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Grenzgänger mit internationalem Wochenaufenthalt Schweiz Corona Homeoffice

27.11.2020 10:22 |
Preis: 80,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Folgender Sachverhalt


1. Lebensmittelpunkt mit Hauptwohnsitz in Deutschland
2. Schweizer Arbeitgeber und Arbeitsort in Schweiz
3. In der Schweiz gemeldeter Wohnort in Schweiz mit eingetragenem internationalen Wochenaufenthalt
4. Aufenthaltsbewilligung G
5. Entfernung Wohnsitze Deutschland – Schweiz ca. 4h also nicht täglich erreichbar
6. Üblicherweise Anreise in die Schweiz Sonntagabend und Abreise Freitagnachmittag
7. Keine feste Homeoffice Vereinbarung mit Arbeitgeber
8. bisher teilweise flexible einzelne Arbeitstage im Homeoffice
9. teilweise Aufenthalt zu Erholungszwecken oder Wochenendbesuch der Familie in Schweiz
10. 183 Tage Regelung wurde angewendet, da über 200 Tage in Schweiz verbracht
11. voll quellenbesteuert in Schweiz
12. keine weiteren Einkünfte
13. Ehefrau arbeitet als Angestellte in Deutschland
14. Steuererklärung Deutschland getrennte Veranlagung

Situation 2020 durch Corona

1. Bis 11.März reguläre Arbeit wie oben beschrieben
2. In dieser Zeit einzelne Homeoffice Tage
3. Ab 11.März wurden seitens Arbeitgeber Corona bedingt Massahmen eingeführt, wozu die Arbeit aus dem Homeoffice gehörte
4. seit 11.März bis jetzt hauptsächlich Homeoffice in Deutschland
5. seit Januar 74 Tage in Schweiz vor Ort gearbeitet


Neben dem Doppelbesteuerungsabkommen folgende Infos bekannt

• Konsulationsvereinbarung zum Doppelbesteuerungsabkommen (https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Internationales_Steuerrecht/Staatenbezogene_Informationen/Laender_A_Z/Schweiz/2020-06-12-Konsultationsvereinbarung-steuerliche-behandlung-arbeitslohn-staatliche-unterstuetzungsleistungen-unselbststaendig-erwerbstaetige-massnahmen-zur-bekaempfung-der-COVID-19-pandemie.pdf?__blob=publicationFile&v=1)
• https://datenbank.nwb.de/Dokument/Anzeigen/827817/
• https://finanzamt-bw.fv-bwl.de/pb/site/pbs-bw-new/get/documents/finanzaemter/Formulare/Einkommensteuer/Grenzg%C3%A4nger/DBA-Schweiz/Anleitungen%20Infos/Verf%C3%BCgung%20Verst%C3%A4ndigungsvereinbarung%20COVID%2019%20Pandemie%20DBA_Schweiz.pdf?attachment=true

Zielsetzung

1. Keine Besteuerung des Schweizer Einkommens in Deutschland
2. Weiter Homeoffice in Deutschland bis Ende 2020

Spezifische Fragen

1. Ist es korrekt, dass die seit 11.März im (Corona) Homeoffice verbrachten Tage als Aufenthalts- und Arbeitstage in der Schweiz gezählt werden?
2. Werden diese Tage für die 60 Tage Regelung gezählt?
3. Werden diese Tage für die 183 Tage Reglung gezählt?
4. Ist es korrekt, dass die im (Corona) Homeoffice verbrachten Tage in der Schweiz voll Quellensteuerpflichtig sind und in Deutschland steuerfrei?
5. Ist es korrekt, dass die (74) Tage, welche in der Schweiz gearbeitet wurden in der Schweiz voll Quellensteuerpflichtig sind und in Deutschland steuerfrei?
6. Ist es korrekt, dass die einzelnen (regulären) Homeoffice Tage die bis 11.März in der Schweiz gearbeitet wurden in der Schweiz voll Quellensteuerpflichtig sind und in Deutschland steuerfrei da die 183 Tage Regelung greift?
7. Wenn 6. nein. Wie sind diese zu versteuern? Bitte Berechnungsbeispiel angeben.


Anforderungen an Antworten

• Belegung jeder Antwort mit validen Quellen und Verweis auf den entsprechenden Abschnitt / Formulierung

Danke.

Einsatz editiert am 30.11.2020 22:47:49

01.12.2020 | 11:00

Antwort

von


(514)
Charlottenstr. 14
52070 Aachen
Tel: 0241 - 53809948
Web: http://www.rechtsanwalt-andreaswehle.de
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Sehr geehrter Ratsuchender,

gern beantworte ich Ihre Frage aufgrund der von Ihnen getätigten Angaben wie folgt.

Es kommt sehr selten vor, dass der Ratsuchende die Grundlagen für die Antworten auf seine Fragen mitliefert.

Ein Doppelbesteuerungsabkommen regelt zwischen den beteiligten Vertragsstaaten, welchem das Besteuerungsrecht für eine bestimmte Einkunftsart aufgrund eines bestimmten Lebenssachverhaltes zukommt, da hier grundsätzlich beide Vertragsstaaten das jeweilige Einkommen ohne Anrechnung des Besteuerungsrechts des jeweils anderen besteuern könnten.

