiver Regelverstoß und damit eine Rechtswidrigkeit gegeben ist. [...] [S]o dass es Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit bedarf, um eine Haftung herbeizuführen." (OLG Hamm, Urt. v. 07.02.17 – I-9 U 197/15 –, juris. Rdnr. 19)

Sie müssen einen groben Regelverstoß beweisen.

3.
Auch ist § 828 Abs. 3 BGB zu beachten:

"Wer das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, ist [...] für den Schaden, den er einem anderen zufügt, nicht verantwortlich,
wenn er bei der Begehung der schädigenden Handlung nicht die zur Erkenntnis der Verantwortlichkeit erforderliche Einsicht hat."

Wenn eine grobe Unsportlichkeit bewiesen werden kann, muss der Gegenspieler für die Tat einstehen, wenn er eine geistige Entwicklung erreicht hat, die ihn dazu befähigt, das Unrechte seines Tun zu erkennen und einzusehen, dass die Tat Folgen hat.

4.
Das Kind verteten durch die Eltern kann zunächst angeschrieben werden.
Ein Anwalt ist nicht erforderlich, aber ratsam.
Es gilt die dreijährige Regelverjährungsfrist.

5.
Wenn ein Schadensersatzanspruch besteht, muss das Kind gemäß § 249 Abs. 1 , § 253 BGB aufkommen für:

- Behandlungskosten, dazu gehören Fahrtkosten zum Arzt und zur Physiotherapie
- Schmerzensgeld für erlittene Schmerzen
- Stornokosten für abgesagten Urlaub
- vermehrte Aufwendungen für die Betreuung des Kindes
- Lohnausfall für die erforderliche Betreuung

Es ist die Situation herzustellen, die ohne das schädigende Ereignis bestehen würde.

> Sie können die Gegenseite zunächst selbst anschreiben und schauen, was passiert.
Wenn es eine Haftpflichtversicherung gibt, wird diese sich bei Ihnen sicher melden.

Jederzeit können Sie dann einen Rechtsanwalt/ eine Rechtsanwältin mit der weiteren Vertretung beauftragen.

Ob Sie Ansprüche geltend machen können, hängt von der Beweisbarkeit einer groben Regelverletzung ab.
Dass es zu einem Sturz und einem gebrochenen Arm kam, reicht allein nicht.

Bitte nutzen Sie bei Bedarf die kostenlose Nachfagefunktion.


Mit freundlichen Grüßen

Peter Eichhorn
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 21.11.2018 | 08:55

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Stellungnahme vom Anwalt:
Vielen Dank für die außerordentliche Bewertung.
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