Sie geben an hier als Wochenaufhalter unter die Regelung des Art. 15a Abs. 2 DBA CH/D zu fallen. Das würde jedoch ein Besteuerungsrecht des Ansässigkeitsstaates mit sich bringen (vgl. Art. 15a Abs. 1 Satz 1 DBA CH/D). Insoweit sind Sie kein Wochenaufhalter im Sinne von § 15a Abs. 2 DBA CH/D.

Nach Ihrer weiteren Darstellung wird aber der Lohn für Ihre in der Schweiz ausgeübte Tätigkeit auch in der Schweiz besteuert. Ohne Kenntnis der näheren Umstände sehe ich hier die Bedingungen des Art. 15 Abs. 2 DBA CH/D als nicht erfüllt an.

Zum einen haben Sie einen Wohnsitz in der Schweiz und in Deutschland. Ggf. ist aufgrund des Wohnsitzes Ihrer Familie Ihr Lebensmittelpunkt nach Art. 4 DBA CH/D und damit Ihre steuerliche Ansässigkeit in Deutschland zu verorten.

Nach Art. 15 Abs. 1 DBA CH/D wären Einkünfte aus unselbständiger Tätigkeit in dem Staat zu besteuern, in dem Sie ansässig sind, außer Sie üben die Tätigkeit in der Schweiz aus, dann fällt das Besteuerungsrecht für die Einkünfte aus der dort ausgeübten Tätigkeit an die Schweiz.

Die in Art. 15 Abs. 2 DBA CH/D geregelte Ausnahme für eine Besteuerung im Ansässigkeitsstaat trifft nicht zu, da Sie länger als 183 Tage sich im Tätigkeitsstaat (=anderer Vertragsstaat) aufhalten, die Vergütungen von einem Arbeitgeber gezahlt werden, der im Tätigkeitsstaat seinen Sitz hat und die Vergütungen von einer Betriebsstätte getragen werden, die der Arbeitgeber im Tätigkeitsstaat hat.
Insoweit verbleibt es bei einem Besteuerungsrecht in der Schweiz als Tätigkeitsstaat.

Die Regelungen für einen Grenzgänger sind nicht einschlägig, da Sie nicht arbeitstäglich an Ihren Wohnort im Ansässigkeitsstaat zurückkehren und auch die Ausnahme im Sinne von Art. 15a Abs. 2 DBA CH/D nicht erfüllen.

Dies vorausgesetzt als Grundlage für die Beurteilung der besonderen Situation während der Corona-Pandemie.

Entsprechend der Ausführungen der Konsultationsvereinbarung vom 11.06.2020 (
https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Internationales_Steuerrecht/Staatenbezogene_Informationen/Laender_A_Z/Schweiz/2020-06-12-Konsultationsvereinbarung-steuerliche-behandlung-arbeitslohn-staatliche-unterstuetzungsleistungen-unselbststaendig-erwerbstaetige-massnahmen-zur-bekaempfung-der-COVID-19-pandemie.pdf?__blob=publicationFile&v=1)
unter Nr. 2 gelten die Tage der Erbringung der Arbeitsleistung im Homeoffice wegen der Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid 19 Pandemie als am Arbeitsort ausgeführt. Außer Sie hatten mit Ihrem Arbeitgeber bereits unabhängig von Coronamaßnahmen eine Homeofficevereinbarung getroffen. In diesem Fall müssen Sie nach Punkt 2 Abs. 2 die Besteuerung Ihres Arbeitslohnes innder Schweiz nachweisen.

Angesichts der derzeitigen Lage in Deutschland dürfte eine weitergehende Homeoffice-Regelung zur Bekämpfung der Covid 19 Pandemie leicht zu begründen sein.
Auswirkungen auf Ihre steuerliche Situation entstehen dadurch nicht.

Zu Ihren Fragen…
1) Ja das ist korrekt. (siehe o.g Konsultationsvereinbarung Punkt 2 Abs. 1)
2) Nein, da Sie bisher kein Grenzgänger sind werden Sie aufgrund der o.g. Regelung auch keiner. Die im Homeoffice geleistete Arbeit gilt als am regulären Arbeitsort erbracht, soweit diese Maßnahme zur Bekämpfung der COVID 19 Pandemie durchgeführt wird.
3) Nein, die 183 Tageregelung hat ja noch zwei andere Voraussetzungen, wie ich Ihnen oben dargestellt habe. Diese 3 Voraussetzungen müssen kumulativ vorliegen, um das Besteuerungsrecht dem Ansässigkeitsstaat zufallen zu lassen.
4) Ja und Jaein, Ihr Einkommen aus unselbständiger Tätigkeit bleibt nur in der Schweiz steuerbar, da dem Tätigkeitsstaat das Besteuerungsrecht zufällt Art. 15 Abs. 1 DBA CH/D. Dieses Einkommen bleibt in Deutschland steuerfrei, wird aber über § 32b EStG über den Progressionsvorbehalt für die Bemessung des Steuersatzes für Ihre übrigen Einkünfte (§ 2 EStG ) herangezogen. Soweit Sie keine weiteren Einkünfte haben, wird aus dem Jaein ein Ja.
5) Ja, wegen Art. 15 Abs. 1 DBA CH/D s.o.
6) Ja, siehe oben.
7) ---

Ich hoffe Ihre Fragen beantwortet zu haben und verbleibe
Mit freundlichen Grüßen

Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen


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